Psalm 120

Gottesdienst, , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

Kennt ihr den alten Schlager ? Ich war damals fünf und fand es total gut.

Schön ist es auf der Welt zu sein
Wenn die Sonne scheint für Groß und Klein
Du kannst atmen, du kannst geh'n
Dich an allem freu'n und alles seh'n!
"Schön ist es auf der Welt zu sein!"
Sagt die Biene zu dem Stachelschwein –
Du und ich wir stimmen ein:
Schön ist es auf der Welt zu sein!

Na, wer hat das Lied gesungen? (Roy Black, 1971, mit einem norwegischen Mädchen namens Anita).

Aber, ist es schön auf dieser Welt zu sein? Wie ist denn unsere Welt? Oder: Wie empfinden wir unsere Welt?

Ich möchte dazu einen Psalm mit euch lesen, Psalm 120; NGÜ

Psalm 120

1 Ein Wallfahrtslied, gesungen auf dem Weg hinauf nach Jerusalem. In meiner großen Not rufe ich zum Herrn, und er wird mich erhören! 2 Herr, rette doch mein Leben vor diesen Lügenmäulern, vor denen, die mit falscher Zunge reden! 3 Was für eine Strafe wird Gott über euch kommen lassen, jetzt und in Zukunft, ihr doppelzüngigen Heuchler? 4 Er, der Allmächtige, wird euch mit spitzen Pfeilen und mit glühenden Kohlen treffen. 5 Wie schlimm ist es für mich, dass ich als Fremder mitten in Meschech leben muss, dass ich bleiben muss bei den Zelten von Kedar! 6 Viel zu lange wohne ich nun schon unter Menschen, die den Frieden hassen. 7 Ich selbst suche den Frieden, doch was ich auch sage – sie sind nur auf Krieg aus!

Wo hat der gewohnt? Leichlingen, äh, Meschech, Kedar, wo ist das?

Meschech war ein Sohn von Jafet, einem Sohn von Noah und hat ein Volk begründet, daß irgendwo im Norden von Israel lebte (das ist heute nicht mehr so ganz klar). Manche vermuten, daß das Volk in der heutigen Südosttürkei lebte, andere setzen es mit Phrygern oder sogar den Tataren gleich (http://de.wikipedia.org/wiki/Mesech).

Kedar war wahrscheinlich ein arabisches Nomadenvolk, das von einen Sohn von Ismael begründet wurde, und lebte wahrscheinlich in Nordarabien, im Osten von Israel.

Eine Zeitlang hat der Psalmist wohl unter beiden Völkern gelebt. Ob er herumgereist ist, oder ob er in einer Grenzregion gelebt hat, wo Menschen beider Volksgruppen lebten, kann man heute nicht mehr sagen.

Aber was hat er erlebt? Er war in Not, oder er fühlte sich in Not, weil er sich bedroht fühlte.

„Herr, rette doch mein Leben“, und zwar vor „Lügenmäulern“, vor „Heuchlern“, vor Menschen, die auf Krieg aus sind.

Was kann das für eine Gesellschaft gewesen sein? Wie realistisch ist seine Beschreibung?

Ich möchte dazu betonen, daß ich glaube, daß dieser Psalm in der Bibel ist, weil Gott das will und das der Autor dieses Psalms das wirklich so erlebt hat. Aber: Es ist kein objektiver Tatsachenbericht, sondern er beschreibt sein eigenes gefühltes Erleben. Das ist wichtig, um so einen Psalm richtig zu verstehen.

Es gibt ja tatsächlich das Szenario, daß zwei Menschen an der selben Stelle wohnen und ihre Umgebung völlig unterschiedlich empfinden und beurteilen. Und trotzdem sagen beide Wahrheit, wenn sie ihre Situation schildern. Das geht sicherlich auch uns immer mal wieder so, wir sollten uns gar nicht einbilden, wir wären so super objektiv.

Aber vergleichen wir doch einmal diese erlebte Situation des Psalmisten mit uns heute.

Von Lüge umgeben

Herr, rette doch mein Leben vor diesen Lügenmäulern, vor denen, die mit falscher Zunge reden!

Werden wir von Lügnern bedroht? Gibt es überhaupt Lüge in unserer Lebensumwelt?

Machen wir einen etwas weiteren Kreis und schauen in Politik, Wirtschaft oder Presse. In diesem Zusammenhang sind uns vielleicht schon einmal Aussagen begegnet wie: „Die lügen doch alle, da oben!“ Solche Urteile sind uns selbst vielleicht auch nicht fremd, aber ich finde Sätze dieser Art doch etwas zu sehr vereinfachend.

Aber was mir aufgefallen ist: Direkte Lügen sind eher selten und treten dann auf, wenn jemand schon mit dem Rücken zur Wand steht. Es wird eher so gelogen, daß Informationen, die nicht zu einer bestimmten Interessenslage passen, weggelassen werden.

Ein simples Beispiel aus einem Themenbereich, der mich interessiert, sind die Kosten für die Energiewende. Es wird ja in vielen Medien gesagt, die Kosten für die Energiewende wäre so teuer und deshalb muß man den Ausbau der erneuerbaren Energieen begrenzen. Andererseits ist durch erneuerbare Energie seit 2008 der Durchschnittspreis auf der Strombörse Leipzig um die Hälfte gefallen, nachdem er von 2002 bis 2008 kontinuierlich angestiegen ist. Dieser niedrige Preis macht den Anbietern von konventionell gewonnenem Strom das Geschäft kaputt, insbesonderen den großen vier Energiekonzernen, die sich eine Menge Lobbyisten leisten.

Was soll man davon halten? Kann man in so einem Umfeld gezielte Desinformationen oder sogar Lügen vermuten?

Oder ein anderes Stichwort: „Fachkräftemangel“. Das habt ihr bestimmt auch schon einmal gehört, oder? Dazu ein Zitat aus dem Handelsblatt vom Oktober 2013: „Der Fachkräftemangel in der deutschen IT-Branche ist seit Jahren ein Problem. Trotzdem bleiben die Gehälter größtenteils niedrig.“ Ich wäre jetzt so naiv und würde annehmen, daß bei einem Mangel die Gehälter steigen würden, denn bei einem Überschuß würden sie wahrscheinlich fallen. Ist der sogenannte Fachkräftemangel vielleicht auch nur eine Lüge?

Vielleicht besteht ja auch nur ein Mangel an gut ausgebildeten Praktikanten, die für ein Appel und ein Ei arbeiten?

Aber wir könnten jetzt den ganzen Vormittag noch über die Lügen in Politik und Wirtschaft reden, aber das hilft uns persönlich nicht wirklich.

Also ziehen wir den Kreis etwas enger: Wie sieht es mit Lügen in unserer direkten Umgebung aus, an unserem Arbeitsplatz, in unserem Freundeskreis, in unserer Familie? Ist es so wie in der Lebenswirklichkeit des Psalmisten, der sich ja in seinem direkten Umfeld bedrohlich von Lügnern eingekreist sah.

Ich war mal mit jemandem befreundet, der sich irgendwann als notorischer Lügner entpuppte. Ich hatte schon einen Verdacht, aber als es herauskam, hat es etwas in mir kaputt gemacht. Er hat nicht gelogen, um sich Vorteile zu verschaffen - mich hat er auch nie übervorteilt -, aber er hat versucht, konsequent sein eigenes Scheitern mit Lügen zu tarnen. Ich sehe ihn nur noch ganz selten, aber ich habe heute noch Probleme, ihm auch nur ein Wort zu glauben. Das war aber schon extrem, sonst habe ich so etwas noch nicht erlebt.

Wie sieht es im Normalfall aus? Je enger die Beziehung ist, desto schlimmer wirkt die Lüge. Wie heißt es so schön: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht.“

Warum Lüge so zerstörerisch ist, wird in Johannes 8, 44 (NGÜ) deutlich, wo Jesus Christus zu den Juden in seiner Umgebung, die ihm feindlich gesonnen waren, folgendes sagt:

44 Ihr stammt vom Teufel; der ist euer Vater. Und was euer Vater wünscht, das führt ihr bereitwillig aus. Er war von Anfang an ein Mörder und stand nie auf dem Boden der Wahrheit, weil es in ihm keine Wahrheit gibt. Wenn er lügt, redet er so, wie es seinem ureigensten Wesen entspricht; denn er ist ein Lügner, ja er ist der Vater der Lüge.

Der Teufel hat u.a. im Sinn die Gemeinschaft zu zerstören, die Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen, aber auch die Gemeinschaft zwischen Mensch und Mensch und deshalb zerstört eine Lüge so effektiv Beziehungen zwischen Menschen.

Jesus konfrontiert diese Menschen schon mit hartem Tobak, aber er bezeichnet sie interessanterweise nicht pauschal als Lügner.

Eine ähnliche Stelle finden wir in Römer 1, 25 (NGÜ); das ist ein Vers aus einem Abschnitt (Römer 1, 18-32), wo die „natürliche“ Gottlosigkeit des Menschen mit ihren Folgen beschrieben wird:

Denn sie vertauschten die Wahrheit, die Gott sie hatte erkennen lassen, mit der Lüge; sie verehrten das Geschaffene und dienten ihm statt dem Schöpfer, der doch für immer und ewig zu preisen ist. Amen.

In diesem ganzen Abschnitt werden schon üble Sachen beschrieben, wie Mord, Streit, Neid, Betrug, Gier, Verleumdung, usw. Man muß ja nur die Zeitung aufschlagen und schon werden wir mit der Wahrheit dieser Aussagen konfrontiert.

Aber wie empfinden wir persönlich unsere Umwelt, unsere Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen? Auch wenn sie nicht an Jesus glauben, die meisten sind doch nett, oder? Diese zweigeteilte Welt mit der Gemeinde als gelobtem Land und die Welt als Feindesland, zu meinem Alltag paßt das nicht. Bei den meisten Menschen, mit denen ich zu tun habe, habe ich das Gefühl, die meinen es gut mit mir. Die helfen mir, wenn ich sie um etwas bitte, die arbeiten mit mir zusammen, wenn es nötig ist.

Klar gibt es auch Menschen, mit denen ich nicht so gut klar komme, aber mit den meisten ist das unproblematisch. Und schwierige Leute kann es in einer Gemeinde auch geben.

Wie paßt das nun zur Diagnose, daß die Menschen üblicherweise der Lüge dienen, so wie es Jesus und auch Paulus beschrieben haben?

Ich denke, daß die Lüge tiefer liegt. Jesus Christus sagt in Johannes 14, 6 (NGÜ):

Ich bin der Weg. ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich.

Der Weg zu Gott geht nur über Jesus Christus und alles andere ist eine Lüge. Und wenn man nicht zu Jesus gehört, dann lebt man letztendlich eine Lüge und dient damit auch dieser Lüge.

Die Eindeutigkeit dieser Aussage klingt schon irgendwie anmaßend und paßt nicht in unsere Zeit. Wenn ich z.B. auf der Arbeit für irgendein schwieriges Problem eine Lösung finde, dann versuche ich mir immer bewußt zu sein, daß diese Lösung nicht unbedingt das Optimum oder gar die einzige ist. Vielleicht hat ein Kollege eine bessere Idee oder meine Lösung hat Nebenwirkungen, die ich jetzt noch nicht sehe. Ich wäre kein guter Software-Entwickler, wenn mir meine Fehlbarkeit bei meiner Arbeit nicht bewußt wäre. Dauernd dazu zu lernen ist ein Kennzeichen meines Jobs.

Aber bei Jesus bin ich mir sicher, weil ich nicht über mein Intellekt Jesus Christus ausgewählt habe, sondern weil ich sein Rufen gespürt und mein Leben auf ihn gesetzt habe. Alles ist veränderlich: Traditionen, Lieder, Kirchenbauten, auch die Beurteilung mancher ethischen Fragen, aber daß man nur durch Jesus Christus zu Gott kommt ist ewig und unveränderlich.

Was hat das nun für Auswirkungen, daß Menschen nicht an Jesus sondern an eine Lüge glauben?

Dazu wäre eine Fragerunde mit offenem Austausch sicherlich sehr spannend und zwar aus dem eigenen Erleben heraus. Also als Beispiel: Den Satz „Mit dem bin ich fertig“ oder „Mit dem möchte ich nichts mehr zu tun haben!“ habe ich fast nur von Menschen gehört, die nicht zu Jesus gehören. Also die Möglichkeit der Vergebung, auch wenn die zweite Chance auch schon nicht genutzt wurde, wird, nach meiner persönlichen Erfahrung, viel häufiger von Menschen, die zu Jesus gehören, in Betracht gezogen, als von den anderen, wahrscheinlich, weil solche Menschen selber Vergebung durch Jesus Christus erlebt haben.

Ihr habt vielleicht andere Erfahrungen gemacht, mit den Menschen in eurem Umfeld.

Es muß etwas anders sein, denn wenn der Unterschied nur darin bestehen würde, daß die Christen im Gegensatz zu den anderen halt irgendwelche Sachen aus der Bibel für wahr halten, dann wäre Jesus nur ein Papiertiger gewesen.

Über eine Sache haben wir im Zusammenhang mit der Lüge noch gar nicht nachgedacht. Lügst Du manchmal, also erzählst bewußt etwas falsches? Vielleicht, weil die Wahrheit dich in Bedrängnis bringen würde? Oder, weil die Wahrheit Umbequemlichkeiten mit sich bringen würde? Oder, weil die Wahrheit Geld kosten würde? Oder schlimmer, weil Du jemanden übervorteilen willst? Vielleicht belügst Du Dich auch nur selber.

Ganz am Anfang meines Lebens mit Jesus war ich mir über vieles nicht klar und habe hin und wieder Jesus gebeten, mir zu zeigen, falls ich mich selbst belügen würde. Die Wahrheit über einen selbst kann ganz schön schmerzhaft sein.

Aber was ist mit dem bewußten Erzählen von Unwahrheiten: Es gibt wohl keinen hier, der noch nie gelogen hat, auch nachdem er sich für Jesus entschieden hat.

Ich könnte jetzt natürlich sagen: Christen sollen nicht lügen, und alle sagen, OK, ab heute laß ich's.

Wenn eine Lüge unsere Eingeweiden in Unordnung bringt und irgendwie weh tut, dann sind wir als Christen auf dem guten Weg, daß wir immer weniger lügen.

Wenn uns dagegen eine eigene Lüge kalt läßt, oder lügen sogar als Strategie in unserer Daseinsbewältigung genutzt wird, dann sollten wir schnell in uns gehen und umkehren.


Kommen wir zum Psalm zurück. Der Autor des Psalms leidet ja nicht nur unter der Lüge, sondern auch unter dem Streit.

Von Streit umgeben

6 Viel zu lange wohne ich nun schon unter Menschen, die den Frieden hassen. 7 Ich selbst suche den Frieden, doch was ich auch sage – sie sind nur auf Krieg aus!

Auch hier stellt sich direkt die Frage: War das jetzt eine besonders schlimme Situation, die der Psalmautor erlebt hat, oder gilt das auch für uns: Wohnen wir unter Menschen, die den Frieden hassen?

Also spontan würde ich sagen: Eher nicht. Wir wohnen eher unter Menschen, die jeder ihr eigenes Ding machen und sich in ihre Burgen äh Wohnungen zurückziehen. Es gibt dann Frieden, weil man kaum etwas miteinander zu tun hat. Aber das ist natürlich auch irgendwie nicht richtig.

Warum entsteht überhaupt Streit? Sind die Menschen generell streitsüchtig? Ich glaube nicht! Aber Streit entsteht oft als Folge von anderen Problemen, wie Konflikte, Rechthaberei, Unsicherheit, usw.

Streit kann auch bei Diskussionen entstehen, insbesondere bei bestimmten Themen, z.B. bei Politik. Gerade bei solchen Diskussionen passiert es oft, daß sich Diskussionsteilnehmer schnell ereifern, einander nicht ausreden lassen und schon ist ein Streit da. Ich kenne das gut, weil diesen steigenden Eifer-Pegel in solchen Diskussionen auch in mir selber spüre und mich dann versuche, zusammen zu nehmen. Kennt ihr das auch? Bei manchen Argumenten in solchen Diskussionen möchte man sich am Liebsten die ganze Zeit mit der Hand vor die Stirn schlagen. Aber warum ist das so? Liegt das an der Streitkultur der Politiker, wie sie in den Medien gezeigt wird, an dem schlechten Vorbild?

Egal, was der politische Gegner sagt, es ist ja immer dummes Zeug. Ein verstorbener Onkel von mir war mal im Stadtrat für die CDU und lief es immer nach dem selben Modus ab. Schlug die SPD etwas vor, dann war die CDU prinzipiell dagegen, egal ob es gut oder schlecht war. Umgekehrt lief es genauso. Meinem Onkel war das irgendwann zu blöd und er hat hier und da auch einmal mit dem politischen Gegner gestimmt und hat deshalb Druck von seinen Parteifreunden bekommen und dann irgendwann aufgehört.

Oder alle Entscheidungen werden immer als super sicher und richtig verkauft. Man will ja vertrauen. Bei der Merkel fühle ich mich irgendwie sicher. Ich habe mir mal vorgestellt, wie es in der Öffentlichkeit ankommen würde, wenn man die Entscheidungsfindung realistisch an die Wähler übermitteln würde.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Gesundheitsreform. Die erste Partei sagt: Unserer Lösung stimmen die meisten Experten zu, allerdings besteht ein Restrisiko, da man diverse Entwicklungen nicht vorausberechnen kann. Im ungünstigsten Fall kann schlechter als heute werden, aber dieses Restrisiko wird von den meisten Experten mit unter 10% eingstuft. Viel wahrscheinlicher ist es, daß die Kosten weniger stark wachsen, als heute.

Die zweite Partei sagt: Unsere Lösung wird funktionieren und wird in jedem Fall den Kostenstieg bremsen. Vertraut uns!

Wen würdet ihr wählen?

Politische Diskussionen sind oft auch von mangelhaften Hintergrundwissen geprägt; vielleicht münden sie auch einfach deshalb oft in einen Streit.

Was gibt es sonst noch für Gründe für Streits?

Man redet nicht diesselbe Sprache, Nicht-Schuld-Sein-Wollen, oder es kann auch Angst sein. Der andere versteht die eigene Angst nicht und ignoriert sie und es gibt Streit. Wenn in einer Beziehung einer die Erwartungen des anderen nicht erfüllt, dann wird es wohl auch immer wieder Streit geben. Oder wenn jemand Angst davor hat, unrecht zu haben, weil er sich dann in seinem Selbstwertgefühl angegriffen fühlt, dann wird er sachliche Diskussionen dann durch Streit abbrechen, wenn er zu verlieren droht.

Vielleicht fallen euch ja Leute ein, die öfters Streit haben und vielleicht erkennt ihr einige in dieser Beschreibung wieder. Vielleicht fallen Euch ja noch andere Ursachen für Streits ein. Aber wie ist das mit dir und mir persönlich? Streitest Du Dich oft und wenn ja, warum?

Streits, die so eine tiefere Ursache haben, können zerstörerisch wirken und die Ursache muß eigentlich angegangen werden. Ein reines Streitschlichten hilft da nicht.

Manche Menschen sind auch Streits so gegenüber abgeneigt, daß sie alles tun, um einen Streit zu vermeiden; vielleicht ist harmoniesüchtig hier das richtige Wort. Das ist aber auch falsch, weil das auch nicht an die Ursachen geht und es irgendwann knallt.


Es gibt natürlich auch den Streit um die Sache und auch hier kann man eine Menge falsch machen.

Dazu gibt es ein tolles Beispiel aus Apostelgeschichte 17, 1-7; NGÜ

1 Doch dann kamen einige Leute aus Judäa nach Antiochia und forderten die Männer der Gemeinde auf, sich beschneiden zu lassen, wie es im Gesetz des Mose vorgeschrieben ist. »Wenn ihr euch nicht beschneiden lasst«, lehrten sie, »könnt ihr nicht gerettet werden.« 2 Damit stießen sie bei Paulus und Barnabas auf entschiedenen Widerstand, und es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung. Schließlich wurden Paulus und Barnabas zusammen mit einigen Christen aus Antiochia beauftragt, nach Jerusalem zu reisen und den Aposteln und den Ältesten der dortigen Gemeinde diesen Streitfall vorzulegen. 3 Von der Gemeinde in Antiochia feierlich verabschiedet, machten sich Paulus und Barnabas auf den Weg. Sie zogen durch Phönizien und Samarien, und überall erzählten sie von der Hinwendung der Nichtjuden zu Gott – eine Nachricht, mit der sie allen Geschwistern große Freude bereiteten. 4 Als sie in Jerusalem ankamen, wurden sie von den Aposteln und den Ältesten und von der ganzen Gemeinde herzlich empfangen, und sie gaben einen Bericht von dem, was Gott durch sie als seine Mitarbeiter alles getan hatte. 5 Doch einige, die zur Partei der Pharisäer gehörten und zum Glauben an Jesus gekommen waren, standen auf und erklärten: »Man muss die Nichtjuden beschneiden und dazu auffordern, das Gesetz des Mose zu befolgen!« 6 Daraufhin trafen sich die Apostel und die Ältesten, um über diese Sache zu beraten. 7 Nachdem man lange und intensiv miteinander diskutiert hatte, erhob sich Petrus und sagte zu den Versammelten: ...

Und dann schildert er die Lösung und begründet sie.

  1. Heftiger Streit, beide Parteien waren vollkommen überzeugt
  2. Es gab keine Lösung, also soll der Streitfall Experten vorgelegt werden.
  3. Auf der Reise zu diesen Experten, versucht keine der Parteien alle möglichen Leute in den Streit mit hineinzuziehen.
  4. Sondern sie verkünden nur die großen Taten Gottes. Bei uns ist das leider manchmal so, daß wir unseren Streit allen möglichen Leuten erzählen, damit wir hören: Ja, du hast recht. Man sollte einen Streit nur in ganz wenigen Situationen ausweiten.
  5. Sie beraten lange und diskutieren intensiv mit den Experten und kommen zu einer Lösung.

Ideal ist, wenn man so einen Streit nicht persönlich nimmt, sondern auch akzeptieren kann, wenn man überstimmt wird. Sicherlich gibt es persönliche,rote Linien, wo man nicht mehr mitmachen kann, aber die sollten wirklich wohl begründet sein.


Der Psalmist hat lebte in einer Atmosphäre des Streits, ja sogar des Kriegs. Wir wissen die Ursache nicht. Vielleicht war es auch nur Haß, weil er von seinem Gott erzählt hat. Das alleine kann auch - notwendigen - Unfrieden erzeugen, damit andere ins Nachdenken kommen.

Wunsch nach Rache

Was kommt in dem Psalm noch vor?

3 Was für eine Strafe wird Gott über euch kommen lassen, jetzt und in Zukunft, ihr doppelzüngigen Heuchler? 4 Er, der Allmächtige, wird euch mit spitzen Pfeilen und mit glühenden Kohlen treffen.

Manchmal ist uns vielleicht auch genauso zumute, je nachdem, mit wem wir welche Probleme haben.

Wir können aus diesem Psalm lerne, daß Strafe alleine Gottes Sache ist.

Wie heißt es so schön in Römer 12, 17-21; NGÜ

17 Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Bemüht euch um ein vorbildliches Verhalten gegenüber jedermann. 18 Wenn es möglich ist und soweit es an euch liegt, lebt mit allen Menschen in Frieden. 19 Rächt euch nicht selbst, liebe Freunde, sondern überlasst die Rache dem Zorn Gottes. Denn es heißt in der Schrift: »Das Unrecht zu rächen ist meine Sache, sagt der Herr; ich werde Vergeltung üben.« 20 Mehr noch: »Wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen, und wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Ein solches Verhalten wird ihn zutiefst beschämen.« 21 Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege Böses mit Gutem.

Das scheint mir die beste Strategie im Umgang mit Lüge und Streit durch andere zu sein, aber das entbindet uns natürlich nicht davon uns selbst zu hinterfragen, wo wir Lüge und Streit in unsere Umgebung hineintragen und wo wir uns ändern müssen.

Zusammenfassung

Streit und Lüge, und auch andere Störungen des Lebens, können uns unseren Aufenthalt hier auf der Erde vergällen und deshalb, weil ich es hier besonders passend finde, möchte ich ein Lied mit Euch singen:

Ich bin ja nur ein Gast auf Erden (Barbara Werner)