Einleitung
(noch einmal ganz kurze Vorstellung von mir; dann kurzes Gebet am Anfang)
Ich möchte heute mit einem Begriff beginnen, den Ihr wahrscheinlich kennt und der einen schlechten Ruf hat: „Wutbürger“
Tatsächlich ist mir dieses Wort zum ersten Mal im Zusammenhang mit den Demos gegen Stuttgart 21 begegnet und ich habe ihn damals eher positiv verstanden.
Ohne jetzt richtig Ahnung davon zu haben, war mir als üblicher Nachrichtenkonsument dieser Bahnhof immer sehr suspekt (11,6 Mrd Kosten statt der ursprünglichen 4,1 Mrd €, dann so komische Verflechtungen wie z.B. die Freundin des damaligen Ministerpräsidenten, die im Vorstand der Firma war, die die freiwerdenden Flächen entwickeln sollte, usw)
Seit Beginn des Projekt 1996 gab es immer wieder Proteste, auch heute noch, die dann 2010 den Höhepunkt hatten und was mich erstaunte, war, dass viele Demonstranten nicht so die damals üblichen waren, Studenten, usw. sondern es nahmen sehr viele Menschen aus dem Bürgertum teil, mit unterschiedlichem Alter, Bildungsniveau und Berufen.
Die Leute waren wütend und hier hörte ich den Begriff Wutbürger zum ersten Mal und ich fand ihn damals positiv. Endlich setzen sich auch einmal andere für ihre Umgebung ein.
Heute driften wir ganz allgemein immer mehr in eine Empörungsgesellschaft und heute mag ich das Wort nicht mehr.
Gefühlt ärgern sich alle, es gibt Shitstorms, man ist heute überhaupt nicht mehr entspannt.
Aber so richtig neu ist das nicht. Ich möchte mit Euch dazu in die Bibel schauen, denn Ihr seid ja nicht hier, um etwas über Stuttgart 21 zu hören.
Das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten
Wir betrachten nun das Volk Israel in der Zeit direkt nach dem Auszug aus Ägypten. Gott hat Israel vor den Ägyptern gerettet und das Volk hat danach gesungen und gefeiert und diese Feier endete mit dem Loblieb der Miriam, der Schwester Aarons (2. Mose 15, 20.21: NEÜ):
Wow! Was ein Erlebnis! Gott war in ihrer gefährlichen und angstvollen Situation bei ihnen und hat den Feind vernichtet, der sie ja alle umbringen wollte. Der allmächtige Gott hat für sie gekämpft. Wenn das kein Grund für Lobpreis ist!
Kurz zur Erklärung: „Jahwe“ ist der hebräische Eigenname von Gott.
Das bittere Wasser
Doch was kam dann? (2. Mose 15, 22-25; NEÜ)
Von außen betrachtet ist diese Situation schon ein bisschen befremdlich. Die Ägypter hätten sie fast umgebracht und Gott hat sie gerettet und jetzt murren sie, weil nach drei Tagen das Wasser knapp wird.
Durst ist schlimmer Heimweh, ok, aber trotzdem: Warum ist hier das Vertrauen so schnell weg? Oder haben sie geglaubt, dass Gott nur Ägypter besiegen und nicht für Wasser sorgen kann?
Wir kommen noch zu weiteren Situationen dieser Art, aber ich möchte noch kurz bei diesem Abschnitt verweilen. Es folgt noch (2. Mose 15, 26.27; NEÜ):
„Jahwe, dein Arzt“! Was heilt denn das Wasser? Ein Stück Holz, dass Gott ihnen gezeigt hat.
Das ist sicherlich einer der zahllosen Hinweise auf Jesus Christus, die es im alten Testament in der Bibel gibt. Das Kreuz heilt. Wenn man seine Sünden, seine Probleme, seine Sorgen zu Jesus bringt, dann wird man heil.
Wenn man versucht, sich penibel an die Gebote zu halten, an die Vorschriften aus dem alten Testament, dann wird man scheitern. Dafür ist Jesus Christus ja gekommen, um unser Scheitern und Versagen am Kreuz wegzuschaffen. So wird man heil.
Zurück zum Text: Und am Ende, wo landen sie? Bei ganz viel Wasser. Gott lässt sie natürlich nicht im Stich.
Wachteln und Manna
Die Reise geht weiter (2. Mose 16, 1-3; NEÜ):
Ich habe versucht auszurechnen, wie viel Tage nach dem wasserreichen Elim das passiert ist. Das ist aber gar nicht so leicht. Der Auszug aus Ägypten begann vor einem Monat, am 15. Tag des ersten Monats (4. Mose 33, 3).
Vielleicht war es eine Woche.
Hier haben wir den Wutbürger live. Sie ärgerten sich. „Ihr wollt uns ja nur verhungern lassen!“
So eine Reaktion kann man nicht mit Unterzuckerung rechtfertigen. Wenn man von außen darauf sieht und die Vorgeschichte kennt, versteht man es nicht.
Oder trauen sie es Gott nicht zu? Die Ägypter besiegen kann er, für Wasser sorgen auch. Aber Essen? Das haben wir noch nicht gesehen. Das können wir uns nicht vorstellen.
Gott lässt dann Manna, eine Art Brot, am Morgen regnen und Wachteln als Fleisch am Abend. Er versorgt sie. Jeder bekommt, was er braucht.
Ich möchte hier beim Manna und den Wachteln nicht weiter in die Tiefe gehen, aber eine Aussage im Text von Mose und Aaron passt gut zum heutigen Thema (V.7):
„Wer sind wir schon“? Sie waren sich bewusst, dass nicht sie die Verantwortlichen waren, sondern es war Gottes Sache.
Wenn wir, du und ich, irgendwas im Reich Gottes tun, irgendwas in der Gemeinde, und wir werden mit Gemurre, vielleicht sogar mit einen Shitstorm konfrontiert, ja, wer sind wir denn schon? Das ist doch Gottes Gemeinde, der Shitstorm richtet sich gegen ihn, soll er doch richten.
Ich will natürlich hier nicht der Leichtfertigkeit das Wort reden, wir wollen schon verantwortungsvoll handeln, aber ich denke, ihr versteht, was ich meine.
Kein Wasser
Kommen wir zur nächsten Situation (2. Mose 17, 1-4; NEÜ):
Die Wutbürger drehen wieder auf. Schwere Vorwürfe, Murren, „Wozu das Ganze!“, „Wollt ihr uns verdursten lassen?!!!“ und es fehlt nicht viel, sie steinigen ihn. Das hört sich an wie ein Gemeinde-Shitstorm, aber ich hoffe, so etwas gibt es nicht, zumindest habe ich das noch nie erlebt und werde es hoffentlich auch nie erleben.
Lesen wir noch etwas weiter (2. Mose 17, 5.6; NEÜ):
Der Ort wurde danach Massa und Meriba genannt, Versuchung und Vorwurf.
Lasst uns die beiden Worte etwas betrachten. Sie haben Gott auf die Probe gestellt. So ein bisschen zucke ich bei dieser Stelle immer, weil wir als Christen manchmal ja auch zu Leuten sagen, die Gott nicht kennen: „Probiere es mit Gott aus. Bete zu ihm, er wird irgendwie reagieren.“ So etwas habe ich auch schon weitergegeben und ich glaube auch, dass das stimmt.
Das hört sich so ähnlich an, aber ich denke, da ist ein Unterschied. Hier im Text geht es um Menschen, die schon mit Gott unterwegs sind, Zusagen gehört und auch viel erlebt haben und dann immer noch ganz grundsätzlich fragen, ob Gott überhaupt da ist und ob er sich kümmert.
Das ist sowieso eine grundsätzliche Menschheitsfrage: Kümmert sich Gott um mich? Es geht nicht um den alltäglichen Wahnsinn wie Sorgen, Überforderungen, Lasten usw, wo wir alle durch müssen, aber ich weiß, dass Gott da ist. Er wird mir irgendwie helfen. Dieses Grundvertrauen dürfen wir nicht verlieren.
Wenn man das auf eine menschliche Beziehung überträgt, eine Freundschaft, eine Ehe, eine Familie, wo man über längere Zeit füreinander da und gemeinsam unterwegs war, und dann stellt einer die Motive des anderen in Zweifel: „Ich bin Dir doch egal, du willst mir gar nicht helfen!“
Wir merken, dass so etwas irgendwie nicht geht und dieses Mindset steckt hinter diesem Auf-die-Probe-stellen bei Massa und Meriba. Und das ist nicht richtig.
Wenn Du mit Jesus Christus angefangen hast, dann ist Gott bei dir, er kümmert sich, auch tiefen Tal, wenn Du durstig bist.
Das zweite Wort „Meriba“ wurde hier als „Vorwurf“ übersetzt, was etwas interpretierend ist, aber in diesem Zusammenhang passt. Wörtlich heißt es „Streit“, „Zank“, „Angriff“, „Rechtsstreit“ und da passt Vorwurf schon ziemlich gut.
Die Vorwürfe gingen gegen Gott, weil Gott ja angeordnet hat, dass sie in die Wüste ziehen sollten, aber Mose und Aaron haben sie natürlich abbekommen.
Ich glaube, Vorwürfe sollten überhaupt keinen Platz in einem Christenleben haben, wobei sich davon wohl keiner frei machen kann.
Mit einem Vorwurf hat man die konstruktive Ebene verlassen, man hat damit auch die Gemeinsamkeit verlassen.
In einem Bibelkommentar zu dieser Stelle habe ich gelesen, dass die Israeliten sich ja auch mit Verständnis an Mose hätten wenden können:
„Wir haben kein Wasser und du, Mose, hast sicherlich auch Durst. Lass uns gemeinsam Gott um Wasser bitten. Er hat sich ja auch bisher immer um uns gekümmert.“
Das kommt einem so bisschen sonntagsschulmäßig vor, aber letztendlich ist das so richtig. Man versucht, auch den anderen zu verstehen, sucht gemeinsam eine Lösung und wendet sich gemeinsam an Gott.
Warum haben Menschen oft so eine kurze Lunte, sind immer so schnell empört und angepisst? Fehlt der Menschheit ein Resilienztraining?
In Sprüche 14, 30; NEÜ steht:
Vielleicht nehmen wir nur das heute mit: Keine Vorwürfe mehr.
Die Lösung ist wieder ein Stück Holz. Mose haut mit dem Stab, mit dem er während der 10 Plagen auf den Nil geschlagen hatte, auf einen Fels und es kommt Wasser.
Laut 1. Korinther 10, 4 ist der Fels ein Symbol für Jesus Christus, das Wasser des Lebens. Und das Stück Holz, eigentlich ein Zeichen des Gerichts wie ein Kreuz, hat wie das Kreuz, an dem Jesus hing, den Weg zu diesem Wasser des Lebens geöffnet.
Also haben wir hier wieder einen Hinweis auf Jesus Christus.
Und wir heute?
Tja, wir haben jetzt drei Episoden betrachtet, wo sich die Israeliten so aufgeregt und Gott angeklagt haben.
Ich habe vielleicht ein bisschen zu sehr von außen darauf geguckt. Vielleicht ist man gar nicht so rational, wenn man mittendrin ist, wenn man Durst hat und es sieht nicht aus, dass man Wasser findet, dann kann einem schon die Sicherung durchbrennen.
Worüber regen wir uns heute auf?
Vielleicht fühlen wir uns ungerecht behandelt. Oder wir regen uns über Politiker auf, vielleicht regt uns auf, was wir in der Zeitung lesen.
Es wäre sicherlich einmal interessant, wer von uns schon einmal einen empörten Post in irgendeinem Forum oder einem sozialen Netzwerk gepostet hat oder wer sich schon einmal an einem Shitstorm beteiligt hat.
Ich habe auch meine Triggerpunkte, wo ich mich aufrege und es gab in meinem Leben auch schon Posts, auf die ich heute nicht stolz bin. Wenn man Leuten nicht gegenüber sitzt, dann ist halt schnell etwas heraus gehauen.
Und weil es ja eigentlich nur um Clicks geht, werden Nachrichten, über die man sich besonders aufregen kann, immer nach oben gespült.
Eigentlich will ich meine Zeit nicht mit solchen Nachrichten verbringen.
Für mich persönlich habe ich mir folgende Strategie überlegt: Nachrichten,
- die keine Quellen angeben,
- die Wörter in Großbuchstaben verwenden,
- und die drei oder mehr Ausrufezeichen hintereinander verwenden,
Aber das ist jetzt nur meine ganz persönliche Strategie.
In Römer 12, 17.18; NEÜ steht etwas dazu:
Wie passt diese Bibelstelle zu unserer Empörungskultur? Ich glaube, dass wir als Christen uns hier von der Welt unterscheiden sollen.
Das ist nicht leicht, insbesondere, wenn man mit Leuten zu tun hat, die Dinge so völlig anders sehen als man selbst.
Wir haben ja auch einen Auftrag. Paulus beschreibt das in 1. Korinther 9, 20 so, dass er den Juden wie ein Jude geworden ist und dem Nicht-Jude wie ein Nicht-Jude, ohne sich dabei zu verbiegen, um Menschen für Jesus zu gewinnen.
Wie gehen wir dabei mit Leuten um, die in einer völlig anderen Blase wie wir unterwegs sind, die die Fakten völlig anders wahrnehmen und interpretieren als wir?
Ich glaube, dass ist eine besondere Herausforderung der heutigen Zeit für uns Christen.
Zusammenfassung
Ich komme zu Schluss:
- Als Aufhänger habe ich heute den Begriff „Wutbürger“ verwendet.
- Israel hat Gottes Wirken in einem besonderen Maße erlebt und trotzdem nölen sie wenige Tage später schon herum und rechnen nicht mehr mit Gottes Hilfe.
- Durch ein Stück Holz, ein Hinweis auf Jesus Christus, wird das bittere Wasser lebensspendend. Gott möchte unser Arzt sein.
- ca eine Woche später wird das Essen knapp und Israel schimpft wieder herum und unterstellen Mose und Aaron, dass sie leichtfertig ihren Hungertod in Kauf nehmen.
- Aber Gott nimmt sich des Murrens an und kümmert sich doch. Auch wenn wir das Murren abkriegen, es ist Gottes Sache, denn wer sind wir schon.
- Dann gibt es wieder kein Wasser und die Aggression wird größer. Resilienz kann anscheinend schrumpfen, wenn sie nicht trainiert. Es gibt Vorwürfe gegen Gott und es wird unterstellt, dass Gott kein Interesse an ihnen hat.
- Vorwürfe sind im Christenleben nie eine gute Idee.
- Gelassenheit hält auch den Körper gesund.
- Wie gehen wir heute mit der Empörungsgesellschaft um? Dazu möchte ich noch ein drittes Mal den Bibelvers aus Römer 12, 18; NEÜ lesen: