Lukas 2, 1-7

Gottesdienst (Christvesper), , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

Lesen wir doch einmal den Weihnachtstext (Lukas 2, 1-7):

1 In jener Zeit erließ Kaiser Augustus den Befehl an alle Bewohner seines Weltreichs, sich ´in Steuerlisten`eintragen zu lassen. 2 Es war das erste Mal, dass solch eine Erhebung durchgeführt wurde; damals war Quirinius Gouverneur von Syrien. 3 So ging jeder in die Stadt, aus der er stammte, um sich dort eintragen zu lassen. 4 Auch Josef machte sich auf den Weg. Er gehörte zum Haus und zur Nachkommenschaft Davids und begab sich deshalb von seinem Wohnort Nazaret in Galiläa hinauf nach Betlehem in Judäa, der Stadt Davids, 5 um sich dort zusammen mit Maria, seiner Verlobten, eintragen zu lassen. Maria war schwanger. 6 Während sie nun in Betlehem waren, kam für Maria die Zeit der Entbindung. 7 Sie brachte ihr erstes Kind, einen Sohn, zur Welt, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe; denn sie hatten keinen Platz in der Unterkunft bekommen.

Die ersten fünf Verse drehen sich um Steuern und um die Erfassung dazu.

Steuern

Habt Ihr Euch schon einmal gefragt, warum Josef in seine Geburtsstadt musste, um dort steuerlich erfasst zu werden? Was macht das für einen Sinn? Sollte das Schikane sein? Ich glaube das nicht. Die Römer hatten eine sehr effektive Verwaltung und waren interessiert daran, die Provinzen effektiv zu besteuern und mit simplen Schikanen mindert man die Wirtschaftskraft einer Provinz. Und das bedeutet auch weniger Steuern.

Josef hat doch nachher wieder in Nazaret gewohnt und gearbeitet und auch dort Steuern gezahlt. Und die Städte Bethlehem und Nazaret haben ihre Daten sicherlich nicht elektronisch abgeglichen, wahrscheinlich haben die die gar nicht abgeglichen. Also, welchen Sinn hatte die Erfassung in Bethlehem?

Ich habe im Internet eine Seite gefunden, wo die Erkenntnisse über das römische Reich gesammelt sind (imperiumromanum.com) und dort ist auch das Steuerwesen beschrieben, so weit es bekannt ist
(Quelle: http://imperiumromanum.com/wirtschaft/geld/steuern_steuerarten_01.htm).

Die wichtigste Steuer im römischen Reich war die Grundsteuer. Sie wurde entweder mit einem festen Satz oder abhängig vom jährlichen Ertrag erhoben. Da ein Großteil der Wirtschaftsleistung im römischen Reich durch die Landwirtschaft erreicht wurde, konnten hierüber die meisten Steuereinnahmen erzielt werden.

Und ich glaube, das ist aber nur eine Vermutung von mir, dass deswegen Josef nach Bethlehem musste. Seine Familie stammte von da und vielleicht hatte er noch Grundbesitz dort, den er wohl verpachtet hatte. Und für die Grundsteuer musste er dorthin und erfasst werden. Das ist jetzt natürlich nur eine Vermutung von mir, aber dass erscheint mir logisch.

Es gab noch weitere Steuern: Eine Kopfsteuer, die unabhängig vom Einkommen oder Vermögen anhand der Anzahl der Familienmitglieder bezahlt werden musste. Diese wurde sicherlich in Nazaret erfasst und eingetrieben, dort, wo Josef mit seiner Familie gelebt hat.

Augustus hatte auch eine Umsatzsteuer von 1% damals im römischen Reich einführen lassen, also eine Mehrwertsteuer, aber über die Veranlagung und die Art der Erhebung ist leider nichts bekannt. Anscheinend wurde die in irgendeinem Dokument mal erwähnt. Der Sklavenhandel wurde sogar mit 4 % besteuert.

Was wir noch aus diesem Text indirekt entnehmen können, ist, dass die römische Verwaltung nicht nur effektiv sondern auch knallhart war. Ein Verschiebung der beschwerlichen Reise, um die schwangere Maria zu schonen, war keine Option. Die waren nicht so nett wie unsere Finanzämter, wo für eine Verschiebung der Steuererklärung eine kurze Mail reicht und sie in der Regel kein Problem ist.

Aber lassen wir das jetzt einmal mit den Steuern, es ist ja Weihnachten.

Josef

Viel interessanter ist die Herrkunft von Josef. Er gehörte zum Haus und zur Nachkommenschafts David. Das steht ja auch in dem Stammbaum in Matthäus 1, 16. Ich glaube, dass Josef der König von Israel gewesen wäre, wenn das Königtum nicht durch das Fehlverhalten der letzten Könige von Juda untergegangen wäre. Das ist auch nur eine Vermutung von mir, aber das würde natürlich dazu passen, dass Jesus der wirkliche Davidssohn ist, der wirkliche Nachfolger von David.

Wir wissen gar nicht viel über Josef. Wir kennen übrigens auch nicht sein Alter. In der christlichen Tradition wird Maria häufig als sehr jung und Josef als recht alt beschrieben. Davon findet man in der Bibel nichts. Diese Altersangaben kommen aus apokryphen Schriften, die teilweise recht seltsam sind und die mit gutem Grund nicht in die Bibel aufgenommen wurden. Von daher, lasst Euch in Bezug auf das Alter von Josef und Maria nichts einreden, die Bibel sagt nichts dazu.

Wir kennen Josefs Beruf, Zimmermann, und wir wissen, dass er ein anständiger Kerl war. Als Maria schwanger wurde, bevor er mit ihr die Ehe vollzogen hatte, wollte er sie heimlich verlassen und die Schuld auf sich nehmen, um Maria nicht in Schwierigkeiten zu bringen (Matthäus 1, 19). In den meisten Bibelübersetzungen steht das Wort „gerecht“ für sein Verhalten, aber das ist nicht nur im juristischen Sinne gemeint, sondern erheblich umfassender: Der Begriff schließt Verantwortung für den Mitmenschen, Liebe und Barmherzigkeit ein (Worterklärung aus der Guten Nachricht).

Josefs Verhalten in dieser Situation ist schon ein Hinweis auf seinen späteren Stiefsohn Jesus. Auch auf Jesus passt das Wort „gerecht“ und noch viel mehr, als auf Josef. Er war im juristischen Sinn vollkommen gerecht, in dem er die gerechte Strafe für unsere Sünden getragen hat. Und er war auch von Liebe, Barmherzigkeit und Verantwortung für die Mitmenschen geprägt.

Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn Menschen sich anständiges Verhalten richtig etwas kosten lassen. Aber Jesus hat noch viel mehr gegeben, er hat alles gegeben, für uns, für Dich und mich.

Das Kind in der Krippe

Kehren wir zum Text zurück. Zwei Verse beschreiben die Geburt Jesu, weniger Verse als die für die Volkszählung:

6 Während sie nun in Betlehem waren, kam für Maria die Zeit der Entbindung. 7 Sie brachte ihr erstes Kind, einen Sohn, zur Welt, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe; denn sie hatten keinen Platz in der Unterkunft bekommen.

Man fragt sich, wo Ochs und Esel sind. Die kommen wahrscheinlich daher, dass in anderen Bibelstellen, wo eine Krippe erwähnt ist, Ochs und Esel eben vorkommen, z.B. Jesaja 1, 3; LUT

Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt's nicht, und mein Volk versteht's nicht.
Da gibt es noch ein paar weitere Stellen dieser Art.

Aber die Frage ist, ob überhaupt Tiere im Stall waren? Wir wissen ja, dass die Hirten draußen bei Ihren Schafen waren und da stellt sich die Frage, ob Ochs und Esel nicht auch draußen auf der Weide waren. Wann war denn wirklich die Geburt Jesu? Man kann Schafe und Rinder das ganze Jahr im Freien halten, allerdings muss man ihnen, insbesondere bei feuchter Kälte, Unterstände anbieten und in Bethlehem kann es im Winter bis zum Gefrierpunkt hinunter gehen und die Tiere müssten dann in den Stall. Das habe ich mir alles zusammengegoogelt.

Nun waren die Hirten aber nachts draußen, also war das Wetter wohl nicht ganz so kalt; also waren vielleicht auch die anderen Tiere draußen.

Aber irgendwie ist das gar nicht wichtig: „Sie hatten keinen Platz in der Unterkunft bekommen.“ Das ist die zentrale Aussage hier.

So ähnlich steht es auch in Johannes 1, 11.12; NGÜ;

11 Er kam zu seinem Volk, aber sein Volk wollte nichts von ihm wissen. 12 All denen jedoch, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden.
In der Elberfelder-Übersetzung steht es noch etwas markanter:
11 Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an;

Irgendwie hat man auf ihn, den Messias, gewartet, aber als er dann wirklich kam, hatte man keinen Platz für ihn, keine Unterkunft.

Ich glaube, dass ist gar nicht so selten. Es sind nicht wenige Menschen auf der Suche nach Gott, aber sie wollen ihm keinen Platz, keine Unterkunft, in ihrem Leben geben. Der Weg ist das Ziel, das heißt auch, dass man nie zum Ziel gelangen will.

Trotzdem, die ankommen wollen, die ihn, Jesus Christus, aufnehmen, die werden Gottes Kinder.

Und das wünsche ich mir für die Gemeinde: Dass Gäste, Außenstehende, Nachbarn, wir selbst, falls wir es vergessen haben, erkennen, dass Jesus hier seinen Platz, seine Unterkunft hat, dass man ihn hier finden kann und dass wir so leben, dass man uns ansieht, dass wir Gottes Kinder sind.

Zusammenfassung

Ich fasse noch einmal zusammen: