Weltersbach, 3.7.2011

Mühselig und beladen

Einleitung

„Mühselig“ und „beladen“, das sind Worte, die uns Christen nicht unvertraut sind. Das kommt auch in diversen alten Liedern vor, wo das Leben auf dieser irdischen Welt im Vergleich mit dem späteren Himmel ziemlich schlecht bei wegkommt. Und das ist auch nicht falsch.

Aber was heißt denn das überhaupt, mühselig und beladen?

Ich habe das Wort „mühselig“ einfach einmal in die Suchfunktion der Wikipedia eingegeben und der erste Treffer war ein Satz in einem Artikel über den „Sockenschuß“ (Wikipedia 29.6.2011):  

Der Sockenschuss ist ein Begriff aus dem Wäschereiwesen, wo es darauf ankommt, einzelne Socken nach dem Waschen nicht mühselig sortieren zu müssen.

Zu diesem Zweck werden Sockenpaare vor dem Waschgang an der Fußspitze mittels dünner Nadel und Faden mit einem Stich leicht zusammengenäht, sodass nach dem Waschvorgang eine problemlose Trennung (in der Regel ohne Schere oder Messer) möglich ist.

Socken sortieren ist mühselig. Je größer die Familie und damit die Wäschemenge, desto aufwendiger ist es. Dazu kommt, daß manche Waschmaschinen hier und da einmal eine Socke fressen. Und das führt dazu, daß man vergeblich die Partner von diversen Socken sucht und nachher neben vollständigen Paaren einen Socken-Single-Club im Schrank hat.

Ist diese Banalität des Sockensortierens wirklich ein passendes Bild für Mühsal?

Was empfinden wir denn als mühselig? Was ist denn, wenn der Alltag immer am Rande der Überforderung verläuft und wir kein Ende des Stresses absehen? Was ist, wenn wir mit Pflichten beladen sind, aus denen wir nicht entkommen können?

Die Schule und der Beruf ist nervend, vielleicht überfordernd, und es macht keinen Spaß und trotzdem müssen wir da jeden Tag hin. Vielleicht nervt uns auch der Ruhestand, weil es keine Herausforderungen mehr zu geben scheint. Jeder Tag wird mühselig, weil irgendwie die Perspektive fehlt.

Nun könnte man dem entgegen halten, daß andere da ja auch durch müssen und man solle sich nicht so anstellen. Wieder andere machen ihren Job so gerne, daß sie erst recht kein Verständnis für so eine Sicht der Mühsal haben.

Das ist so eine Sache, mit der Mühsal und dem Beladen-Sein. Jeder empfindet das anders, jeder hat unterschiedliche Belastungsgrenzen.

Jesus spricht  im Wochenspruch die Menschen direkt an, die mühselig und beladen sind. Er sagt nicht zu den Ältesten: Schickt mir die Leute vorbei, die besonders mühselig und beladen drauf sind.

Das wäre doch möglich: Die Gemeindeleitung hat ja meistens schon einen Überblick darüber, wer wieviel tut und damit könnte sie doch beurteilen, wie beladen einer ist.

Das ist natürlich Unsinn. Hier spricht Jesus Dich direkt an: Wenn Du Dich mühselig und beladen, ja überlastet, fühlst, dann gilt Dir dieses Wort, dann kannst Du zu Jesus kommen.

Was passiert nun mit der Last?

Ich habe diesen Vers einmal in verschiedenen Übersetzungen verglichen.

In Luther steht „ich werde euch erquicken“. Ich muß gestehen, ich wußte gar nicht, was das Wort „erquicken“ bedeutet. Nun bin ich schon so lange Christ und habe dieses Wort schon so oft gehört, aber es sagte mir nichts. Ich habe dazu in einem Synonyme-Lexikon nachgesehen und dort stand als Alternative für das Wort „erquicken“ „anregen“, „aufmuntern“, „beleben“ und „erfreuen“.

In anderen Bibelübersetzungen steht das Wort „erquicken“ gar nicht, wie z.B. in der revidierten Elberfelder. Dort steht, „ich werde euch Ruhe geben“. In wieder anderen Übersetzungen wie z.B. in der NGÜ steht „ich werde euch die Last abnehmen“.

Als Nicht-Alt-Grieche, so wie ich einer bin, schließe ich daraus, daß man das altgriechische Wort aus dem Grundtext dieser Bibelstelle unterschiedlich übersetzen kann und das alle Übersetzungsmöglichkeiten einen Teil der Wahrheit treffen.

Beginnen wir mit dem „Erquicken“. Wenn wir mühselig und beladen drauf sind, dann brauchen wir eine Anregung, eine Belebung. Damit ist nicht ein „Reiß dich zusammen“ gemeint, sondern ein „Da steht jemand über Dir, der wird mit Deinen Lasten fertig. Und er wird Dir helfen“. Auf einmal kann sich eine Perspektive auftun und Freude kann trotz der Mühsal wieder aufkommen.

Dann möchte er uns Ruhe geben. Die Gewißheit, daß Jesus Christus bei uns ist, für uns sorgt und uns zum Ziel bringen wird, kann und wird uns Ruhe geben.

Klar, unsere Pflichten lösen sich nicht auf und die Belastungen bleiben, aber wenn wir mit Jesus Christus vom Ziel her darauf gucken, dann werden sie irgendwie kleiner, sie werden beherschbarer. Diese Ruhe in Christus ist für mich etwas ganz Zentrales in meinem Glauben.

Und dann will er uns auch noch Lasten abnehmen. Ein Blick mit Jesu Augen zeigt vielleicht manche unnötige Lasten auf, wo wir uns zu viel aufgehalst haben. Wo haben wir Aufgaben wahrgenommen, für die wir nicht die Gabe haben, was andere besser können und was uns auch keinen Spaß macht? Wo können wir Aufgaben effizienter wahrnehmen? Ich bin sicher, daß uns Jesus, wenn wir ihn bitten, auch ganz simpel bei der Optimierung unseres Alltags helfen wird. Vielleicht müssen wir von unserem stolzen Roß hinabsteigen und andere Menschen um Rat bitten. Denn wenn z.B. jemand besonders gut Socken sortieren kann, warum sollten nicht davon profitieren?

Na, ja, andere Menschen um Rat bitten könnte man auch ohne Jesus. Aber leider stecken wir oft genug in der „Ich habe Recht und ich weiß, wie es richtig ist und wie es geht“-Falle und da muß Jesus uns manchmal ein wenig herausschubsen und auch das kann dazu beitragen, daß die Lasten weniger werden.

Noch einmal der Vers, wo Jesus Christus zu Dir und mir spricht:

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seit:

 

AMEN