Einleitung
Jesaja 55, 9;
Dieser Vers ist ziemlich bekannt und ist in abgewandelter Form fast Allgemeingut („Gottes Wege sind unergründlich“).
Ich möchte mit Euch anhand dieses Verses über das Kapitel nachdenken, wo dieser Vers vorkommt (Jesaja 55), und habe dieses Kapitel in vier Abschnitte unterteilt.
Gottes Einladung
V.1-3;
Dieser Text scheint an Leute gerichtet zu sein, die Gott nicht kennen. Auf den ersten Blick verkündigt er die bekannte Aussage: Gott meint es gut mit dir, komm zu Gott.
Für diejenigen,
die Jesus schon kennengelernt haben, klingt das ziemlich bekannt;
das haben wir doch schon hundertmal gehört und es ist ja auch
richtig. Also hier verstehen wir schon Gottes Gedanken, so im
Großen und Ganzen.
Andere verstehen bei diesem Text vielleicht nur
Bahnhof.
Aber wir wollen nicht voreilig sein und deshalb betrachten wir diesen Text ein bißchen im Detail, um zu sehen, was Gott hier eigentlich anbietet:
Als erstes kann
man feststellen, daß er alle Durstigen anspricht.
Gott spricht also nur die an, die Bedarf haben, die Durst
haben.
Dieses Motiv kommt häufig in der Bibel vor, z.B. die Aussage von
Jesus „Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken.“ Wer
keine Hilfe will, dem hilft Gott nicht.
Was bietet Gott an?
Da haben wir als erstes „Wasser“. Wasser ist lebensnotwendig, ohne Wasser gibt es
kein Leben.
Und jemand, der Durst hat, benötigt als allererstes
Wasser.
Aber Gott bietet nicht nur das Lebensnotwendige an, er bietet mehr an:
- Wein, was in der Bibel häufig ein Symbol für die Freude ist.
- Milch: Bei fast allen Stellen in der Bibel, wo das Wort „Milch“ vorkommt, kommt es im Ausdruck „Milch und Honig“ vor, was eine symbolische Bezeichnung für Überfluß ist.
- Fettes zu Essen: Das steht für sehr gutes und teures Essen, das konnten sich damals nur Reiche leisten. Auch im heutigen Sprachgebrauch steht fett manchmal noch für gut oder überfließend (eh, voll fett!).
Gott bietet Freude und Überfluß an, was immer das auch für ein Überfluß sein mag.
Hier möchte ich unseren Überschriftsvers aufgreifen:
Das Denken, daß
im christlichen Glauben alles oder vieles verboten ist, was Spaß
macht, was Freude macht, ist allgemein weit verbreitet.
Doch hier hat Gott andere Gedanken mit uns. Er will, daß wir Freude
und Überfluß haben.
Mit Überfluß ist nicht unbedingt materieller Überfluß gemeint,
sondern eher die Fähigkeit, das zu genießen, was man hat. In
Prediger 6, 2 ist die Rede von einem reichen Mann, der alles hat,
aber nicht die Macht hat, es zu genießen. Glück ist unabhängig von
Hab und Gut; es gibt glückliche Arme und unglückliche Reiche. Es
muß die Seele sich halt laben können.
Das heißt natürlich nicht, daß wir ungerechte Verhältnisse einfach
hinnehmen sollen, aber diese Frage zu behandeln würde an dieser
Stelle zu weit führen.
Der nächste,
wichtige Aspekt ist, daß wir alles bekommen können, ohne dafür zu
bezahlen.
Der Ausdruck „Kauft ohne Geld“ scheint etwas seltsam, es hätte hier
ja auch stehen können: „Ihr bekommt es geschenkt“. Vielleicht ist
dieser Ausdruck gerade für uns Deutsche von Gott hier untergebracht
worden, denn in Deutschland denkt man ja: „Was nichts kostet, ist
auch nichts!“
Nur wenn man kauft, bekommt man etwas Gutes, Qualität kostet
halt.
Und gerade in der letzten Zeit legen wir ganz besonders viel Wert
darauf, möglichst viel und gutes für unsere sauer-verdienten Kröten
zu bekommen. Das hat natürlich die Werbewirtschaft erkannt und
daher Parolen wie „Geiz ist geil“ entworfen, die uns versprechen,
für möglichst wenig Geld möglichst viel zu bekommen. Wenn in
unserem Text von „Geld abwiegen“ die Rede ist, dann können wir
schon verstehen, das die damals auch nicht mehr als nötig ausgeben
wollten. Und gerade in harten Zeiten muß man sparen.
(Ein kleiner Verbrauchertip am Rande: Die Firma mit dem
Geiz-ist-geil-Slogan ist auch nicht günstiger wie andere Firmen,
sie stellen sich halt nur so da.)
Nun steht hier, daß man das Gute bei Gott ohne zu bezahlen bekommt, und hier wird wieder deutlich, daß Gottes Gedanken anders sind.
In der menschlichen Welt bekommen die Armen Wasser und Brot zum
Überleben, wenn sie Glück haben und in einem Staat wohnen, wo es
ein Sozialsystem gibt, ansonsten müssen sie betteln.
Die richtig guten Sachen bekommt man aber nur, wenn man Geld hat:
Ohne Moos, nix los.
Gott bietet nun ohne Geld die lebensnotwendigen Sachen, Wasser und Brot, und die guten Sachen, Freude und Überfluß an. Das alles gibt es ganz ohne Leistung. Damit gibt es auch vor Gott kein arm oder reich.
V.3;
Im alten Testament steht schon (5. Mose 8,3), daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN kommt. Wenn wir auf ihn hören, empfangen wir das lebensnotwendige und noch viel mehr. Er schließt einen Bund mit uns und dieser Bund, diese Gemeinschaft mit ihm, wird uns verändern, so daß wir die Freude und den vorhin beschriebenen Überfluß empfangen und erleben können.
Kann sich so
etwas ein Mensch ausdenken ?
Fast alle Religionen haben die Botschaft, tu dies und tu das, und
dann wird Gott vielleicht auch etwas für dich tun. Für mich hört
sich so etwas wie von einem Menschen erdacht an. Ich erarbeite mir
mein Heil. Wenn ich viel Gutes tue und viel spende, dann tut Gott
auch was für mich.
Aber hier bei Gott ist es anders. Wir müssen nur auf ihn hören und
den Bund mit ihm schließen.
Zeugnis
V.4-5;
Dieses Leben in der Freude und
im Überfluß wird sogar andere beeindrucken und fragend machen. Da
stellt sich einem natürlich die Frage, wieviel Leute man selbst
durch sein Leben schon beeindruckt hat und man kommt häufig zu dem
Schluß, daß man noch einen weiten Weg vor sich hat. Ich denke, das
gilt auch für unsere Gemeinde.
Und es gibt sicherlich Zeiten, wo andere Menschen offen und
interessiert sind, und Zeiten, wo sie es nicht sind.
Gottes Wege sind höher als unsere Wege
Man könnte jetzt eigentlich aufhören. Das hörte sich bisher ja alles rund und vollständig an und es ist ja jetzt alles klar. Aber der Text geht noch weiter und spricht einen Punkt an, der heutzutage – oder eigentlich schon immer – gerne ausgeblendet wird und wurde.
V.6-11;
Viele Verse, die einzeln recht bekannt sind, stehen hier im Zusammenhang, auch unser Überschriftsvers.
Aber zuerst steht hier noch einmal die Aufforderung, zu Gott zu kommen. Und dann geht es hier um Umkehr. Der Gottlose soll seinen Weg und der Mann der Bosheit seine Gedanken verlassen und zu Gott umkehren.
Die ersten zwei Verse dieses Abschnittes werfen einige Fragen auf.
Daraus folgt,
daß es Zeiten gibt, wo er sich nicht finden läßt, und eine Zeit, wo
er fern ist.
Auch das widerspricht dem üblichen menschlichen Denken. Gerade hier
in Deutschland denken wir doch eher so, daß – wenn es ihn überhaupt
gibt – Gott es gut findet, wenn ich überhaupt mal mit ihm spreche.
Gott hält sich ja aus meinem Leben raus und wenn ich ihn dann mal
(ganz selten) brauche, dann hört er mich schon und ist da.
Aber nein, es gibt Zeiten, da ist er nicht da. Und vielleicht gibt
es sogar ein zu spät, wo er gar nicht mehr zu finden ist.
Gott ist nicht einfach je nach Bedarf verfügbar, sondern er ist
sourverän und entscheidet selber, wann er angerufen oder gefunden
werden kann und wann nicht.
Wenn hier jemand Gott noch nicht kennt und durch das Gesagte nervös
wird, dann ist er auf einem guten Weg.
Die zweite
Frage, die mir hier kam, ist: Was ist Bosheit und was ist ein
Gottloser?
Wenn jemand böse denkt und es nicht ausführt, dann ist das doch
egal, oder? Wenn jemand bewußt ohne Gott lebt (also gottlos) und
niemandem etwas zu leide tut, dann ist das doch ok, oder?
Wir kommen da in den gigantischen Themenkomplex: Was ist richtig
und was ist falsch?
Lange Zeit war die Sklavenhaltung völlig normal, doch irgendwann wurde sie als falsch bezeichet.
Abtreibung galt lange als Verbrechen, heute akzeptiert sie ein Großteil der Bevölkerung als normal.
In manchen Kulturen war es (und ist es zum Teil heute noch!) üblich, die getöteten Feinde aufzuessen.
Früher war es verboten, wenn Mann und Frau unehelich zusammenlebten. Heute gilt es als unüblich, wenn man erst nach der Hochzeit zusammenzieht (auch ich mußte dafür schon irritierte Blicke ernten).
Ich könnte hier noch stundenlang weiter aufzählen.
Gibt es einen im Menschen „verdrahteten“ allgemeingültigen Maßstab, was falsch oder richtig ist?
In der heutigen Zeit scheint man eher den pragmatischen Weg zu gehen. Alles, was die Mehrheit nicht stört, ist erlaubt. Und wenn die Meinung der Mehrheit sich ändern, dann ändert sich auch der Maßstab. Und wenn man etwas privat macht, was scheinbar keine Auswirkungen auf andere Menschen hat, dann ist das sowieso erlaubt.
Nun hat Gott
hier andere Gedanken. Er verlangt vom Gottlosen und von der Person
mit den bösen Gedanken die Umkehr. Vor Gott gibt es keine
Privatsachen. Und eigentlich gibt es auch im menschlichen
Zusammenleben nichts wirklich Privates, was ohne Auswirkungen auf
andere ist. Privates Denken und Handeln hat immer auch Auswirkungen
auf das öffentliche Handeln. Man ist auf alle Fälle immer ein –
gutes oder schlechtes – Beispiel für andere.
Gott möchte uns seinen Maßstab für unser Leben geben und unser
Leben ganzheitlich in Ordnung bringen
Die dritte
Frage, die mir hier in den Sinn kam, entsteht durch den Vergleich
mit dem ersten Abschnitt aus diesem Kapitel. Es hörte sich da ja so
an, als würde man von Gott alles umsonst bekommen („Kauft ohne
Geld“) und hier wird nun gesagt, daß man umkehren muß.
Man kann zu Gott kommen, wie man ist, aber Gott will nicht, daß wir
so bleiben, wie wir sind.
Auch hier hat Gott andere Gedanken, als sie so bei uns üblich sind.
Heutzutage steht man eher auf dem Standpunkt, daß die anderen einen
so nehmen müssen, wie man ist. Da kommen so Aussagen wie: „Ich bin
halt so, ich kann nichts dafür. Ihr müßt das akzeptieren.“ und man
will dann unausgesprochen einen Freibrief für asi-haftes Benehmen
haben.
Klar, daß eine Persönlichkeit bestimmte spezifische Eigenschaften
hat, die man auch nicht so einfach ablegen kann, aber trotzdem kann
man in Gott ein neuer Mensch werden.
Und da kommen
wir zu der schönsten Botschaft der Bibel:
V.7b
Hier ist die
Rede von Gottes Erbarmen und Vergebung.
Wenn man zu Gott umkehrt, dann ist man ja nicht „peng“ ein neuer
Mensch. Schlechte Gedanken, Gewohnheiten, usw. das ist ja alles
noch da. Man kann das ja auch nicht einfach so ablegen, man ist ja
so, wie man ist.
Und hier kommt die Vergebung und der neue Bund ins Spiel. Er will uns vergeben und er hat es ja durch Jesus' Tod am Kreuz möglich gemacht.
Wer Jesus' Kreuzigung für sich in Anspruch nimmt, bei dieser Person „vergißt“ Gott, das sie gegen Gottes Maßstäbe verstoßen hat; nichts anderes heißt Vergeben. Außerdem werden wir durch Jesus verändert, so daß wir uns auch wirklich ändern können. Dies ist der neue Bund, an dem wir auch im Abendmahl denken („der neue Bund in meinem Blut“).
Und auf diesen
Vers folgt direkt:
Auf Gottes Erbarmen und Vergebung trifft diese Aussage am meisten zu.
In einem Abschnitt im 1. Korinther-Brief wird das schön beschrieben:
1. Kor 1, 20-25;
Gottes Erbarmen und Vergebung durch Jesus' Tod am Kreuz scheint heute nicht mehr zeitgemäß zu sein, aber es war schon damals für viele eine Albernheit (Torheit hört sich so altmodisch an) und es wird auch für viele eine Albernheit bleiben. Und das ist ja auch logisch. Vieles, was Menschen nicht verstehen, betrachten sie als Albernheit, als Dummheit. Und wenn Gottes Gedanken so viel höher als unsere sind, so wie der Himmel höher ist als die Erde, dann werden wir als Menschen ganz zwangsläufig das meiste nicht verstehen und manches kommt uns vielleicht wie Dummheit vor.
Und das gilt auch für die Menschen, die zu Jesus eine persönliche Beziehung haben. Gott läßt uns manchmal einen Blick in seine Gedanken werfen, auch einfach dadurch, weil er das wichtigste davon in der Bibel abgelegt hat. Aber trotzdem hat auch ein Mensch, der schon ein Leben lang mit Jesus und der Bibel lebt, sicherlich mehr Fragen als Antworten.
Nach dem Vers mit Gottes Gedanken und Wegen kommt ein Satz, der ziemlich bekannt ist, aber trotzdem hier nicht so richtig hineinzupassen scheint:
Der zweite Vers davon wird ja gern im Zusammenhang mit Verteilaktionen und evangelistischen Aktivitäten zitiert, was ja auch nicht unbedingt verkehrt ist.
Sicherlich geht
es hier nicht um einen direkten Befehl Gottes („er spricht und es
geschah“), der ja sofort wirksam würde.
Sein Wort wird hier mit dem Regen verglichen, der ja kontinuierlich
immer wieder kommt und mittel- und langfristig wirkt, nämlich mit
dem Ziel, Brot und neuen Samen zu erzeugen.
Wie können wir das auf das Wort Gottes anwenden?
Gottes Wort
entspricht hier dem Regen und genauso wie das Land regelmäßig den
Regen braucht, genauso brauchen wir das Wort Gottes regelmäßig
immer wieder in unserem Leben.
Gleichzeitig ist das Wort Gottes für uns das Lebensbrot (denn der
Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort aus
Gottes Mund) und für andere der Samen, der in ihnen wächst, so daß
sie auch irgendwann Jesus kennenlernen. Und genau das ist es, was
Gott gefällt.
Von daher kann man diesen Vers eigentlich nicht so richtig für
einmalige Verteilaktionen in Anspruch nehmen, obwohl so etwas
natürlich auch seinen Sinn hat.
Wir haben in diesem Abschnitt bisher folgenden logischen Ablauf:
- Aufforderung zur Umkehr
- denn: Gott ist voller Erbarmen und Vergebung
- denn: Gottes Gedanken sind höher als unsere
- denn: Gottes Wort wird bewirken, was Gott gefällt
Das Wort „denn“ leitet ja meistens eine
Begründung für das vorher Gesagte ein.
Aber gerade der Zusammenhang der letzten beiden Aussagen scheint
nicht so ganz klar.
Ich denke, man sollte in diesem Fall diese Aussage, daß Gottes Wort
bewirken wird, was Gott gefällt, als Beweis
für die Aussage sehen, das Gottes
Gedanken höher als unsere sind.
Denn das Gottes Wort (das ist letztendlich die Bibel) für uns als
Lebensbrot dienen soll, ist für viele Menschen eine Dummheit und
nicht nachzuvollziehen.
Weiterhin ist die letzte Aussage in diesem Abschnitt (Gottes Wort wird bewirken, was Gott gefällt) auch ein Beweis dafür, daß Gott voller Erbarmen und Vergebung ist. Denn er sendet ja kontinuierlich sein Wort, um dadurch in vielen Menschen den Samen zu legen, damit sie ihn kennenlernen.
Kommen wir zum letzten Abschnitt:
Fruchtbares Land
V.12-13;
Hier ist die
Rede von Frieden, Freude und von fruchtbarem Land.
Dies bezieht sich einerseits auf unser persönliches Leben
(persönliches, geistliches Wachstum) und andererseits auf die
Gemeinde, also auch auf unsere Gemeinde.
Auch, was die
Gemeinde angeht, zeigt sich, daß Gottes Gedanken höher sind als
unsere.
Wo Menschen zusammen sind, gibt es oft Probleme und Streit.
Frei von Problemen sind wir auch nicht, schließlich sind wir alle
auf dem Weg, aber wir sollten uns immer vor Augen halten, daß wir
keine Gemeinschaft sind, die sich anhand von gemeinsamen Interessen
oder Sympathien gefunden hat, sondern wir sind – aus menschlicher
Sicht – ein völlig willkürlich zusammengewürfelter
Haufen.
Und mit dieser Gemeinde möchte Gott sich ein Denkzeichen zu seinem Ruhm setzen. Darauf konnte kein Mensch kommen.
Die Gemeinde ist doch eine geniale Idee Gottes, oder?
Zusammenfassung
Ich möchte als Zusammenfassung einfach nochmal den Überschriftsvers vorlesen:
AMEN