Spass

Stadtfestgottesdienst, , , Leichlingen Kreisverkehr Brückenstraße

Einleitung

Auch von mir unverkleidet noch einmal einen schönen guten Morgen. Ich möchte mich kurz vorstellen: Ich heiße Peter Schütt, bin 47 Jahre alt, verheiratet, mit Gretel und wir haben vier Kinder und arbeite als Informatiker in der Software-Entwicklung. Seit 1973 besuche ich das Stadtfest fast ohne Unterbrechungen, anfangs als Kindertrödler, Trödelkäufer und im Zusammenhang mit unserem Gemeindestand. Ich bin also quasi ein Stadtfest-Urgestein und es macht mir immer noch Spaß, hier zu sein.

Heute in diesem Gottesdienst soll es auch um das Thema „Spaß“ gehen und ich hoffe auch, unser kleines Stück hat Ihnen Spaß gemacht, auch wenn Sie dem Kindesalter schon entwachsen sind.

Gottesdienst und Spaß

Wenn ich jetzt hier herumgehen und sie danach befragen würde, was Ihnen Spaß macht: Wieviel von Ihnen würden dann „Gottesdienst“ sagen? Wahrscheinlich niemand, obwohl es hier sicherlich Leute gibt, die gerne in einen Gottesdienst gehen, mich eingeschlossen.

Aber einen Gottesdienst verbinden wir eigentlich nicht Spaß, und wenn es um Spaß im Gottesdienst geht, dann erwartet man eher eine kritische Betrachtung mit so pädagogisch-provokante Aussagen wie „Schluß mit lustig“, „Der Spaß hat ein Ende“, „Die Spaßgesellschaft am Abgrund“ oder ähnliches.

Spaß am Gottesdienst wirkt irgendwie fremd, vielleicht sogar unpassend. Die meisten bringen Gottesdienst mit Andacht, Besinnung und zur Ruhe kommen in Verbindung, andere erwarten nur Langeweile und empfinden den Gottesdienstbesuch als Zeitverschwendung. Auf alle Fälle gibt es da nichts zu lachen, so die landläufige Erfahrung.

Manch einer widerspricht vielleicht jetzt: Bei den Predigten in unserer Kirche fällt manchmal sogar ein Witz, wobei das als alleiniger Grund für einen Gottesdienstbesuch doch ein bißchen dünn ist.

Andere regen sich über die Pfarrer, Pastoren oder Pastorinnen auf, die wären ja oft so langweilig. Man kann ja Pastoren hin und wieder an ihrer Art zu sprechen erkennen. Sie reden oft bedächtig und langsam und wenn man ihnen eine Frage stellt, die nur einer kurzen Antwort bedarf, dann bekommt man trotzdem häufig eine Kurzpredigt zu hören.

Wenn man nun so einen Klischee-Pfarrer auf der Kanzel hat, kann das schon zu einer gewissen Spaßbremse werden.

Aber noch einmal: Ist denn Spaß überhaupt angemessen im Gottesdienst?

Viele Gottesdienstbesucher, mich übrigens eingeschlossen, glauben ja, daß Gott in irgendeiner Form im Gottesdienst anwesend ist, und das bestätigt auch die Bibel, wo Jesus an einer Stelle sagt (Matthäus 18, 20; NGÜ):

Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.

Also, wenn Gott selbst dabei ist, dann hat der Spaß in jedem Fall ein Ende, oder? Das ist doch dann irgendwie unwürdig. Auf alle Fälle hat man als Christ nichts zu lachen, das glauben wohl immer noch manche.

Christen und Spaß

Darf ein Christ überhaupt Spaß haben? Steht etwas dazu in der Bibel, ob ein Christ Spaß haben darf? Und was sagt das Internet dazu? Sie können ja später mal googlen: „Darf ein Christ Spaß haben?“

Die Bibel äußert sich so direkt gar nicht dazu. Es gibt dort keinen Satz wie: „Ein Christ darf Spaß haben“ oder „Ein Christ darf keinen Spaß haben”. Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund. Es ist selbstverständlich, daß ein Mensch Spaß hat. Alle Menschen verbringen hin und wieder ihre Zeit mit Tätigkeiten, die ihnen Spaß machen. Das ist völlig natürlich.

Aber ist denn in der Bibel nicht alles verboten, was Spaß macht?

Die Frage, was erlaubt ist, ist uralt. Ich möchte dazu einmal etwas aus einem knapp 2000 Jahre alten Brief vorlesen, das ist der erste Brief vom Apostel Paulus an die Korinther und der steht in der Bibel. Hier ist man direkt mittendrin in dieser Diskussion (1. Korinther 6, 12; NGÜ):

12 »Alles ist mir erlaubt!« ´Wer so redet, dem antworte ich:` Aber nicht alles, ´was mir erlaubt ist,` ist auch gut ´für mich und für andere`. – »Alles ist mir erlaubt!« Aber es darf nicht dahin kommen, dass ich mich von irgendetwas beherrschen lasse.

Der Aussage »Alles ist mir erlaubt!« wird hier im Grundsatz gar nicht widersprochen, aber es werden zwei Grenzlinien aufgezeigt:

  1. Was ist gut für mich und andere?
  2. Was könnte mich beherrschen, mich unfrei machen?

Sind diese Grenzlinien jetzt Spaßbremsen? Vorne wird gesagt „Alles ist erlaubt“ und hintenrum kommt das große „Aber“?

Aber diese Grenzlinien sind logisch. Z.B. würde das einen irren Spaß machen, mit 100 hier durch die Ortschaft zu heizen, zumindest mir und wahrscheinlich auch noch vielen anderen, aber das ist natürlich verboten und wer nur einen Rest von Vernunft in seinem Kopf hat, der wird sich an dieses Verbot halten, weil sonst andere und auch man selbst extrem gefährdet wird. Und wenn etwas passiert, dann hat der Spaß richtig ein Ende.

Im Grundsatz sind wir uns Anwesenden hier wohl darüber alle einig. Es gibt Gesetze, die ein Zusammenleben in unserem Land ermöglichen sollen, und es gibt die Justiz, die Gesetzesverstöße verfolgt und ahndet. Im Großen und Ganzen funktioniert das ganz gut, im Vergleich zu manchen anderen Ländern. Klar kann man einiges verbessern und auch ich ärgere mich oft über bestimmte Gesetze, z.B. wenn ich meine Steuererklärung machen muß und mich jedes Jahr frage, was hat derjenige geraucht, der sich diesen komplexen Wust an Regelungen ausgedacht hat, insbesondere wenn man ein Gewerbe noch mit dabei hat; dann ist man bei Wust 2.0. Da kommen mir oft so gemeine Gedanken, daß alle diejenigen, die im Steuergesetzgebungsprozeß beteiligt sind, ihre Steuererklärung selber machen müssen und keinen Steuerberater beauftragen dürfen. Oder wenn ich den Umgang unserer Regierung mit dem NSA-Überwachungsskandal sehe, könnte ich die Pimpanellen kriegen, ich bin halt Informatiker, aber ich schweife ab.

Bei allem Klagen über unsere Gesellschaft und allen notwendigen Anstrengungen, sie zu verbessern, schadet es nicht, ab und zu ein dankbaren Blick auf unsere Situation hier zu werfen. Da geht es einem Großteil der Menschheit schlimmer.

Wir haben also meistens sinnvolle Gesetze, die Rahmenbedingungen für unser Zusammenleben bereitstellen.

Interessant wird es nun, wenn man die beiden Fragen „Was ist gut für mich und andere?“ und „Was könnte mich beherrschen?“ mal mehr ins persönliche hinein betrachtet, also nicht nur aus Gesetzessicht. Mal platt gesagt: Man kann sich wie ein Mistkerl verhalten, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen, und das ist zumindest für andere nicht gut und für einen selbst auf Dauer wohl auch nicht, wenn man durch sein Verhalten alle seinen sozialen Kontakte verschreckt.

Aber was für Grenzen sind in unserem persönlichen Leben sinnvoll und was sind unnütze Spaßbremsen?

Wir finden in der Bibel da einiges drüber. Die zehn Gebote sind ja recht bekannt, z.B.:

Ein befreundeter Pastor, kein Klischee-Langeweiler, hat einmal die zehn Gebote als zehn Schutzzonen bezeichnet, und dieser Vergleich gefällt mir gut. Wenn man innerhalb dieser Gebote lebt, dann vermeidet man Taten, die einem selbst und anderen schaden und vermeidet auch, sich von etwas falschem beherrschen zu lassen.

Heute ist nicht die Zeit dafür, alle zehn Gebote im Detail zu betrachten, und daher möchte ich Ihnen noch eine andere, eine der vielleicht wichtigsten Aussagen von Jesus Christus in der Bibel zum Thema Grenzen vorlesen (Matthäus 7, 12; NGÜ):

Handelt den Menschen gegenüber in allem so, wie ihr es von ihnen euch gegenüber erwartet. Das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.
Also nicht nur im negativen Sinne, wie es das Sprichwort sagt: „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg' auch keinem anderen zu!“, sondern positiv: Handelt so, wie ihr es euch vom anderen wünscht.

Geht das auch in der Praxis, oder geht das nur in der Theorie? Und irgendwie wirkt diese Aussage auch eher spaßbremsend. Also, wenn z.B. meine Frau und ich nach Hause kommen und die Küche ist noch nicht aufgeräumt, dann macht es mir mehr Spaß, mich hinzusetzen und zu lesen und meine Frau die Spülmaschine aus- und wieder einräumen zu lassen.

Da komme ich aber meistens nicht mit durch; eigentlich will ich mich auch gar nicht so unsozial verhalten, das ist dann mehr so eine Innere-Schweinehund-Geschichte. Spaß muß natürlich nicht egomanisch sein, und geteilter Spaß kann doppelter Spaß sein.

Spaß und mehr

Ich möchte nun noch etwas über den Spaß hinausgehen. In der Bibel taucht, je nach Übersetzung, das Wort „Spaß“ nicht so oft auf, dafür gibt es sehr oft das Wort „Freude“ (in der Lutherbibel 210-mal).

Welcher Unterschied ist zwischen „Spaß“ und „Freude“? Gibt es einen?

Einen Bibelvers mit dem Wort „Freude“ kennt bestimmt nahezu jeder von Ihnen, denn in der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium spricht der Engel zu den Hirten: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude“

In der lateinische Übersetzung steht für große Freude „Gaudium magnum“ und diese lateinische Wort wurde in eine südeuropäische Sprache als Lehnwort übernommen: „Däs is a Mords-Gaudi!“, wobei das Wort „Gaudi“ wohl doch eher für einen einzelnen Jux steht, für ein Späss-ken, aber es zeigt schon in die Richtung, daß das Wort „Freude“ in der Bibel nicht einfach nur ein theoretischer Begriff ist.

Wenn man den Spaß am Leben, Spaß an seinem Beruf, Spaß an seiner Familie, an seinen Kindern hat, dann bedeutet es dasselbe wie Freude und es ist eine tolle Sache, diese Freude zu erleben, aber manchmal hakt es damit. Vielleicht erleben wir ungünstige Umstände wie Arbeitslosigkeit, vielleicht haben wir uns verkracht, vielleicht haben wir uns auch einmal blöde verhalten und uns selbst damit Probleme bereitet, so daß der Spaß am Leben schwindet, aber vielleicht liegt das Problem auch tiefer.

Dazu gibt es einen interessanten Bibeltext, wo der Autor, König Salomo, der Erfinder des salomonischen Urteils, bewußt aus irdischer Sicht alle Dinge auf der Erde beurteilt (Prediger 3, 10-13; NL)

10 Ich habe mir die Arbeit angesehen, die Gott den Menschen gegeben hat, damit sie sich damit plagen. 11 Gott hat allem auf dieser Welt schon im Voraus seine Zeit bestimmt, er hat sogar die Ewigkeit in die Herzen der Menschen gelegt. Aber sie sind nicht in der Lage, das Ausmaß des Wirkens Gottes zu erkennen; sie durchschauen weder, wo es beginnt, noch, wo es endet. 12 Dadurch wurde mir klar, dass es das Beste für den Menschen ist, sich zu freuen und das zu genießen, was er hat. 13 Denn es ist ein Geschenk Gottes, wenn jemand isst und trinkt und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann.
Wenn man Spaß an seinem Leben und an seiner Arbeit genießen kann, dann ist das ein Gottesgeschenk, sagt Salomo. Aber das geht meistens nicht, denn zum Einen ist die Arbeit oft genug eine Plage und zum anderen läßt uns die Ewigkeit in unserem Herzen nicht immer in Ruhe. Tief in uns drinnen wissen wir, daß es mehr gibt, als ein spaßiges Leben, welches 70, 80 oder vielleicht sogar 100 Jahre dauert. Warum fragen denn so viele Menschen in den unterschiedlichsten Kulturen nach Gott? Alle Religionen dieser Welt sind ein Ausdruck des menschlichen Fragens nach Gott, ein Ausdruck dieser tiefen Sehnsucht.

Und dazu steht in der Bibel ein schöner Satz: (Galater 4, 4; LUTHER):

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn\end">bible">, Jesus Christus, und dieser Jesus ist die Antwort auf die Ewigkeit in unseren Herzen.

Jesus selbst drückt das in einem Vergleich mit Wasser zum Trinken aus (Johannes 4, 13.14; NGÜ):

»Jeder, der von diesem (normalem) Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr durstig sein. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle werden, die unaufhörlich fließt, bis ins ewige Leben.«

Und dann bekommt das Leben eine ganz neue Basis. Gestatten sie mir noch einen Bibelvers zum Schluß (Nehemia 8, 10; LUTHER):

Seid nicht bekümmert; denn die Freude an Gott ist eure Stärke.

Oft genug muß man stark sein, um sein Leben in Angriff zu nehmen und schwierige Dinge regeln und bewältigen zu können. Die Freude an Gott, der Spaß am Leben mit Gott, ist die Stärke eines Lebens, die Basis, weil die Ewigkeit in unserem Herzen ihr Ziel gefunden hat.