Psalm 32

Gottesdienst, , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

Manche von Euch wissen ja, daß ich kurz vor Sylvester beim Bohren zu Hause mir einen Metallsplitter und etwas Rost ins linke Auge bekommen habe und da sich mein Leben zwei Wochen lange fast nur ums Auge drehte, fiel mir immer wieder der Refrain eines alten Liedes („... mit meinen Augen leiten...“) ein.

(auf den Beamer)

Das Lied hört sich für heutige Verhältnisse vielleicht etwas altbackend an, aber mir gefällt es immer noch. Es stammt übrigens aus Grönland, denn es wurde auf einer christlichen Freizeit 1973 auf Grönland geschrieben.

(Lied: „Woher weiß ich, was Du willst“ mit der Gemeinde singen)

Der Refrain ist ein Zitat aus Psalm 32 und dachte ich mir, man könnte ja mal über Psalm 32 gemeinsam nachdenken.

Dazu möchte ich ihn zu Anfang anhand der NGÜ lesen:

1 Von David. Ein kunstvoll gestaltetes Lied

Glücklich zu preisen ist der Mensch, dem seine Treulosigkeit Gott gegenüber vergeben und dessen Sünden zugedeckt sind.

2 Ja, der ist wahrhaft glücklich zu nennen, dem der Herr die Schuld nicht anrechnet und der durch und durch aufrichtig ist.

3 Solange ich meine Schuld verschwieg, wurde ich von Krankheit zerfressen, den ganzen Tag habe ich nur gestöhnt.

4 Tag und Nacht lastete deine Hand auf mir. Da verging mir aller Lebensmut, ich verlor jede Kraft wie unter stechender Sonnenglut.

5 Dann endlich bekannte ich dir meine Sünde, meine Schuld verschwieg ich nicht länger vor dir. Ich sagte: »Ich will dem Herrn alle meine Vergehen bekennen.« Und du – ja, du befreitest mich von der Last meiner Sünde.

6 Darum soll jeder, der dir treu ist, zu dir beten, solange du dich finden lässt. Und er darf erleben: Selbst wenn die Not ihn bedrängt wie eine gewaltige Flut – sie wird ihm nicht schaden können.

7 Du, ´Gott`, bist mein sicherer Zufluchtsort, mein Schutz in Zeiten der Not. Wohin ich mich auch wende – deine Hilfe kommt nie zu spät. Darüber juble ich vor Freude.

8 ´Du hast zu mir gesagt:` »Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Ich will dich beraten und immer meinen Blick auf dich richten.«

9 Seid nicht wie Pferde oder Maultiere, denen der Verstand fehlt und deren Schmuck aus Zaum und Zügel besteht. Damit muss man sie zähmen, denn sonst gehorchen sie ja nicht.

10 Viele Schmerzen muss erleiden, wer sich von Gott abwendet, doch wer auf den Herrn vertraut, den umgibt er mit seiner Gnade.

11 Freut euch über den Herrn und jubelt laut, die ihr nach seinem Willen lebt! Ihr alle, deren Herz aufrichtig ist, singt vor Freude!

Äh, und wo war das jetzt „mit den Augen leiten“?

Da kommen wir noch zu, denn wir werden diesen Vers 8 nachher in unterschiedlichen Übersetzungen vergleichen und auf diese Weise versuchen, mehrere Facetten von dieser Aussage zu erkennen.

Aber gehen wir ruhig der Reihe nach durch diesen Psalm, der ursprünglich ein kunstvoll gestaltetes Lied war, von dem aber leider keine Noten erhalten sind. Es gibt zwar Hinweise darauf, daß es zu der Zeit damals zumindest in Ägypten schon eine Art Notenschrift gab, aber leider ist von den Psalmen nichts überliefert.

Glück und Sünde

Betrachten wir nun die ersten fünf Verse des Psalms, welche ich noch einmal lesen möchte:

1 Glücklich zu preisen ist der Mensch, dem seine Treulosigkeit Gott gegenüber vergeben und dessen Sünden zugedeckt sind.

2 Ja, der ist wahrhaft glücklich zu nennen, dem der Herr die Schuld nicht anrechnet und der durch und durch aufrichtig ist.

3 Solange ich meine Schuld verschwieg, wurde ich von Krankheit zerfressen, den ganzen Tag habe ich nur gestöhnt.

4 Tag und Nacht lastete deine Hand auf mir. Da verging mir aller Lebensmut, ich verlor jede Kraft wie unter stechender Sonnenglut.

5 Dann endlich bekannte ich dir meine Sünde, meine Schuld verschwieg ich nicht länger vor dir. Ich sagte: »Ich will dem Herrn alle meine Vergehen bekennen.« Und du – ja, du befreitest mich von der Last meiner Sünde.

Glück an sich

Man könnte meinen, es geht hier um Sünde und Schuld, aber eigentlich geht es darum, glücklich zu sein, ja wahrhaft glücklich ist der zu nennen, dem der Herr die Schuld nicht anrechnet und der durch und durch aufrichtig ist.

Bei solchen Bibelversen besteht immer die Gefahr, daß man von der frommen Aussage herkommt und damit recht kurz die Welt erklärt, so in der Art: Bekenne Deine Sünde und du wirst glücklich werden.

Ich möchte von der anderen Seite an herangehen: Denken wir doch einmal darüber nach, was wir unter wahrhaft glücklich verstehen, und überlegen dann einmal, was das mit Schuld und Sünde zu tun hat.

Glücklich sein möchte, glaube ich, jeder. Sogar in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten ist das Streben nach Glück als grundsätzliches, individuelles Freiheitsrecht festgeschrieben.

Aber was ist Glück? Und hierbei geht es nicht um das Zufallsglück, wie eine sechs bei Mensch-ärgere-dich-nicht, sondern um das Lebensglück.

In den letzten 10-20 Jahren ist die Glücksforschung zu diesem Thema sehr populär geworden. Dabei gibt es verschiedene Disziplinen.

Das ist zum einen der physiologische Bereich. Was geht in meinem Körper, in meinem Kopf vor, wenn ich mich glücklich fühle? Welche körpereigenen Drogen werden dabei ausgeschüttet? Da hat man schon einiges erforscht und man versucht z.B. Depressionen durch Medikamente zu lindern, die solche Substanzen enthalten.

Auch durch Drogen kann man durch unnatürlich hohe Dosen solcher Glücklichmacher ein intensives Glücksgefühl hervorrufen, natürlich mit den schädlichen langfristigen Folgen, die nahezu allen Drogen zu eigen sind.

Dann gibt es den sozialen Bereich. Welche menschlichen Bindungen tragen zu meinem Glück oder zum meinem Unglück bei?

Inwieweit habe ich selbst Einfluß auf mein Leben? Sich nur fremdbestimmt zu fühlen, kann auch das Glücksgefühl mindern.

Was ist mit der psychischen und körperlichen Gesundheit? Inwieweit wirkt sie sich auf unser Glücksempfinden aus? Es gibt ja den geflügelten Spruch: Hauptsache, gesund! Stimmt das?

Dann gibt es noch den ökonomischen Bereich: Wie wirkt sich meine wirtschaftliche Existenz auf mein Glück aus? Was hat Geld mit Glück zu tun? Gar nichts, sagen die Reichen.

Und dann gibt es noch unzählige Philosophen, die versucht haben, Glück zu definieren. Dabei sind viele sehr interessante und nachdenkenswerte Definitionsversuche herausgekommen.

Aber das Entscheidende ist: Was ist für Dich persönlich wahrhaftiges Glück?

All diese wichtigen und interessanten Themenbereiche, für die für eine ausführliche Betrachtung während einer Predigt die Zeit fehlt, verblassen gegenüber der persönlichen Frage nach dem eigenen Glück.

Und jetzt darf natürlich nicht die Aussage kommen: Ich muß ja glücklich sein, denn ich bin ja Christ. Hier gilt es natürlich ehrlich zu sein. Und natürlich spielen dabei auch die vorhin genannten Themengebiete aus der Glücksforschung auch in unserem persönlichen Leben eine Rolle: Körperliche Gebrechen, psychische Probleme, Schwierigkeiten in Beziehungen, Geldsorgen, das hat doch alles Einfluß auf unser Glück, oder?

Sünde und Glück

Kommen wir zu dem Psalm zurück, z.B. V. 4

Tag und Nacht lastete deine Hand auf mir. Da verging mir aller Lebensmut, ich verlor jede Kraft wie unter stechender Sonnenglut.

Das hört sich nicht glücklich an und Gott wird hier sogar als Urheber des Unglücks beschrieben.

Betrachten wir den Vers einmal im Zusammenhang:

3 Solange ich meine Schuld verschwieg, wurde ich von Krankheit zerfressen, den ganzen Tag habe ich nur gestöhnt.

4 Tag und Nacht lastete deine Hand auf mir. Da verging mir aller Lebensmut, ich verlor jede Kraft wie unter stechender Sonnenglut.

5 Dann endlich bekannte ich dir meine Sünde, meine Schuld verschwieg ich nicht länger vor dir. Ich sagte: »Ich will dem Herrn alle meine Vergehen bekennen.« Und du – ja, du befreitest mich von der Last meiner Sünde.

Hier wird die persönliche Sünde als Ursache für Unglück beschrieben. Sünde scheint ein Basis-Hindernis für Glück zu sein. Wie gesagt: Wir wollen nicht so platt sein und einfach sagen: Bekenne deine Schuld und du wirst glücklich. Aber jeder sollte immer wieder neu verstehen, daß Sünde eine Last ist, die Glück blockiert.

Und was ist mit Gottes aktiver Rolle hier im Psalm? Ich weiß nicht, warum Gott manches Unglück zuläßt und anderes verhindert, aber man sieht hier, daß Gott ganz nah am David dran ist und ein Interesse an ihm hat und ihn auf den richtigen Weg führen möchte. Genauso ist Gott an Dir und mir dran. Er möchte uns helfen, glücklich zu werden.

Und dazu noch einmal die ersten beiden Verse:

1 Glücklich zu preisen ist der Mensch, dem seine Treulosigkeit Gott gegenüber vergeben und dessen Sünden zugedeckt sind.

2 Ja, der ist wahrhaft glücklich zu nennen, dem der Herr die Schuld nicht anrechnet und der durch und durch aufrichtig ist.

Und mit aufrichtig ist natürlich nicht gemeint, ein guter Mensch zu sein, sondern aufrichtig seine Fehler und Sünden zu Gott zu bringen und wir wissen ja aus dem neuen Testament, daß dieser Weg über Jesus Christus führt, wie z.B. in Apostelgeschichte 4, 12 steht (NGÜ):

12 Bei niemand anderem, Jesus Christus, ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist uns Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden können.

Dann ist man wahrhaft glücklich. Das hört sich jetzt doch etwas platt an.

Aber wenn man sein eigenes Sündenproblem geregelt hat, dann kann man vielleicht auch die Beziehungs- und Geldprobleme in Angriff nehmen und vielleicht auch lernen, mit der eigenen Krankheit umzugehen und nicht die Umwelt dafür zu bestrafen, was ja leider manchmal passiert.

Und wahrhaft glücklich in den Augen Gottes zu sein, heißt nicht unbedingt, sich auch glücklich zu fühlen, denn das eigene Gefühl bildet nicht immer die Wirklichkeit korrekt ab oder stellt sich erst verzögert ein.

Führung

Kommen wir zum zweiten Teil des Psalms, V.6-10 (NGÜ):

6 Darum soll jeder, der dir treu ist, zu dir beten, solange du dich finden lässt. Und er darf erleben: Selbst wenn die Not ihn bedrängt wie eine gewaltige Flut – sie wird ihm nicht schaden können.

7 Du, ´Gott`, bist mein sicherer Zufluchtsort, mein Schutz in Zeiten der Not. Wohin ich mich auch wende – deine Hilfe kommt nie zu spät. Darüber juble ich vor Freude.

8 ´Du hast zu mir gesagt:` »Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Ich will dich beraten und immer meinen Blick auf dich richten.«

9 Seid nicht wie Pferde oder Maultiere, denen der Verstand fehlt und deren Schmuck aus Zaum und Zügel besteht. Damit muss man sie zähmen, denn sonst gehorchen sie ja nicht.

Schutz und Hilfe

Schutz, Hilfe, Führung, das hört sich doch gut an, aber vergessen wir nicht dabei die Voraussetzungen dafür, nämlich seine Schuld zu Jesus zu bringen.

Wir finden hier direkt in V.6 ein interessantes Detail: Die Aufforderung, zu Gott zu beten, solange er sich finden läßt.

In der heutigen Zeit scheint Gott im Alltag kaum noch eine Rolle zu spielen. Manche Menschen beschweren sich sogar über christliche Symbole in öffentlichen Gebäuden; sie wollen selbst entscheiden, wann sie etwas mit Gott zu tun haben und wann nicht.

Aber wenn man sich überlegt, wer Gott ist, dann muß das ja die falsche Sichtweise sein: „Solange er sich finden läßt“.

Gott entscheidet selbst, wann er sich finden läßt und wann nicht. Auch die Tatsache, daß er uns liebt und Interesse an uns hat, ändert nichts daran, daß er selbst souverän entscheidet, wann er sich finden läßt.

Vielleicht habt ihr auch schon einmal Aussagen gehört, wie: Ich habe gebetet und es ist nichts passiert. Gott hat nicht reagiert, oder ähnliches. Man kann Gott nicht zwingen oder steuern, Gott es kein deterministischer Automat, der auf jede Eingabe immer gleich reagiert.

Und genauso sollte wir mit Aussagen vorsichtig sein, wie: Probiere es mit Gott aus, bete zu ihm und du wirst sehen, es passiert was. Natürlich liebt Gott jeden Menschen und möchte jedem begegnen, aber wir können ihm keine Verfahrensweise vorschreiben. Wir können nur darauf vertrauen, daß Gott den richtigen Weg zu einem Menschen suchen wird, um ihm zu begegnen. Und natürlich ist die Empfehlung zu beten generell richtig, wir sollten nur mit dem Versprechen zum automatischen Erfolg sehr vorsichtig sein.

Für die Leute, die zu Jesus gehören, trifft das nicht so ganz zu, wie ich das gerade beschrieben habe, und dazu möchte ich einen meiner Lieblingsverse zitieren (Johannes 1, 12.13; NGÜ):

12 All denen jedoch, die ihn, Jesus Christus, aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. 13 Sie wurden es weder aufgrund ihrer Abstammung noch durch menschliches Wollen, noch durch den Entschluss eines Mannes; sie sind aus Gott geboren worden.

Und zu seinem Vater kann man immer kommen, nicht nur, wenn er sich finden läßt. Für manch einen ist das Bild von Gott als Vater vielleicht schwierig, weil er oder sie große Probleme mit ihrem Vater hat oder hatte, aber Gott ist so, wie ein Vater sein sollte.

Kommen wir zurück zum Psalm 32. In V.6 und 7 ist beschrieben, daß Gott Schutz vor der Not gibt und hilft, und zwar nie zu spät. Die Not wird keinen Schaden bereiten.

Das sind ja gravierende Aussagen, aber was heißt das? Bedeutete das in allen Situationen körperliche Unversehrtheit? Es geht immer alles glatt? Es gibt tatsächlich Christen, oder es gab sie, die behaupten, wenn man nur glaubt, wird man nicht krank und man erleidet kein Unglück. Das würde bedeuten, daß in den christlichen Gemeinden alle Menschen kerngesund sind und mit 80 oder so ohne Leiden dahinscheiden, wegen mir auch mit 90 Jahren. Und wenn das nicht so ist, dann glauben die nicht richtig.

Die andere Extremsicht ist, daß Christen genau diesselben Probleme und Nöte haben, sich die aber nur mit Gott schönreden. Jede persönliche Katastrophe handelt man mit den Worten ab: Ach es wird für irgendwas gut sein. Der Herr sei gelobt.

Ich maße mir nicht an, die allumfassende Erklärung für persönliche Nöte und Katastrophen geben zu können. Hiob brauchte ein ganzes Buch, um für sich persönlich zu erkennen, warum er das alles durchmachen mußte. Nicht umsonst ist z.B. in dem bekannten Psalm 23 die Rede von dem finsteren Tal, welches man durchqueren muß. Es wird dort nicht versprochen, daß Gott dieses Tal komplett ausleuchtet, sondern es wird versprochen, daß Gott mit hindurchgeht und daß man es merkt.

Christen erleben vielleicht weniger Nöte als andere Menschen, weil das Einhalten von Gottes Geboten einen vor vielem bewahrt (z.B. die 10 Gebote als die 10 Schutzzonen), aber trotzdem können wir Nöte und persönliche Katastrophen erleben. Aber ich glaube, daß Gott uns davor bewahrt, daß wir dabei als Person daran kaputtgehen, sondern daß wir merken, daß er da ist und daß wir - vielleicht hänge ich mich jetzt etwas weit aus dem Fenster - trotzdem wahrhaft glücklich irgendwie aus dieser Situation wieder herauskommen, auch wenn Spätfolgen zurückbleiben und man damit lernen muß zu leben. Der Psalmist redet davon, vor Freude zu jubeln, und damit ist sicherlich nicht schönreden gemeint.

Führung

Kommen wir zu V.8 und 9:

8 ´Du hast zu mir gesagt:` »Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Ich will dich beraten und immer meinen Blick auf dich richten.«

9 Seid nicht wie Pferde oder Maultiere, denen der Verstand fehlt und deren Schmuck aus Zaum und Zügel besteht. Damit muss man sie zähmen, denn sonst gehorchen sie ja nicht.

Und damit sind wir endlich beim Lied vom Anfang:

In der Luther-Übersetzung steht der V. 8 folgendermaßen:

»Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.«

In der Elberfelder-Übersetzung steht es so:

Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den du gehen sollst; ich will dir raten, mein Auge ist über dir.

Die Hoffnung-für-alle sagt:

Ich will dich lehren und dir sagen, wie du leben sollst; ich berate dich, nie verliere ich dich aus den Augen.

Man merkt an den verschiedenen Übersetzungen, daß der hebräische Originaltext von V.8 unterschiedliche Bedeutungsfacetten hat.

Die erste Hälfte scheint bei den meisten Übersetzungen ungefähr gleich zu sein: „Den Weg zeigen, den du gehen sollst“ Das ist natürlich nicht so gemeint, als wäre Gott ein Navigationssystem, daß einem eine genaue Strecke vorgibt, sondern es geht um Unterweisung, um zu lernen, wie man eigenverantwortlich welche Entscheidendungen für seinen persönlichen Lebensweg trifft.

Die Übersetzung der Hoffnung-für-alle drückt das ganz gut aus: „...dir sagen, wie du leben sollst.“ Das Wort „sollen“ mögen wir vielleicht nicht so, weil man es doch eher mit einer Befehlsabfolge in Zusammenhang bringt: Du sollst zuerst das tun, dann sollst du dies tun, usw. Aber darum geht es nicht, sondern es geht darum, daß man mit Jesus eigenverantwortlich ein Leben nach seinen Maßstäben und in Gemeinschaft mit ihm zu leben lernt.

Und dann gibt es diese Zusage Gottes, die doch recht unterschiedlich übersetzt wird. Die meisten Übersetzungen teilen diesen Satz in die Zusage der Beratung Gottes und das passiert durch Erkenntnisse aus der persönlichen Bibellese, durch Gespräche mit anderen Christen, usw Gott hat da richtig viele Möglichkeiten.

Die zweite Zusage ist, daß Gott uns nicht aus den Augen verliert. Er hat jeden von uns immer im Blick und wir dürfen manchmal sehen, was Gott sieht. Wenn sein Auge über uns ist, dann sieht er nicht nur uns, sondern er sieht auch, was auf uns zu kommt, was uns erwartet, und er läßt uns manchmal dran teilhaben. Auf diese Weise leitet er uns mit seinen Augen.

So ein Leben ist sicherlich auch eine Quelle für erlebtes Glück.

Ohne Gott fehlt uns dieser Weitblick, seine Beratung und wir werden von den Lebensumständen gesteuert und getrieben, so wie ein Pferd oder ein Maultier, daß nur von anderen gelenkt wird.

Abschluß

Am Ende des Psalms wird noch einmal alles zusammengefaßt:

10 Viele Schmerzen muss erleiden, wer sich von Gott abwendet, doch wer auf den Herrn vertraut, den umgibt er mit seiner Gnade.

11 Freut euch über den Herrn und jubelt laut, die ihr nach seinem Willen lebt! Ihr alle, deren Herz aufrichtig ist, singt vor Freude!

AMEN