Gliederung des Römerbriefs
- Paulus über sich (Kap. 1, 1-7)
- Paulus Wunsch, die Gemeinde in Rom zu besuchen (Kap. 1, 8-15)
- Gottes Gerechtigkeit und Zorn allgemein (Kap. 1, 16-32)
- Persönliche Verantwortung vor Gott für Juden und Nicht-Juden (Kap. 2)
- Gottes Treue, Gerechtigkeit aus Glauben (Kap. 3)
- Beispiel Abraham für Gerechtigkeit aus Glauben (Kap. 4)
- Durch Christus mit Gott versöhnt (Kap. 5)
- Mit Christus ein neues Leben (Kap. 6)
- Das Wesen des Gesetzes (Kap. 7)
- Freiheit von der Sünde (Kap. 8, 1-17)
- Die zukünftige Herrlichkeit (Kap. 8, 18-30)
- Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen (Kap. 8, 31-39)
- Ablehnung des Evangeliums durch Israel (Kap. 9, 1-5)
- Das wahre Israel: Die Erwählung durch Gott (Kap. 9, 6-33)
- Annahme des Evangeliums (Kap. 10, 1-15)
- Israels Unglaube als Rettung für andere (Kap. 10, 16 - 11, 32)
- Gottes unbegreifliche Größe (Kap. 11, 33-36)
- Neuer Lebensstil (Kap. 12)
- Verhalten dem Staat gegenüber (Kap. 13, 1-7)
- Leben in Liebe (Kap. 13, 8-10)
- Leben in Licht (Kap. 13, 11-14)
- Leben in der Gemeinde: Starke und Schwache (Kap. 14)
- Vorbild Christi (Kap. 15, 1-6)
- Gemeinsames Lob von Juden und Nichtjuden (Kap. 15, 7-13)
- Begründung für den ausführlichen Brief (Kap. 15, 14-21)
- Reisepläne und Ankündigung eines Besuchs (Kap. 15, 22-33)
- Personelle Empfehlungen, Grüße und Warnungen (Kap. 16, 1-23)
- Abschließender Lobpreis (Kap. 16, 24-27)
Einleitung
Ein Freund von mir, der aus keinem christlichen Hintergrund kam und daher nur wenig von der Bibel wußte, hat direkt nach seiner Bekehrung als erstes Buch in der Bibel den Römerbrief gelesen.
Hammerhart dachte ich damals.
Normalerweise ließt man ja zuerst eines der Evangelien, weil das so viel über die Person Jesu Christi steht, aber den Römerbrief?
Vom inhaltlichen ist das sicherlich nicht falsch, denn der Römerbrief ist eine Zusammenfassung der biblischen Lehre.
Wenn man also mal wissen möchte, was die Bibel eigentlich lehrt, was sich hinter den ganzen Geschichten, Beispielen und Gleichnissen verbirgt, dann sollte man den Römerbrief lesen.
Warum der Römerbrief für unsere Gemeinde?
Einer der ersten Fragen, die sich mir stellten, als ich den Römerbrief für Vorbereitung dieser Predigt nochmal komplett gelesen hab, war, warum Paulus alle Grundlagen nochmal so detailliert beschreibt.
Der Römerbrief ist ganz klar an Christen gerichtet: (Römer 1, 1.6-8;)
Warum stehen im Römerbrief so viele grundsätzliche Dinge, von denen man annehmen sollte, daß die Gemeinde in Rom darüber Bescheid wußte?
Man könnte annehmen, daß Paulus, weil er die Gemeinde bisher nicht kannte, dachte: „Wer weiß, was das so für Leute sind und was die so glauben, da gehe ich lieber mal auf Nummer sicher und erkläre denen noch mal alles von Grund auf, damit die garantiert wissen, was richtig ist.“
Wenn das so wäre, dann wäre der Römerbrief doch nichts mehr für uns, denn wir kennen uns doch mit den biblischen Grundlagen aus, oder?
Aber in der Gemeinde in Rom waren fähige Leute, wie man aus den Grüßen in Römer 16, 3-16 entnehmen kann.
Also konnte Paulus annehmen, daß die Gemeinde in Rom die Glaubensgrundlagen schon verstanden hatte.
Warum dann also dieser grundsätzliche Brief?
Ob es bei den Römern viele Leute gab, auf die das zu traf, was es im Hebräerbrief beschrieben war, wo die Briefempfänger, die Hebräer, massiv kritisiert werden? (Hebräer 5, 11-14)
Trifft diese Kritik auch auf uns als Gemeinde zu, auf Dich und mich persönlich?
Kannst Du jemandem in den Grundlagen des Evangeliums unterrichten?
Müssen wir die grundlegenden Wahrheiten neu lernen?
Haben wir den Römerbrief nötig?
Wir wissen heute nicht mehr, in welchem Zustand die Gemeinde in Rom war und wir wissen auch nicht, warum genau Paulus den Brief an die Römer so geschrieben hat.
Aber es war Gottes Wille, daß dieser Brief so geschrieben wurde und daß er uns erhalten blieb.
Wenn ich jetzt sagen würde, daß der Römer-Brief mit seinen grundsätzlichen Betrachtungen nicht nur für die Leute, die nur Milch vertragen, sondern auch für Leute, die schon gut feste Nahrung vertragen können, geeignet ist, dann wird sich das für die Leute, die den Römer-Brief schon mal gelesen haben, etwas albern anhören.
Denn auch die grundsätzlichen Themen im Römer-Brief sind teilweise schwer verdaulich sind und hinterfragen massiv das eigene Leben. Von daher ist der Römer-Brief auch immer brandaktuell.
Also denke ich, daß alle paar Jahre "Römer-Brief" keinem Christen und keiner Gemeinde schaden, egal wie fest die Nahrung schon ist, die vertragen wird.
Was erwartet uns im Römer-Brief?
Ich möchte mal die Hauptthemen anreißen. Vieles werde ich weglassen, weil das in der Kürze der Zeit gar nicht anders geht.
Gottes Gerechtigkeit (Kap. 1, 16-32; Kap. 2)
Dieses Thema enthält einen ausführlichen Exkurs über Gottes Zorn, welcher mit Kap. 1, 18 beginnt:
So schlimm sind die Menschen? Also wäre Gott zurecht zornig auf uns Menschen. Der einzige Fall, wo der Ausdruck „gerechter Zorn“ paßt?
Und wie äußert sich Gottes Zorn? Sind die jüngsten
Flutkatastrophen Ausdruck von Gottes Zorn? Aber diese Menschen sind
nicht schlechter als wir. Warum sollte es sie treffen und nicht
uns?
Und in diesem Abschnitt über Gottes Zorn tauchen Naturkatastrophen
gar nicht auf.
Ich beantworte diese Frage mal nicht, wie sich Gottes Zorn heute äußert, damit die Neugier der Unwissenden sie dazu treibt, den Römerbrief zu lesen. Denn das genau wollen wir ja tun.
In diesem Abschnitt geht es aber nicht nur allgemein um die Menschen, sondern auch um Dich und mich persönlich (Kap. 2, 1):
Vom allgemeinen zum persönlichen:
Im Römerbrief, wie sowieso in der übrigen Bibel auch, wird es immer wieder persönlich. Was ist mit Dir, was denkt Gott über Dein Leben? Findet Gott das gut, so wie Du lebst?
Gerechtigkeit vor Gott aus Glauben
Wie bekommt man das hin, daß Gott gut findet, was man macht?
In Kap. 3-4 wird beschrieben, wie Gott trotzdem Interesse an uns hat und wie er Deine und meine Schlechtigkeit überwunden hat:
Durch Jesu Opfertod am Kreuz.
Es wird am Kapitel 3 noch mal sehr intensiv betrachtet, warum jeder Mensch Strafe durch Gott verdient hat. Bei dieser Beschreibung, wie der Mensch ist, können einem schon die Haare zu Berge stehen. Das wird manchen Teilnehmer unserer Hauskreise vielleicht sogar ärgern.
Wir sind ja alle nette Menschen, aber in Wirklichkeit sind wir es wohl doch nicht.
Durch Gottes offene Worte über unseren moralischen Zustand als Menschen müssen wir durch, um wirklich zu kapieren, daß wir Jesus Christus brauchen.
Dann kommt noch der weiterer Hammer, daß wir vor Gott nicht mit unseren Leistungen punkten können. Fast alle Religionen – und auch viele, die sich christlich nennen – haben Leistungskomponenten in ihrem Glaubenspaket. An etwas glauben reicht nicht, da muß man auch was tun.
Ganz anders im Römerbrief (Kap. 3, 27-28):
Die Zeugen Jehovas glauben, daß sich dieser Abschnitt nur auf das israelitische Gesetz bezieht, und das Leistungen anhand dieses alten Gesetzeswerk nun unnötig sind. Ansonsten muß man aber schon viel arbeiten, um in den Himmel zu kommen.
Aber hier geht es offensichtlich um Taten generell; die Zeugen Jehovas und viele andere Religionsgemeinschaften liegen hier falsch.
Es ist ja auch schwierig. Man will doch was für Gott tun, man will doch Gott stolz präsentieren, was man alles schon geleistet hat.
Und dann diese Aussage:
Glaube an Jesus Christus und vertraue darauf, daß durch seinen Tod
Dein Leben vor Gott gerecht ist, dann spielen Deine Leistungen
keine Rolle mehr; allein durch Vertrauen stehst Du vor Gott gut
da.
Es ist eigentlich nicht schwer zu verstehen, es kratzt nur so unheimlich an unserem Ego.
Nehmt als Beispiel ein dreijähriges Kind. Egal, was es leistet oder nicht leistet, die Elten lieben es, halten zu ihm, helfen ihm. Und genauso liebt und hilft uns Gott, wenn wir auf ihn vertrauen und egal, was wir leisten.
Neues Leben und Hoffnung in Jesus Christus
In Kapitel 5-8 wird beschrieben, wie das Leben mit Jesus aussieht (Kap. 5, 1):
Frieden mit Gott, das hört sich einerseits gut an, andererseits auch irgendwie abstrakt, nicht so richtig greifbar. Man kann diesen Begriff wahrscheinlich erst richtig verstehen, wenn man den Vergleich kennt: Einerseits mit Gott im Unfrieden, andererseits mit Gott in Frieden, einerseits neues Leben, andererseits altes Leben.
In Kap. 6 ist dieser Unterschied sinngemäß so beschrieben:
Altes Leben
Sklave der eigenen Sünde, der eigenen Schlechtigkeiten und frei
gegenüber der Gerechtigkeit.
Also, man muß sündigen, man kann sich da kaum gegen wehren, und man
kann, wenn man will, das Richtige oder sogar Gutes tun.
Neues Leben
Sklave der Gerechtigkeit und frei gegenüber schlechten
Taten.
Man kann sich kaum dagegen wehren, daß richtige zu tun und auch
Gutes, aber man kann, wenn man will, sündigen, muß es aber
nicht.
Beide Leben sind genau entgegen gesetzt.
Was auch noch verwirrender ist, ist die Aussage, daß man sich freiwillig zum Sklaven macht (Kap. 6, 19):
Der normale Mensch würde für sich in Anspruch nehmen, daß er beiden gegenüber frei ist, entweder das richtige oder das falsche zu tun, je nach Lust und Laune.
Laut dieser Aussage aus dem Römerbrief geht das so nicht; man kann sich nur grundsätzlich entscheiden, wem man dienen will. Ein Sklave kann ja nicht nach Belieben seinen Herrn wechseln.
Wem dienst Du?
Israel
In Kap. 9-11 folgt dann ein Abschnitt über das irdische und das geistliche Israel.
Hier geht es u.a. um das Thema „Erwählung“ und das wird sicherlich kontroverse Diskussionen hervorrufen, z.B. Römer 9, 11.12 über Jakob und Esau;
Bei solchen Aussagen rebellieren viele. Das ist doch unfair, denkt man, der arme Ältere kann doch nichts dafür.
Ich kann das nicht in einfacher Form erklären oder begründen, ich erkenne aber einige Fallen, in die man bei solchen Themen wie diesem hier tappen kann:
- Die Das-verstehe-ich-nicht-also-kann-das-nicht-sein-Falle:
- Die Man-kann-das-nur-so-sehen-Falle:
- Die Einfache-Erklärung-unter-Auslassung-einiger-Verse-Falle:
Man darf seinen eigenen Verstand, seine eigene Erkenntnis, nicht zum alleinigen zum Maßstab machen.
Unsere Erkenntnis ist Stückwerk und wir werden das meiste erst verstehen, wenn wir bei Jesus im Himmel sind.
Manche schwierigen Fragen kann man scheinbar leicht erklären, wenn man einfach ein paar Verse nicht beachtet. Dann ist alles ganz easy.
Und da das Thema „Erwählung“ ein schwieriges Thema ist, ist es leicht, in eine der genannten Fallen zu tappen.
Ein weiteres Thema hier ist das irdische Israel.
Wie gehen wir damit um? Haben wir damit was zu tun?
In Kap. 11, 11 wird über das irdische Israel gesagt:
Das heißt also, daß das irdische Israel soll an uns Christen sehen, wie das Leben mit Gott wirklich ist und darauf eifersüchtig werden.
In kaum einem Punkt hat die Christenheit so versagt. Z.B. hat sogar ein gläubiger Mann wie Martin Luther im Alter der Judenverfolgung zugestimmt und dazu beigetragen.
Verändertes Leben in der Praxis
In Kap. 12-14 + 15,1-13 wird dann ausgeführt, wie man verändert lebt.
Am Anfang haben vielleicht einige gedacht, daß man ja leben kann, wie man will, und man nur auf Jesus vertrauen muß, und alles ist immer in Ordnung.
Ich sag' einfach mal: Ja, das ist so.
Denn wenn man nämlich nur richtig lebt, damit Gott nicht sauer auf einen ist, dann leistet man ja wieder etwas, um Gott zu gefallen und das ist ja verkehrt.
Kap. 12, 1.2;
Hier muß man ja doch wieder Sachen tun, Schade, das hörte sich vorher so leicht an.
Aber es ist freiwillig, es ist keine Pflicht. Lösen wir uns von dem „Du mußt“ und dienen Gott freiwillig. Und je mehr wir die Größe des Opfers Jesu für uns verstehen, desto eher sind wir bereit, freiwillig Gott zu dienen.
Die Praxis kommt im Römerbrief nicht zu kurz. Die Kapitel 12-15, 13 beschreiben verschiedene zentrale Punkte: Leben in der Gemeinde, Verhalten gegenüber Leuten, die nicht an Jesus glauben, Verhalten gegenüber der Obrigkeit, Ausleben der eigenen Freiheit und die Liebe als zentraler Punkt im Leben mit Jesus.
Das sind alles Dinge, die uns interessieren sollten.
Paulus als Person
Am Ende werden noch Reisepläne und Persönliches von Paulus betrachtet.
Paulus war zwar das Werkzeug, das durch Gott diesen Brief geschrieben hat, aber er hat ihn nicht als willenloses Werkzeug geschrieben.
Manch einer hat ja Angst, daß er zu einem religiösen, fanatischen Zombie wird, wenn er sich mit Jesus einläßt.
Man kann an diesem Brief sehen, daß das nicht so ist.
Paulus hat diesen Brief in sehr persönlicher Art und Weise geschrieben und man erkennt daran, daß er kein religiöser Fanatiker ist. Gott hat schon dafür gesorgt, daß die richtigen Inhalte drinstehen, aber es ist trotzdem ein persönlicher Brief.
Wenn man mit Gott lebt, dann entfaltet sich die eigene Persönlichkeit noch mehr als vorher. Man wird zu dem Menschen, den sich Gott vorgestellt hat. Und da es Gott gut mit uns meint, ist das auch gut für uns.
Zusammenfassung
Ich habe versucht, einen ungefähren, thematischen Überblick über den Römerbrief zu geben:
- Gottes Gerechtigkeit und Zorn
- Gerechtigkeit aus Glauben
- Neues Leben und Hoffnung in Jesus Christus
- Israel
- Verändertes Leben in der Praxis
- Paulus als Person
Vollständig war es mit Sicherheit nicht, aber ich hoffe, ich habe euch motiviert, den Römerbrief mal wieder neu zu lesen. Und wir sollten Gott darum bitten, daß er es schenkt, daß wir als Gemeinde und persönlich dadurch verändert werden.
AMEN