Pfingsten: Kraft

Gottesdienst (Pfingsten), , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

Kennt Ihr Aussagen wie: „Der oder die ist zwar kein Christ, aber trotzdem ganz nett!“ Oder nimmt andere positive Eigenschaften wie: „Der oder die ist zwar kein Christ, aber trotzdem sehr verläßlich.“

Solche Aussprüche sind irgendwie ein bißchen böse, oder? Ich gebe zu, ich habe so etwas auch schon einmal gesagt.

Auf Außenstehende wirkt das vielleicht nicht so gut, aber warum rutschen uns manchmal solche Sätze aus dem Mund? Das hört sich ja fast so an, als würden wir Christen uns für besser als andere halten.

Um das zu vermeiden, wird dann oft ein Spruch in der Art wie „Christen sind nicht besser, aber sind besser dran!“ eingeworfen.

Ja, aber sind denn Christen nicht im statistischen Mittel „bessere“ Menschen als Nicht-Christen? Unterscheiden die sich nicht?

Man kann das schon bezweifeln. Ich hatte z.B. früher immer das Christsein der Menschen in Nordirland angezweifelt. Die Katholiken und die Protestanten haben sich ja gegenseitig immer provoziert und bekämpft. Der Glaube schien dort eher der Nationalität zu entsprechen und irgendwie waren die alle nationalistisch drauf. Zu meinem Bild eines Christen, wie ich es von der Bibel her verstehe, passt das nicht.

Allerdings bin ich heutzutage vorsichtiger, anderen ihr Christsein abzusprechen. Man wird ja auch milder und weiser.

Trotzdem muss es eigentlich meiner Ansicht nach einen Unterschied zwischen Christen und nicht Nicht-Christen geben.

Kraft

Dazu einen Vers aus der Apostelgeschichte 1, 8; NGÜ

Wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, werdet ihr mit seiner Kraft ausgerüstet werden, und das wird euch dazu befähigen, meine Zeugen zu sein – in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und ´überall sonst auf der Welt, selbst` in den entferntesten Gegenden der Erde.

„Mit seiner Kraft ausgerüstet“ oder man kann es auch so übersetzen: „Ihr werden Kraft empfangen.“ Wir haben ja im Sketch vorhin ja schon gehört, dass rein physikalisch Kraft etwas bewegt oder verformt. Ein Objekt ist bewegt oder verändert, nachdem Kraft auf ihn eingewirkt hat.

Und nun sagt Jesus Christus hier, dass die Jünger durch den Heiligen Geist Kraft empfangen oder mit Kraft ausgerüstet werden.

Wir haben auch in der Jugend über dieses Thema „Kraft“ im Zusammenhang mit Pfingsten gesprochen und einige haben das nicht so gesehen, dass es einen Unterschied zwischen der Kraft gibt, die von Gott kommt und der Kraft, die man in sich selbst hat oder die man durch wahre Freunde erhält.

Es ist klar, dass es einen stärkt, wenn man Freunde hat. Also, es geht hier nicht um Facebook-Freunde, deren Anzahl mehr so eine Ego-Geschichte ist, sondern um wahre Freunde.

Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass zwischen dieser Kraft, von der hier im Bibeltext die Rede ist und die Kraft, die man durch Freundschaft oder aus sich selber schöpfen kann, ein deutlicher Unterschied ist. Und dazu möchte ich mit Euch ein paar Auswirkungen dieser Kraft betrachten, so wie sie in der Bibel beschrieben sind.

Zeugnis

Die allererste beschriebene Auswirkung dieser neuen Kraft ist es, ein Zeuge zu sein. Wie hieß es vorhin in Apostelgeschichte 1, 8; NGÜ

Wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, werdet ihr mit seiner Kraft ausgerüstet werden, und das wird euch dazu befähigen, meine Zeugen zu sein – in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und ´überall sonst auf der Welt, selbst` in den entferntesten Gegenden der Erde.

Dazu muss man wissen, dass Jesus diese Aussage zwar für alle Menschen gesagt hat, aber gehört haben es zuerst Juden. Und für die steckt hier drin schon einiger Zündstoff. Zum einen waren die Jünger von Jesus in Jerusalem und Judäa bei der religiösen Obrigkeit nicht beliebt, denn diese Obrigkeit hatte ja auch die Kreuzigung Jesu angestoßen und durchführen lassen. Das war das erste Problem. Dann kam als nächstes Samarien, wo Juden generell unbeliebt waren. Samarier und Juden mochten sich gegenseitig nicht. Und dann sollte alles noch bis in die entferntesten Gegenden der Erde gehen. Das war für die damaligen Juden besonders undenkbar, denn mit Nicht-Juden wollte man sowieso keine Gemeinschaft haben.

Ein erstes Zeichen für diese Prophetie von Jesus, und genau das war diese Aussage, eine Prophetie, war das sogenannte Pfingstwunder, Apostelgeschichte 2, 1-11; NGÜ:

1 Schließlich kam das Pfingstfest. Auch an diesem Tag waren sie alle wieder am selben Ort versammelt. 2 Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt. 3 Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. 4 Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab. 5 ´Wegen des Pfingstfestes` hielten sich damals fromme Juden aus aller Welt in Jerusalem auf. 6 Als nun jenes mächtige Brausen vom Himmel einsetzte, strömten sie in Scharen zusammen. Sie waren zutiefst verwirrt, denn jeder hörte die Apostel und die, die bei ihnen waren, in seiner eigenen Sprache reden. 7 Fassungslos riefen sie: »Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? 8 Wie kommt es dann, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? 9 Wir sind Parther, Meder und Elamiter; wir kommen aus Mesopotamien und aus Judäa, aus Kappadozien, aus Pontus und aus der Provinz Asien, 10 aus Phrygien und Pamphylien, aus Ägypten und aus der Gegend von Zyrene in Libyen. Sogar aus Rom sind Besucher hier, 11 sowohl solche, die von Geburt Juden sind, als auch Nichtjuden, die den jüdischen Glauben angenommen haben. Auch Kreter und Araber befinden sich unter uns. Und wir alle hören sie in unseren eigenen Sprachen von den wunderbaren Dingen reden, die Gott getan hat!«

Das muss ein faszinierendes Ereignis gewesen sein. Die Jünger und die, die bei ihnen waren, erlebten, dass sie auf einmal in den Sprachen dieser entferntesten Gegenden der Erde reden konnten. Also gibt Gott nicht nur den Auftrag, ihn zu bezeugen, sondern er wird auch die passenden Worte dazu geben. Sie reden ja schon bei diesem Pfingstereignis von den wunderbaren Dingen, die Gott getan hat.

Das ist sowieso ein Grundprinzip in Gottes Reich: Gibt Gott einen Auftrag, dann gibt er auch die Mittel dazu.

Und dieser Auftrag Zeuge zu sein, gilt für alle Christen und die Kraft dazu haben auch alle Christen, jeder in seiner Situation.

Nicht jeder ist zu den entferntesten Gegenden der Erde berufen, aber vielleicht ist die Welt hinter Deinem Gartenzaun schon extrem entfernt und Gott möchte, dass sie in Zukunft nicht mehr so weit entfernt ist. Vielleicht schenkt er Dir Zugang zu Menschen, mit denen Du bisher wenig zu tun hattest und lernst, sie zu verstehen und auch ihre Sprache zu sprechen.

Wir finden gerade in der Apostelgeschichte noch weitere Beispiele dafür. In Apostelgeschichte 4, 23-31 ist beschrieben, wie die Gemeinde zusammen betet, um Mut dafür, Jesus zu bezeugen, und auch um Zeichen und Wunder (V.31; NGÜ):

Nachdem sie in dieser Weise gebetet hatten, bebte die Erde an dem Ort, an dem sie versammelt waren. Sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und verkündeten die Botschaft Gottes weiterhin frei und unerschrocken.

Durch die Apostel passierten auch weiter Zeichen und Wunder, aber die eigentliche Folge dieses Gebets war die freie und unerschrockene Verkündigung.

Manch einer fiel dabei besonders auf. In Kapitel 6 wird das Wirken von Stephanus beschrieben (V.8-10; NGÜ):

8 Von Gottes Gnade geleitet und mit seiner Kraft erfüllt, vollbrachte Stephanus unter der Bevölkerung große Wunder und außergewöhnliche Dinge. 9 Aber es regte sich auch Widerstand gegen ihn, und zwar in der so genannten Synagoge der Freigelassenen, zu der Juden aus der Gegend von Zyrene, aus Alexandria und aus den Provinzen Zilizien und Asien gehörten. Einige Mitglieder dieser Synagoge fingen Streitgespräche mit Stephanus an. 10 Doch gegen die Weisheit, die aus seinen Worten sprach, und gegen die Kraft des Heiligen Geistes, mit der er redete, konnten sie nichts ausrichten.

Die Kraft des Heiligen Geistes machten die Weisheit seiner Worte unwiderstehlich. Gott steht zu ihm.

Er wurde dann ja zu Unrecht gesteinigt und war der erste überlieferte Märtyrer der Christenheit. Nach seiner Ermordung fand dann auch die erste richtige Verfolgung der Gemeinde statt und ein kleiner Satz ist da sehr faszinierend (Apg. 8,4; NGÜ):

Die ´Christen`, die aus Jerusalem geflohen waren, machten überall, wo sie hinkamen, das Evangelium bekannt.

Diese Menschen waren z.T. traumatisiert, weil sie Angehörige verloren hatten. Aber sie haben in Jesus Christus Trost gefunden und hatten die Kraft und den Willen, ihn zu bezeugen. Sie konnten weiter machen.

Also die erste beschriebene Wirkung dieser Kraft des Heiligen Geistes war die Bereitschaft und der Mut, Zeuge zu sein und auch die passenden Worte schenkt Gott dadurch.

Ziehen zu Jesus Christus

Wenn man von Kraft zum Zeugnis spricht, dann geht es natürlich immer auch um den Gegenstand dieses Zeugnisses und das ist eine Person: Jesus Christus.

Ohne Jesus macht das natürlich alles keinen Sinn und der Heilige Geist zieht uns Jesus.

Z.B. in 1. Korinther 12, 3; NGÜ:

Deshalb weise ich euch auf Folgendes hin: Niemand, der unter der Leitung von Gottes Geist redet, wird jemals sagen: »Jesus sei verflucht!« Und umgekehrt kann niemand sagen: »Jesus ist der Herr!«, es sei denn, er wird vom Heiligen Geist geleitet.

Ohne den Heiligen Geist wird man nicht wirklich verstehen, dass man Jesus braucht. Man bleibt dann in diesem Nebel stehen, dass ja alle Religionen irgendwie gleich sind, dass ja alle irgendwie an den selben Gott glauben, usw.

Nehmen wir einmal als Beispiel eine Wohnung in einem beliebigen Haus, z.B. im linken Haus neben unserer Gemeinde die Wohnung links oben. Man sieht, dass sich die Gardinen bewegen, manchmal sieht man vielleicht auch eine schemenhafte Gestalt hinter den Vorhängen. Wer wohnt da? Der glaubt, dass es eine alte Frau isdt, der andere glaubt, das ist ein junger Mann, der dritte glaubt, da wohnt eine türkische Familie. Es haben nicht alle recht, es können nicht alle recht haben. Wieso glauben so viele Menschen bei Gott, dass sich widersprechende Aussagen gleichzeitig wahr sein können?

Eine Lösung wäre, wenn der Bewohner aus der Wohnung herauskommt und man ihn sehen und mit ihm sprechen kann. Dann erfährt man die Wahrheit, zumindest viel mehr Wahrheit als vorher. Und genauso hat Gott das ja gemacht. Er hat Jesus Christus geschickt, durch den Nebel der schemenhaften Gottesvorstellungen. Anders ging es nicht. Die Vorstellungen der Menschen über Gott nehmen ja kein Ende.

Es ist für viele schwer, das anzunehmen. Und auch dafür hat Gott den Heiligen Geist geschickt, damit wir Jesus Christus als Gottes Sohn akzeptieren können.

Wenn wir den Heiligen Geist haben, muss uns das auch nicht dauernd jemand erklären (1. Joh. 2, 27; NGÜ):

Denkt daran: Der Heilige Geist, mit dem Christus euch gesalbt hat, ist in euch und bleibt in euch. Deshalb seid ihr nicht darauf angewiesen, dass euch jemand belehrt. Nein, der Geist Gottes, mit dem ihr ausgerüstet seid, gibt euch über alles Aufschluss, und was er euch lehrt, ist wahr und keine Lüge. Darum bleibt in Christus, wie Gottes Geist es euch gelehrt hat!

Man weiß tief in sich drinnen Bescheid, wie das mit Jesus ist. Man wird sich natürlich weiterhin gegenseitig ermutigen, vielleicht auch ermahnen, und auch gemeinsam miteinander nachdenken und beten. Und doch hat man diese Gewissheit.

Aber es geht nicht nur ums Akzeptieren und Für-Wahr-Halten (Römer 5, 5; NGÜ):

Und in unserer Hoffnung werden wir nicht enttäuscht. Denn Gott hat uns den Heiligen Geist gegeben und hat unser Herz durch ihn mit der Gewissheit erfüllt, dass er uns liebt.

Es geht um die Gewissheit, dass Gott uns liebt. Und das ist auch eine Kraft und Wirkung des Heiligen Geistes.

Veränderung

Wir hatten am Anfang der Predigt die Aussage gehört, dass die Kraft des Heiligen Geistes Menschen bewegt und verändert.

In Römer 14, 13-21 wird eine Diskussion beschrieben, wo es darum geht, was man darf, was nicht, was man essen darf und was nicht und Paulus kommt zu dem Schluss, dass es gar nicht darum geht, was man darf und was nicht, sondern dass man tun soll, was dem anderen keine Schwierigkeit bereitet.

In Vers 17 steht dann so ein schöner Nebensatz (NGÜ):

Denn im Reich Gottes geht es nicht um Fragen des Essens und Trinkens, sondern um das, was der Heilige Geist bewirkt: Gerechtigkeit, Frieden und Freude.

Und die Veränderung beginnt bei uns. Was nützt ein Glaube, der nichts bewirkt? Wie glaubwürdig ist er?

Man kann zwar immer dazu lernen (und das tut hier hoffentlich jeder), aber aus eigener Kraft seine Verhaltensweisen, seine Einstellungen zu verändern, das ist sehr schwierig und wahrscheinlich nur begrenzt möglich. Die Änderung durch den Geist Gottes ist ein Prozess in die Richtung, dass es dem Nächsten nützt.

Wir finden das auch im Galater 5, 22-26; NGÜ:

22 Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung. Gegen solches ´Verhalten` hat kein Gesetz etwas einzuwenden. 24 Nun, wer zu Jesus Christus gehört, hat seine eigene Natur mit ihren Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. 25 Da wir also durch ´Gottes` Geist ein ´neues` Leben haben, wollen wir uns jetzt auch auf Schritt und Tritt von diesem Geist bestimmen lassen. 26 Wir wollen nicht überheblich auftreten, einander nicht provozieren und nicht neidisch aufeinander sein!

Dazu brauchen wir sicherlich die Kraft des Heiligen Geistes, um das wirklich umzusetzen. Über diese neunfältige Frucht des Geistes könnte man eine eigene Predigtreihe halten und hatte dann wahrscheinlich immer noch nicht alles erschöpfend behandelt.

Aber ich bin davon überzeugt, dass wir durch die Kraft des Heiligen Geistes andere Menschen werden können. Ob man sie jetzt als besser bezeichnen sollte, weiß ich nicht. Aber sie sollten besser für ihr Umfeld sein, als vorher.

Gaben des Geistes

Und der letzte Gesichtspunkt zu der Kraft durch den Heiligen Geist wären dann die Geistesgaben. Das ist natürlich inhaltlich ein riesige Fass, was ich heute nicht mehr aufmachen möchte.

Aber die Zugewandheit zum Nächsten steckt natürlich auch hier drinnen. Im 1. Korinther 12, 1-11 werden die Geistesgaben grundsätzlich betrachtet und es gibt da einen schönen kurzen Satz in V. 7:

In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller;

Also, die Wesensänderung zum Nächsten hin, zugewandt sein zu ihrem Umfeld, zum Aufbau der Gemeinde, das ist der Sinn und Zweck der Geistesgaben.

Zusammenfassung

Ich komme zum Schluss.