Einleitung
Ich habe früher viele Kontakte zu Leuten aus Brüdergemeinden gehabt und ich fand es immer faszinierend, wie dort das Abendmahl gefeiert wird.
Im Idealfall läuft es so ab, daß es Beiträge von verschiedenen Leuten gibt, z.B. ein paar Gedanken, eine Bibelstelle, ein Liedwunsch, was dem einzelnen gerade wichtig ist und alle diese Beiträge führen inhaltlich zum Opfer Jesu hin und das alles mündet dann im Abendmahl.
Die Beiträge sind u.U. schon vorbereitet, aber der Gesamtablauf ist nicht geplant und so wird – im Idealfall – jeden Sonntag das Opfer Jesu von einer anderer Seite betrachtet.
Wir lesen ja bei uns üblicherweise die 2. Hälfte vom 1.
Korinther 11, wo auch ganz zentrale Aussagen über das Abendmahl
drinnen stehen.
Aber dieser Text ist eigentlich aus dem Anlaß geschrieben, daß die
Gemeinde das Abendmahl in einer unwürdigen Weise durchgeführt hat.
Manche waren betrunken, andere stopften sich im Beisein von ärmeren
Gemeindemitgliedern voll, welche selbst kaum etwas zu essen
hatten.
Das trifft auf uns nicht zu – ich sehe hier zumindest keinen Betrunkenen –, obwohl natürlich viele Aussagen aus 1. Korinther 11 wertvoll für uns sind.
Heute möchte ich mich dem Opfer Jesu anhand einiger Kapitel aus dem alten Testament nähern.
Die unterschiedlichen Facetten von Jesu Opfer
Wir haben ja das alte Testament u.a. deswegen, damit uns viele Sachverhalte aus dem Leben mit Gott anhand von Beispielen aus dem alten Testament deutlich werden können.
Und dazu möchte ich mit Euch die tlw. recht komplizierten
Opfergesetze des Volkes Israel im alten Testament betrachten.
Laut 3. Mose 1-5 gibt es fünf verschiedene Opfer:
- Brandopfer
- Speisopfer
- Heilsopfer
- Sündopfer
- Schuldopfer
Ich kann nicht behaupten, daß ich schon in alle Tiefen dieser Opfergesetze eingedrungen bin, aber jedes Opfer entspricht einem unterschiedlichen Betrachtungswinkel von Jesu Opfer.
Ich weiß nicht, ob hinter Reihenfolge, so wie in 3. Mose die Opfer beschrieben sind, ein bestimmter Sinn steckt, aber ich werde mich an diese Reihenfolge halten.
Brandopfer
3. Mose 1, 1-5;
V.9;
Hier kann man paar Dinge feststellen.
Zum einen handelt es sich hier um eine Opfergabe. Ein Opfer ist immer etwas, was man nicht leichtfertig gibt, so nach dem Motto „das hatte ich hier noch herumliegen, nimm es ruhig“.
Es sollte ein fehlerloses Tier sein. Dies gilt übrigens für alle Tieropfer.
Weiterhin handelt es ich hier um ein freiwilliges Opfer („darbringen will“).
Dann kommt der entscheidene Begriff „Sühnung“ („um Sühnung für ihn zu erwirken“).
Ich leider keine kurze knackige
Definition für „Sühnung“ gefunden.
Wenn man das Wort in einer Internet-Suchmaschine eingibt, dann
kommen lauter christliche Seiten, die z.T. etwas dazu erklären,
aber nicht das Wort an sich erklären.
Es geht hier nicht um einzelne Sünden – die kommen bei Sünd- und Schuldopfer vor – sondern es geht hier um ein grundsätzliches In-Ordnung-Bringen des Verhältnisses zu Gott.
In 3. Mose 16 ist der Versöhnungstag beschrieben und da geht es unter anderem um 2 Ziegenböcke (V.7-10)
10 Und der Ziegenbock, auf den das Los für Asasel gefallen ist, soll lebendig vor den HERRN gestellt werden, um für ihn Sühnung zu erwirken, um ihn für Asasel in die Wüste fortzuschicken.
Also: Der eine wird für die Sünden geopfert, der andere wird für die Sühnung weggeschickt und zwar als Sühnung für das Volk. Er trägt quasi die Sündhaftigkeit des Volkes Israel aus dem Land.
Was bedeutet das? Das bedeutet, daß
aus Gottes Sicht das Volk Israel nicht mehr in sich sündhaftig ist
und er so wieder dort wohnen kann.
Es geht hier nicht um die Sünden des Einzelnen, sondern um die
Sündhaftigkeit des Volkes Israel.
Etwas ähnliches finden wir im neuen Testament:
1. Joh. 2, 2;
Das hört sich jetzt nach pauschaler Vergebung für alle Sünden von allen Menschen an.
Aber z.B. in Matthäus 20, 28; steht
Da steht „viele“ und nicht alle.
Oder in Matthäus 26, 28; steht zum Abendmahl:
Also Sühnung ist für alle, Vergebung nur für viele.
Irgendwie hört sich das so an, als gebe es zwei Hindernisse zwischen Gott und einem Menschen.
Zum einen die Sündhaftigkeit der ganzen Welt, welche durch Jesu
Opfer gesühnt wurde.
Dieses Hindernis besteht nun nicht mehr.
Und zum andern ist es die persönliche Sünde, zu welcher wir später kommen.
Wie paßt das jetzt zu dem vorhin beschriebenen Brandopfer?
Hierbei kommt die vorhin erwähnte Freiwilligkeit ins Spiel.
Die Leute haben für so ein Brandopfer freiwillig ein gutes Tier hergeben und haben beim Opfern ihre Hand auf den Kopf des Tieres gelegt.
Warum haben die das gemacht?
Der Opfernde möchte Sühnung für sich, er spürt seine Sündhaftigkeit und will vor Gott in Ordnung kommen.
Wie ist das mit Dir? Bist Du ein guter Mensch? Oder bist Du eher ein schlechter Mensch? Spürst Du Deine Sündhaftigkeit? Kannst Du Dir vorstellen, daß ein guter Gott ein grundsätzliches Problem mit Dir hat?
Mußt Du mit Gott irgendwie ins Reine kommen?
Hier ist der erste wichtige Gesichtspunkt von Jesu Opfer.
Er hat die Tür zum guten Gott geöffnet, unsere Sündhaftigkeit ist
kein grundsätzliches Hindernis mehr. Sein Tod am Kreuz schuf
Sühnung für die ganze Welt.
Speisopfer
3. Mose 2, 1-3;
V.11;
V.14;
Die Grundbedeutung des hebräischen Wortes von „Speisopfer“ ist „Geschenk“ oder „Gabe“.
Hier geht es darum, wenn man Gott etwas
schenken will, etwas geben will.
Auch hierbei handelt es sich um ein freiwilliges Opfer.
Dabei muß der Schenkende ein paar Sachen
beachten: Zum einen darf kein Sauerteig darunter sein.
Sauerteig ist im neuen Testament ein Bild für falsche Lehre, aber
auch für falsche Motive.
Und zum andern muß es – wie bei den anderen Opfern – vom Besten sein.
Wie kann man Gott etwas geben oder gar
etwas schenken?
Ihm gehört doch sowieso alles, oder?
Letztendlich empfindet er das, was wir freiwillig für sein Reich geben, als Geschenk:
Im Gleichnis von den Schafen und den Böcken (Matthäus 25, 31-46) geht es darum, wie ein Leben aussehen soll, das Gott gefällt. Und der König im Gleichnis, der Jesus entspricht, sagt in V. 40
Wenn ihr etwas für Gott tun wollt, wenn
ihr ihm etwas geben wollt, dann gebt es bedürftigen Christen, denn
damit habt ihr es Gott gegeben.
Das ist jetzt etwas platt gesagt, denn natürlich ist es richtig,
daß es christliche Diakonie für alle Menschen gibt, nicht nur für
Christen.
Aber das, was für aus vollem Herzen freiwillig für andere tun, ob nun Mission oder Diakonie, darüber freut sich Gott, denn einen fröhlichen Geber hat Gott liebt.
Was hat das nun mit Jesu Opfer zu tun?
Menschen, die mit Jesus begonnen haben,
werden sicherlich bestätigen können, daß man als Jünger Jesu mit
der Zeit eine andere Sicht für die Dinge bekommt.
Anderen Menschen zu helfen – entweder durch Weitergabe des
Evangeliums oder durch praktische Hilfe – bekommt einen neuen
Stellenwert und durch Jesus werden wir damit zu Leuten, die Gott
beschenken.
Gott braucht unsere Geschenke eigentlich nicht, aber er freut sich
darüber, wenn wir es freiwillig mit ehrlichem Herzen
tun.
Heilsopfer
3. Mose 3, 1-5;
„Heilsopfer“ kann auch mit „Friedensopfer“ oder „Gemeinschaftsopfer“ übersetzt werden.
Hier geht es um Frieden und um die Gemeinschaft mit Gott.
Auch dieses Opfer ist freiwillig.
Es scheint so ähnlich, wie das Sühneopfer
abzulaufen, mit dem Unterschied, daß hier nur das Fett und die
Nieren verbrannt wurden.
Laut einer Anmerkung in meiner Bibel galten früher die Nieren als
Sitz des Gewissens.
Man könnte also die Handlung so deuten, daß das Gewissen im Feuer
gereinigt werden muß, damit man Frieden mit Gott hat.
Laut Römer 5, 1;
hat genau das Jesus Christus für uns ermöglicht, wenn ihm glauben und an ihn glauben.
Frieden mit Gott oder sogar Gemeinschaft mit Gott, das war vielen Leuten damals ein gutes Tier wert.
Was ist es uns heute wert?
Durch Jesu Opfer haben wir sogar noch mehr, als nur Frieden und Gemeinschaft:
Johannes 1, 12;
Sogar Kinder Gottes und das ist eine wirklich enge
Gemeinschaft.
So jetzt kommen wir zu den unangenehmeren Dingen, das
Sündopfer
3. Mose 4, 27-31;
Vor und nach diesem Abschnitt kommen noch einige Beispiele für Sünden aus Versehen.
Dieses Opfer ist nicht freiwillig sondern ein Pflichtopfer.
Sünde aus Versehen werden häufig mit den Worten „Das habe ich nicht gewollt“ oder „Hätte ich das vorher gewußt“ usw.
Manch einer wird sagen: „Aus Versehen, das
ist doch nicht so schlimm.“
Und auch Eltern werden unterschiedlich auf das Verhalten eines
Kindes reagieren, je nach dem ob es vorsätzlich oder aus Versehen
irgendeinen Mist gemacht hat.
Aber andere werden mit ihren Fehlern nicht fertig, die sie irgendwann einmal gemacht haben.
In Psalm 25, 7 steht:
Hier hört man das raus: „Ich habe früher viel Mist gemacht, Herr, bitte denk nicht mehr daran.“
Oft kann man das auch nicht mehr wieder gut machen, was man unabsichtlich angerichtet hat.
Für die Leute damals gab es diesen Ausweg
des Sündopfers.
Hierdurch wurde ihnen die Sünde vergeben.
In diesem Abschnitt taucht der Begriff „Sühnung“ noch mal auf.
Hier ist aber jetzt die Sicht des
einzelnen Sünders gemeint.
Er bekommt Vergebung von Gott und muß nicht mehr unter der Sünde
leiden.
Und genauso ist das mit Jesu Opfer.
Wir können unsere Fehler, unsere Sünden bei ihm abladen und Ruhe finden.
Manch einer wird einwenden: Das ist zu einfach. Ich gehe also unachtsam durchs Leben und wenn ich auf jemandem herumgetrampelt habe, gehe ich einfach zu Jesus und alles ist wieder gut.
Ich glaube, das Leben mit Jesus und der
völlig leichtfertige Umgang mit anderen Menschen widerspricht
sich.
Durch das Leben mit Jesus werden wir verändert, so daß die
Herumtrampelei abnimmt oder irgendwann ganz aufhört.
Man sagt ja immer, daß man schlimme Erlebnisse verarbeiten muß, und genauso muß man seine Fehler und Sünden verarbeiten, aber die beste Verarbeitung ist, sie zu Jesus zu bringen und damit Frieden zu finden.
Und Jesus zeigt einem u.U. dann auch
Möglichkeiten zum Entschuldigen und zur Wiedergutmachung der
geschädigten Menschen, wenn es denn Möglichkeiten gibt.
Als letztes folgt das
Schuldopfer
In 3. Mose 5, 14-26 wird das Schuldopfer beschrieben.
Teilweise kann man keinen richtigen Unterschied zum Sündopfer sehen, weil als erste Beispiele auch Sünden aus Versehen aufgeführt sind.
Aber hier ist Wiedergutmachung immer wieder mit drin.
V. 20-26;
Geraubt, erpreßt, hierfür soll es Vergebung geben?
Im neuen Testament gibt es noch schlimmere Dinge, die vergeben werden (1. Korinther 6, 9-11):
Diese Aufzählung ist sicherlich nicht vollständig.
Aber auch Menschen gehören dazu, die Kinder sexuell mißbraucht haben (Knabenschänder).
Kann solchen Menschen vergeben werden? In Korinth gab es anscheinend welche.
Ich will jetzt gar nicht in die Diskussion rein, welche Sünden jetzt besonders schlimm sind und welche weniger schlimm, ich möchte nur darauf hinweisen, daß Jesus für alle Sünden gestorben ist.
Jesus kann jede Sünde vergeben, wenn ein Sünder aufrichtig zu ihm kommt und sie ihm bekennt.
Es gibt keinen zu schlimmen Fall für Jesus.
Und das ist eigentlich das Größte an Jesu Opfer.
Aber genauso wie das Schuldopfer ein Pflichtopfer für schuldige Israeliten war, genauso ist auch das Opfer Jesu Pflicht für alle schuldigen Menschen und das betrifft jeden
Einen anderen Weg als Jesu Opfer, die eigene Sünde los zu werden, gibt es nicht.
Zusammenfassung
Jesu Opfer bedeutet:
- Brandopfer: Jesus macht grundsätzlich den Weg zu Gott frei, indem er die Sündhaftigkeit der Menschheit vor Gott sühnt.
- Speisopfer: Wer mit Jesus lebt, kann durch freiwilliges Gutes tun, Gott erfreuen und ihn damit beschenken.
- Heilsopfer: Jesu Opfer ermöglicht Frieden mit Gott und Gemeinschaft mit Gott.
- Sündopfer: Sünden, die aus Versehen begangen wurden, kann man zu Gott bringen und Frieden darüber finden.
- Schuldopfer: Egal, was Du getan hast, Jesu Opfer reicht auch für Dich. Es gibt keine zu schlimme Sünde für Jesus. Aber sein Opfer anzunehmen ist Pflicht, sonst nützt es Dir nichts.
AMEN