Vorgeschichte
„Sucht das Beste für die Stadt“ oder in alt-fromm „Suchet der Stadt Bestes“ ist ein häufig zitierter Vers, auf den ich in meiner stillen Zeit stieß.
Dieser Vers steht in einem Brief.
Jeremia 29, 1-3;
Was war die Vorgeschichte von diesem Brief?
Jechonja, oder Jojachin, wie er auch hieß, war ein König, der tat, was böse in den Augen Gottes war. Was das im Detail war, wird im Bibeltext nicht erwähnt.
Der König von Babel, Nebukadnezar, nahm ihn dann gefangen und setzte stattdessen Jojachins Onkel, den im Text erwähnten Zedekia, als König ein.
Bei der Gefangennahme des Königs wurden eine ganze Menge Leute mit gefangen genommen:
2. Könige 24, 14-16;
Und an diese Leute ist dieser Brief gerichtet.
Nun gab es den falschen Propheten Hananja (Jeremia 28, 4), der voraussagte, daß alle Weggeführten bald wieder zu Hause sind und die Herrschaft von Nebukadnezar nach zwei Jahren zu Ende gehen wird.
Laut Jeremia waren das falsche Hoffnungen, die Hananja geweckt hat und es gab dadurch einen öffentlichen Konflikt zwischen beiden.
Gott spricht dann ein hartes Urteil über Hananja: (Jeremia 28, 16.17)
Man muß den nun folgenden Brief von Jeremia an die Weggeführten in diesem gesellschaftlichen Klima sehen. Israel war von Babel gedemütigt worden, viele Israeliten waren von Freunden und Verwandten getrennt worden und wollten sie gerne wiedersehen.
Und auch die Weggeführten hatten
Sehnsucht nach zu Hause, gerade weil die Israeliten ja ein
besonderes Verhältnis zu ihrem Land hatten.
In einigen Psalmen ist diese Sehnsucht vertont (z.B. Psalm
137).
Damals konnte man sich ja auch nicht
so einfach in einen Zug oder in ein Flugzeug setzen, weil es das
halt noch nicht gab. Und außerdem waren sie Gefangene, die sich
nicht frei im babylonischen Reich bewegen durften.
Von daher sah es mit der Rückkehr ziemlich hoffnungslos aus.
Nun möchte ich mit Euch den ersten Teil des Briefes betrachten.
Im zweiten Teil des Briefes geht es um die Strafen für falsche Propheten und den zweiten Teil möchte ich aus Zeitgründen weglassen.
Nun zum Brief:
Jeremia 29, 4-19;
5 Baut Häuser und wohnt [darin]! Pflanzt Gärten und eßt ihre Früchte! 6 Nehmt Frauen und zeugt Söhne und Töchter! Und nehmt Frauen für eure Söhne, und eure Töchter gebt Männern, damit sie Söhne und Töchter gebären, damit ihr euch dort vermehrt und nicht vermindert! 7 Und sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch gefangen weggeführt habe, und betet für sie zum HERRN! Denn in ihrem Frieden werdet ihr Frieden haben. 8 Denn so spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Laßt euch von euren Propheten, die in eurer Mitte sind, und von euren Wahrsagern nicht täuschen! Und hört nicht auf eure Träume, die ihr euch träumen laßt! 9 Denn Lüge weissagen sie euch in meinem Namen; ich habe sie nicht gesandt, spricht der HERR. 10 Denn so spricht der HERR: Erst wenn siebzig Jahre für Babel voll sind, werde ich mich euer annehmen und mein gutes Wort, euch an diesen Ort zurückzubringen, an euch erfüllen. 11 Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren. 12 Ruft ihr mich an, geht ihr hin und betet zu mir, dann werde ich auf euch hören. 13 Und sucht ihr mich, so werdet ihr [mich] finden, ja, fragt ihr mit eurem ganzen Herzen nach mir, 14 so werde ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR. Und ich werde euer Geschick wenden und euch sammeln aus allen Nationen und aus allen Orten, wohin ich euch vertrieben habe, spricht der HERR. Und ich werde euch an den Ort zurückbringen, von dem ich euch gefangen weggeführt habe.
Unangenehme Wahrheit
Dieser Brief wird für die Israeliten in der Fremde sehr hart gewesen sein.
In 70 Jahren erst zurückzukehren bedeutet, daß nahezu keiner der jetzigen Brief-Empfänger das miterleben wird. Damals wurden die Leute im Durchschnitt ja nicht so alt wie heute.
Daher hört sich das auf den ersten
Blick sehr hoffnungslos an.
Von daher ist das kein Wunder, das die Menschen offen für andere,
hoffnungsvollerer Prophetien sind.
Das ist heute nicht anders: Wer wird z.B. bei Wahlen gewählt? Der die Wahrheit sagt, oder der das sagt, was die Leute gerne hören wollen?
Mir fallen da so Aussagen ein, wie „blühende Landschaften“, „Es wird vielen besser gehen und keinem schlechter“, „wir werden die Arbeitslosenzahlen halbieren“, „wir werden das Steuersystem vereinfachen“, usw.
Es gibt unzählige solcher Aussagen vor jeder Wahl und von allen Parteien.
Menschen, die unangenehme Wahrheiten aussprechen, werden eher nicht gewählt.
Und auch Jeremia damals, der zwar kein Politiker war, aber unangenehme Wahrheiten aussprach, war ziemlich unbeliebt.
Dasselbe Problem hatte Jesus Christus ein paar hundert Jahre später auch. Er hat Sachen gesagt, über die sich die Leute geärgert haben, z.B.:
Johannes 14, 6;
Solche Aussagen haben damals richtig Aufregung erzeugt.
Und auch heute ist es allgemein nicht
gern gesehen, wenn man seinen eigenen Glauben als richtig und
andere Religionen als falsch ansieht.
Es gibt in manchen Ländern Gesetze, bzw. sind oder waren geplant –
das habe ich mal irgendwo aufgeschnappt –, da soll das öffentliche
Vergleichen von Religionen verboten werden, weil bei so einem
Vergleich ja eine der verglichenen Religionen ja immer irgendwie
negativ bei wegkommt.
In manchen Ländern ist der Religionswechsel auch generell
verboten.
Auch von Führern einiger
Religionsgemeinschaften wird in erster Linie dann Religionsfreiheit
gefordert, wenn die eigene Religion irgendwo in einer
Minderheitensituation sind. In einem Land, wo man die Mehrheit hat,
halten sie es oft nicht so für nötig, Religionsfreiheit
einzufordern.
Das ist zumindest mein höchst subjektiver Eindruck.
Aber mal von der ganzen Politik abgesehen, eines bleibt immer gleich:
Wenn man das obige Wort von Jesus Christus als dem einzigen Weg für richtig hält und das auch so weiter gibt, dann wird einem Unverständnis oder sogar Ärger und Ablehnung entgegen schlagen.
Aber schauen wir mal von den anderen auf uns:
Was ist uns denn lieber? Die Wahrheit, oder das, was wir gerne hören?
Ich weiß von mir selber, daß ich mich manchmal ärgere, wenn man mir unangenehme Wahrheiten sagt. Ich hoffe, daß nach einmal drüber schlafen der Ärger weg ist und ich dann der Wahrheit ins Gesicht sehen kann.
Diesen Ärger, den man manchmal hat, wenn man unangenehme Wahrheiten zu hören bekommt, bekommt ja der auch mit, der die Wahrheit überbringt.
Jeremia war von Gott getrieben und hatte nicht so die Wahl. Aber er selbst litt auch unter dem Ärger seiner Volksgenossen.
Vor vielen Jahren (1990) habe ich mal eine GJW-Jugendfreizeit (so 15-20 Jahre) nach Kroatien mit geleitet und da trat das Problem auf, daß 3 Mädels (>= 18) etwas mit jüngeren Jungen (<= 16) anfingen und miteinander rumknutschten. Ein Weltmensch würde sagen, das war völlig harmlos.
Ich fand es nicht harmlos und denke
auch heute noch, daß leichtfertiges Herumknutschen mit mehr oder
wenigen Fremden verkehrt ist und negative Folgen haben kann.
Für die Gründe ist jetzt hier nicht der Raum, da kann ich mal eine
eigene Predigt drüber halten ;-)
Ich hatte zu den Teilnehmern, auch zu den Betroffenen, ein z.T. sehr gutes Verhältnis, aber ich habe mich nicht getraut, diejenigen darauf anzusprechen.
Wahrscheinlich hätten sie mir rein
von der Sache her zugestimmt, aber ich hätte mich vielleicht
unbeliebt gemacht.
Ich hätte wohl auch keine disziplinarischen Maßnahmen oder so etwas
ergreifen müssen, denke ich, aber ich war sicher, ich hätte etwas
sagen müssen, gerade als ein Leiter.
Und ich habe mich nach der Freizeit maßlos über mich selbst
geärgert und habe dann den Vorsatz gefaßt (und ich fasse sonst
eigentlich nie Vorsätze), in Zukunft lieber einmal zu viel etwas zu
sagen, als nochmal schweigend bei etwas zu zu sehen, was verkehrt
läuft.
Lieber sich einmal zu viel aus dem Fenster hängen, als einmal zu
wenig.
Man macht sich ja auch mitschuldig,
wenn man zu falschen Dingen schweigt.
Man muß seine Meinung nicht immer wiederholt kundtun, aber
einmal sollte man seine Meinung schon sagen, wenn man den
Eindruck hat, daß etwas falsch läuft.
Wenn keiner etwas sagt, denken ja auch alle, daß alles richtig läuft.
Ich habe auch darüber nachgedacht, wie die Situation in unserer Gemeinde ist.
Man könnte jetzt einen Appell los lassen, daß wir mehr die Wahrheit sagen müssen und auch mehr dazu bereit sein müssen, unangenehme Wahrheiten zu hören.
Aber vielleicht sind wir ja auch alle
bereit die Wahrheit zu hören.
Das kann eigentlich jeder nur individuell für sich betrachten und
auch jeder nur für sich selbst vom Herrn erbitten:
- Die Bereitschaft unangenehme Wahrheiten zu hören und anzunehmen
- Die Bereitschaft unangenehme Wahrheiten auszusprechen, wenn es dran ist und sie sonst keiner sagt
Aber:
Manchmal ist die Wahrheit doch gar nicht so unangenehm
Was sagt Jeremia den Vertriebenen eigentlich (Jeremia 29, 5-7)?
So schlecht ist das doch gar
nicht.
OK, ihr gelobtes Land sehen die Briefempfänger nicht wieder, aber
ihre Nachfahren werden es sehen.
Und es wird ihnen ein Leben in Frieden vorhergesagt, das hatten sie in ihrem gelobten Land auch nicht immer.
Was sind die unangenehmem Wahrheiten in unserem, in Deinem und meinem Leben?
Vielleicht hast Du Dir Dein Leben anders vorgestellt, gesünder, erfolgreicher, mit weniger Problemen, irgendwie schöner.
Und jetzt hängst Du im Alltag fest,
vielleicht im Trott, Deine ursprünglichen Träume haben sich alle in
Luft aufgelöst.
Vielleicht hast Du Gesundheitsprobleme, die Dir zu schaffen machen,
oder Geldprobleme und Du weißt nicht, wie Du den Monat schaffen
sollst.
Vielleicht verstehst Du Dich mit Deinen Eltern, Kindern oder
sonstigen Verwandten und Freunden nicht.
Vielleicht bist Du dadurch unzufrieden und verbittert.
Oder Du machst Dir selber vor, daß alles in Ordnung ist, aber in Wirklichkeit schiebst Du ungelöste Probleme vor Dir her, die Dir zu schaffen machen.
Manche Probleme kann man lösen, mit anderen muß man sich arrangieren
Die deportierten Israeliten sollten sich auch mit ihrer Situation arrangieren. Sie sollten das Beste daraus machen.
Es gibt natürlich Dinge, mit denen
sollte man sich nicht arrangieren.
Z.B. sollte man seine eigene Unversöhnlichkeit nicht kultivieren,
sondern zu Jesus bringen und lernen, sich zu versöhnen.
Habgier, Geiz, Abhängigkeiten, Ehebruch, der ganze Katalog aus Galater 5, 19-22, ist nicht gottgegeben und man muß auch nicht so bleiben. Hiermit sich zu arrangieren ist ein großer Fehler.
Anders ist es mit den Lebensumständen: Die Situation mit dem Job, in der Familie, im Umfeld, usw. Manches kann man ändern, manches nicht.
Zu den damaligen Sklaven im NT wurde in 1. Korinther 7, 21 gesagt:
Sklave sein war sicherlich nicht
schön.
Wahrscheinlich geht es hier keinem so schlecht, wie es damals einem
Sklaven ging.
Wenn er die Chance hatte, frei zu werden, dann sollte er sie nutzen. Wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm.
Das hört sich etwas überheblich an, wenn man als freier Mensch zu einem Sklaven sagt, Sklave sein ist nicht so schlimm.
Genauso hört sich das vielleicht auch überheblich an, wenn Jeremia aus Israel zu den Vertriebenen – die ja alle gerne wieder nach Israel wollen – schreibt, daß sie es sich in der Fremde gemütlich machen sollen.
Aber es steckt eine tiefe Wahrheit da drinnen.
Persönliches Glück hängt weniger von den äußeren Lebensumständen ab, als wir das manchmal glauben.
Die vertriebenen Israeliten konnten ein glückliches Leben dort führen, das hat Gott ihnen durch Jeremia zugesagt: Eigene Häuser, Gärten, Nahrung, Familien, alles, was man zu einem glücklichen Leben braucht.
Aber es geht noch weiter (V.7):
Auch in einer scheinbar negativen
Umgebung kann man in Frieden leben.
Betet für Eure Lebensumgebung.
In 1. Timotheus 2, 1.2 steht:
Hast Du Ärger mit Deinem Vermieter, bete für ihn.
Hast Du Ärger mit Deinem Chef, mit Deinem Kunden, bete für ihn.
Hast Du Ärger mit Verwandten, bete für sie.
Aber das Gebet soll natürlich nicht nur zur Ärgerbehebung dienen.
Sucht das Beste für Euer Umfeld, für Eure Familie, für das Haus, wo ihr wohnt, für die Nachbarschaft, für die Stadt und für das Land.
Ich persönlich bete viel zu selten
für so etwas.
Meistens ärgere ich mich nur über politische Fehlentscheidungen und
bete vorher nicht dafür, daß die richtigen Entscheidungen getroffen
werden.
Manch einer wird sagen, beten alleine reicht nicht, aber wenn Christen ernsthaft beten (Jakobus 5, 16), dann wird es viel bewirken, ob andere das glauben oder nicht.
Den Frieden der Stadt – oder nach anderen Übersetzungen das Beste – zu suchen kann natürlich noch mehr sein. Das kann eine diakonische Arbeit sein, das können aber auch einzelne, private Kontakte von Gemeindegliedern sein.
Aber wenn man sich mit seiner Lebensumgebung arrangiert und sich für sie engagiert, dann gibt man ja damit zu, daß Gott einen dahin gestellt hat und das Gott etwas daraus machen kann.
Also, wenn Deine äußere Situation mies zu sein scheint, dann kann Gott trotzdem etwas daraus machen.
Nochmal zum Text zurück:
Gottes Zusage
Nachdem Gott die Vertriebenen ermuntert hat, sich in der Ferne häuslich nieder zu lassen, geht es so weiter (V.8-14):
Erst ist hier eine Warnung vor falschen Propheten.
Das bedeutet: Stellt Euch der Wahrheit. Glaubt nicht an das, was sich gut anhört, sondern glaubt der manchmal unangenehmen Wahrheit.
Gott gibt eine Zusage. Er ist auch in der Fremde, in der schwierigen Lebenssituation da.
Jesus ist da. Ruf zu ihm, bete zu ihm, er hört Dich und wird Dir helfen.
Und wenn Du ihn noch nicht kennst, dann jammere nicht über Dein Leben, sondern komm zu Jesus und er wird sich von Dir finden lassen.
Und die Zusage für die damaligen Vertriebenen zur Rückkehr in ihr gelobtes Land, die gilt heute so ähnlich für die, die zu Jesus gehören.
Diejenigen werden nach ihrem Tod bei Jesus sein.
Zusammenfassung
- Die Wahrheit ist manchmal unangenehm
- Stellen wir uns (manchmal unangenehmen) Wahrheiten, die uns persönlich betreffen?
- Egal, wie schlimm uns unsere Lebensumstände vorkommen, Jesus ist da.
AMEN
Segen
Jeremia 29, 11-14a;