Krieg

Wie geht man mit Krieg um? Und das als Christ?

Gottesdienst, , , Kreuzkirche Leichlingen

Einleitung

Habt Ihr von dem offenen Brief der 28 Prominenten gehört, der auf der Web-Seite der Zeitschrift „Emma“ abgelegt ist?

Da fordern die Unterzeichner dieses offenen Briefes den Bundeskanzler auf, keine schweren Waffen in die Ukraine zu liefern.

Dieser Brief geht zur Zeit quer durch alle Meinungsblasen hindurch, ähnlich wie das bei Corona war. Da gab es auf einmal Spaltungen in Gruppen und Familien, wo man nie damit gerechnet hätte und jetzt scheint das wieder so zu sein.

Diese Prominenten sind in völlig verschiedenen Blasen zu Hause und es sind unterschiedliche Berufsgruppen, von Künstlern über Journalisten, Juristen und auch Wissenschaftlern ist alles dabei.

Z.B. haben Alice Schwarzer und Dieter Nuhr unterschrieben und die haben sonst nichts miteinander zu tun.

Was sagt dieser Brief? Warum sorgt für so einen Sturm in der Medienwelt?

(https://www.emma.de/artikel/offener-brief-bundeskanzler-scholz-339463)

Auszug:

Wir teilen das Urteil über die russische Aggression als Bruch der Grundnorm des Völkerrechts. Wir teilen auch die Überzeugung, dass es eine prinzipielle politisch-moralische Pflicht gibt, vor aggressiver Gewalt nicht ohne Gegenwehr zurückzuweichen. Doch alles, was sich daraus ableiten lässt, hat Grenzen in anderen Geboten der politischen Ethik.

Zwei solche Grenzlinien sind nach unserer Überzeugung jetzt erreicht: Erstens das kategorische Verbot, ein manifestes Risiko der Eskalation dieses Krieges zu einem atomaren Konflikt in Kauf zu nehmen. Die Lieferung großer Mengen schwerer Waffen allerdings könnte Deutschland selbst zur Kriegspartei machen. Und ein russischer Gegenschlag könnte so dann den Beistandsfall nach dem NATO-Vertrag und damit die unmittelbare Gefahr eines Weltkriegs auslösen. Die zweite Grenzlinie ist das Maß an Zerstörung und menschlichem Leid unter der ukrainischen Zivilbevölkerung. Selbst der berechtigte Widerstand gegen einen Aggressor steht dazu irgendwann in einem unerträglichen Missverhältnis.

Wir warnen vor einem zweifachen Irrtum: Zum einen, dass die Verantwortung für die Gefahr einer Eskalation zum atomaren Konflikt allein den ursprünglichen Aggressor angehe und nicht auch diejenigen, die ihm sehenden Auges ein Motiv zu einem gegebenenfalls verbrecherischen Handeln liefern. Und zum andern, dass die Entscheidung über die moralische Verantwortbarkeit der weiteren „Kosten“ an Menschenleben unter der ukrainischen Zivilbevölkerung ausschließlich in die Zuständigkeit ihrer Regierung falle. Moralisch verbindliche Normen sind universaler Natur.

In den Leserbriefforen in den einzelnen Zeitungen, die einen Artikel über diesen Brief verfasst haben, geht es zur Zeit richtig rund.

Von Naivität bis berechtigtem Anliegen ist an Beurteilungen alles dabei, allerdings scheinen die Befürworter dieses Briefes in der Minderheit zu sein.

Ich finde diese Frage auch nicht leicht und habe darüber nachgedacht, wie man den Krieg und die Waffenlieferungen beurteilen soll, gerade als Christ?

Vor gut 100 Jahren gab es noch Leute, die sich Christen nannten und Waffen gesegnet haben. Das fühlt sich für mich heute falsch an. Oder deutsche Christen haben im ersten Weltkrieg für den Sieg gebetet. Viele französische Christen haben das wahrscheinlich auch gemacht, das kann natürlich alles so nicht richtig sein.

Krieg im Alten Testament

Wir finden in der Bibel im Alten Testament schon recht viele Kriege beschrieben. Sie gehörten damals zur Lebenswirklichkeit der Menschen dazu. Es gab vereinzelt sogar Kriege, die Gott angeordnet hat, aber das muss man meiner Ansicht nach im Kontext der damaligen Menschen sehen. Ähnlich ist das mit den Tieropfern. Diese waren von Gott angeordnet (im 2. Mose steht da eine ganze Menge dazu), um den Menschen in ihrem damaligen Verständnis das Prinzip von Sünde und Vergebung durch Gott klarzumachen.

Im Hebräerbrief ist das so schön beschrieben (Hebräer 10, 1-4; NL):

1 Das Gesetz brachte also nur einen Schatten des Zukünftigen und nicht die Wirklichkeit der himmlischen Güter. Die Opfer wurden Jahr für Jahr wiederholt, doch sie konnten denen, die zur Anbetung kamen, keine vollkommene Reinigung schenken. 2 Wäre dies der Fall gewesen, dann hätte es keine Opfer mehr gegeben, denn die Opfernden wären ein für alle Mal gereinigt gewesen, und sie hätten ein reines Gewissen. 3 Doch das Gegenteil geschah. Die jährlichen Opfer erinnerten sie Jahr für Jahr erneut an ihre Sünden. 4 Denn das Blut von Stieren und Böcken kann keine Sünden fortnehmen.

Das richtige Opfer ist Jesus Christus, wie es in Vers 10 beschrieben wird:

Und Gott will, dass wir durch das Opfer des Leibes von Jesus Christus ein für alle Mal geheiligt werden.

Das ist das richtige Opfer zur Vergebung der Sünden, die Tieropfer waren nur ein unscharfes Symbol dafür.

Genauso ist das mit den Kriegen im alten Testament. Gott hat sich, wie schon erwähnt, manchmal ihrer bedient, weil die Menschen es nicht anders kannten, aber eigentlich will Gott keinen Krieg und die Kriegsschilderungen aus dem alten Testament können uns als Bilder für unseren alltäglichen Kampf dienen, im Kampf gegen Verführung oder Versuchung, im Kampf dagegen, dass wir uns nicht gemein gegenüber anderen verhalten, usw.

Das ganze Alte Testament ist für uns heute ein Bilderbuch mit wahren Geschichten, aus denen wir lernen sollen.

Aber auch im Alten Testament gibt es schon universelle Aussagen über vieles, auch über den Krieg, z.B. in Micha 4, 1-4; wo eine zukünftige, neue Welt beschrieben wird:

1 Aber in den letzten Tagen wird der Tempelberg alle anderen Berge an Größe und Höhe überragen. Es werden dann Menschen aus allen Nationen zu ihm herbeiströmen. 2 Viele Völker werden sich auf den Weg machen und einander zurufen: »Kommt, wir wollen auf den Berg des Herrn steigen, zum Tempel des Gottes Israels. Dort wird er uns seine Wege lehren, damit wir so leben, wie er es möchte.« Denn der Herr wird von Zion seine Weisungen ausgehen lassen und von Jerusalem sein Wort. 3 Dann wird er der Richter über viele Völker sein und wird mächtigen Nationen Recht sprechen, auch wenn sie noch so weit entfernt sind. Dann werden sie ihre Schwerter in Pflugscharen umschmieden und ihre Speere in Winzermesser. Kein Volk wird mehr ein anderes Volk angreifen, und keiner wird mehr lernen, wie man Krieg führt. 4 Jeder wird ungestört in seinem Weinberg und unter seinem Feigenbaum sitzen, denn es wird nichts mehr geben, wovor er Angst haben muss. So hat es der Herr, der Allmächtige, gesagt!

Wann diese Zukunft kommt, keine Ahnung, aber man sieht, dass Krieg nicht zu Gottes neuer Welt gehört. Er gehört nicht zu Gottes eigentlichem Plan und Ziel.

Krieg heute

Aber trotzdem gab es immer Krieg und gibt es auch heute noch Krieg und in der Bibel ist das an einigen Stellen ziemlich nüchtern beschrieben.

Z.B. gibt es in Prediger 3 einen Abschnitt, der mit der Aussage „Alles hat seine Zeit“ beginnt, wo lauter Alltäglichkeiten aufgezählt werden und in V.8 steht:

Lieben hat seine Zeit wie auch das Hassen. Krieg hat seine Zeit wie auch der Frieden.

Eigentlich wollen wir nicht, dass der Krieg etwas alltägliches ist. Wir leben hier seit über 75 Jahren im Land der Glückseligen ohne Krieg, dass wir ihn schon fast nicht mehr wahrnehmen.

Es gab in der Zeit aber immer wieder Krieg, auch hier vor der Tür im ehemaligen Jugoslawien, aber irgendwie war es doch nicht hier.

Und jetzt werden wir sogar indirekt bedroht. Und viele Leute haben Angst, mit in den Krieg hineingezogen zu werden.

Ich habe ja mal vor 8 Jahren schon einmal eine Predigt über das Thema „Krieg“ gehalten und habe dazu Bilder von dem Gräberfeld in Verdun in Frankreich gezeigt. Ihr kennt dieses Gräberfeld sicherlich auch aus dem Fernsehen.

Krieg ist so ein Mist, so viele junge Leute, die dabei umkommen, wofür, fragt man sich!

Aber Krieg ist ja kein Spiel wie z.B. „Risiko“, wo sich vorher Leute zusammensetzen und entscheiden: „Jetzt spielen wir Krieg.“

Nein, häufig ist es, dass eine Armee in ein anderes Land einmarschiert, und die Armee des überfallenen Landes sich wehrt. Und in so einem Szenario kommt mit so pauschalen Aussagen wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ oder „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ oder „Die müssen ihren Konflikt friedlich lösen.“ nicht wirklich weiter.

Manch einem ist vielleicht eher nach Psalm 68, 31; NL

Bestrafe die feindlichen Nationen - das wilde Tier, das im Schilf lauert, und die Schar der Fürsten und die Anführer der Völker. Erniedrige die, die Tribut von uns fordern. Zerstreue die Völker, die Freude am Krieg haben.

Die Psalmen sind persönliche Gebete und Lieder und enthalten oft sehr viel persönliche Emotion, wie man hier gut heraushören kann.

Natürlich hat mich dieser Vers auch an den Krieg in der Ukraine erinnert. Aber „Zerstreue die Völker, die Freude am Krieg haben.“? Ist das nicht immer nur eine kleine gemeine Herrscherrunde, die den Krieg will und das arme, edle Volk will es nicht?

Keine Ahnung, aber ich hoffe es. Es wäre doof, wenn 145 Millionen Russen Spaß am Krieg hätten.

Zu einem Krieg gehören auch immer Soldaten und Soldaten, die aus dem Krieg zurückkommen, äußern sich selten positiv über das, was sie dort erlebt haben.

Im neuen Testament werden nebenbei auch Soldaten erwähnt. Z.B als verschiedene Leute Johannes den Täufer fragen, was sie tun sollen, da sind dann auch römische Soldaten dabei (Lukas 3, 14; NL):

»Und was sollen wir tun?«, fragten einige Soldaten. Johannes antwortete: »Seid keine Räuber und Erpresser. Gebt euch mit eurem Sold zufrieden.«

Er sagt hier nicht: Werft die Waffen weg und desertiert, sondern bleibt im Rahmen eures Jobs anständig. Allerdings kann ich mir schon Szenarien vorstellen, wo es richtig, zu desertieren.

Im zweiten Weltkrieg wurde die systematische Judenermordung in der besetzten Sowjetunion durch Einsatztruppen des Nazi-Sicherheitsdienst durchgeführt, häufig in Zusammenarbeit mit der Wehrmacht. Und wenn dafür abkommandierte Soldaten desertiert wären, hätte ich dafür vollstes Verständnis.

Aber es bleibt schwierig, das alles zu beurteilen. Kommen wir noch einmal zu diesem offenen Brief zurück. Es gibt dort im wesentlichen zwei Argumente.

Erstens: Durch das Liefern von Waffen gibt man dem ursprünglichen Aggressor ein Motiv zum verbrecherischen Handeln.

Mir erscheint dieses Argument absurd, weil der Aggressor eh macht, was er will. Er scheint nicht für Verhandlungen offen zu sein, z.B. hat er ja vorher auch immer bestritten, dass es einen Einmarsch in die Ukraine geben wird.

Und das zweite Argument ist, dass sich durch den ukrainischen Widerstand die Anzahl der zivilen Opfer über die Maßen erhöhen. Allerdings wurden nach jetzigem Wissensstand in einigen Städten, die eine Zeitlang unter russischer Besatzung waren, z.B. Buschta, Zivilisten von den Besatzungstruppen ermordet. Noch mehr Widerstand hätte die Opfer vielleicht verhindert.

Natürlich muss Euch klar sein, dass mein Urteil über diesen Brief und über diese aktuelle Situation nicht viel wert ist, da ich auch kein tieferes Wissen habe und nur das weiß, was in den Medien steht und mir darüber meine Gedanken mache.

Was bedeutet der Krieg für uns?

Mir fallen drei Bedeutungsebenen für uns ein.

Gebet

Die erste, wichtigste, ist, dass wir für die Situation beten, denn nur der allmächtige Gott kann da was machen. Aber für was sollen wir beten?

Für Frieden? Was für ein Frieden? Ein Siegfrieden für Russland, ein Kompromiss zwischen Aggressor und Überfallenem? Ein Kompromiss zwischen Täter und Opfer? Das hört sich seltsam an.

Für einen Sieg der Ukraine? Ja, da sympathisiere ich mit, natürlich, denn Täter und Opfer scheinen mir in diesem Konflikt ziemlich eindeutig zu sein.

Aber ich fühle mich trotzdem mit der Situation überfordert, jedoch Gott sieht unser Herz und sieht auf unsere Motive und versteht, wie wir es meinen.

In meiner persönlichen Überforderung mit der Situation bin ich auf drei Punkte gekommen, für die ich beten möchte:

Praktische Hilfe

Die zweite Bedeutungsebene für uns ist die praktische Hilfe. Es kommen viele Flüchtlinge aus der Ukraine in unser Land und es ist wichtig, sie willkommen zu heißen und ihnen zu helfen.

Ich finde es auch gut, dass unser Land da eine Menge macht und auch wir, können uns daran beteiligen, je nach dem, was Gott jedem persönlich aufs Herz legt.

Etwas für uns lernen

Und dann hat es noch die Bedeutung, dass wir versuchen, für uns daraus zu lernen.

Demut

Ein Punkt ist die Demut gegenüber anderen Meinungen. Ich habe ja schon gesagt, dass ich die Argumente dieses offenen Briefes nicht stichhaltig finde, ja ich denke, dass sie in meinen Augen offensichtlich falsch sind und das ist schon gefährlich. Wir leben in einer Zeit, wo sich Gruppen von Menschen einander beschimpfen, dass sie offensichtlich falsch lägen, Idioten, Schlafschafe, wacht doch mal auf. Auf so einem Niveau sind wir in unserer Gesellschaft schon lange angekommen.

In 1. Petrus 5, 5; ELB steht:

Alle aber umkleidet euch mit Demut ⟨im Umgang⟩ miteinander! Denn »Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade«.

Und zur Demut gehört, anzuerkennung, dass man auch falsch liegen könnte und dass man den Andersdenkenden nicht für einen Idioten hält.

Hier sollten wir uns von der Welt da draußen unterscheiden.

Krieg in uns

Und dann kann uns der Krieg auch wieder vor Augen führen, dass die Ursachen dafür nicht weit weg sind (Jakobus 4, 1-3; NL):
1 Was verursacht die Kriege und Streitigkeiten unter euch? Sind es nicht die vielen Begierden, die in euch kämpfen? 2 Ihr begehrt und habt nichts; ihr schmiedet Pläne und tötet und bekommt nichts. Ihr seid neidisch auf das, was andere haben, und könnt es nicht bekommen; also kämpft und streitet ihr, um es ihnen wegzunehmen. Doch euch fehlt das, was ihr so gerne wollt, weil ihr Gott nicht darum bittet. 3 Und selbst wenn ihr darum bittet, bekommt ihr es nicht, weil ihr aus falschen Gründen bittet und nur euer Vergnügen sucht.

Wir haben erkannt, dass das so ist und dass wir Vergebung brauchen und deshalb sind wir Christen geworden.

Beten wir darum, dass wir zum einen ein realistisches Bild von uns selbst haben und zum anderen immer wieder in Frieden und liebevoll miteinander umgehen können.

Zusammenfassung

Ich fasse zusammen.