Glaube - Unglaube

Gottesdienst, , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

Ein neues Jahr hat begonnen. Worüber könnte man die erste Predigt im neuen Jahr halten?

Über gute Vorsätze? Das habe ich tatsächlich schon einmal gemacht, vor 12 Jahren. Als Einstieg hatte ich ein Lied von der österreichischen Gruppe EAV ausgewählt: „Morgen, ja Morgen, fange ich ein neues Leben an.“ Vielleicht erinnert sich ja jemand an die Predigt.

„Gute Vorsätze“ sind zwar zum Jahresanfang immer ein dankbares Thema, aber irgendwie hat mich dieses Thema dieses Mal nicht angesprochen.

Dann gibt es ein weiteres dankbares Thema zum Jahresbeginn und das ist die Jahreslosung. Ich kümmere mich am Jahresanfang immer um die Homepage und aktualisiere dort die Losungen, Wochensprüche und Monatssprüche. Da brauche ich nicht sehr lange für, aber es gibt sonst kaum Quellen, wo man diese Bibelverse übersichtlich abrufen kann. Von daher sind auch andere dafür dankbar und gerade die Wochenspruchseite ist der Teil, der am häufigsten von unserer Homepage abgerufen wird. Wir sind bei Google, wenn man dort Wochenspruch 2020 eingibt, auf der ersten Seite an vierter Stelle.

Und als ich das so aktualisiert habe, habe ich auch noch die Jahreslosung dort eingetragen und die hat mich sehr angesprochen, und deshalb geht es heute um die Jahreslosung aus Markus 9, 24; LUT:

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Glaube, Unglaube, wie ist das hier gemeint? Um das besser zu verstehen, möchte ich mit Euch die Begebenheit genauer betrachten, wo diese Worte gesagt wurden.

Kurz vor dieser Begebenheit war Jesus mit den Jüngern Petrus, Johannes und Jakobus auf einem Berg und dort haben sie etwas tolles erlebt. Elia und Mose sind erschienen und Gott selbst hat hörbar gesprochen. Petrus war so begeistert, dass er für Mose, Elia und Jesus jeweils eine Hütte bauen wollte und sie wollten unbedingt noch da bleiben. Neben anderen geistlichen Bedeutungen scheint mir das ein Sinnbild für ein super-christliches Event zu sein, wo man in der Gemeinschaft tolles erlebt und wo man wirklich Gottes Reden gehört hat. Und eigentlich möchte man dieses Event auch gar nicht mehr verlassen, aber ein Event ist nur ein zeitlich begrenztes Ereignis.

Mir ist diese zeitliche Begrenztheit mal in besonderem Maße bewußt geworden, als ich auf einer Jugendmitarbeiterschulung beim GjW-Norddeutschland war (ein A-Kurs, die Älteren erinnern sich) und meine Gitarre im Freizeithaus liegen gelassen habe. Ich hatte damals nach dem Kurs jemanden besucht und bin ein paar Tage später wieder zum Freizeithaus gefahren, um die Gitarre zu holen.

Es war natürlich niemand mehr aus dem Kurs da. Das leere Freizeithaus wirkte so unwirklich, als wäre nichts von diesem Kurs übriggeblieben. Alles hat sich in Luft aufgelöst.

Ich hatte hoffentlich doch ein paar Sachen dort gelernt und mitgebracht, aber es ist natürlich nicht einfach solche Event-Ergebnisse in den Alltag zu transportieren.

Die Situation der Jünger

Und den drei Jüngern wird es ähnlich gegangen sein (Markus 9, 14-18; NL):

14 Am Fuße des Berges fanden sie eine große Menge vor, die sich um die übrigen Jünger versammelt hatte, während einige Schriftgelehrte ein Streitgespräch mit ihnen führten. 15 Die Menschen waren in großer Aufregung, als Jesus auf sie zukam. Dann liefen sie ihm entgegen, um ihn zu begrüßen. 16 »Worüber streitet ihr euch?«, fragte er. 17 Ein Mann aus der Menge ergriff das Wort und sagte: »Lehrer, ich habe meinen Sohn hergebracht, damit du ihn heilst. Er kann nicht sprechen, weil er von einem bösen Geist besessen ist, der ihn nicht reden lässt. 18 Immer wenn dieser böse Geist ihn packt, wirft er ihn gewaltsam zu Boden; er hat Schaum vor dem Mund, knirscht mit den Zähnen und wird ganz starr. Ich habe deine Jünger gebeten, den Dämon auszutreiben, aber sie konnten es nicht.«

Nach dem Berg der Verklärung so etwas! Da hat man eigentlich keinen Bock darauf. Man möchte lieber noch ein bisschen über das tolle Erlebnis sprechen.

Aber so ist das oft. Man war auf dem tollen Event, ist nun in den Untiefen des Alltags und dann sind da noch die übrigen, die nicht dabei waren und es gerade nicht so richtig hin bekommen. Die haben zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich gar kein Ohr für die tollen Erlebnisse für die drei Gipfeljünger.

Sie waren von einer großen Menschenmenge umgeben, während sie sich mit Schriftgelehrten stritten. Dazu war ihr Meister weit weg auf einem Berg. Und sie konnten dem Mann und seinem Sohn nicht helfen.

Ist das ein Bild für eine Gemeinde? Umgeben von neugierigen Gaffern, angegriffen von Besserwissern und dabei versagend. Sie können den Jungen nicht heilen.

Vielleicht haben die übrigen neun Jünger sich so gefühlt, das können wir aber nur vermuten.

Lasst uns diese Situation doch einmal mit unserer heutigen Gemeinde vergleichen.

Es gibt den Alltag, wo manche Dinge nicht funktionieren. Das kennen wir. Menschen werden nicht gesund, werden nicht erneuert, obwohl es doch in der Bibel steht. Es passiert natürlich schon hin und wieder, aber nicht, wenn wir darauf achten und auch subjektiv nicht so oft, wie wir es gerne hätten.

Dann gibt es Widerstand, was wir auch hin- und wieder kennen, wobei heutzutage die Menschen gefühlt eher gleichgültig als widerständig sind.

Dann gibt es einen Unterschied von damals zu heute: Die Menschen suchen Hilfe bei Jesus. Das ist heute leider nicht mehr so. Und die Schaulustigen freuen sich, als sie Jesus sehen und begrüßen ihn.

Wenn wir das hinbekommen würden: Die Menschen suchen Hilfe bei Jesus Christus, das wäre toll. Das können wir natürlich nicht bewirken, aber letztendlich ist es unser Auftrag, dazu beizutragen.

Die ganze Situation wurde ja durch die Suche eines Mannes nach Hilfe für seinen Sohn ausgelöst, und die Jünger konnten ihm nicht helfen.

Das geht uns vielleicht manchmal auch so. Menschen erwarten in irgendeiner Form Hilfe von der Gemeinde und sind oft genug enttäuscht. Aber wir können viele Erwartungen auch einfach nicht erfüllen. Mich irrirtiert es z.B., wenn Leute sich darüber beklagen, dass sie keiner aus der Gemeinde anruft, aber sie selber auch nie jemanden anrufen.

Oder manchmal gibt es ja auch hier und da die unausgesprochene Erwartung: „Ihr seid Christen, Ihr müsst mir helfen.“ Nein, wir müssen gar nichts.

Aber oft genug helfen Christen trotzdem. Warum eigentlich? Aber auch Menschen, die sich nicht als Christen bezeichnen, helfen oft gerne. Darüber machen sich Philosophen und Psychologen immer mal wieder Gedanken, welchen Sinn uneigennütziges Verhalten überhaupt hat. So allgemein will ich mich gar nicht darüber auslassen, ich versuche es einmal nur für Christen.

Christen sind durch ihr neues Herz, dass sie von Jesus bekommen haben, hilfsbereit und bleiben es, wenn sie immer wieder ihre Fehltritte zu ihm bringen und Vergebung empfangen.

Vielleicht ist diese Erklärung etwas zu einfach, aber irgendwie so muss es sein.

Außenstehende werden von der Gemeinde aber irgendwann immer enttäuscht werden, wenn sie nicht verstehen, dass es wirkliche Hilfe nur bei Jesus Christus gibt.

Der Mann mit dem kranken Sohn hat sich zwar an die Jünger gewandt, aber nur, weil Jesus gerade nicht da war. Eigentlich wollte er zu Jesus.

Menschen, die noch nichts von Jesus wissen, wenden sich natürlich auch erst einmal an die Gemeinde, aber das reicht auf Dauer nicht. Die Gemeinde ist begrenzt. Deswegen müssen wir auch auf Jesus hinweisen, denn nur in seinem Namen ist das Heil.

Es sind noch zwei weitere Punkte in dieser Situation interessant. Ein Mensch hat Probleme und andere streiten sich darüber.

Ich finde konstruktive Streits schon sinnvoll und wichtig, konstruktiv und nicht diese Shitstorm-Empörungskultur, die heutzutage immer mehr um sich greift. Wenn die Tatsache, das Greta im ICE auf dem Boden gesessen hat, mehr Raum in den Medien einnimmt, als die Suche nach Lösungen für den Klimawandel, dann ist die Bourlevardisierung der sogenannten Qualitätsmedien schon weit fortgeschritten. Und wichtig ist, dass sich viele über irgendwas aufregen, denn nur das gibt Klicks.

Aber zurück zu der Situation: Ist der Streit zwischen den Jüngern und den Schriftgelehrten hier sinnvoll? Inhaltlich wichtig schien er dem Evangelisten Markus nicht zu sein, denn er hat nicht direkt aufgeschrieben, worüber sie streiten.

In solchen Situationen scheint mir auch die Hilfe wichtiger als das Ringen um die Wahrheit zu sein.

Interessant ist, dass der Betroffene, der Vater und der kranke Sohn, nicht am Streitgespräch beteiligt war, obwohl es im Streit ja schon irgendwie um ihn ging.

So ein bisschen erinnert mich das an Talkshows, wo hochbezahlte Politiker, Wirtschaftsprofessoren und Sozialexperten über die Situation armer Leute sprechen.

Ich finde, bei Hilfe müssen die Betroffenen immer eingebunden werden.

Der zweite Punkt in dieser Situation sind die Symptome des Sohnes. Ich habe ja schon ein paarmal den Begriff „krank“ benutzt, aber vielleicht trifft es das nicht so richtig. Der Vater sagt, dass er einen stummen Geist hätte. Das ist jetzt seine Diagnose. Die Symptome erinnern an Epilepsie, abgesehen von der Stummheit.

Ich glaube schon, dass es Dämonen und auch Besessenheit gibt, auch wenn mir persönlich das noch nie begegnet ist. In anderen Bibelstellen werden solche Fälle schon recht klar beschrieben.

Ob das hier der Fall ist, ist mir nicht ganz klar. Wir werden uns nachher noch ansehen, wie Jesus den Jungen heilt.

Der Glaube

Ich lese weiter (Markus 9, 19-24; NL):

19 Jesus sagte zu ihnen: »Ihr Ungläubigen! Wie lange muss ich noch bei euch sein, bis ihr endlich glaubt? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt den Jungen zu mir.« 20 Sie brachten ihm das Kind. Als der böse Geist Jesus sah, schüttelte er den Jungen in heftigen Krämpfen. Er fiel zu Boden und krümmte und wälzte sich mit Schaum vor dem Mund. 21 »Wie lange geht das schon so?«, fragte Jesus den Vater des Jungen. Er antwortete: »Seit er ganz klein ist. 22 Der böse Geist wirft ihn oft ins Feuer oder ins Wasser, um ihn umzubringen. Hab Erbarmen mit uns und hilf uns. Tu etwas, wenn du kannst.« 23 »Was soll das heißen, `Wenn ich kann´?«, fragte Jesus. »Alles ist möglich für den, der glaubt.« 24 Der Vater rief: »Ich glaube! Aber hilf mir, dass ich nicht zweifle!«

„Ihr Ungläubigen“, ein hartes Wort! In einer anderen Übersetzung steht für dieses Aussage:

Was seid ihr nur für eine ungläubige Generation!

Wenn man hier nur so rüberliest, hat man den Eindruck, dass Jesus hier seine Jünger vor der ganzen Menge rund macht. Aber er schimpft über die ganze Generation (in anderen Übersetzungen steht das Wort „Geschlecht“, was hier eben Generation bedeutet).

Jesus hat meines Wissens nach nie seine Jünger vor Außenstehenden heruntergemacht und daher meint er hier nicht nur seine Jünger, sondern alle Anwesenden. Es geht hier nicht um ein Leistungschristentum, so nach dem Motto: Du musst viel glauben und viel tun und wenn Du es nicht schaffst, bist du ein Versager.

Der Unwillen, den Jesus hier äußert, wirkt irgendwie menschlich. Man, habt ihr es immer noch nicht verstanden? Ihr habt so viele Wunder schon gesehen und ihr glaubt es immer noch nicht?

Aber dann widmet sich Jesus dem Einzelnen, was ich immer wieder faszinierend finde. Nicht nur das große Ganze, sondern der Einzelne, Du persönlich bist wichtig.

Sie bringen den Jungen zu ihm und er betrachtet das Problem und fragt nach. Manchmal ist eine Problemanalyse nötig. Der Vater beschreibt es so, wie er es erlebt hat. Und dann kommt eine wichtige Aussage:

Hab Erbarmen mit uns und hilf uns. Tu etwas, wenn du kannst.

Die Bitte um Hilfe ist ja in Ordnung, aber die Bitte mit integriertem Zweifel (Tu etwas, wenn Du kannst) hört sich schon fast unverschämt an. In der Neuen Genfer Übersetzung steht:

Doch wenn es dir möglich ist, etwas zu tun, dann hab Erbarmen mit uns und hilf uns!

Das hört sich unfreiwillig höflich an und daher würde ich es nicht so übersetzen, aber es drückt schon die Frage aus: „Ist es möglich, dass Jesus hilft“?

Das ist doch die ganz zentrale Frage. Sind wir nur ein Verein zur Pflege des christlichen Brauchtums, oder hat das eine Bedeutung, was wir hier sagen und tun?

Ist es wirklich möglich, dass Jesus Dir und mir hilft? Neben dieser Frage verblassen alle anderen Fragen in die Bedeutungslosigkeit.

Wie antwortet Jesus darauf?

Was soll das heißen, `Wenn ich kann´?«, fragte Jesus. »Alles ist möglich für den, der glaubt.«

Jesus antwortet hier nicht mit, „Natürlich kann ich das!“. Sondern er weist dem Vater des Jungen auch die Verantwortung zu: „Alles ist möglich für den, der glaubt!“ Und mit „glaubt“ ist natürlich das Vertrauen auf Gott gemeint.

Interessant ist auch, von welchem Wortstamm das griechische Wort für „kann“ kommt. Es heist „dynamai“, welcher auch im deutschen Wort „Dynamo“ vorkommt. Es geht hier um bewirken können, möglich machen. Kannst Du das, Jesus?

Und seine Antwort ist: Jeder kann das, der auf Gott vertraut. Alles ist möglich für den, der glaubt. Und in dem Wort, dass hier mit „möglich“ übersetzt wurde, steckt der selbe Wortstamm wie in „kann“: dynatos

Diese Antwort ist für den Vater sicherlich unerwartet. In einer komfortablen Situation würde man jetzt erst einmal zögern, überlegen, reflektieren, aber der Vater des Jungen war verzweifelt. Er schrie:

»Ich glaube! Aber hilf mir, dass ich nicht zweifle!«

Die Neues-Leben-Übersetzung übersetzt hier nicht so kurz und knapp wie Luther es tut:

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Zweifel, Unglaube, ist das dasselbe? Die anderen Übersetzungen, die ich dazu betrachtet habe, schreiben auch „Unglaube“, aber einige mit der Formulierung „Hilf mir aus dem Unglauben“.

Und danach kümmert sich Jesus darum, er läßt den Vater also nicht alleine.

Wenn wir das kommende Jahr für uns persönlich und auch für unsere Gemeinde betrachten: Was erwarten wir von Gott für uns und für die Gemeinde? Was glauben wir, was Gott tun kann?

Vielleicht liegt es jetzt manch einem auf der Zunge: Was heißt hier „kann“? Alles ist möglich für den, der glaubt.

Ja natürlich, aber wie denken wir wirklich? Was hoffen wir, was befürchten wir für unsere Gemeinde?

In wieweit ist die Haltung des Vaters des Jungen unserer ähnlich?

„Hab Erbarmen mit uns und hilf uns. Tu etwas, wenn du kannst.“

Ich denke, dieser Mann hat nicht so richtig geglaubt, er war sich nicht sicher, aber er hat keinen anderen Weg mehr gesehen und ist deshalb zu Jesus gekommen.

Diese Haltung ist jetzt nicht so falsch. Es ist nicht optimal, aber sein bisheriger Weg mit dem Leiden seines Sohnes hat ihn zu Jesus getrieben. Und er ist sich bewusst, dass er eigentlich zweifelt und bittet um Hilfe.

Wie sehr glauben wir, dass Jesus unserer Gemeinde wieder ein bisschen mehr Schwung bringen will, mehr Gottesdienstbesucher, mehr Mitarbeiter? Glauben wir, das Jesus das in Leichlingen kann?

Ich benutze hier mit Absicht das Wort „kann“, damit es so ein bisschen in uns knirscht. Natürlich wissen wir, dass Jesus als Gottes Sohn alles kann, so als biblisches Grundwissen, aber deckt sich das mit unserem persönlichen Glauben und Erleben?

Wir sind nur eine kleine Schar und die meisten bringen sich irgendwie auch ein und manche sind vielleicht auch schon am Limit.

Es ist ja auch schön hier in unserer Gemeinde, die Leute sind nett, aber es wurde in den letzten Jahren irgendwie alles etwas weniger; es könnte doch einmal wieder mehr werden.

Das erinnerte mich an eine andere Bibelstelle (Matthäus 9,35-38; NL):

35 Jesus zog durch die Städte und Dörfer der Umgebung. Er lehrte in den Synagogen und verkündete die Botschaft vom Reich Gottes. Und überall, wo er hinkam, heilte er Menschen von ihren Krankheiten und Leiden. 36 Als er die vielen Menschen sah, hatte er tiefes Mitleid mit ihnen, denn sie hatten große Sorgen und wussten nicht, wen sie um Hilfe bitten konnten. Sie waren wie Schafe ohne Hirten. 37 Deshalb sagte er zu seinen Jüngern: »Die Ernte ist groß, aber es sind nicht genügend Arbeiter da. 38 Betet zum Herrn und bittet ihn, mehr Arbeiter zu schicken, um die Ernte einzubringen.«

Viele Menschen mit großen Sorgen und wenige Mitarbeiter, so neu ist unser Problem nicht. Ich glaube, dass das unser Hauptgebetsanliegen sein sollte, dass Gott neue Mitarbeiter für das Reich Gottes in Leichlingen schickt.

Wo sollen die denn herkommen, man kann sich doch keine Mitarbeiter backen?

Gott hat da ganz andere Möglichkeiten. Beim Einzug nach Jerusalem in Lukas 19, 37-40 lobten Jesu Anhänger Gott laut jubelnd für die großen Wunder, die sie gesehen hatten. Die Pharisäer störte es und forderten Jesus auf, das zu unterbinden. Und da sagte Jesus (Lukas 19, 40;NL):

»Würden sie schweigen, dann würden die Steine schreien!«

Gott kann aus Steinen Anbeter erwecken und er kann auch aus Steinen Mitarbeiter erwecken. Dieses Bild zeigt eindrucksvoll, dass für Gott kein Mensch zu kalt, zu verhärtet, zu abweisend oder zu verloren ist.

Wir haben Schwierigkeiten, dass zu glauben, wenn wir ehrlich sind, zumindest geht es mir oft so, aber ich möchte das glauben, Herr, hilf meinem Unglauben.

Die Heilung

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch ein Worte zu der Heilung oder vielleicht besser Befreiung sagen.

25 Als Jesus sah, dass die Menge der Zuschauer ständig größer wurde, bedrohte er den bösen Geist: »Du tauber und stummer Geist, ich befehle dir, fahre aus diesem Kind aus und kehre nie wieder zurück!« 26 Da schrie der Geist auf, packte den Jungen noch einmal, warf ihn hin und her und verließ ihn. Der Junge lag reglos da, sodass die Menge dachte, er sei tot. 27 Doch Jesus nahm die Hand des Jungen und half ihm aufzustehen, und er stand auf. 28 Als Jesus später mit seinen Jüngern allein im Haus war, fragten sie ihn: »Warum konnten wir diesen bösen Geist nicht austreiben?« 29 Jesus antwortete: »Diese Art kann nur durch Gebet ausgetrieben werden.«

Der Einzelne, der Leidende steht bei Jesus im Mittelpunkt. Als immer mehr Schaulustige kommen, bringt er die Sache schnell zu Ende, um auch den Jungen zu schützen.

Und er nimmt ihn nachher bei der Hand und hilft ihm aufzustehen. Das ist ein schönes Bild dafür, dass es nicht nur um die Bekehrung, die Rettung geht, sondern das Jesus den befreiten Menschen an die Hand nimmt, ihm hilft, sich aufzurichten.

Ist es nun eigentlich wirklich ein Dämon oder ist es eine Krankheit wie Epilepsie? Ich tu mich einerseits sehr schwer damit, alle Fälle von Besessenheit in der Bibel irgendwie biologisch wegzuerklären, weil es halt in der Bibel wirklich Dämonen gibt. Die unsichtbare Welt, die böse wie die gute, ist real, auch wenn sie vielleicht nicht so ist, wie wir sie uns vorstellen.

Andererseits frage ich mich in diesem konkreten Fall, wer denn die Diagnose der Bessenheit gestellt hat. Der Vater hat die ganze Zeit miterlebt, was dem Jungen widerfahren ist und hat wahrscheinlich aus dieser Beobachtung die Diagnose „Besessenheit“ gestellt. Wahrscheinlich hatte er sich auch an Priester und Ärzte gewandt, die die Symptome ähnlich beurteilt hatten. Das heutige Wissen über solche epileptischen Verkrampfungen waren damals völlig unbekannt.

Dazu kommt, dass so eine angenommene Besessenheit das Kind in den Augen der Umwelt unrein machte und von vielem ausschloss. Also hat Jesus möglicherweise diese Krankheit deshalb als ein bösen Geist betrachtet und die Heilung durch eine ausgesprochene Bedrohung durchgeführt, um auch der Umgebung klar zu machen, dass der Junge jetzt geheilt ist. Denn er befreit den Jungen, als immer mehr Schaulustige kamen.

Aber das ist nur eine Vermutung von mir, vielleicht war es auch eine simple Dämonenaustreibung.

Interessant ist bei dieser Geschichte der Unterschied zwischen Jesus und den Jüngern. Jesus trieb ihn aktiv aus, während für die Jünger gilt: Diese Art kann nur durch Gebet ausgetrieben werden.

Das ist auch so eine Frage, die sich einem hier stellt: Was kann denn noch alles nur durch Gebet gelöst werden? Wo kommt man mit aktivem Handeln nicht weiter, wo kann man nur beten?

Zusammenfassung

Ich komme zum Schluss: