Bis wann? (Psalm 13)

Gottesdienst, , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

(Der Psalm 13 wurde vorher gesungen)

Ich möchte mit Euch heute über diesen Psalm, der vom König David ist, etwas nachdenken.

Dabei habe ich auch einige Übersetzungen verglichen und am Anfang steht in der Lutherbibel von 2017: „Ein Psalm Davids, vorzusingen“ und dass habe ich dann ja gemacht. Laut Wikipedia stammt das griechische Wort „Psalm“ vom Verb „psallein“, was übersetzt heißt: „die Saiten schlagen“. Es bezeichnet einen Gesang mit Saitenbegleitung, und kann wörtlich übersetzt werden, als „gezupftes Lied“.

Dann habe ich das ja genau richtig vorgetragen.

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich die Melodie zu diesem Psalm komponiert habe, es war aber eines meiner ersten Melodien überhaupt. Es muss so 1989 oder so gewesen sein, da war ich 23.

Warum hat mich in dem Alter so ein Psalm beschäftigt? Ich kann mich leider nicht mehr erinnern, in welcher Lebenssituation ich damals war: Vielleicht Krise, Liebeskummer, keine Ahnung.

Man muss sich, wenn man einen Psalm betrachtet, immer bewusst machen, dass viele dieser Psalmen persönliche Gebete waren, die in ein Lied gegossen wurden. Die Melodien sind leider verloren gegangen, was ich sehr schade finde.

Manche Lieder wurden im Tempel in großen Gruppen gesungen, ähnlich wie unsere heutigen Kirchen- und Lobpreislieder, andere wurden vielleicht nur vorgetragen und wer sich angesprochen fühlte, hat das Lied im Herzen mit sich getragen.

Bei solchen gesungenen Gebeten spielt weniger die Lehre, das Wahr und Falsch, eine Rolle, sondern mehr das persönliche Empfinden, die subjektive Wahrnehmung.

Das ist ja in unserem Psalm auch so. Es würde hier wohl kaum einer auf die Idee kommen, auf die Worte „Willst Du mich für immer vergessen?“ zu antworten: „Diese Aussage ist falsch. Keinem von uns ist Gott fern, das steht in der Bibel!“

David möchte hier nicht die Lehre aufstellen, dass Gott Menschen vergisst, aber er empfindet seine Situation so, als er den Psalm geschrieben hat und drückt das aus.

Und ich möchte jetzt mit Euch weiter über diesen Psalm nachdenken.

Von Gott vergessen

In den Versen 2 bis 3 klagt David über seine augenblickliche Situation, ja er klagt im gewissen Sinne sogar Gott an.

2 Bis wann, HERR? Willst du für immer mich vergessen? Bis wann willst du dein Angesicht vor mir verbergen? 3 Bis wann soll ich Sorgen hegen in meiner Seele, Kummer in meinem Herzen bei Tage? Bis wann soll sich mein Feind über mich erheben?

Diese Aussagen klingen wie Vorwürfe .

In zwischenmenschlichen Beziehungen wäre diese Wortwahl nicht so günstig. Mit Vorwürfen vergiftet man eher das Klima, als dass man Lösungen findet oder Beziehungen heilt. Da sollte man eher mit Ich-Botschaften arbeiten, wie:

Das ist im zwischenmenschlichen durchaus sinnvoll, weil Situationen ja auch unterschiedlich wahrgenommen werden. Jeder lebt in seiner eigenen subjektiven Welt.

Doch Gott kann das ab. Bei Ihm haben wir es nicht mit einem unvollkommenen Menschen zu tun, der Worte in den falschen Hals bekommen könnte.

Wir finden in der Bibel einige solcher Klagelieder und -psalmen, wo die Leute sich quasi auskotzen.

Und da Gott sowieso unsere Formulierungen, unsere fromme ausgefeilte Wortwahl, durchschaut, wird ihm immer deutlich, was wir ehrlich meinen, wie es uns wirklich geht und das ist das Entscheidende.

Aber wann fühlen wir uns von Gott vergessen? „Das Angesicht vor mir verborgen“ ist ja irgendwo das Gleiche. Ich suche Gott und finde ihn nicht. Die Gebete bleiben in der Decke hängen oder sind wie in den Wind gesprochen. Wann fühlt man sich so?

Das wäre sicherlich interessant, dass von jedem hier einmal zu hören, wann er sich in seinem Leben einmal so gefühlt hat, aber das machen wir jetzt nicht.

Ich glaube, Davids damaliges Problem, wird deutlicher, wenn man den folgenden Vers 3 mit dazu betrachtet: „Sorgen hegen in meiner Seele, Kummer in meinem Herzen bei Tage“. Er kommt nicht zu Ruhe. Die Sorgen sind so groß, dass er immer Angst hat, dass sie ihn überwältigen, dass er sein Leben nicht schafft. Und auch seinen Kummer, worin der auch immer begründet sein mag, bekommt er nicht bewältigt. Er belastet ihn jeden Tag. Nachts kann er der Sorgen wegen wahrscheinlich nicht gut schlafen und tagsüber kann er Sorgen und Kummer auch nicht einmal eine Zeitlang hinter sich lassen.

Wie kräftezehrend Sorgen sein können, hat sicherlich jeder von Euch schon einmal erlebt. Reicht das Geld, finde ich einen Job, bewältige meinen Job, was wird aus meinen Kindern, werde ich jemals wieder gesund, usw.?

Und Kummer ist irgendwie die Steigerung von Sorgen. Bei Sorgen gibt es noch eine Hoffnung, bei Kummer ist das schon vorbei. Wie gehe ich zum Beispiel damit um, dass ein geliebter Mensch mich verlassen hat? Wie gehe ich mit endgültig vertanen Chancen um? usw.

Bei David war anscheinend die Quelle der Sorgen und des Kummers ein Feind, der ihm das Leben schwer machte.

Wir wissen ja aus der Bibel, dass David mehrfach auf der Flucht war und es nicht immer leicht hatte.

Heutzutage haben wir wahrscheinlich weniger menschliche Feinde; manche sehen auch Feinde, wo keine sind oder fühlen sich feindlich behandelt, obwohl der anderes das gar nicht beabsichtigt. Allerdings wenn man gezielt in der Arbeit oder Schule gemobbt wird, fühlt sich das schon richtig feindlich an. Und man hat oft keine Chance, sich dagegen zu wehren oder etwas zu klären.

Und wenn alles so zusammen kommt, dann lebt man schon mit der Frage „Bis wann?“. Ich halte das nicht mehr aus. Wie lange noch? Wann sind die Sorgen, der Kummer zu Ende, wann ist das endlich vorbei, wann sehe ich wieder Land?

Was ist der Ausweg?

Mach hell meine Augen

Man könnte jetzt beten: Herr schenk, dass die Feinde verschwinden und dass die Quellen der Sorgen versiegen und dass ich den Kummer nicht mehr fühle.

Der Psalmist macht das nicht. Ich weiß natürlich nicht, wie sehr David seinen Psalm hier durchdacht hat, aber meiner Ansicht nach betet er genau das Richtige (V.4.5):

4 Schau her, antworte mir, HERR, mein Gott! Mach hell meine Augen, dass ich nicht zum Tod entschlafe! 5 Dass mein Feind nicht sage: "Ich habe ihn überwältigt!", meine Bedränger nicht jauchzen, wenn ich wanke.

„Mach hell meine Augen“ bedeutet laut Fußnote in der Bibel: jemanden lebendig machen, beleben. Und andere Übersetzungen wie z.B. die NGÜ übersetzt diese Bitte mit: „Gib mir neuen Mut und lass meine Augen wieder leuchten“. Auch in einigen anderen Übersetzungen wird diese Bitte als Bitte um neuen Mut interpretiert.

Es ist unrealistisch, dass wir in dieser Welt keine Sorgen, keinen Kummer und auch keine Feinde mehr haben werden. Schon am Anfang der Bibel in 1. Mose 3, 19 wird vorausgesagt, dass wir im Schweiße unseres Angesichts unser Brot essen müssen. Anstrengung, Mühsal, Widerstände und Sorgen werden uns hier auf Erden immer begleiten. Und auch die Welt an sich ist zwar schön und ein Geschenk, kann aber auch ganz schön feindlich sein und wird nie unser wirkliches, ewiges Zuhause sein. Das wartet auf uns bei Jesus Christus.

Der Psalmist bittet um neues Leben, um neuen Mut, um neue Hoffnung. Er suhlt sich nicht in seinen Sorgen und seinem Kummer.

Sich Sorgen machen ist natürlich etwas zutiefst menschliches und es wird auch mehrere Male im neuen Testament behandelt (Matthäus 6, 25-27; NGÜ):

25 »Deshalb sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um das, was ihr an Essen und Trinken zum Leben und an Kleidung für euren Körper braucht. Ist das Leben nicht wichtiger als die Nahrung, und ist der Körper nicht wichtiger als die Kleidung? 26 Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte, und euer Vater im Himmel ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? 27 Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben auch nur um eine einzige Stunde verlängern?

Hier geht es in erster Linie um das Sorgen machen für sich selbst. Es ist natürlich noch etwas anderes, wenn man sich um andere sorgt, sie versorgt oder für sie sorgt. Natürlich kann auch dort das „Sorgen machen“ hinzukommen, wenn die anvertrauten Menschen auf einem falschen Weg zu sein scheinen.

Aber auch hier bewirkt man mit „Sorgen machen“ nichts.

Es ist natürlich nicht immer leicht, aber der biblische Weg dazu ist (Philipper 4, 6.7; NGÜ):

6 Macht euch um nichts Sorgen! Wendet euch vielmehr in jeder Lage mit Bitten und Flehen und voll Dankbarkeit an Gott und bringt eure Anliegen vor ihn. 7 Dann wird der Frieden Gottes, der weit über alles Verstehen hinausreicht, über euren Gedanken wachen und euch in eurem Innersten bewahren – euch, die ihr mit Jesus Christus verbunden seid.

Die Sorgen auf Jesus werfen, dass ist letztendlich auch das, was David hier in seinem Psalm beschreibt. „Mach hell meine Augen“, „Wende meinen Blick von meinen Sorgen, meinem Kummer auf Dich Gott und gib mir neuen Mut.“ Der Blick auf die Sorgen hilft überhaupt nicht weiter.

Und nun wird auch der Feind nicht gewinnen, auch wenn mein Leben vielleicht ins Wanken gerät.

Ich habe vertraut

Und dann wird aus der Klage endgültig Freude.

6 Ich aber, ich habe auf deine Gnade vertraut; mein Herz soll jauchzen über deine Rettung. Ich will dem HERRN singen, denn er hat wohlgetan an mir.

Dieses Lob drückt schon die Gewissheit aus, dass der Psalmist über seine Rettung jubeln wird. Er ist sich jetzt so sicher, dass er einmal von Gottes Rettung erzählen wird.

Von der Zeitform wäre das sonst etwas seltsam. In der Gegenwart des Psalmes sind die Sorgen ja groß und er bittet um leuchtende Augen und blickt er von Jetzt in die Zukunft, und stellt sich vor, wie er von dort zurückschaut.

Haben wir diese Gewissheit, dass wir in Zukunft über Gottes Rettung jauchzen und jubeln werden? Je nach persönlicher Situation scheint das manchmal schwer vorstellbar.

Ein wichtiger Punkt hierbei ist das Wort „Gnade“. Einige andere Übersetzungen sagen statt „Gnade“ „Güte“ oder „Liebe“, aber in diesem Zusammenhang scheint mir „Gnade“ am Besten übersetzt zu sein.

Wir haben kein Anrecht auf ein Leben ohne Sorgen und Kummer, kein Anrecht auf ein bisschen Glück. Ich persönlich gönne es jedem, aber es gibt dieses Recht nicht.

Wir können darum bitten, wir können um erleuchtete Augen, um Mut bitten und darauf vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint.

Vielleicht bedeuten die erleuchteten Augen auch, dass man ein bisschen klarer sieht, dass man sieht, was wirklich gut für einen selbst und für andere ist, dass man mit mehr Durchblick sein Leben sieht und seine Sorgen und seinen Kummer besser einordnen kann.

Denn Gott meint es gut mit dir und mir, und wir können uns darauf verlassen, dass er uns im Rückblick Gutes erwiesen hat.

Zusammenfassung