Leben

Gottesdienst, , , Kreuzkirche Leichlingen

Einleitung

Ich möchte während der Predigt einen Film laufen lassen, den ich bei mir im Garten gedreht habe.

Vor kurzem habe ich mir eine Kamera gekauft, die Zeitrafferaufnahmen kann und das habe ich ausprobiert:

(https://youtu.be/9tvPP-hiYPA?t=118, laufen lassen).

Faszinierend, nicht? Man sieht, wie Wolken neu entstehen, quasi aus dem Nichts und wie sie auch verschwinden, sich in Luft auflösen. Für das Video wurde pro Sekunde ein Bild aufgenommen, das ganze Video geht über 20 Minuten und entspricht 10 Stunden und 32 Minuten. Wer will, kann sich das auf Youtube angucken.

Aber ich habe Euch das Video nicht wegen den faszinierenden Wolkenbewegungen mitgebracht. Ich habe hier nämlich eigentlich einen Fehler gemacht, denn ich wollte die Kamera noch steiler einstellen, damit nicht so viel Bäume auf dem Bild sind, sondern mehr vom Himmel. Ich wollte ja die Wolkenbewegungen sehen.

Wenn man sich die Bäume hier ansieht, dann merkt man, dass etwas hier nicht hineinpasst, vielleicht sogar stört. Ihr seht die Bewegungen im Wind, die ja durch den Zeitraffer viel klarer herauskommen, doch ein Objekt bewegt sich überhaupt nicht, links der tote Baum.

Dieser Birnbaum war bestimmt 100 Jahre alt und hat die Trockenheit im letztes Jahr nicht überlebt, was ich sehr bedauert habe.

Er steht zwar scheinbar stabil im Wind, aber wir wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis er gefällt werden muss, weil er sonst bei einem Sturm umknickt.

Er reagiert auf nichts mehr, der Wind berührt ihn nicht, ja ihn berührt nichts mehr.

Man sieht in diesem Film irgendwie Leben und Tod im Vergleich und ich würde gerne mit Euch heute über „Leben“ nachdenken.

Leben

Der Bibelvers, der mir als erstes dazu einfiel, war der bekannte aus Johannes 14, 6; NL:

6 Jesus sagte zu ihm: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Weg, Wahrheit und Leben, ich finde von diesen drei Ausdrücken das Wort „Leben“ am schwierigsten.

Die anderen beiden sind auch nicht leicht zu verstehen, aber man kann sich aber doch schneller etwas darunter vorstellen: Weg ist Richtung und Orientierung, und Wahrheit als Gegenteil zu dem, was nicht wahr ist, kann man auch noch irgendwie verstehen.

Aber was bedeutet „Leben“?

Fangen wir mal mit dem biologischen Leben an.

Wie dieses Leben entstanden ist, ist ja wissenschaftlich überhaupt noch nicht klar. Wir kennen als Christen ganz klar die Quelle des Lebens, das ist der allmächtige Gott, und ich denke man kann drei Lebensebenen sehen.

Die erste ist das pflanzliche und tierische Leben.

Die zweite ist das menschliche Leben und hierzu gibt es ja die interessante Stelle 1. Mose 2, 7; NL:

7 Da formte Gott, der Herr, aus der Erde den Menschen und blies ihm den Atem des Lebens in die Nase. So wurde der Mensch lebendig.

Das hat er bei den Tieren nicht gemacht, es haben auch nicht alle Tiere Nasen ;-)

Das ist Wort, dass hier für „Atem“ oder „Odem“ steht, kann auch „Hauch“ oder auch Windstoß bedeuten und an einer Stelle, in Sprüche 20, 27, wird dieses Wort auch als „Geist des Menschen“ übersetzt.

Es gibt laut Bibel einen Unterschied zwischen tierischem und menschlichen Leben, was meiner Ansicht nach auch offensichtlich ist. Nur der Mensch stellt metaphysische Fragen, wie z.B. nach dem Sinn des Lebens oder nach Gott. Tiere machen das nicht, auch nicht die klügsten Tiere.

Schauen wir noch einmal auf den Film. Wie ist denn so das Leben?

Rein biologisch bedeutet Leben, ein Stoffwechsel zu haben, die Fähigkeit zum Wachstum, zur Reproduktion, zur Vererbung und zur Reaktion auf Änderungen in der Umwelt, so ungefähr etwas verkürzt.

Der tote Baum im Film hat das offensichtlich nicht mehr: Keine Interaktion mit der Umwelt, kein Stoffwechsel, keine Frucht und statt Wachstum nur Verfall.

Und die anderen lebenden Bäume in diesem Film? Offensichtlich ist immer ein bisschen Wind, der an den lebenden Bäumen zerrt. Sie wackeln, sie geben nach, sie wachsen auch an dem Wind. Der Wind transportiert irgendwie auch Nährstoffe, zumindest die, die der Baum direkt aus Luft entnimmt, wie CO2 und Stickstoff. Bei manchen Bäumen werden auch die Samen durch den Wind verbreitet.

In der Bibel ist ja der Wind ein Symbol für den Heiligen Geist.

Und das ist die dritte Ebene des Lebens. Wenn man Jesus kennenlernt, hat man nicht nur den Lebensatem als Mensch, sondern man hat auch noch den Heiligen Geist.

Gott möchte durch den Heiligen Geist Christen, die mit Jesus unterwegs sind, führen und leiten, Impulse geben und manchmal fühlt man sich davon auch ein bisschen hin- und hergerissen. Aber so ist das Christen-Leben. Wenn einen der Heilige Geist nicht mehr bewegt, dann ist man wie tot. Man steht vielleicht fest in der Landschaft, aber es ist vollkommen nutzlos.

Auch das Licht bietet hier einen interessanten Vergleich. Jesus sagt ja in Johannes 8, 12, dass er das Licht der Welt ist. Der Kernpunkt dieses Vergleiches ist, dass wir dadurch nicht mehr in der Finsternis herumirren müssen, aber auch andersherum wird das Licht sichtbar. Wenn wir in dem Licht Jesu leben, dann sieht man es. Und in dem Film sieht man es auch, wie freundlich es aussieht, wenn die Sonne durchkommt und die Bäume bestrahlt. Nur beim toten Baum macht es eigentlich keinen Unterschied. Da wirkt die Bestrahlung durch die Sonne nicht.

Leben in der Bibel

Das wichtigste für uns ist natürlich die dritte Ebene des Lebens, das Leben mit dem Heiligen Geist. Und das ist das wahre Leben, was Jesus auch meint, wenn er sagt, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Wir finden in der Bibel interessanterweise verschiedene Begriffskombinationen mit dem Wort „Leben“:

Was ist mit uns?

Wir haben jetzt viel über Leben gehört.

Schauen wir noch einmal auf den Film.

Fühle ich mich eher, wie einer der lebendigen Bäume? Manchmal hin- und hergerissen, aber bewegt von Jesus?

Oder bin ich der starre, tote Baum, bei dem nichts mehr passiert?

Und wie ist unsere Gemeinde? Wie empfindet ihr sie?

Starr in der Landschaft, ab und zu bricht ein Ast ab und in ein paar Jahren fällt der Baum um oder muss umgehauen werden?

Oder doch wie der Kirschbaum auf der rechten Seite? Da hatten wir dieses Jahr eine reiche Ernte und ich habe ihn ziemlich beschnitten und er lebt, bewegt sich im Wind und wird hoffentlich in den nächsten Jahren wieder Frucht bringen.

Und auch wenn ich keine Hoffnung für unseren toten Birnbaum habe, für die Gemeinde habe ich Hoffnung. Egal, wie es wirklich mit uns steht oder wie wir es vielleicht nur empfinden: Für Gott ist nichts unmöglich. In Psalm 119 stehen einige Gebete genau für solche Situationen, z.B. V. Psalm 119, 25; ELB

Am Staub klebt meine Seele. Belebe mich nach deinem Wort!

Zusammenfassung

Ich fasse zusammen.