Auf dem Weg zum Anfang

Gottesdienst, , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Das ist ein Zitat von Hermann Hesse und vielleicht verzaubert Euch ja ein bisschen meine Predigt ;-) die jetzt anfängt.

Ansonsten bin ich von diesem Zitat nicht ganz so begeistert.

Mit dem Zauber bin ich einverstanden. Wenn man etwas neues beginnt, dann lässt man sich auf etwas neues ein, man weiß nicht genau, was einen erwartet. Das kann spannend sein.

Ich habe einmal eine Erklärung von einem Mitglied der inzwischen aufgelösten aCapella Gruppe „Wise Guys“ gelesen, wo er erklärt, warum er aufhören möchte. Er war damals Anfang 50 und hat seit seiner Schulzeit in dieser Gruppe mitgesungen, ziemlich schnell auch hauptberuflich. Alle anderen beruflichen Pläne sind dabei liegen geblieben. Er hatte z.B. parallel zur Musikerkarriere evangelische Theologie studiert und wollte als zweites Standbein Pastor werden. Das ließ sich mit den Tourneen nicht vereinbaren und er hat es abgebrochen.

Nun stand er vor der Frage, bis zur Rente weiter mit den Wise Guys aufzutreten, oder etwas neues zu beginnen. Und Anfang 50 ist das so ein Alter: Entweder jetzt oder gar nicht mehr. Und er hat es gewagt und macht jetzt eine Solo-Karierre. Für ein Studium war die Zeit vorbei, die Gelegenheit war verpasst.

So mit 40, 50 stellt man sich ja schon die Frage nach der Bilanz seines Lebens, und manch einer will es dann noch einmal wissen: Ein neuer Job, ein Umzug und manchmal schlägt sich dieses Es-noch-einmal-wissen-wollen bis auf die Beziehung durch und man trennt sich, wobei natürlich nicht jede Trennung diese Ursache hat.

Wenn wir so diese Fälle betrachten, merken wir auch, dass der Zauber des Anfangs schon irgendwie da sein kann, aber dass er uns beschützt und uns hilft zu leben, scheint mir eher in Richtung Wunschdenken zu gehen. Nur weil wir etwas neues beginnen, muss es nicht unbedingt besser werden.

Ein ganz besonderer Anfang ist, wenn man neu mit Gott beginnt. Das kann ein erstmaliger Anfang sein, oder ein Neuanfang.

So einem Anfang wohnt bestimmt ein Zauber inne, aber nicht der Zauber beschützt uns und hilft uns zu leben, sondern in Gott erfahren wir Schutz und Hilfe zum Leben.

Auf dem Weg zum Anfang

Ich möchte zu diesem Thema einen Text aus 2. Könige 5 betrachten (V.1-3; NL):

1 Der Heerführer Naaman war hoch angesehen bei seinem Herrn, dem König von Aram, denn durch ihn hatte der Herr Aram Erfolg geschenkt. Doch Naaman war zwar ein großer Krieger, aber er litt an Aussatz. 2 Nun war eine Schar Aramäer in Israel eingefallen. Sie hatten ein junges Mädchen gefangen genommen, das dann als Dienerin zu Naamans Frau kam. 3 Eines Tages äußerte das Mädchen seiner Herrin gegenüber: »Ich wünschte, mein Herr würde zu dem Propheten in Samaria gehen. Er könnte ihn von seinem Aussatz heilen.«

Naamann war ein hochdekorierter und erfolgreicher Kriegsherr. Aber er hatte Aussatz. Aussatz muss nicht unbedingt Lepra gewesen sein, da auch manch andere Hautkrankheiten damals als Aussatz bezeichnet wurden. Das konnte man damals noch nicht so genau klassifizieren, aber sicherlich hat er darunter gelitten.

Diese Krankheit loszuwerden hätte er wohl wie ein neues Leben empfunden, wie einen zauberhaften Neuanfang. Aber es sah nicht so aus, dass das möglich wäre, bis dann diese Dienerin etwas von einem Propheten in ihrer alten Heimat erzählt.

Dieses israelitische Mädchen verhält sich hier bewundernswert. Sie wurde von zu Hause in die Sklaverei geraubt und trotzdem hat sie eines Tages Mitleid mit ihrem kranken Herrn. Wir wissen natürlich nicht wie lange, dass Mädchen hier schon in der Sklaverei lebt, aber man könnte sich vielleicht eher mit Gedanken wie „Verfaul doch!“ identifizieren, als mit dem Wunsch nach Heiligung für Ihren Herrn.

Sie hat gelernt zu vergeben und das unter solchen Umständen. Das finde ich vorbildlich.

Und nur durch ihr Vergeben weist sie Naamann auf den Propheten hin und zeigt ihm so den Weg zur Heilung.

Vielleicht ist das ein Bild dafür, dass Vergebung Christen dazu frei macht, andere Menschen auf Jesus hinzuweisen. Unversöhnliche Christen sind sicherlich kein gutes Zeugnis.

(V.4-6)

4 Naaman ging und erzählte seinem Herrn: »Das und das hat das Mädchen aus Israel gesagt.« 5 Da befahl ihm der König von Aram: »Reise zu dem Propheten. Ich werde einen Brief an den König von Israel schreiben.« Naaman brach auf. Er nahm zehn Talente Silber, 6.000 Schekel Gold und zehn Prachtgewänder mit. 6 In dem Brief, den er dem König von Israel gab, stand: »Mit diesem Brief schicke ich dir meinen Diener Naaman. Ich möchte, dass du ihn von seinem Aussatz heilst.«

So richtig zugehört hat der aramäische König nicht. Für ihn war es wohl undenkbar, dass ein Prophet mehr Macht als ein König hat. Also sieht er natürlich den König von Israel als seinen Ansprechpartner. Und mit genügend Gold und Silber kann man doch alles kaufen, oder? Sogar die Heilung vom Aussatz!

Der israelitische König sieht das etwas anders (V.7):

7 Als der König von Israel das las, zerriss er seine Kleider und sagte: »Dieser Mann schickt mir einen Aussätzigen, damit ich ihn heile! Bin ich Gott, dass ich töten und Leben geben kann? Seht und begreift doch, dass er nur nach einem Vorwand sucht, um Streit mit mir anzufangen.«

Eine gewisse Panik ist hier vielleicht verständlich. Das hätte ja fast einen Krieg geben können. Aber es blieb friedlich.

8 Als jedoch Elisa, der Mann Gottes, hörte, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen hatte, sandte er ihm eine Nachricht: »Warum hast du deine Kleider zerrissen? Schick Naaman zu mir. Er soll sehen, dass es einen Propheten in Israel gibt.« 9 Also zog Naaman mit seinen Pferden und Streitwagen zu Elisas Haus und wartete vor der Tür. 10 Elisa ließ ihm durch einen Diener ausrichten: »Geh und wasche dich sieben Mal im Jordan. Dann wird deine Haut wieder gesund und du wirst geheilt sein.«

Er lässt ihn vor der Tür stehen, mit seinen Pferden, Streitwagen und dem Gold und Silber. Elisa kommt gar nicht selber raus. Es ist so, als würde er durch die Sprechanlage seines Hauses quäken: „Wasch dich siebenmal im Jordan, dann ist alles wieder gut. Und Tschüss!“

Das ist jetzt nicht ganz so höflich, aber Elisa war sowieso etwas eigen und insgesamt war das auch eine wichtige Lektion für Naamann, wie man später sieht (V.11-14):

11 Da ging Naaman ärgerlich fort. »Ich hatte angenommen, dass er persönlich zu mir kommt!«, sagte er. »Ich hatte erwartet, dass er die Hand über die aussätzige Haut ausstrecken, den Namen des Herrn, seines Gottes, anrufen und mich heilen würde! 12 Sind der Abana und der Parpar in Damaskus denn nicht besser als alle Flüsse Israels? Warum kann ich mich nicht in ihnen waschen und geheilt werden?« Und er drehte sich um und ging zornig fort.

Jetzt hat er soviel Gold mitgebracht und jetzt erwartet er auch etwas. Ich bin doch wichtig, ein großer Heerführer. Da kann ich doch eine VIP-Behandlung erwarten.

Er war doch Privatpatient hoch drei und er wird nur behandelt wie ein Kassenpatient. Wobei, er musste jetzt nicht einen Monat auf einen Termin warten. Für einen Facharzttermin beim Hautarzt kann das schon etwas länger dauern.

Und dann ist die Behandlung auch noch unlogisch. In Damaskus gibt doch es viel bessere Flüsse als in Israel, sagt er.

Allerdings ist der Jordan länger und größer als der Abana und der Parpar, wenn die heutigen Entfernungen der Flüsse den damaligen entsprechen. Aber wenn es um Befindlichkeiten und Stolz geht, bleiben die Fakten oft auf der Strecke. Und „besser“ ist ja auch nicht greifbar. Flüsse in Damaskus müssen einfach besser als die in Israel sein.

Ich glaube, manch einem geht es auch so, wenn er zum ersten Mal Kontakt zu Christen und zu Jesus bekommt. Man hält sich für wer-weiß-wie wichtig. „Ich erkläre den weltfremden Christen jetzt einmal die Welt“, denkt er vielleicht. Und die sollten doch froh sein, dass überhaupt ein Fremder kommt, usw.

Gott wartet schon auf jeden Menschen, genauso wie Elisa auch auf Naamann gewartet hat. Er hat ihn ja selber zu sich bestellt, Elisa wollte ja, dass Naamann zu ihm kommt. Genauso wartet Gott auf jeden Menschen, er will, dass jeder kommt.

Aber die Party beginnt nicht, wenn ein Mensch zum ersten Mal das Gemeindehaus betritt. Wenn jemand mit der Einstellung „Hier bin ich, beachtet mich, ich bin wichtig“ kommt, dann wird Gott nicht da sein. Er kann Gottes Reden vielleicht durch sein Bodenpersonal hören, was leider manchmal nur wie eine quäkende Sprechanlage klingt. Gottes Leute hier auf Erden sind leider nur fehlerhafte Menschen, die hier und da vieles nicht richtig machen. Und wenn man will, findet man immer einen Christen, der sich in irgendeiner Situation doof verhalten hat. Auf mich persönlich trifft das sicherlich hin und wieder auch zu (hoffentlich nur selten).

Und da kommen manche nicht mit klar und gehen. Und genauso ging es Naamann. Er drehte sich um und ging zornig fort.

Tja, was macht man da als Gemeinde? Elisa macht hier gar nichts. Er kommt weder heraus noch schickt er seinen Diener hinterher.

Die Gemeinde sollte auch nicht jedem dieser Fälle den Pastor hinterher schicken. Hier kommen andere Leute mit ins Spiel (V.13.14; NL):

13 Seine Begleiter aber redeten ihm gut zu. »Herr«, sprachen sie zu ihm, »wenn der Prophet etwas Großes von dir verlangt hätte, hättest du es dann nicht getan? Wie viel eher solltest du ihm gehorchen, wenn er dich nur auffordert: `Bade dich, damit du wieder gesund wirst!´« 14 Also ging Naaman hinab an den Jordan und tauchte sich sieben Mal unter, wie der Mann Gottes es ihm befohlen hatte. Da wurde seine Haut so gesund wie die eines kleinen Kindes und er war geheilt.

Es sind seine Begleiter, die Leute, die ihn kennen, die wissen, wie er denkt. Und Naamann scheint ein rationaler Mensch zu sein, denn die Begleiter packen ihn mit Logik. Was Großes hätte er getan, warum nicht auch etwas kleines.

Und sie überwinden so einen Stolz. Man will ja eigentlich gar nicht etwas kleines tun, sondern man will wichtig sein, etwas Großes soll passieren. Alle sollen es sehen. Aber diese Eitelkeit blockiert seine Heilung, und oft genug ist ja Stolz und Eitelkeit ein Hindernis auf dem Weg, Gott kennen zu lernen.

Man ist zu stolz dafür, anzuerkennen, dass ein anderer einem helfen muss. Jesus Christus hat alles für einen getan, seine Tat hat alle unsere Sünden getilgt, und wenn man doch noch sein eigenes Heldentum in die Waagschale werfen will, dann geht das nicht.

Seine Begleiter helfen ihm, seinen Stolz zu überwinden. Und Naamann ist seinen Begleitern offensichtlich wichtig.

Die hätten ja auch sagen können: „Der eitle Blödmann, der ist ja selbst schuld.“

Wir wissen nicht, wie Naamann als Mensch war, ob er liebenswert war oder ob er auch im Alltag stolz und selbstbezogen war.

Aber Gott hat ihm Menschen an die Seite gestellt, denen etwas an Naamann lag. Und ich glaube, es ist wichtig, dass auch wir als Christen bereit sind, solche Menschen zu sein, nicht jeder für alle, aber individuell für diejenigen, die Gott uns in den Weg stellt. Es geht darum, dass wir mit unserem Naamann oder mit unseren Naamännern ringen, für sie beten, sie überzeugen, so dass sie Jesus finden.

Und hier klappt es. Er lässt sich darauf ein, taucht siebenmal unter und wird geheilt.

Man kann sich vorstellen, dass er sich bei den einzelnen Tauchaktionen vielleicht auch einmal ziemlich doof vorkam. Er verzieht dabei das Gesicht, will vielleicht aufhören, blickt dann aber zufällig einen seiner Begleiter an, der ihm aufmunternd zunickt. Und dann zieht er es durch.

Wenn man diese Tauchvorgänge mit dem Weg zu Jesus vergleicht, dann kann man sich vorstellen, dass manche Dinge dem Neuling auch seltsam vorkommen, vielleicht sogar abschreckend. Manches sieht er vielleicht zu recht seltsam, anderes wirkt nur so, und wenn er es versteht, findet er es gut.

Und wenn er dann sich für Jesus Christus entschieden hat, dann spielt die Vorgeschichte nicht mehr so eine große Rolle. Aber wie es weitergeht, ist wichtig (V.15-16; NL):

15 Daraufhin kehrten Naaman und sein ganzes Gefolge zu dem Mann Gottes zurück. Als er vor ihm stand, sagte Naaman: »Ich weiß jetzt, dass es keinen Gott auf der Welt gibt außer in Israel. Bitte, nimm ein Geschenk von deinem Diener an.« 16 Doch Elisa antwortete: »So wahr der Herr lebt, dem ich diene: Ich werde nichts annehmen.« Und obwohl Naaman ihn sehr drängte, nahm er kein einziges Geschenk an.

Interessanterweise kommt jetzt Elisa aus dem Haus, denn sonst könnte er nicht vor ihm stehen.

Das ist ein Sinnbild für die Gottesbegegnung. Man kann Gott erst wirklich begegnen, wenn man zu Jesus Christus gehört, wenn man von der Sünde quasi geheilt ist.

Und Naamann hat es wirklich verstanden. Er sagt nicht, dass Elisa ein toller Zauberer oder Heiler ist, er lobt nicht das heilende Wasser des Jordans, sondern er hat verstanden, dass Gott ihn geheilt hat.

Und das ist natürlich das eigentliche Ziel, was wir auch nicht selbst machen können.

Natürlich sollen wir uns Mühe geben, gute, attraktive Gottesdienste zu gestalten, eine klare aber verständliche Botschaft zu vermitteln, Musik, die mitreißt und bewegt und auch die anderen Veranstaltungen in unsere Gemeinde sollen gut in dem Sinne sein, dass interessierte Menschen sich vorstellen können, zu kommen.

Ich fand auch z.B. die Churchnews aus dem letzten halbELF-Gottesdienst total Klasse. Probieren wir doch neues aus, lassen wir Älteren uns von den Jüngeren inspirieren, neue Dinge auszuprobieren. Gott ist auch kreativ und schafft immer wieder Neues.

Und alles soll dazu dienen, dass Menschen bewusst wird, dass es keinen anderen Gott auf der Welt gibt, dass das Heil in Jesus Christus liegt. Das ist das Ziel.

Dann kommt diese Diskussion auf „Ich möchte mich revanchieren“. Und da ist Elisa eisern. Es darf nie der Eindruck erscheinen, dass man etwas zu seinem Heil beitragen muss oder beigetragen hat oder es gar gekauft hat.

„Ich habe mich so angestrengt, so eingesetzt und daher habe ich die Heilung verdient.“ Werkegerechtigkeit ist etwas, was in vielen Menschen tief drinnen ist. Leider zieht sich das auch in manche christliche Denominationen mit hinein, z.B. in die katholischen Lehre. Dazu ein Zitat aus katholisch-leben.org (http://www.katholisch-leben.org/rechtfertigung.htm) :

Allerdings kann niemand (ohne einen ganz besonderen Gnadenvorzug Gottes) mit einer Gewissheit, wie sie dem Glauben eignet, sicher sein, dass er vor Gott gerechtfertigt ist. Wenn jedoch der Mensch alles getan hat, um sich auf die Rechtfertigung vorzubereiten, so darf er hoffen, dass Gott sich seiner erbarmt.

Man kann das menschlich verstehen. Es erscheint ja auch logischer, dass man etwas dazu beitragen muss. Diesen Punkt halten auch viele Religionsgemeinschaften für richtig, die jetzt üblicherweise nicht zu christlichen Kirchen gezählt werden, wie z.B. Jehovas Zeugen oder die Neuapostolen.

Aber als hätte Elisa das damals schon geahnt, er bleibt hier eisern: Keine revanchierenden Geschenke im Zusammenhang mit Gottes Heilung.

Wir können das Opfer Jesu am Kreuz nur von ihm als vollkommenes Gabe ohne Gegenleistung bekommen.

Aber die Geschichte geht noch weiter (V.17.18; NL):

17 Da meinte Naaman: »Gut, doch dann erlaube deinem Diener, zwei meiner Maultiere mit Erde zu beladen. Dein Diener wird keinem anderen Gott als dem Herrn jemals wieder Brandopfer oder andere Opfer bringen. 18 Nur eines möge der Herr deinem Diener nachsehen: Wenn mein Herr in den Tempel Rimmons geht, um dort anzubeten, und sich dabei auf meinen Arm stützt, sodass ich mich auch im Tempel Rimmons befinde, möge der Herr deinem Diener verzeihen, wenn ich mich mit ihm verneige.« 19 »Geh in Frieden«, sagte Elisa. Naaman war schon auf dem Heimweg,

Ich glaube, dass Naamann in der kurzen Zeit viel gelernt hat. Also, keine Geschenke, aber er möchte etwas mitnehmen, was ihn an die Situation erinnert, was sie ihm immer wieder vor Augen führt. Er lädt Erde auf, damit er, wenn er den Erdhaufen oder die Fläche mit der Erde zu Hause betrachtet, sich erinnert, dass er in Israel war, geheilt wurde und Gott kennen gelernt hat.

Er will nun nicht mehr ein Stück des Ruhms für seine Rettung für sich selbst, sondern er möchte es nicht vergessen. Er plant für die Zukunft, um sich immer daran zu erinnern.

Und dann kommt ein Satz, den wir vielleicht schon einmal gehört haben oder den wir selber schon einmal gesagt haben: „Also, ich will jetzt wirklich mit Jesus unterwegs sein und mich an die Bibel halten, aber in diesem einen Punkt geht das nicht. Das kann ich wirklich nicht.“

Und wir erfahrenen Christen lassen dann vielleicht so Sprüche los, wie: „Also ganz oder gar nicht!“ oder „Gott wird Dir die Kraft geben!“ oder „Sei stark und mutig!“, usw.

Das ist schon ein hartes Anliegen. Schließlich sagt er, dass er in Zukunft weiterhin den Götzendiener für den falschen Götzen seiner Heimat spielen will und muss, und das vor der Öffentlichkeit.

Das geht doch nicht!

Aber Elisa, der vorher knallhart war, sagt nur: „Geh in Frieden!“

Also mir wäre doch mehr eingefallen: Am Götzendienst teilnehmen geht natürlich nicht und das israelitische Mädchen schickst Du bitte auch wieder nach Hause. Und diese Angriffe auf mein Volk, die hören jetzt auch auf!

Doch Elisa sagt nur: „Geh in Frieden!“

Warum sagt Elisa nur das und nicht mehr?

Mich hat dieser Vers oft an unsere frühere Gemeindepraxis erinnert, dass wir Menschen nicht getauft haben, die unehelich zusammen leben bzw vor einigen Jahrzehnten haben wir auch Gemeindemitglieder ausgeschlossen, die unehelich zusammenlebten.

Dazu muss ich einführend sagen, dass ich es von der Bibel her richtig finde, dass Sex in die Ehe gehört. Ich kann das aus Zeitgründen hier nicht im Detail ausführen, aber es steht ja schon am Anfang der Bibel, in 1. Mose 2, 24; ELB:

Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden.

Ich habe einmal bewusst eine nicht moderne Übersetzung genommen. In anderen Übersetzungen steht statt „anhängen“ „verbinden“ und statt ein Fleisch „ein Leib und eine Seele“ oder „eine Einheit“. Und Sex drückt diese Lebensverbindung, diese Lebenseinheit, aus, das ist sie in höchster Vollendung. Und daher ist meiner Ansicht nach Sex außerhalb der Ehe nicht schöpfungsgemäß und auf Dauer nicht gut.

Trotzdem finde ich heute die frühere Gemeindepraxis falsch. Wenn sich Menschen mit Jesus auf den Weg machen, dann kann man nicht erwarten, dass sie direkt alles richtig machen oder dass sie direkt alles richtig erkennen.

Elisa gibt dem Naamann Zeit. Er weiß, dass Naamann nun mit Gott den richtigen Begleiter hat. „Geh in Frieden“ ist genau der richtige Satz. Darin steckt auch das Vertrauen, dass Gott ihm helfen wird, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Vielleicht findet Naamann mit Gottes Hilfe einen Weg, nicht mehr in den Götzentempel zu müssen, vielleicht kommt er mit dem König ins Gespräch, wenn der ihn geheilt zurückkehren sieht. Vielleicht dauert es aber noch einige Jahre, bis er einen Weg findet, nicht mehr so tun zu müssen, als wäre er Götzendiener.

Ich will jetzt nicht die damaligen Entscheidungen unserer Gemeinde kritisieren, wir, auch ich, haben nach unserer damaligen Erkenntnis entschieden.

Aber heute würde ich jemanden, der mit Jesus begonnen und das bezeugt hat, in die Gemeinde aufnehmen, auch wenn er unehelich mit jemandem zusammen wohnt.

Keiner will hier die Sittenpolizei spielen, keiner will die Betten kontrollieren.

Ich möchte jemandem, der mit Jesus beginnt, zusprechen: „Geh in Frieden“ und möchte für ihn beten und auf Gott vertrauen, dass er Erkenntnis gewinnt und mit Gott die richtigen Entscheidungen trifft.

Ich sehe natürlich das Problem, gerade ich als jemand, der manchmal auf der Kanzel steht, dass wir einerseits sehr wohl den Auftrag haben, auch ethische Fragen in Predigten zu thematisieren. Was ist richtig und was ist falsch, und, ganz wichtig, gut anhand der Bibel begründet. Wenn dann Leute mit unterschiedlichem Erkenntnisstand im Gottesdienst sitzen und so eine Frage angesprochen wird, dann könnte passieren, dass einer seinen Nebenmann antippt und sagt: „Jetzt hör aber gut zu, das betrifft genau Dich!“ So ein Verhalten wäre aber nicht so gut.

Wir als Prediger müssen da ganz besonders sensibel sein.

„Geh in Frieden.“

Ich möchte, dass Menschen alle persönlichen und sonstigen Hindernisse überwinden und in unsere Gemeinde kommen und Jesus kennenlernen und dadurch heil werden und sich Schritt für Schritt auf den Weg machen.

Mir ist bewusst, dass in diesem Zusammenhang sich viele neue Fragen ergeben; Wie ist das mit langjährigen Christen, von denen man den Eindruck hat, dass sie wieder sich wie Anfängerchristen verhalten? Wie ordnet man die Bibelstellen zum Thema Gemeindeausschluss hier ein? usw.

Vieles ist mir in diesem Zusammenhang selber noch nicht klar und das würde auch heute den Rahmen sprengen, deswegen möchte ich zum Schluss kommen und noch einmal zusammenfassen.

Zusammenfassung