Einleitung
Das Thema, worüber ich heute mit Euch nachdenken möchte, beschäftigt mich schon eine Zeitlang und es paßt auch ein bißchen als Folgethema zu der Predigt von letztem Sonntag, wo es um Taufe ging.
Heute geht es darum, was richtig und was falsch ist, und wie wir damit umgehen.
Man könnte ja als Gemeinde folgende Vorgehensweise wählen.
Wir gehen als Gemeinde in Klausur und überlegen uns anhand der Bibel, was alles erlaubt und was verboten ist. Daraus erstellen wir eine Verbotsliste, stimmen als Gemeinde darüber ab und alle Gemeindemitglieder halten sich in Zukunft daran.
Wenn jemand bei uns Mitglied werden möchte, dann bekommt er vorher diese Liste, damit er weiß, worauf er sich einläßt. Wir als Gemeinde kontrollieren ihn so ein bißchen vorher, ob er sich daran hält und dann nehmen wir ihn auf.
Das hätte doch einen gewissen Charme. Wir sind uns in solchen Fragen dann weitgehend einig, brauchen uns in Predigten – außer natürlich bei Gästegottesdiensten – nicht damit zu beschäftigen, was verboten ist.
Spinnen wir diesen Gedanken einmal weiter: Was würde in so eine Verbotsliste denn kommen?
Also z.B. Stehlen, Morden, Betrügen, Ehebruch, generell außerehelicher Sex, Lügen.
Man merkt, daß so eine Liste gar nicht so einfach festzulegen ist.
Und wie will man das kontrollieren? Sollte jemand, der in die Gemeinde aufgenommen werden will, erst einmal seinen Steuerbescheid vorliegen, um festzustellen, wie ehrlich er dabei ist?
Vielleicht können wir dafür einen Gemeindesheriff ernennen.
So jetzt ist aber genug gesponnen. So eine Gemeinde will hoffentlich keiner von uns und sie entspricht auch nicht Gemeinde, so wie sie in der Bibel beschrieben ist.
Aber trotzdem müssen wir uns mit ethischen Fragen beschäftigen, also mit dem, was richtig und was falsch ist.
Richtig und Falsch für einen jeden persönlich
Beginnen wir mit uns persönlich. Jeder von uns muß in seinen eigenen Leben Entscheidungen treffen, was richtig und was falsch ist.
Nun könnte man auf die Idee kommen, daß man einfach die Verbote und Gebote in der Bibel als Maßstab nimmt und schon macht man alles richtig.
Diese Vorgehensweise führt laut Bibel zum Tod.
Betrachten wir dazu 2. Korinther 3, 3-6; NGÜ, wo Paulus darüber schriebt, wie die Christen in Korinth auf ihre Umgebung wirken:
4 Wenn wir mit solchem Selbstbewusstsein von unserem Dienst sprechen, gründet sich das auf Christus und geschieht im Vertrauen auf Gott. 5 Aus eigener Kraft sind wir dieser Aufgabe nicht gewachsen; es gibt nichts, was wir uns als Verdienst anrechnen könnten. Nein, unsere Befähigung verdanken wir Gott. 6 Er hat uns fähig gemacht, Diener des neuen Bundes zu sein – eines Bundes, der sich nicht mehr auf das schriftlich niedergelegte Gesetz gründet, sondern auf das Wirken von Gottes Geist. Denn das Gesetz bringt den Tod, aber der Geist ´Gottes` macht lebendig.
Der letzte Vers dieses Abschnitts begründet meine Behauptung. Das Gesetz bringt den Tod. Wenn man versucht, nur anhand von Gebots- und Verbotslisten sein Leben zu führen und sogar Gott zu dienen, dann wird der Glauben sterben. Und dann ist man auch kein lebendiger Brief Christi mehr.
Zur Zeit des alten Testaments waren die langen Gebots- und Verbotslisten aus dem alten Testament verbindlich, und es wurde im Laufe der Geschichte von Israel deutlich, daß sie diese Gebote nicht halten konnten.
Und Gebote und Verbote, die man als richtig erkannt hat und nicht halten kann, führen auf Dauer zum Tod der Lebensfreude.
Was machen wir denn nun mit den Geboten und Verboten in der Bibel?
Hesekiel 36, 10-12; NL erklärt das genauer:
Dieser neue Bund, der hier im alten Testament vorausgesagt wurde, ist der selbe, von dem Paulus in der Stelle vorhin gesprochen hat. Gott schreibt seine Gesetze in unser Herz und füllt damit unser Denken. Also sorgt Gott selbst dafür, daß wir seine Gebote halten, und das wirkt er durch seinen Geist, wie wir vorhin in 2. Korinther 3, 6 gehört haben:
Und mit „uns“ und „wir“ sind nicht alle Menschen gemeint, sondern die Menschen, die zu Jesus Christus gehören.
Epheser 4, 30; NGÜ
Man empfängt also den Heiligen Geist, wenn man Jesus' Christus' Eigentum wird, also wenn man sich bekehrt, und der füllt unser Denken mit Gottes Geboten.
Nun merkt man ziemlich schnell, wenn man so den Alltag in einer Gemeinde miterlebt, daß die Bekehrten nicht immer alles richtig machen. Und wenn man ganz ehrlich, macht man auch selbst immer wieder neu viele Fehler.
Dies ist ein erster wichtiger Punkt: Man als Christ auf dem Weg. Nach der Bekehrung macht es nicht Pling und man hat alle Gebote Gottes verinnerlicht und hält sich an sie, sondern eine Umkehr, ein neuer Weg hat begonnen.
Das wird schön in 2. Korinther 5, 17; NGÜ ausgedrückt:
Hier wird ausgedrückt, daß ein neuer Prozeß begonnen hat, etwas ganz Neues hat begonnen.
An dieser Stelle möchte einmal kurz innehalten.
Wenn sich wirklich bei Christen etwas am Ändern ist, was durch Gott gewirkt ist, dann müßte doch sich auf Dauer eine Gemeinschaft von Christen deutlich von Gemeinschaften von Nicht-Christen positiv unterscheiden. Ich persönlich nehme es so wahr und empfinde es so, aber wir sollten uns als Christen hin und wieder auch einmal hinterfragen, ob es wirklich so ist, oder ob wir nur zu einem Verein mit der Bezeichnung „christlich“ mutiert sind.
Kommen wir zu einem zweiten wichtigen Punkt.
Wie sieht das mit Gottes Geboten in unserem Denken aus? Ist es so, daß wir immer mehr eine Abneigung gegenüber Klauen, Morden, Schwarzfahren, usw. bekommen? Werden uns also die einzelnen Verbote immer mehr zu wider und Gottes Gebote immer sympathischer?
Das wird zwar hoffentlich auch passieren, aber ich glaube, daß es eher um die grundsätzliche Einstellung geht.
Jesus Christus wurde einmal gefragt, welches das größte Gebot ist. Das war zwar eigentlich eine Fangfrage, aber Jesus hat sie beantwortet (Matthäus 22, 37-39; NGÜ):
Man lernt mit Jesus, Gott und Menschen zu lieben. Und die Gebote und Verbote sind nichts anderes als Hilfsmittel, um diese Liebe zu leben.
Ein Beispiel dazu ist Epheser 4, 25-32; NGÜ
Man könnte schon ein paar Verbote und Gebote aus diesem Text herausziehen, aber darum geht es nicht. Das, was hier verlangt wird, ist der natürliche Ausdruck von Nächstenliebe.
Ebenso gilt das für die Liebe zu Gott. Den Heiligen Geist traurig zu machen, steht der Liebe zu Gott entgegen. Es stellt sich natürlich die Frage dabei, wie man den Heiligen Geist traurig macht oder betrübt, wie es in anderen Übersetzungen heißt. Laut Jesaja 63, 10; NL ist es, sich gegen Gott aufzulehnen; damit betrübt den Heiligen Geist. Zu sagen, ich brauche Gott nicht, ich brauche Jesu Opfer nicht, ich schaffe alles allein, ich habe alles im Griff, das betrübt den Geist Gottes.
Gott pflanzt durch seinen Geist die Liebe zu ihm und zum Nächsten in unser Herz und deshalb werden seine Gebote unser Denken erfüllen.
In anderen Religionen stehen eher die Gebote im Vordergrund. Z.B. wird das Verbot, Schweinefleisch zu essen, im Islam damit begründet, weil Allah es im Koran verboten hat. Es gibt da noch weitere ziemlich krude Behauptungen wegen Gesundheitsschädlichkeit und so weiter. Es hat sogar einmal jemand in einem Online-Jugend-Journal einer muslimischen Gemeinde in Berlin geschrieben, daß der Genuß von Schweinefleisch die Homesexualität fördert.
Das mag uns belustigen, aber letztendlich ist der Genuß von Schweinefleisch im Islam verboten, weil er verboten ist. Das gibt es in vielen Religionen. Es gibt eine Liste von Verboten und die müssen gehalten werden. Die Frage nach dem Sinn solcher Verbote ist zwar manchmal gestattet, aber unwichtig.
Der Glaube an Jesus ist eine Beziehung und hat als Hauptziel die Liebe zu Gott und – gleichwertig dazu – die Liebe zum Nächsten.
Nun haben wir uns mit dem Leben des einzelnen beschäftigt, wie ist es nun mit
Richtig und Falsch in der Gemeinde
Wir betrachten von der Kanzel natürlich auch ethische Fragen, was falsch und was richtig ist.
Wir denken oft gemeinsam darüber nach, welches Verhalten an welcher Stelle richtig und falsch und das ist auch richtig so. Schließlich soll eine Predigt uns auch im Alltag helfen.
Hier können wir natürlich auf Probleme stoßen, wenn wir uns in manchen ethischen Fragen nicht einig sind. Wir haben ja keine und wollen auch keine Verbotsliste, sondern wir wollen immer mehr lernen, Gott und den Nächsten zu lieben und wir wollen ernstnehmen, was in der Bibel steht, denn wir als Gemeinde glauben, daß die Bibel Gottes Wort für uns ist.
Nun kommen Christen aber immer wieder zu unterschiedlichen Schlüssen.
Ein Beispiel dafür ist der Bibelvers aus Römer 12, 2; Luther:
Ich habe bewußt die Luther-Übersetzung für diesen Vers gewählt, denn diese wurde früher oft verwendet. Nicht wenige Christen haben aus diesem und anderen Versen den Schluß gezogen, daß der Besuch sogenannter weltliche Vergnügungen wie Kino, Theater, Rummelplatz, usw gegen diesen Vers verstößt. Und manch einer ist dann heimlich ins Kino gegangen. Mir hat auch einmal ein älterer Bekannter aus einer Brüdergemeinde erzählt, daß er als Jugendlicher heimlich ins Kino gegangen ist und dort einen Ältesten seiner Gemeinde „erwischt“ hat, der auch heimlich im Kino war.
Aber wir brauchen gar nicht auf andere zu gucken. Wir hatten hier früher Sylvester-Gottesdienste und die damalige Jugend ist vor Mitternacht rausgegangen, um das Feuerwerk zu sehen. Da haben sich einige Ältere drüber beschwert, weil die Jugend sich das Feuerwerk dieser Welt ansieht. Zu dieser Zeit habe ich auch gedacht, daß Sylvester-Feuerwerk für Christen nicht richtig wäre.
Heute sehe ich das nicht mehr so, und ich knalle mit meinem Kindern jedes Jahr zu Sylvester ein bißchen. Vor zwei Jahren habe ich sogar geschafft, einen alten Eimer mit einem China-Kracher über zwei Meter hoch fliegen zu lassen.
Wie geht man jetzt mit solchen Meinungsverschiedenheiten um? Belächelt man unsere Väter und Mütter wegen solcher Ansichten?
Der richtige Weg ist meiner Meinung nach, daß man sich mit solchen Ansichten auseinandersetzt und sich genau überlegt, warum man das nicht so sieht.
Ich glaube, sich der Welt gleich zu stellen bezieht sich auf das Wie meiner Person und nicht auf das Wo meiner Person. Als Christ kann ich nahezu überall hingehen, aber ich gehe mit Jesus hin.
Allerdings kann der reichliche Konsum von Vergnügungen auch schaden, wenn man dadurch Pflichten vernächlässigt oder damit über die Maßen Geld verschwendet. Wenn für mich mein Vergnügen an erster Stelle vor allem anderen steht, dann habe ich mich tatsächlich der Welt gleichgestellt und bin auf einem falschen Weg.
Man könnte es sich auch einfach machen, und darauf verweisen, daß die Zeiten sich ändern.
Sicherlich sind wir auch Kinder unserer Zeit, da kann sich niemand von frei machen. Aber trotzdem ist die Bibel Gottes Wort an uns und nicht dem Wandel der Zeit unterworfen.
Was ist z.B. mit Ehebruch? Bis 1969 war Ehebruch in Deutschland strafbar. Das ist es heute nicht mehr. Trotzdem ist Ehebruch von der Bibel her immer noch falsch. Es wird in den Zehn Geboten erwähnt und auch für Jesus ist Ehebruch in der Bibel immer falsch.
Ähnlich ist es mit Unzucht. Das ist ein altmodisches Wort, daß in manchen Bibelübersetzungen kaum noch auftaucht. In der NGÜ heißt es z.B. in Epheser 5, 3 nicht „Unzucht“ sondern „sexuelle Unmoral“. In der Zeit, als das neue Testament geschrieben wurde, bedeutete „Unzucht“ außereheliche, sexuelle Handlungen. Im Laufe der Geschichte hat dieses Wort hin und wieder seine Bedeutung in der Gesellschaft geändert.
In unseren Gemeinden war vorehelicher Sex lange Zeit verpönt und ich persönlich habe es auch so gelebt – kein Sex vor der Ehe – und finde es immer noch richtig.
In Deutschland waren bis zur großen Strafrechtsreform 1969 voreheliche sexuelle Handlungen sogar offiziell verboten, wurden aber kaum noch geahndet.
Wie gehen wir nun damit um, daß sich einige unserer Wertvorstellungen von denen in der Gesellschaft immer weiter entfernen?
Das ist nämlich ein sehr wichtiger Punkt.
Neue Mitglieder und Richtig und Falsch
Wenn Menschen sich für Jesus entscheiden und zu uns in die Gemeinde kommen, was erwarten wir von Ihnen?
Muß man, um sich taufen zu lassen und/oder Gemeindemitglied zu werden, erst einmal vieles in Ordnung bringen?
Wir haben es bisher so gehandhabt und meistens – nicht immer – bezog es sich auf uneheliche Beziehungen.
Aber ist es richtig?
Wir haben letzte Woche einiges über Taufe gehört und u.a. über den äthiopischen Finanzminister aus Apostelgeschichte 8, 36-38; NGÜ:
Der Vers 37, Philippus' Antwort taucht in einigen Quellen nicht auf und wird daher in manchen Bibeln nur in der Fußnote erwähnt, aber ich denke, er paßt.
Philippus tauft ihn auf das Bekenntnis seines Glaubens und der aufrichtige Glaube ist die einzige Bedingung. Wer weiß, was dieser Äthiopier für ein Typ war! Vielleicht ist er mit Bestechung an die Macht gekommen, vielleicht hat er dafür Leute um die Ecke bringen lassen. Das wissen wir nicht und das ist hier auch nicht wichtig. Er hat Jesus erkannt und Jesus wird an ihm arbeiten, ihn verändern.
Für unsere Gemeinde wäre das ein Paradigmenwechsel.
Wir nehmen jemand auf, dessen Leben nicht in Ordnung ist, im Vertrauen darauf, das Jesus Christus an ihm arbeitet.
Ich tendiere immer mehr dazu, daß wir als Gemeinde in Zukunft so vorgehen sollten, obwohl ich viele Probleme dabei sehe.
Problem von Anfang an
Jemanden aufzunehmen, der offensichtlich falsch lebt, bringt natürlich immer Probleme mit sich. Aber wir können das Leben eines Menschen gar nicht so offen kontrollieren, bevor wir ihn aufnehmen. Wir sehen zwar, ob jemand unehelich zusammenlebt, aber wir können nicht seine Steuererklärung kontrollieren, wir können nicht kontrollieren, wie oft er die Straßenverkehrsordnung überschreitet und wieviel er was im Internet konsumiert. Das kann und will auch kein Taufgesprächspartner leisten.
Außerdem kann es gerade in dem Fall des unehelichen Zusammenlebens dazuführen, das unsere Gemeindeaufnahmehürde Menschen in eine Ehe treibt, die nicht gut ist. Viele Menschen leben nicht deswegen zusammen, weil sie vergessen haben zu heiraten, sondern weil sie einsam sind und lieber auf Zeit mit einem ungeeigneten Partner Wohnung und Bett teilen, als alleine zu wohnen.
Das kann sich nur ällmählich ändern, wenn man durch Jesus verändert wird und mit der Zeit merkt, daß diese Art der Partnerschaft in die Irre führt.
Predigten können angreifen
Wenn wir Menschen bei uns haben, die ein offensichtliches falsches Leben führen, dann werden Predigten diese öfters ansprechen. Dabei geht es mir nicht darum, Menschen direkt in einer Predigt vor der ganzen Zuhörerschaft anzuklagen – das wäre ziemlich asozial. Aber wenn man z.B. über Sünde spricht – und das muß man hin und wieder –, dann besteht die Gefahr, daß dann alle Augen auf eine Person gucken und das darf nicht sein. Das ist echt schwierig. Über Sünde zu sprechen, wenn die Sünder nicht anwesend sind, ist ganz leicht. Aber machen wir uns nichts vor, unsere Sünde ist nur nicht so offensichtlich. Wir sind alle nur auf dem Weg.
Und was auch nicht passieren darf, ist, daß die halbe Gemeinde einen Neuen jeden Sonntag explizit oder unausgesprochen fragt: „Na, endlich geheiratet?“
Vorbild
Das ist ein ganz heißes Eisen. Ich habe vor vielen, vielen Jahren mal ein Mädel gekannt, die hat in ihrer Gemeinde Sonntagsschule gemacht. Sie hatte einen Freund, der weiter weg wohnte und der alle paar Wochen vorbei kam und das Wochenende bei ihr übernachtete. Sie hatte dabei auch deutlich gemacht, daß da auch mehr lief, als nur zu übernachten. Ich habe ihr gesagt – in meinem jugendlichen Elan –, daß ich das falsch finde, und das ich, wenn sie in unserer Gemeinde Mitglied wäre, dagegen wäre, daß sie Sonntagsschule macht.
Ich weiß nun nicht, wie heimlich sie das gelebt hat und ob ihre Gemeindeleitung davon wußte.
Vielleicht muß man sich auch auf den Standpunkt stellen, daß es zwar falsch ist, aber trotzdem Privatsache. Aber ich hätte damit immer noch ein Problem, auch heute 20 Jahre später.
Wir kontrollieren nun unserer Mitarbeiter nicht, wie auch? Wir vertrauen unseren Mitarbeitern und vertrauen Gott. Vielleicht beten wir zu wenig.
Das Vorbildproblem gilt natürlich generell. Man ist in irgendeiner Gruppe aktiv und ist man dabei ein gutes Vorbild? Insbesondere gilt das für Jugend- und Kinderarbeit.
Bei Erwachsenen tue ich mich da ein bißchen schwerer, insbesondere wenn so Sprüche kommen wie „Wenn der das darf, darf ich das auch.“ Wenn man selber so redet, merkt man leider oft nicht, wie lächerlich das klingt, nur wenn andere Erwachsene so reden, fällt es einem selber auf.
Gemeindeausschluß
Was ist mit Stellen wie Matthäus 18, 15-17 ?
Vor diesem Text steht das Gleichnis vom verirrten Schaf, dem der Hirte nachgeht, von daher muß dieser Zusammenhang mit berücksichtigt werden.
Ich habe diesen Text einmal mehr oder weniger wörtlich vor über 20 Jahren umgesetzt.
Ein jugendliches Gemeindemitglied, was aber kein Gemeindekind war, hatte irgendwann genug vom Glauben. Er kam nicht mehr und ich hatte von anderen gehört, daß er nichts mehr vom Glauben wissen wollte und schlecht über die Gemeinde sprach. Weil ich immer ganz gut mit ihm klar kam, habe ich ihn dann besucht und habe versucht mit ihm zu sprechen. Aber er war völlig abweisend, fast feindlich eingestellt und er wollte mir auch nicht erzählen, warum er nichts mehr vom Glauben wissen wollte. Ich bin dann irgendwann wieder gegangen und habe ihn dann mit einem anderen jungen Erwachsenen aus unserer Gemeinde erneut besucht. Er war wieder völlig abweisend und ich habe ihm dann gesagt, daß ich diese Angelegenheit vor die Gemeinde bringe.
Es gab dann eine Gemeindestunde, wo er nicht kam und er wurde dann ausgeschlossen.
Das würde ich so heute nicht mehr machen. Gerade in so einem Fall so formal vorzugehen, erscheint mir heute falsch. Das Gleichnis vom verirrten Schaf zeigt mir, daß man mit viel mehr Geduld einen Menschen gewinnen muß, wie es ja auch in diesem Text steht: Den Bruder gewinnen.
Wir finden in der Bibel eine weiteren Fall eines Ausschlusses in 1. Korinther 5, 1.2 :
Der Text geht noch weiter und endet so:
Das ist ein ziemlicher Hammer und zeigt deutlich, daß es nicht darum gehen kann, Beliebigkeit in unserer Gemeinde einziehen zu lassen.
Wir stehen also in dem Konflikt, daß wir einerseits Menschen mit manchen Verhaltensweisen in der Gemeinde nicht dulden dürfen und aber andererseits, Menschen, die mit Jesus beginnen, mit offenen Armen aufnehmen wollen.
Man kann an dieses Problem nicht formal-juristisch drangehen. Es ist sicherlich ein Unterschied, wenn jemand im Glauben beginnt, wenn jemand neu mit Jesus beginnt, im Gegensatz zu jemanden, der schon lange glaubt und dann anfängt dummes Zeug zu machen.
Nachdem ich viele Probleme zu diesem angerissen und hoffentlich Stoff zum Nachdenken gegeben habe, möchte ich hier zum Schluß kommen.
Zusammenfassung
Jeder, der mit Jesus Christus beginnt, bekommt Gottes Gebote in sein Herz gepflanzt.
Hierbei richtet sich alles auf Gottes wichtigstes Gebot aus.
Du sollst Gott, Deinen Herrn, lieben mit ganzen Herzen, mit all deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst.
In der Gemeinde ändern sich manchmal die Ansichten über Richtig und Falsch, aber die Bibel bleibt Gottes Wort.
Es ist zu überlegen, ob neue Mitglieder nur noch auf ihr Bekenntnis hin aufgenommen werden, in dem Vertrauen darauf, daß Jesus mit ihnen ihren Weg beginnt und sie verändert.
Hierbei werden wir auf Probleme stoßen, denen wir uns stellen müssen.
- Problemfälle in der Gemeinde sorgen für Probleme, aber die haben wir sowieso.
- Predigten über Richtig und Falsch können angreifen, aber es ist unsere Pflicht auch über solche Themen zu predigen. Die Gemeinde soll dabei nicht unter Druck setzen
- Vorbilder, gute wie schlechte, wie gehen wir damit um?
- Gemeindeausschluß: Wann ist das ein Thema? Müssen wir zwischen dem dauerhaften Fehlverhalten von Neulingen und alteingesessenen Mitgliedern unterscheiden?
AMEN