Saat und Ernte

Predigt über Psalm 126

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Einleitung

Ich möchte mit Euch heute einen Psalm betrachten, Psalm 126; NGÜ

1 Ein Wallfahrtslied, gesungen auf dem Weg hinauf nach Jerusalem. Als der Herr uns aus der Gefangenschaft nach Zion zurückkehren ließ, da war es uns, als träumten wir. 2 Wir lachten und jubelten laut vor Freude. Sogar unter den anderen Völkern sagte man: »Der Herr hat Großes für sie getan!« 3 Ja, Großes hat der Herr für uns getan, darum freuen wir uns sehr! 4 Herr, wende auch jetzt unser Geschick zum Guten, so wie du die ausgetrockneten Bäche im Südland wieder mit Wasser füllst! 5 Wer unter Tränen die Saat ausstreut, wird voll Jubel die Ernte einbringen. 6 Weinend geht der Sämann jetzt über den Acker, mit sich trägt er den Samen zur Aussaat. Voll Jubel kommt er dann heim von der Ernte, den Arm voller Garben.

Offensichtlich ist es ein Lied, ein Lied, von dem wir leider die Melodie nicht mehr haben.

Ich weiß nicht, was euch so bei „Wallfahrtslied“ durch den Kopf geht. Eine Wallfahrt ist eine regelmäßige Reise zu einer besonderen Stätte. Vielleicht war die ganze Familie unterwegs und dabei wurde gesungen. Die Alten singen begeistert mit, weil sie das Lied an ihre Kindheit erinnert, während die Teenager genervt gucken: Schon wieder dieses alte Lied, jedes Jahr.

Manch einer hat vielleicht auch Kirchengesänge vor Ohren, wo eine Orgel den traurigen-trägen Sing-Sang der wenigen Gottesdienstbesucher übertönt.

Vielleicht hatte dieses Lied auch eine Melodie, die allen Generationen gefallen hat, so dass alle mitgesungen haben.

Ich glaube, dass Gott möchte, dass wir Lieder singen, die wir auch mögen. Die Geschmäcker sind zwar verschieden, aber so ein bisschen kann man sich ja doch auf die musikalischen Vorlieben des anderen einlassen.

Aber es soll heute nicht um die unbekannte Melodie gehen, sondern um den Inhalt diese Psalms.

Und wir wollen in die erste Hälft einsteigen.

Sehnsucht nach der Heimat

Ich lese noch einmal die ersten drei Verse:

Als der Herr uns aus der Gefangenschaft nach Zion zurückkehren ließ, da war es uns, als träumten wir. 2 Wir lachten und jubelten laut vor Freude. Sogar unter den anderen Völkern sagte man: »Der Herr hat Großes für sie getan!« 3 Ja, Großes hat der Herr für uns getan, darum freuen wir uns sehr!

Offensichtlich wird hier die Heimkehr nach Israel besungen, nach einer Vertreibung. Dazu muss man wissen, dass es in der Geschichte Israels immer wieder Vertreibungen von große Teilen der Bevölkerung gab. Allerdings schenkte Gott auch immer wieder Gelegenheiten zur Rückkehr. Das ist z.B. im Buch Esra und im Buch Nehemia beschrieben.

Die Freude über so eine Heimkehr wird hier deutlich. Es ist wie ein Traum, sie können es nicht fassen. Diese Rückkehr ist so unfassbar, dass sogar die anderen Völker erkennen, was hier Großes passiert ist. Die anderen Völker erkennen sogar Gottes Wirken daran.

Sie waren vertrieben worden, vielleicht wurden ihre Häuser zerstört. Es bestand keine Hoffnung auf Rückkehr, aber die Sehnsucht blieb. Vertriebene aus dem Osten, die innerhalb kurzer Zeit mit Sack und Pack verschwinden mussten, können das vielleicht besser nachvollziehen. Auch manche Flüchtlinge heute wurden nicht nur verfolgt, sondern richtig vertrieben und könnten diesen Text sicherlich gut nachvollziehen.

Rational gesehen scheint eine Rückkehr unmöglich. Von daher war das Wunder so groß.

Warum steht diese Geschichte in der Bibel? Oder anders gefragt: Inwieweit betrifft diese Geschicht uns heute? Das alte Testament ist das Bilderbuch Gottes. Die Geschichten im alten Testament sind alle wirklich passiert und manche Episoden sind sogar sehr grausam, da wird von den Untiefen des Menschen nichts ausgespart. Sie sind uns nicht als Handlungsanweisungen - von manchen Geboten abgesehen - überliefert, sondern um uns Sachverhalte aus dem Reich Gottes, tlw sehr bildhaft, verständlich zu machen.

Ich glaube, in diesen ersten drei Versen dieses Psalms geht es um den Himmel.

Bibelleser kennen den Himmel ja aus dem neuen Testament, z.B. aus Johannes 14, 1-6; NGÜ, wo Jesus Christus darüber spricht:

1 »Lasst euch durch nichts ´in eurem Glauben` erschüttern!«, ´sagte Jesus zu seinen Jüngern.` »Vertraut auf Gott und vertraut auf mich! 2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich dann etwa zu euch gesagt, dass ich dorthin gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? 3 Und wenn ich einen Platz für euch vorbereitet habe, werde ich wieder kommen und euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. 4 Den Weg, der dorthin führt, wo ich hingehe, kennt ihr ja.« 5 »Herr«, sagte Thomas, »wir wissen doch nicht einmal, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg dorthin kennen?« – 6 »Ich bin der Weg«, antwortete Jesus, »ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich.

Es hat einmal der christliche Rocksänger Keith Green darauf hingewiesen, dass Gott für die Welt sieben Tage gebraucht hat und Jesus nun schon seit knapp 2000 Jahren den Platz für uns vorbereitet. Wenn ich nun nach rechne, muss also ja der Himmel knapp 300-mal besser als die Erde sein.

Jesus spricht in eine bestimmte Situation. Die Jünger haben noch nicht wirklich begriffen, dass Jesus als Mensch die Erde verlassen wird. Aber sie merken irgendwie, dass sich etwas ändern wird und davor haben sie Angst. Nun verspricht Jesus ihnen einen besseren Ort, den Himmel und er betont in Vers 6 noch einmal, dass der Weg dahin nur über ihn führt: Ohne Jesus Christus keinen Himmel!

Die Menschen, die ihr Leben Jesus gegeben haben, sind schon mit Jesus verbunden, suchen seine Nähe durch Gebet, durch Bibellesen, durch Lieder, durch Gottesdienst und erleben auch, dass Jesus bei ihnen ist.

Aber die Sehnsucht nach dem Himmel fällt mir persönlich schwer.

Mir gefällt es hier. Ich lebe gern bei meiner Familie, in meinem Haus, auch meine Arbeit gefällt mir. Ich denke wohl zu irdisch.

Paulus hatte es damals wohl mehr verstanden. In Philipper 1 beschreibt er seine Gedanken dazu (V. 21-24; NGÜ):

21 Denn der Inhalt meines Lebens ist Christus, und ´deshalb` ist Sterben für mich ein Gewinn. 22 Andererseits kann ich, solange ich noch hier auf der Erde lebe, eine Arbeit tun, die Früchte trägt. Daher weiß ich nicht, was ich vorziehen soll. 23 Ich bin hin- und hergerissen: Am liebsten würde ich das irdische Leben hinter mir lassen und bei Christus sein; das wäre bei weitem das Beste. 24 Doch ihr braucht mich noch, und deshalb – davon bin ich überzeugt – ist es wichtiger, dass ich weiterhin hier auf der Erde bleibe.

Er hatte das aus der Gefangenschaft geschrieben und hatte sich wohl deshalb auch mit dem Ende seines Lebens beschäftigt. Es liegt hier keine Todessehnsucht vor, sondern er möchte einfach nur nah bei Jesus Christus sein. Er hatte wirklich diese Sehnsucht nach dem Himmel und wahrscheinlich wurde diese Sehnsucht auch von seiner schlechten Behandlung im Gefängnis begünstigt.

Mir fällt diese Himmelssehnsucht schwerer als Paulus, weil es - wie gesagt - mir hier gut gefällt. Und ich glaube, da bin ich nicht alleine. Und da kommen wir wieder zu unserem Psalm zurück:

Als der Herr uns aus der Gefangenschaft nach Zion zurückkehren ließ, da war es uns, als träumten wir. 2 Wir lachten und jubelten laut vor Freude. Sogar unter den anderen Völkern sagte man: »Der Herr hat Großes für sie getan!« 3 Ja, Großes hat der Herr für uns getan, darum freuen wir uns sehr!

Hier kommt dieses Unfassbare hindurch. Eine verlorene, schmerzlich vermisste Heimat ist auf einmal wieder da. So wird der Himmel sein. Es wird sein, als würden wir träumen. Wir werden lachen und laut jubeln. Der Herr hat Großes für uns getan. Diese Wohnung in Gottes Haus wird gigantisch sein und alle unsere Vorstellungen übertreffen.

Unser Geschick

Gehen wir weiter in dem Psalm.

4 Herr, wende auch jetzt unser Geschick zum Guten, so wie du die ausgetrockneten Bäche im Südland wieder mit Wasser füllst!

Der Psalm wurde wie schon erwähnt anscheinend nach einer Rückkehr in die Heimat geschrieben, aber es lief zur Zeit wohl nicht so gut, denn sonst müsste man Gott nicht bitten, das Geschick wieder zum Guten zu wenden.

Das kennt sicherlich jeder von uns, dass Dinge schlecht laufen, ob das nun z.B. Beziehungsfragen, Geldfragen oder sonstige Probleme sind. In Israel gibt es regenfreie Monate, Juni bis September und gerade im Süden von Israel fällt sowieso wenig Regen. Von daher werden in dieser Zeit viele Bäche vollständig austrocknen. Und das sieht natürlich ziemlich trist und hoffnungslos aus. Allerdings wussten die Israeliten, dass es wieder regnen wird und wenn Gott die Jahreszeiten so eingerichtet hat, dass die toten Flüsse wieder lebendig werden, dann kann er auch das Geschick wieder zum Guten wenden. Dann muss es nicht trostlos oder gar hoffnungslos bleiben.

Man muss natürlich aufpassen, dass man nicht in so eine „Es wird schon wieder!“-Schiene hineinkommt oder wie „Es kommen auch wieder bessere Zeiten!“

Eindeutig wendet sich hier der Psalmist an Gott. Kein „Es wird schon“ oder ein „Es hätt' doch immer jutjejange“, sondern ein „Herr, hilf“.

Das ist schon ein wichtiger Punkt, den wir auch als Christen natürlich immer 'mal wieder bedenken sollten.

Brauchen wir noch Gottes Hilfe, oder füllen sich unsere ausgetrockneten Bäche sowieso immer von alleine wieder neu mit Wasser?

Bemerken wir überhaupt, dass wir Gottes Hilfe brauchen? Vielleicht verwechselt auch jemand das dürre Land mit gutem Wetter. Es ist doch alles gut, es kann alles so bleiben, es soll sich möglichst nichts ändern.

Hoffnung gibt es durch Problembewusstsein und dadurch, dass man sich dann an Gott, den Herrn, wendet.

Saat und Ernte

Wie problematisch die Situation war, sieht man an den Folgeversen (Psalm 126, 5.6; NGÜ):

5 Wer unter Tränen die Saat ausstreut, wird voll Jubel die Ernte einbringen. 6 Weinend geht der Sämann jetzt über den Acker, mit sich trägt er den Samen zur Aussaat. Voll Jubel kommt er dann heim von der Ernte, den Arm voller Garben.

In der Lutherübersetzung heisst es: Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

Tränen weisen schon auf ein Problem hin: Säen mit Tränen.

Als Kontrast dazu habe ich hier einen Pilzzuchtset mitgebracht. Das ist kann man so als Landwirtschaft für faule Städter bezeichnen. Ich wohne zwar auf dem Dorf und wir haben ein Garten, aber mit Saat und Ernte habe ich trotzdem nicht so viel zu tun, außer manchmal Birnen und Kirschen zu ernten. Dieser Set kann aber ganz ohne Anstrengung und ohne Tränen betrieben werden. Es wird fertiges Substrat mit Pilzsporen geliefert und darauf kippt man die feuchte Erde, die auch schon feucht mitgeliefert wird. Nach 14 Tagen sieht man schon die Pilze und nach ca vier Wochen kann man ernten. Dann muss man tatsächlich ein bisschen Arbeit hineinstecken, um noch zwei bis drei weitere Ernten einzufahren.

Beim ersten Set, den ich hatte, war ich zu tranig dafür, so dass ich nach der ersten reichen Ernte nichts mehr bekam. Diesmal habe ich mir vorgenommen, alles herauszuholen, was geht.

Aber mit Anstrengung, Tränen, hat das nicht so viel zu tun. Wir, ich auch, hätten unser Leben manchmal gerne als so ein Fertigerntepaket. Man muss nur wenig machen und man bekommt eine reiche Ernte. Es geht alles wie von selbst und es kann quasi nichts schiefgehen.

Leider ist es manchmal/oft anders. Man arbeitet, hängt sich rein und trotzdem scheint alles irgendwie zu zerbröseln. Anstrengungen, Tränen, man hat ja keine Wahl. Man muss funktionieren. Vielleicht hängen auch noch andere von einem wirtschaftlich ab, so dass das eigene, gefühlte, Versagen auch noch andere betrifft.

Mit Tränen säen: Wie groß muss die Trauer und die Last sein, um weinend die Arbeit zu machen!

Ich wünschte, ich könnte jedem jetzt versprechen, dass seine Last, sein Weinen, sich spätestens nach einem Jahr in Freude verwandeln wird. Das wäre so eine ganz wörtliche Sicht dieses Psalms. Erst wende ich mich an Gott und dann wird er alles gut machen, die Ernte wird toll und ich werde jubeln.

Was ich versprechen kann, ist, dass Gott da ist. Jesus sagte ja am Ende das Matthäus-Evangeliums: „Seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt.“ Vorher gibt er den Auftrag, die Botschaft von ihm in die ganze Welt zu bringen, zu taufen und Menschen zu Jünger zu machen. Letztendlich ist das ja auch der Auftrag der Gemeinde.

Und die Basis dafür, und das ist auch die Basis eines jeden Christenlebens, ist, dass Jesus Christus jeden Tag bei uns ist.

Die Zeit bis zum Jubel kann lange dauern. Die Israeliten mussten zum Teil einige hundert Jahre warten, bis sie in ihre Heimat zurückdurften.

Im letzten Gemeindeleitungscoaching haben wir am Anfang u.a. über unsere Lieblingsbibelstellen gesprochen und eine meiner Lieblingsbibelstellen passt hier sehr gut (Hebräer 6, 18b-20a; LUTHER):

18b Es ist unmöglich, dass Gott lügt -, wir haben einen starken Trost, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung. 19 Diese haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele, der auch hineinreicht bis in das Innere hinter dem Vorhang. 20a Dahinein ist der Vorläufer für uns gegangen, Jesus, der ein Hoherpriester geworden ist in Ewigkeit.

Ich habe diesen Text einmal so erklärt bekommen, dass das ein Bild aus der Seefahrt ist. Wenn ein großes Schiff in einen Hafen hineinfahren will und das nicht so einfach ist, dann wird mit einem kleinen Boot der Anker in den Hafen gebracht und dort das Schiff so verankert. Nun kann das Schiff trotz Wellen und Wind in den Hafen gezogen werden und kommt dort an.

Jesus ist unser Anker für die Ewigkeit, für den Himmel. Noch sind wir draußen, bei Wellen, Wind oder Sturm. Und oft genug ist alles zum Heulen. Aber Jesus hält uns fest und bringt uns zum Ziel. Und spätestens da werden wir jubeln.

Zusammenfassung