Tod und Krieg

Gottesdienst (Predigt zum Totensonntag), , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

Heute ist ja der sogenannte Totensonntag, oder wie er auch genannt wird, Ewigkeitssonntag. Laut Wikipedia wurde dieser Sonntag 1816 per Kabinettsorder des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen eingesetzt, „zum allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen.“ So genau weiß man nicht, was der genaue Grund für diese Einführung war. Einige vermuten das Gedenken an die Gefallenen der Befreiungskriege gegen Napoleon, andere tippen auf des Königs Trauer um die 1810 verstorbene Königin Luise. Jedenfalls war die Sehnsucht in der evangelischen Welt nach so einem Gedenktag für die Verstorbenen sehr groß, so dass er sich schnell ausbreitete. .

Und es fiel schon das Stichwort „Krieg“, und weil Krieg und Tod doch sehr miteinander zusammenhängen, möchte ich heute mit Euch über den Krieg nachdenken.

Ich bin bei diesem Thema immer ein bisschen vorsichtig, denn ich habe in den 80ern meine Jugend verbracht und da war die sogenannte Friedensbewegung sehr aktiv, mit dem Slogan: „Frieden schaffen ohne Waffen“. Es gab damals auch große Friedendemos und es wurde sogar einseitige Abrüstung gefordert. Ich hatte zu dieser Friedensbewegung nie so richtig den Zugang gefunden, denn es schien mir damals naiv, dass, wenn die eine Seite ihre Waffen wegwirft, die andere einen dann in Ruhe lässt, wenn sie die Waffen behält. Wir haben das Thema auch in der Schule behandelt, insbesondere den NATO-Doppelbeschluss, wo es um die Aufstellung von Mittelstreckenraketen, der Pershing II ging, als Antwort auf ähnliche Raketen, die SS20, im Ostblock.

Also Ostblock, für die jüngeren Anwesenden: Damals ging eine Grenze mitten durch Deutschland, eigentlich durch ganz Europa. Die eine Seite waren unter der Kontrolle der UDSSR, vereinfachen wir einmal, Russlands und die andere Seite unter der Kontrolle der USA. Wobei: Im Westen war es schon freier und besser als im Osten.

Jedenfalls, ich war in meiner Klasse der Einzige, der für den NATO-Doppelbeschluss war, denn wir hatten im SoWie-Unterricht gelernt, dass der Ostblock dreimal soviel konventionelle Waffen, also Panzer, Kanonen, usw, wie die NATO hatte. Also hatte ich als naiver Jugendlicher gedacht, mit Raketen kann man nicht einmarschieren, also sind es Verteidigungswaffen. Dann sind die doch gar nicht schlecht. Ob ich das alles in meinem jugendlichen Hirn so richtig durchschaut hatte, kann ich auch heute nicht wirklich beurteilen.

Aber viele Leute hatten damals Angst, Angst vor einem Atomkrieg. Und deshalb haben die demonstriert.

Es waren auch viele kirchliche Gruppen in der Friedensbewegung aktiv und mich hat dabei immer sehr gestört, dass Jesus bei denen irgendwie keine Rolle zu spielen schien. Bekehrung, Sündenvergebung, persönliche Beziehung, kam irgendwie nicht vor. Es ging irgendwie nur um Demos gegen die NATO, obwohl es im Ostblock viel mehr Waffen gab. Allerdings hat auch der damalige amerikanische Präsident Reagan die Lage durch Gedankenspielerein eines begrenzten europäischen Atomkriegs angeheizt und er kam manchmal auch wie ein Kriegstreiber 'rüber, wenn er z.B. die UdSSR als Reich des Bösen bezeichnet hat.

Na ja, das waren so meine Wahrnehmungen als Jugendlicher. Wir wollen uns heute auch mit dem Thema „Krieg“ beschäftigen, aber wollen dabei klüger werden. Das machen zum einen dadurch, dass wir dazu in die Bibel schauen, denn Gottes Wort bewirkt neben vielen anderen Dingen auch Weisheit und das Thema „Krieg“ und „Tod“ soll uns auch persönlich berühren, denn in Psalm 90, 12;LUTHER steht:

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Krieg im Alten Testament: Ein Beispiel

Krieg war zu der Zeit des alten Testament quasi etwas Normales. In manchen Büchern in der Bibel wird fast in jedem Kapitel ein Krieg beschrieben. Es gab sicherlich auch einmal ein paar Jahre des Friedens, aber der Krieg kehrte immer wieder zurück.

Es gab sicherlich verschiedene Motive für Krieg und das wichtigste Motiv war sicherlich die Kriegsbeute.

Dazu gibt es eine sehr interessante Begebenheit aus 2. Chronik 25, 5-13;NL, wo der Krieg des Königs Amazja aus Juda beschrieben wurde:

5 Amazja versammelte die Männer von Juda, ordnete sie nach ihren Sippen und gab jeder Sippe aus Juda und Benjamin einen Anführer. Dann führte er eine Zählung durch und stellte fest, dass er 300.000 Mann für sein Heer hatte. Die Soldaten waren alle mindestens 20 Jahre alt und geübt im Umgang mit Speer und Schild.

Er hat ein großes Heer. Warum er Krieg führen will, wird übrigens hier und vorher nicht erwähnt. 20 Jahre alte Soldaten find ich übrigens ganz schon gruselig, wenn ich so an unsere Jugend denke.

6 Darüber hinaus hatte er 100.000 erfahrene Soldaten aus Israel angeworben, denen er 100 Talente Silber bezahlte. 7 Doch ein Mann Gottes kam zum König und sagte: »Mein König, wirb keine Truppen aus Israel an, denn der Herr ist nicht auf der Seite Israels. Er wird den Leuten aus Ephraim nicht helfen! 8 Wenn du meinst, mit ihnen zusammen stark zu sein, so kann Gott dich vor dem Feind zu Fall bringen. Gott hat die Macht zu helfen oder zu stürzen.« 9 Amazja fragte den Mann Gottes: »Aber was wird aus den 100 Talenten, die ich für das Heer Israels bezahlt habe?« Der Mann Gottes erwiderte: »Der Herr kann dir sehr viel mehr geben als das!« 10 Also entließ Amazja die angeworbenen Truppen und schickte sie zurück nach Ephraim. Doch damit zog er sich ihren Zorn zu und sie kehrten sehr wütend nach Hause zurück. 11 Dann nahm Amazja all seinen Mut zusammen und führte sein Heer ins Salztal, wo sie 10.000 Männer aus Seïr töteten. 12 Weitere 10.000 Männer nahmen die Judäer gefangen, brachten sie auf einen Felsen hinauf und stürzten sie von dort hinunter, sodass sie beim Aufprall starben. 13 Währenddessen raubten die angeworbenen Söldnertruppen, die Amazja wieder nach Hause geschickt hatte, mehrere judäische Städte zwischen Samaria und Bet-Horon aus. Dabei töteten sie 3.000 Männer und machten reiche Beute.

So ein Bibeltext wirft bei mir viele Fragen auf. Betrachten wir die Schwierigste zuerst: Warum macht Gott bei diesem Krieg mit? Er verspricht ja dem König Amazja den Sieg. Vielleicht wird sich so mancher erfahrene Bibelleser denken, so etwas habe ich in der Bibel schon so oft gelesen, das frag ich mich schon gar nicht mehr. Aber wir müssen uns über wieder neu auch mit bekannten Inhalten in der Bibel immer wieder neu auseinander setzen, uns persönlich auch immer wieder vom Text hinterfragen lassen, denn wenn man das nicht tut, kann man mit dem Bibel lesen auch aufhören, denn dann weiß man ja alles.

Also: Warum macht Gott bei diesem Krieg (und auch bei vielen anderen) mit? Ich versuche einmal, das zu beantworten.

  1. Ganz allgemein: Im alten Testament möchte Gott uns zeigen, ob und wie man aus eigener Kraft das Leben bewältigen kann.
  2. Das gilt persönlich und das gilt auch als Gesellschaft. Er hat dazu gute und richtige Gebote gegeben, die das Volk Israel aus eigener Kraft befolgen soll. Und zu dieser damaligen Gesellschaft gehörte auch die politische Instabilität, die dauernd Kriege hervorbrachte. Wenn das Volk wollte, dann half er ihnen dabei, auch im Krieg. Meistens wollte das Volk aber nicht. Und das Befolgen aus eigener Kraft hat letztendlich auch nicht funktioniert, was eine der Hauptbotschaften des alten Testaments ist.
  3. Aufgesetzt auf diesen ersten Punkt hat Gott die Geschichte Israels dazu benutzt, um als Bilderbuch für Gesetzmäßigkeiten in unserem
  4. Leben als Christen zu dienen. Der Soldat im Krieg wird z.B. als Vergleich in Epheser 6, 12 aufgegriffen:
    Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Wesen von Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis, die über die Erde herrschen
    Und dann wird die geistliche Waffenrüstung beschrieben, wo die richtige Lebensführung mit einer Soldatenausrüstung verglichen wird.

So ganz reicht mir meine Erklärung auch selbst nicht, aber es wäre komisch, wenn ich Gottes Handeln komplett erklären könnte.

Betrachten wir die anderen Fragen aus dem Text von gerade und begeben wir uns einmal in die Perspektive, dass ein Krieg damals normal war. Wir haben ein Heer aus Juda, welches gut ausgerüstet und bereit zum Krieg ist. Da sollte man meinen, das reicht. Aber der König überlegt: Gehen wir doch 'mal auf Nummer sicher und werben nochmals 100.000 Söldner an.

Was ist jetzt der Unterschied zwischen einem Soldaten und einem Söldner. Im Idealfall steht der einfache Soldat hinter dem Ziel des Kriegs. Er hat vielleicht durch Angriffe dieser fremden Macht schon Angehörige verloren und denkt sich, dieser Krieg schützt meine Familie. Juda kämpft hier ja gegen Soldaten aus Seïr, welche Edomiter sind und diese Edomiter haben Juda oft genug überfallen. Ich möchte diesen Krieg hier nicht vollständig ethisch bewerten, sondern nur ganz naiv betrachten. Also sagt der König Amazja, dass die Soldaten aus Seïr jetzt angegriffen werden, damit sie Juda in Zukunft nicht mehr gefährlich werden können. Es kann natürlich sein, dass Amazja andere Motive hat, dass können wir dem Text nicht entnehmen.

Mir scheint es so, dass er Angst vor diesen Soldaten aus Seïr hatte und deswegen auch noch Söldner angeworben hatte. Außerdem nahm er nachher, in V.11, seinen Mut zusammen und zog in den Krieg. Also war er wohl ein bißchen ängstlich, was ja nichts Schlimmes ist. Dann ist man wenigstens vorsichtig.

Nun hat er aber Söldner engagiert und Söldnern ist das Ziel des Kriegs üblicherweise egal. Sie kämpfen für Lohn und den haben sie auch bekommen, ohne kämpfen zu müssen. Aber anscheinend wollte sie auch noch einen Bonus haben, Kriegsbeute, und waren deshalb sehr böse, dass Amazja sie wieder nach Hause geschickt hat. Sie haben sich ihren Bonus dann selber geholt und zwar gegen Juda, also gegen die Menschen, für die sie ursprünglich kämpfen sollten.

Mit den Söldnern scheint das generell so zu sein, wie mit den Geistern aus dem Märchen des Zauberlehrlings: „Die Geister, die ich rief, werd' ich nicht mehr los.“ Das sieht man ja auch in der Weltpolitik. Warlords, Terrorbanden und dubiose Gruppierungen werden finanziert und mit Waffen versorgt, um einem bestimmten Feind zu schaden. Dann ist der Feind weg, und dann? Das beste Beispiel dafür ist Osama bin Laden, der früher von den USA finanziert und mit Waffen versorgt wurde, um gegen die russische Armee in Afghanistan zu kämpfen. Dann waren die Russen weg, und dann?

Was versinnbildlichen diese Söldner für unseren persönlichen Glauben?

Gibt es in Deinem Leben etwas, was Du von Gott erwarten müsstes und dürftest, was Du Dir aber lieber woanders einkaufst? Ich weiß, das ist eine sehr schwammige Frage, aber man kann das nur persönlich für sich beantworten.

Für die Gemeinde ist mir dazu ein Beispiel eingefallen, dass wir z.B. für die Predigten einen professionellen Redner engagieren. Wir erklären ihm, worum es in den Predigten gehen muss, also Jesus Christus, Sündenvergebung, Aufstehung und er hält dann Predigten dazu und die sind dann auch sehr spannend, weil er rethorisch sehr geschult ist und eine angenehme Stimme hat, der man gerne zuhört. Er steht selber nicht dahinter, was er sagt, aber das ist nicht wichtig.

Das wäre so ein Söldner. Ich glaube nicht, dass das funktioniert, weil Gott da auch noch ein Wörtchen mit zu reden hat und das werden wir auch nicht machen.

Manchmal ist das aber auch nicht so leicht zu trennen. Wir hätten z.B. kein Problem damit, einem Handwerker, der nicht glaubt, einen Auftrag innerhalb der Gemeinde zu erteilen, z.B. das Austauschen der Deckenplatten. Aber wenn wir jetzt z.B. die Wand hinter mir neu gestalten wollten, weil die Riemchen nicht mehr halten und dort ein biblische Szene abbilden wollen: Würden wir das einen nicht-gläubigen Profimaler machen lassen, oder wäre das eher die Aufgabe für einen christlichen Maler, der hinter dem steht, was er malt? Das zu entscheiden ist nicht leicht.

Aber werden wir wieder persönlicher: Wo holst Du Dir von anderen Stellen Hilfen, die Du eigentlich von Gott erwarten müßtest? Ich würde Euch jetzt gerne knackige Beispiele geben, aber ich hänge hier so ein bisschen.

Also ein Christ, der sein Leben nach einem Horoskop ausrichtet, der vertraut falsch auf einen Söldner. Aber das macht hier wohl keiner, denke ich. So eindeutig ist das aber nicht immer.

Nehmen wir das Geld. Verlasse ich mich vollständig auf mein Geld, meine finanzielle Vorsorge, oder verlasse ich mich auf Jesus Christus und treffe im Vertrauen auf ihn vernünftige Entscheidungen in Bezug auf Geld und finanzielle Vorsorge?

Von außen kann man da oft keinen Unterschied sehen, dass weiß nur derjenige persönlich.

Krieg im Alten Testament: Gründe

Kommen wir zum Thema Krieg zurück. Es gibt schon Stellen im alten Testament, wo man sehen kann, dass Krieg nicht nur neutral oder gar positiv gesehen wird.

Am Anfang der Zeit der Könige finden wir in 1. Samuel 8, 11 eine interessante Warnung, nachdem das Volk nach einem König verlangte:

10 Samuel gab die Warnung des Herrn an das Volk weiter, das von ihm einen König forderte. 11 »So wird ein König über euch herrschen«, sagte er. »Er wird eure Söhne in sein Heer einziehen und sie vor seinen Wagen laufen lassen. 12 Manche werden Befehlshaber in seinem Heer werden, andere werden eingesetzt werden, seine Felder zu pflügen und seine Ernte einzubringen und manche werden seine Waffen und die Ausrüstung für seine Wagen herstellen. 13 Der König wird euch eure Töchter nehmen, damit sie für ihn kochen, backen und Salben herstellen. 14 Er wird euch eure besten Felder und Weingärten und Olivenhaine wegnehmen und sie seinen Dienern geben. 15 Er wird ein Zehntel eurer Ernte nehmen und unter seinen Hofleuten und Dienern verteilen. 16 Er wird eure Knechte und Mägde für sich beanspruchen und eure besten jungen Männer und eure Esel für sich beschlagnahmen. 17 Er wird ein Zehntel von eurem Kleinvieh verlangen und ihr werdet seine Knechte sein. 18 Wenn dieser Tag kommt, werdet ihr um Hilfe schreien wegen eures Königs, um den ihr gebeten habt, aber der Herr wird euch dann nicht erhören.« 19 Doch das Volk wollte nicht auf Samuels Warnung hören. »Auch wenn es so ist, wir wollen trotzdem einen König«, sagten sie. 20 »Wir wollen wie die Völker um uns herum sein. Unser König soll über uns herrschen und unsere Schlachten führen.«

Der König kann mit Einwohnern umgehen, wie er will. Möchte er Krieg führen, dann wird er Eure Söhne dazu nehmen, und ihr könnt nichts machen.

Das hat sich kaum geändert. Wenn man in unsere Geschichte schaut, dann gab es im Krieg den Tatbestand der Desertation. Junge Männer, die sich weigerten zu kämpfen, wurden als Deserteure verfolgt. Dabei waren zumindest die beiden Weltkriege keine Verteidigungskriege. Im ersten Weltkrieg gab es ja noch anfangs eine gewisse Kriegsbegeisterung, welche in dem Klassiker „Im Westen nichts Neues“ schön beschrieben wurde. Die ist dann in den Bombentrichtern an der Westfront ziemlich schnell verschwunden.

Der einfache Soldat hat leider selten die Wahl.

Warum wurde Krieg geführt? Das Hauptmotiv war wohl Kriegsbeute. Es geht halt schneller, anderen etwas wegzunehmen, als sich selber etwas aufzubauen. Dann gab es sicherlich auch viele Präventivkriege gegen mögliche Feinde. Man wusste ja nie, ob der zukünftige Herrscher des Nachbarlands friedlich oder nicht sein wird.

Krieg hat natürlich auch Folgen. Die Felder wurden nur unzureichend bestellt, Kinder wachsen ohne Väter auf und die Heimkehrer aus dem Krieg hatten es auch nicht leicht. Manche hatten danach echt einen psychischen Schaden.

Auch manche Menschen damals hatten Sehnsucht nach Frieden, was in verschiedenen Versen aufblitzt.

David, eigentlich ein Feldherr, schreibt in Psalm 68, 31;NL

Zerstreue die Völker, die Freude am Krieg haben.

Auch interessant ist in diesem Zusammenhang eine Begebenheit aus Jeremia 42, 13-16; NL, wo die Juden im Exil leben mussten, Angst hatten und daher den Propheten Jeremia befragt hatten. Und er antwortete:

10 `Bleibt hier in diesem Land. Dann will ich euch aufbauen und nie wieder einreißen; ich will euch pflanzen und nie wieder entwurzeln. Denn es tut mir Leid, dass ich euch so viel Unheil zugefügt habe. 11 Vor dem babylonischen König sollst du nicht länger Angst haben, spricht der Herr. Ja, du sollst dich vor ihm nicht fürchten! Denn ich bin bei euch, damit ich euch helfen und aus seiner Gewalt befreien kann. 12 Ich will ihn dazu bringen, dass er Erbarmen mit euch hat und euch hier, in eurem Land, wohnen lassen wird. Denn ich meine es gut mit euch. 13 Wenn ihr euch aber weigert, dem Herrn, eurem Gott, zu gehorchen, und sagt: Wir wollen aber nicht in diesem Land bleiben! 14 Nein, wir fliehen nach Ägypten, denn dort werden wir sicher sein vor Krieg oder anderen Schreckensmeldungen. Dort werden wir auch nicht hungern müssen - deshalb werden wir uns in Ägypten niederlassen!, 15 dann hört, was der Herr euch, die ihr als kleiner Rest von Juda übrig geblieben seid, zu sagen hat: Der Herr, der Allmächtige, der Gott Israels, spricht: Wenn ihr darauf beharrt, nach Ägypten zu gehen, wenn ihr wirklich nach Ägypten zieht, auf fremden Boden, um euch dort anzusiedeln, 16 werden euch die Kampfhandlungen, denen ihr doch entkommen wollt, dort erreichen. Und der Hunger, vor dem ihr euch so fürchtet, wird sich dort, in Ägypten, an eure Fersen heften, und ihr werdet in diesem Land sterben.

Man hört die Sehnsucht nach Frieden hier heraus. Nie wieder Krieg, endlich kein Leid und kein Hunger mehr, aber Ägypten war in diesem Fall der falsche Weg für die Juden, ein Weg, der ins Verderben führt.

Und Gott? Was sagt Gott eigentlich zum Krieg?

Der König David wollte Gott ein Haus bauen und Gottes Antwort darauf war folgende (1. Chronik 22, 8.9; NL):

8 `Du hast in den großen Schlachten, in denen du gekämpft hast, viel Leben vernichtet. Weil du so viel Blut vor mir vergossen hast, sollst du es nicht sein, der ein Haus zu Ehren meines Namens baut. 9 Doch du wirst einen Sohn haben, der wird in Ruhe und Frieden leben. Ich will dafür sorgen, dass er Ruhe vor allen seinen Feinden hat. Er soll Salomo heißen. Und während seiner Herrschaft will ich Israel Ruhe und Frieden schenken.

Also Gottes Haus und Krieg passt irgendwie nicht zusammen. Noch schöner ist die Stelle aus Jesaja 2, 2-5; NL

2 In den letzten Tagen wird der Berg, auf dem das Haus des Herrn steht, zum wichtigsten Gipfel werden und sich über alle anderen Berge erheben. Alle Völker werden zu ihm strömen. 3 Scharenweise werden sie herbeikommen und sagen: »Kommt, wir wollen auf den Berg des Herrn, zum Haus des Gottes Israels, gehen. Dort wird er uns seine Wege lehren, damit wir auf seinen Pfaden gehen.« Denn dann wird die Lehre des Herrn von Zion ausgehen und sein Wort von Jerusalem. 4 Der Herr wird zwischen den Nationen richten und unter vielen Völkern Recht sprechen. Schwerter werden zu Pflugscharen und Speerspitzen zu Winzermessern umgeschmiedet werden. Keine Nation wird mehr gegen eine andere ziehen und sie werden nicht mehr lernen Krieg zu führen. 5 Komm, Volk von Israel, lass uns ein Leben im Licht des Herrn führen!

Sie werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Frieden ist eigentlich Gottes Ziel, aber wenn der Mensch aus eigener Kraft seine Ziele verwirklichen will, dann führt es leider oft zum Krieg.

Krieg heute?

Und was hat das heute mit uns zu tun? Also abgesehen davon, was wir sinnbildlich aus dem Alten Testament für uns lernen können: Ist Krieg für uns heute noch ein Thema?

Wir gehen jetzt einmal ins neue Testament und schauen uns an, was Jesus auf die Frage nach dem Ende geantwortet hat (Matthäus 24, 3-14; NGÜ)?

3 Später, als Jesus auf dem Ölberg saß und mit seinen Jüngern allein war, wandten sie sich an ihn und baten: »Sag uns doch: Wann wird das geschehen, und welches Zeichen wird deine Wiederkunft und das Ende der Welt ankündigen?« 4 »Gebt Acht, dass euch niemand irreführt!«, erwiderte Jesus. 5 »Denn viele werden unter meinem Namen auftreten; sie werden behaupten, sie seien der Messias, und werden viele irreführen. 6 Ihr werdet von Kriegen hören; ihr werdet hören, dass Kriegsgefahr droht. Lasst euch dadurch nicht erschrecken. Es muss so kommen, aber das Ende ist es noch nicht. 7 Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. Hungersnöte und Erdbeben werden bald diese Gegend heimsuchen und bald jene. 8 Doch das alles ist erst der Anfang, es ist wie der Beginn von Geburtswehen. 9 Man wird euch verraten, verfolgen und töten. Um meines Namens willen werdet ihr von allen Völkern gehasst werden. 10 Viele werden vom Glauben abfallen; sie werden einander verraten, sie werden einander hassen. 11 Falsche Propheten werden in großer Zahl auftreten und viele irreführen. 12 Und weil die Gesetzlosigkeit überhand nehmen wird, wird bei den meisten die Liebe erkalten. 13 Wer aber bis ans Ende standhaft bleibt, wird gerettet. 14 Die Botschaft vom Reich Gottes wird in der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker sie hören. Dann erst kommt das Ende.

Also neben vielen anderen schlimmen Dingen gehören Kriege zur Endzeit dazu.

Ich möchte Euch dazu ein paar Bilder zeigen (Nachkriegsbilder aus Sarajewo; kurz etwas dazu erzählen).

Das war 1995, 19 Jahre her, knapp 1200 km von hier und man kann heute mit einem Billigflieger für 40 Euro dahinfliegen.

Wie ist das? Hat das was mit uns heute zu tun, oder ist das nur eine böse Erinnerung?

Vor ein paar Monaten, als es mit der Ukraine-Krise losging, lag ich an einem Abend im Bett und konnte nicht einschlafen, weil ich Angst vor einem möglichen Krieg hatte. Nach der Auflösung der UdSSR ist die Ukraine in den Besitz von Atomwaffen gekommen und die USA, Großbritannien und Russland haben für einen Nuklearwaffenverzicht die bestehenden Grenzen der Ukraine garantiert. Es gibt da dieses Fremdwort der „territorialen Integrität“.

Nun hat Russland die Krim annektiert und diese territoriale Integrität verletzt. Was passiert denn jetzt? Mir kam tatsächlich der Gedanke, dass es Krieg geben könnte. Ich habe da an meine Jungs gedacht.

In Johannes 16 erklärt Jesus Christus, wie es nach seinem Weggang von der Erde weitergehen wird, und dieses Kapitel endet mit V.33;LUTHER

Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Andere Übersetzungen schreiben statt „Angst“ auch „Bedrängnis“, aber Bedrängnis bringt ja meistens auch Angst hervor. Wir können aus unterschiedlichen Gründen Angst haben: Angst vor Krankheit, Angst vor unserem Tod, Angst vor Verfolgung, vor feindlichen Menschen, Angst davor zu versagen, in Beziehungen oder auch wirtschaftlich, und manches mehr, und auch Angst vor Krieg.

Da heute Totensonntag ist und wir uns ja mit dem Thema Krieg beschäftigt haben, möchte ich Euch zum Schluss noch ein paar ander Bilder zeigen. Wir waren im Sommer in Urlaub in Westfrankreich und haben uns auf dem Rückweg einige Gedenkstätten rund um Verdun angesehen. Bei Verdun war eine der bekanntesten Schlachten des ersten Weltkriegs und der Beginn des mörderischen Stellungskriegs. Wieviel Tote es gab, weiß man nicht so genau, aber manche Historiker schätzen, dass rund 800.000 Soldaten auf beiden Seiten zusammen umkamen.

Es gibt dort in der Nähe das sogeannte Beinhaus von Douaumont (1. Bild zeigen), wo die nicht mehr zuzuordnenden Überreste von 130.000 Soldaten gelagert werden. Man kann dort von außen in diese Kammern hineinschauen (2. Bild zeigen).

Vor diesem Beinhaus ist der bekannte Massenfriedhof, den man vielleicht im Fernsehen auch schon einmal gesehen hat (Rundfilm). Man sieht hier so ein bisschen die Größe dieses Massenfriedhofs, aber man sieht hier nicht alles.

Doch diese Toten waren zumeist junge Kerle (1. Bild Jungs, vor den Gräbern), so wie meine. Das letzte Bild (2. Bild Jungs, salutierend vor den Gräbern) habe ich mir so gewünscht. Auf den ersten Blick sieht es albern, vielleicht sogar unpassend aus, aber viele dieser Toten waren nicht viel älter oder sogar genauso alt und haben sich in dieser Art zum Dienst, zum Gang in den Tod, gemeldet.

Ich weiß nicht, ob die Angst vor Krieg bei uns überhaupt begründet ist, ich weiß auch nicht, ob Du vielleicht Angst davor oder vor dem Tod hast. Aber eines weiß ich genau: Wenn Du zu Jesus Christus gehörst, dann gilt diese Aussage von von vorhin auch für Dich:

In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Jesus ist größer als Deine und meine Angst und er ist immer bei Dir und mir.

Zusammenfassung

Ich fasse noch einmal zusammen.

Wir haben heute aufgrund des Toten- oder Ewigkeitssonntag über Tod und Krieg nachgedacht.