Einleitung
Wir wollen uns heute mit dem Thema „Vaterschaft“ beschäftigen.
Eine der bekanntesten Bibelstellen ist ja das „Vater unser“ aus Matthäus 6, 9-13:
Dies ist ja das Gebet, daß Jesus uns als eine Art Vorbild dafür gegeben hat, wie wir beten sollen, und wir merken hier ganz deutlich, daß wir durch Jesus Christus „Vater“ zu Gott sagen können.
Aber was heißt denn das überhaupt, jemanden „Vater“ zu nennen?
Darüber möchte ich mit Euch heute nachdenken.
Ich habe in einem Online-Lexikon drei verschiedene Typen von Vätern gefunden:
- Biologischer Vater
- Sozialer Vater
- Juristischer Vater
Der biologische Vater ist der Erzeuger, ganz klar.
Der soziale Vater ist der, der mit dem Kind eine Beziehung hat und sich um das Kind kümmert.
Der juristische Vater ist – juristisch gesehen – für das Kind verantwortlich. Er muß ggf. Unterhalt zahlen und das Kind ist ihm gegenüber auch erbberechtigt. Er ist also vor dem Gesetz der Vater.
Idealerweise handelt es sich bei den Vätern um die selbe Person.
Leider ist das heute oft nicht immer der Fall.
Schlimm ist es, wenn der soziale Vater
fehlt bzw wenn der Mann, der eigentlich der soziale Vater sein
sollte, diese Aufgabe nur schlecht oder gar nicht ausfüllt.
Dann hat das Kind ein Problem.
Wir wollen uns heute mal mit diesen drei Aspekten des Vater-Seins beschäftigen.
Der biologische Vater
Der biologische Vater wird in der Bibel an vielen Stellen als wichtig angesehen.
Wir finden in 1. Mose 5 zum ersten Mal einen Stammbaum oder besser – eine Abstammungslinie – und dort steht bei jedem Generationsübergang der Ausdruck „zeugte“.
Ich lese einmal V.1-3:
An diesen großen Lebensalter wie hier bei Adam 130 Jahre will ich mich nicht lange aufhalten. Die Bibel berichtet uns im 1. Buch Mose davon, daß anfangs die Menschen nach heutigen Maßstäben sehr alt wurden und erst ab der Zeit Jakobs die Menschen nicht mehr so alt wurden und die Lebensalter ungefähr wie die heutigen sind.
Interessant ist in diesem Vers die Aussage „zeugte einen Sohn ihm ähnlich, nach seinem Bild“.
Hier wird ziemlich am Anfang in der Bibel schon beschrieben, daß ein Sohn seinem Vater sehr ähnlich sein kann.
Und wir finden hier auch eine Parallele zu
Gott und Mensch, denn in V. 1 steht ja, daß auch Gott den Menschen
Adam nach seinem Bild geschaffen hat.
Hierbei ist es wichtig festzustellen, daß nicht nur der Mann nach
Gottes Bild geschaffen wurde, sondern auch die Frau; das wird in 1.
Mose 1, 26 deutlich.
Wenn man mal das biologische Verhältnis von Adam zu seinem Sohn Set mit dem Verhältnis von Gott zu Adam vergleicht, dann findet man einige Gemeinsamkeiten.
Z.B. ist Adam Gott ähnlich, genauso wie Set Adam ähnlich ist.
Der Vergleich hinkt natürlich beim Vergleich Zeugungsakt und Schöpfungsakt, weil das beides etwas völlig verschiedenes ist. Das wird ja hier auch im Text deutlich: Adam (und Eva) wurden erschaffen und alle weiteren Nachfahren wurden gezeugt.
Warum ich da jetzt so ein bißchen darauf herumreite:
Es ist ja manchmal die Rede davon, daß wir Menschen ja alle Gottes Kinder sind. Da gibt es ja auch noch diesen uralten Karnevalsschlager „denn wir sind ja Gottes Kinderlein“.
Wenn man nun das Schöpfer-Geschöpf-Verhältnis mit der biologischen Vaterschaft gleich setzt, dann ist das sogar nicht einmal falsch.
Wir stammen von Gott ab und sind daher – im Sinne einer biologischen Vaterschaft – Gottes Nachkommen.
Bleiben wir noch etwas bei Adam und seinen Söhnen.
Die meisten von Euch kennen ja die Geschichte von seinen ersten Söhnen, von Kain und Abel.
Interessant ist, daß Adam in diesem Abschnitt, 1. Mose 4, 1-16, nur im ersten Vers auftaucht (GNB):
und danach tritt er nicht mehr in Erscheinung.
Die Frau dagegen sagt nach der Geburt:
Es wirkt ein bißchen so, als könnte Adam mit seinen Jungs nichts anfangen. Er hat sie gezeugt und ansonsten hält er sich raus.
Das kommt einem leider sehr bekannt vor, weil es das heute immer noch gibt.
Wir wissen natürlich nicht, ob das diesen tödlichen Streit zwischen Kain und Abel mit begünstigt hat, aber es ist zumindest bemerkenswert.
In V. 25, nach Abels Tod und Kains Flucht, steht folgendes:
Die Frau freut sich und von Adam lesen wir wieder nichts, als das er nur gezeugt hat.
Aber wir wollen Adam nicht zu negativ bewerten, denn es steht zu wenig in der Bibel über Adam und die Beziehung zu seinen weiteren Kindern.
Vielleicht hat er sich bei Set nicht mehr rausgehalten sondern eine Beziehung zu seinem Sohn aufgebaut, aber das wissen wir nicht.
Und damit kommen wir zu
Der soziale Vater
Wir finden in der Bibel viele Beispiele für Väter, die sich um ihre Kinder gekümmert haben, ohne das die Bibel dabei Fehler, die diese Väter machten, ausblendet.
Ein Beispiel dafür ist z.B. Isaak. In 1. Mose 5, 24-28 wird die Geburt seiner beiden Söhne beschrieben:
Moderne Pädagogen würden sicherlich sagen, daß so eine Konstellation zu Problemen führen kann, was ja auch logisch ist und was im Falle von Esau und Jakob ja auch zu Problemen geführt hat.
Wenn man so etwas als Elternteil liest, dann kann man sich schon einmal selber hinterfragen:
Habe ich alle meine Kinder gleich lieb, oder ziehe ich eines unbewußt vor, weil es mir ähnlich ist oder weil ich mich besonders gut mit ihm verstehe?
Wie ist das mit den Kindern, deren Gedanken ich vielleicht kaum verstehe, weil sie vielleicht eher dem anderen Elternteil ähnlich sind?
Isaak hatte nun ganz primitive Gründe, warum er den einen Sohn dem anderen vorzog und das hört sich für mich ziemlich negativ an.
War er ein guter sozialer Vater?
Für mich – ich gebe zu, daß das etwas spekulativ ist – hört sich das so an, als interessiert er sich nur dann für den Sohn, wenn er etwas für ihn leistet, also lecker Wildbret heranschafft.
Das erinnert mich an solche Geschichten, wie Kinder sich ein Leben lang die Zuneigung ihrer Eltern erarbeiten wollen, weil die Eltern zumindest zum Teil als soziale Eltern versagen.
Es ist sicherlich interessant, die Ehe von Isaak und Rebecca zu studieren, gerade im Zusammenhang mit ihren Beziehungen zu ihren Kindern, um daraus zu lernen, wie man es nicht macht. Aber das würde heute zu weit führen.
Ich habe zu Hause überlegt, ob es Beispiele in der Bibel für soziale Väter gibt, die nicht gleichzeitig biologische Väter sind.
Zuerst fiel mit Abram und Lot ein.
Lots Vater war ja der Bruder von Abram und der ist schon gestorben, als Abrams Vater Terach, also Lots Großvater, noch lebte. Und zuerst hat sich Terach, der Großvater, um Lot gekümmert.
Nach dem Terach gestorben ist, wurde Abram ja von Gott berufen, in ein fremdes Land zu ziehen (1. Mose 12, 1).
Dabei nimmt er Lot mit. Wir wissen nicht, wie alt Lot da war, aber Abram scheint ein gewissen Verantwortungsgefühl für Lot gehabt zu haben. Mehr erfahren wir da aber nicht.
Ein besseres Beispiel ist Elia und Elisa.
In 1. Könige 19, 1 beruft Elia Elisa als seinen Schüler, indem er seinen Mantel über ihn wirft.
Danach ist Elisa wohl immer bei Elia dabei, aber er wird bis zur Himmelfahrt von Elia nicht mehr in der Bibel erwähnt, was in 2. Könige 2, 1-14 beschrieben ist.
In diesem Kapitel besucht Elia die Prophetenschulen in verschiedenen Orten und überall wird Elisa zuerst von Elia aufgefordert, nicht mit zu kommen, was Elisa ablehnt.
Z.B. V. 2; ELB
Das passiert ein paar mal.
Zum anderen wird er von den Prophetenschülern dieser Schulen, die sie besuchen, auf die baldige Heimholung von Elia hingewiesen (z.B. V. 3):
Ich habe über diesen Text schon einmal eine Predigt von Wilhelm Busch gehört und er hat aus diesem Text hervorgehoben, daß Elisa zum einen seine Treue mit seinem Verhalten zeigt und zum anderen auch deutlich wird, daß er gelernt hat, ein Prophet zu sein.
Das stimmt auch, aber es gibt hier aber noch eine weitere Komponente, was in der Beschreibung der Heimholung Elias deutlich wird (V. 11.12):
Er schreit hier „Mein Vater, mein Vater“.
Er hätte auch „Mein Meister, mein Meister“ oder „Mein Lehrer, mein Lehrer“ oder „Mein Herr, mein Herr“ schreien können, aber er schreit „Mein Vater“ und es wird deutlich, wie Elisa sein Verhältnis zu Elia empfunden hat.
Ich bin sicher, daß ist auch ein Grund, warum er Elia nicht verläßt und warum er so giftig auf die Prophetenschüler reagiert, die ihn auf die bevorstehende Heimholung von Elia hinweisen.
Es geht ihm einfach nahe.
Hier wird deutlich, wer letztendlich beurteilt, ob man ein guter Vater war.
Das beurteilen die Kinder, nicht die Freunde, die Ehepartner, die Nachbarn, sondern die Kinder.
Elia war ursprünglich nur Lehrer, aber er ist zu einem sozialen Vater für Elisa geworden.
Es gibt ein weiteres Beispiel für einen sozialen Vater, der nicht der biologische Vater ist, und das ist im neuen Testament.
Dazu möchte ich aus dem Philemon-Brief lesen (V. 8-21; NGÜ), wo Paulus an Philemon schreibt:
Mit diesem Text hatte ich früher Schwierigkeiten.
Das fing damit an, daß in der Elberfelder Übersetzung in V. 10 sehr wörtlich übersetzt steht: mein Kind, daß ich gezeugt habe in den Fesseln und mich beim ersten Lesen gefragt habe, ob Onesimus Paulus uneheliches Kind war, was er natürlich nicht war.
Er war nicht der biologische Vater von Onesimus, was in der moderneren Übersetzung ja klar wurde.
Weiterhin hörte sich für mich dieser Text so an, daß Paulus zu Philemon schreibt: „Du hast zwar die freie Wahl, wie Du in bezug auf Onesimus entscheiden kannst, aber es ist ja klar, wie Du als Christ entscheiden mußt.“
Er setzt ihn unter Druck und läßt ihm nicht so richtig die Wahl, so hört es sich für mich an. Das kann doch irgendwie nicht richtig sein.
Aber tun wir mal so, als wäre Onesimus wirklich der leibliche Sohn von Paulus. Dann kann man diesen Druck – den vielleicht nur ich so als Druck empfinde – nachvollziehen und wir hätten es wohl auch so wie Paulus geschrieben, für unser Kind.
Daraus folgt, daß es Paulus wirklich ernst meint, wenn er sich als Vater bezeichnet. Er will es mit allen Konsequenzen sein.
Beim Gespräch mit meiner Frau über das Thema kam auch der Begriff „Geistlicher Vater“ oder anders formuliert „Vater in Christus“ auf.
Wer ist den das? Ist jetzt ein geistlicher Vater derjenige, der das Bekehrungsgespräch und -gebet mit jemandem zusammen geführt hat?
Das wäre dann eher ein geistlich-biologischer Vater.
Vor vielen Jahren ist mir das mal auf der Pfingstjugendkonferenz in Wiedenest passiert. Ich bin mit einer Jugendlichen ins Gespräch gekommen und habe dabei festgestellt, daß sie eigentlich nichts über Jesus wußte. Sie war halt von Freunden mitgebracht worden.
Wir haben uns lange unterhalten und dann habe ich mit ihr gebetet und sie hat ihr Leben Jesus übergeben.
Wie ernst sie das letztendlich meinte, kann ich natürlich nach einem, wenn auch längerem, Gespräch gar nicht beurteilen. Ich habe sie auch nie wieder gesehen.
Es war trotzdem ein tolles Erlebnis.
Als ein geistlicher Vater würde ich mich hier nicht sehen, höchstens als ein geistlich-biologischer Vater, wobei dieser Ausdruck ziemlich bescheuert klingt. Ich durfte halt bei der Bekehrung mithelfen.
Als geistlichen Vater würde ich eher einen geistlich-sozialen Vater sehen, der eine Beziehung aufbaut und sich um das geistliche Kind mit allen Konsequenzen kümmert, so wie Paulus das bei Onesimus gemacht hat.
Was wir bisher beim Thema „sozialer Vater“ noch gar nicht berücksichtigt haben, ist die Vaterschaft Gottes.
Wir haben ja vorhin festgestellt, daß wir von Gott abstammen, da unsere Vorfahren, Adam und Eva, von Gott erschaffen wurden.
Gott ist also unser „biologischer“ Vater.
Aber er kann auch noch mehr sein (Johannes 1, 12.13; NGÜ):
Wir merken hier, daß es nicht darum geht, daß wir Geschöpfe Gottes werden, dann das sind wir schon.
Es geht hier also um die soziale und – das werden wir später noch aufgreifen – die juristische Vaterschaft Gottes.
Ich möchte das an einigen Bibestellen deutlich machen:
In Johannes 16, 27 (NGÜ) sagt Jesus Christus über Gott als Vater:
Und Liebe bedeutet auch immer Beziehung. Also müssen wir nicht nur Gottes Geschöpf sein, sondern können auch sein Kind sein.
Lukas 12, 29-31; (NGÜ)
Gott hat ein Interesse an uns und er sorgt für uns, wenn wir es möchten.
Römer 8, 14-16; (NGÜ)
Also nicht nur Geschöpf oder gar Sklave, sondern Gottes Kind und es ist so, daß man es auch selber merkt und man kann den allmächtigen Gott nun mit „Vater“ anreden.
Gott als sozialer Vater, das ist kaum zu glauben, wenn man sich einmal richtig bewußt macht, was das heißt.
Kommen wir zum letzten Punkt
Der juristische Vater
Zur Wiederholung: Der juristische Vater ist – juristisch gesehen – für das Kind verantwortlich.
Er trifft Entscheidungen für das Kind, er kommt für den Unterhalt auf und das Kind ist ihm gegenüber auch erbberechtigt.
Ein juristischer Vater, der nicht auch sozialer Vater ist, wird irgendwann mit dem Kind aneinander geraten, weil viele Entscheidungen nicht sinnvoll getroffen werden können, wenn keine Beziehung zu dem Kind da ist.
Z.B. die Wahl der weiterführenden Schule wird man zwar nicht einem 10-Jährigen alleine überlassen, aber das zu entscheiden, ohne mit dem Kind darüber zu sprechen, ohne zu verstehen, was das Kind will oder was für das Kind gut ist, muß auf Dauer zu Problemen führen.
So etwas kann passieren, wenn sich der Vater aus der Erziehung heraus hält und kaum eine Beziehung zum Kind aufbaut, dann aber bei Entscheidungen über die Zukunft des Kindes mitreden möchte.
Ich glaube, in der heutigen Zeit tritt das Problem nicht mehr so auf, da man bei der Zukunftsplanung für ein Kind sich schon sehr an den Fähigkeiten und Neigungen des Kindes orientiert und das Kind im Vergleich zu früher eine viel größere Wahlmöglichkeit hat.
Wir finden aber ein positives Beispiel für Paulus als juristischen Vater in dem vorhin gelesenen Text aus dem Philemon-Brief:
Paulus nimmt seine geistliche Vaterschaft für Onesimus so ernst, daß er auch die juristische Verantwortung für Onesimus übernimmt. Onesimus war ein entlaufender Sklave, der dabei noch etwas hat mitgehen lassen. Vielleicht hat er dabei noch etwas kaputtgemacht.
Er hatte jedenfalls nichts, um evt. Schäden ersetzen zu können und Paulus steht für ihn ein.
Genau das machen Väter für ihre Kinder.
Und genauso ist es, wenn Gott unser Vater wird.
Wir haben vorhin in Johannes 1, 12 gehört, daß man, wenn man Jesus Christus aufnimmt, das Recht bekommt, Gottes Kind zu sein.
Das steht auch in Römer 8, 17; NGÜ
Gott ist durch Jesus Christus für unsere Schuld am Kreuz eingestanden.
Und wir werden nach unserem Tod ganz bei ihm sein, das ist unser Erbe, das uns als Gottes Kind zusteht.
Zusammenfassung
Also fassen wir zusammen.
Wir habe drei Aspekte der Vaterschaft betrachtet:
- Der biologische Vater
- Der soziale Vater
- Der juristische Vater
Der wichtigste ist der soziale Vater, weil eine soziale Vaterschaft eine Beziehung bedeutet, und das ist der Punkt – wenn wir Kinder haben –, an dem wir uns immer wieder hinterfragen müssen.
Wir sind in jedem Fall ein Geschöpf Gottes.
Aber Gott möchte aber mehr für uns sein, und wenn wir Jesus Christus aufnehmen, dann kann er auch unser sozialer und juristischer Vater werden und wir können „Vater“ zu Gott sagen.
AMEN
Segen
Segen: Philemon 3.25 (statt „euch“ „unser“)