Freiheit aus der Sklaverei

Gottesdienst, auch für ältere Kinder, , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

Heute ist die Predigt einmal ein bißchen anders als sonst. Ihr seht, dass die älteren Sonntagschulkinder noch hier sind und heute gibt es statt einer Predigt eine Geschichte, von mir und meiner Frau.

Mann: Die Anfänge

Tja, wer sind wir? Wir sind, oder besser gesagt, wir waren Sklaven. Wir stammen aus einem kleinen Dorf, mitten im Urwald von Afrika. Wir waren noch recht klein, als Männer kamen, die unser Dorf überfielen. Ich kann mich noch erinnern, wie sie meinen Vater ermordeten und meine schreiende Mutter mitnahmen. Es war so furchtbar, dass mich diese Bilder sogar manchmal heute noch im Traum überfallen. Sonst habe ich alles vergessen; ich weiß auch meinen Namen nicht mehr. „Sklave“ war mein neuer Name, oder „Junge“, wenn mein Herr etwas netter war.

Ich lernte Körbe flechten und mußte den ganzen Tag Körbe für meinen Herrn herstellen. Dann wurde ich öfters weiter verkauft, musste auf vielen Feldern schuften und habe viele Schläge bekommen. Manch ein Gesicht habe ich mir gut gemerkt, für den Fall, dass ich diese Tretmühle 'mal verlassen kann. Auf einem Sklavenmarkt habe ich auch einen der Häscher wieder erkannt. Irgendwie hielt mich der Hass und die Hoffnung auf Rache am Leben.

Ach ja, einen Namen habe ich dann auch bekommen: Ein Herr hat mich „Dil“ genannt, und da ich meinen richtigen Namen ja nicht mehr wußte, habe ich ihn behalten.

Frau: Die Anfänge

Ich stamme aus dem selben Dorf, war aber noch zu klein, um mich an irgendetwas zu erinnern. Ich wurde an einen großen Stoffhändler verkauft und musste nähen lernen. Ich habe mich oft gestochen und war ungeschickt. Nach vielen Stichen und Schlägen ging es dann so, aber ich habe es immer gehasst.

Ein paarmal wurde ich weiterverkauft und irgendwann durfte ich in einer Küche arbeiten und kochen lernen. Weil ich das gerne machte und daher gut lernte, blieben die Schläge irgendwann aus. Allerdings musste ich dem Hausherrn aus dem Weg gehen, was leider nicht immer gelang. Als Sklavin war man ja das Eigentum seines Herrn.

Ach ja, auch ich habe einen Namen im Laufe meines Sklavendaseins bekommen: Takla.

Dann wurde ich eines Tages an einen Wirt verkauft, der zuerst besser als der vorherige Herr war. Er ließ mich in Ruhe. Und dann sah ich Dil wieder. Der Herr hatte ihn auch gekauft, um eine Scheune aufzubauen. Wir hatten uns immer 'mal wieder gesehen und er erzählte mir, dass wir aus dem selben Dorf stammten.

Und zum ersten Mal war ich irgendwie glücklich, sofern man das als Sklavin überhaupt sein kann. Von da an waren wir ein Paar. Wir hätten sogern geheiratet, aber das erlaubte der Herr nicht.

Und dann kam die schreckliche Nacht, wo mein Herr betrunken nach Haus kam und ich, ich.. es war furchtbar. Als ich es nachher Dil erzählte, wäre er fast ausgerastet. Ich hielt ihn fest und redete auf ihn ein. Wir wären beide tot gewesen, wenn er unserem Herrn etwas angetan hätte. Neben Flucht wurden Angriffe auf den Herren sehr streng bestraft, meist mit dem Tode. Und dazu wurden zur Abschreckung auch Freunde und Angehörige mit öffentlich hingerichtet.

Am nächsten Morgen hörten wir einen lauten Streit zwischen unserem Herrn und der Herrin. Wir begannen mit unsere Arbeit. Weder der Herr noch die Herrin sahen mir in die Augen, als sie meine Arbeit in der Küche kontrollierten.

Frau: Der neue Herr

Am Nachmittag hatten wir dann einen hohen Gast. Er brachte sein ganzes Gefolge und Gäste mit und die anderen Sklavinnen und ich arbeiteten in einem fort in der Küche. Dann kam die Herrin in die Küche und mit feindseligem Blick wies sie mich an, mitzukommen. In der Gaststube verbeugte sie sich leicht und sprach zu dem hohen Herrn: „Sie gehört jetzt Euch!“ Irritiert schaute ich auf den hohen Herrn und sein Gefolge. Dil, was ist mit Dil? „Herr, bitte mein Mann, Dil...“ Patsch, die Herrin schlug mir voller Wucht ins Gesicht. „Sie ist nicht verheiratet, sie hat keinen Mann!“ Der hohe Herr hob die Hand und forderte die Herrin auf, Dil zu holen. „Ein kräftiger Mann“, äußerte er sich anerkennend über Dil, als er ihn sah. Er holt einige Goldmünzen aus der Tasche und der zornige Blick der Herrin verwandelte sich in Gier.

Wir holten unsere Bündel und reihten uns in die anderen Bediensteten des hohen Herrn ein.

Mann: Das kurze Glück

Nun waren wir wieder bei einem neuen Herrn. Aber so einen großes Haus hatte ich noch nie gesehen. Takla und ich waren baff. Die Pracht des Hauses färbte sogar auf die Sklavenunterkünfte ab, so dass wir uns manchmal selbst wie Herren fühlten. Und dann geschah das zweite Wunder. Anscheinend war der Herr mit unserer Arbeit zufrieden und Takla und ich durften heiraten und bekamen eine eigene, kleine Unterkunft.

Eine Zeitlang vergaß ich meinen Hass und fühlte mich glücklich. Aber als Sklave konnte man nicht vergessen, wer man war. Es gab wieder Schläge, wenn man Fehler gemacht hatte. Es war nicht der hohe Herr selbst, der machte sich seine Finger nicht schmutzig, dafür hatte er seine Leute. Als eines Abends Takla weinend, voller blauer Flecke in unsere Unterkunft kam, weil sie angeblich das Essen versalzen hatte, kam mein Hass und meine Rache zurück. Die Küchenchefin war nun die erste Frau auf meiner Liste. Ich wollte fliehen, mit Takla, irgendwohin, wo sie uns nicht finden, wo wir keine Sklaven mehr sind. Dann machte es nach ein paar Tagen die Runde. Ein Mitsklave, ein sehr kluger Mann, war geflohen und sie haben seine Frau auf dem Dorfplatz zur Abschreckung aufgehängt. Am nächsten Tag haben sie ihn erwischt und daneben gehängt.

Wenn er das schon nicht geschafft, dann schaffe ich das auch nicht. Ohne Takla vielleicht, aber ich würde sie alleine durch einen Versuch zum Tode verurteilen; dafür liebe ich sie zu sehr. Mein Leben wurde eintönig, weil die Hoffnung starb. Auch der Wunsch nach Rache blitzte nur noch selten auf. Wenn ich an Alkohol kam, dann betrank ich mich, und bekam dafür wieder Schläge, aber das war mir egal.

Mann: Der seltsame hohe Herr

Nach einer längeren Zeit passierte etwas seltsames. Mein hoher Herr begann mit uns Sklaven Gespräche zu führen. Er erkundigte sich, wo wir herstammen, wo wir schon überall Sklaven waren. Und er fragte uns danach, an welche Götter wir glauben. Es war sowieso völlig ungewöhnlich, dass so ein hoher Herr uns Sklaven überhaupt beachtete; das ist mir vorher noch nie passiert. Und dann spricht er mit uns darüber, woran unsere Väter geglaubt haben und woran wir glauben!

Ich konnte ihm gar nicht viel sagen, da ich mich ja kaum noch an meine Eltern erinnern kann. Ich selbst habe bisher wenig darüber nachgedacht. Andere Sklaven beten inbrünstig zu Rachegöttern, sind aber irgendwann desillusioniert, da die Herren häufig in Frieden alt werden. Wieder andere glauben an ganz komplizierte Götterwelten und haben Angst, irgendeinen Gott zu vergessen. Wieder andere beten zu den selben Göttern wie ihre Herren.

Der hohe Herr erzählte auch viel von dem, was er schon gehört und erlebt hatte, und fragte mich, einen Sklaven, nach seiner Meinung. Manchmal traute ich mich sogar, ihm zu widersprechen. Sein oberster Beamte wollte mich dafür schlagen, aber der hohe Herr gebat ihm Einhalt.

Frau: Die lange Reise

Auch ich habe diese Gespräche des hohen Herrn mit den Sklaven mitbekommen und war genauso verwundert.

Dann kam der Tag, wo wir Proviant auf mehrere Pferdewagen packen sollten; es ging auf eine lange Reise. Unser hohe Herr ist schon öfter verreist, denn er arbeitete für die Königin. Aber Dil und ich sind noch nie mitgefahren. Einerseits freuten wir uns auf die Reise, andererseits hatten wir ein bißchen Angst, denn oft genug tauschten Herren manche ihrer Sklaven am Reiseziel gegen andere Sklaven ein.

Ein Herr, bei dem ich früher war, war über ein Jahr verreist und als er zurückkam, hatte er die Hälfte seiner Sklaven gegen seltsame Menschen mit Schlitzaugen ausgetauscht.

Wir fuhren einige Tage mit unseren Wagen bis zu einem riesigen Fluss und reisten von dort mit einem großen Boot weiter. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Ab und zu hielten wir an Häfen und kauften neuen Proviant. Als Köchin war ich auf den Märkten mit dabei und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was es hier alles gab! Nach vielen weiteren Tagen erreichten wir eine riesige Stadt an einem riesigen Wasser, mit einem Feuer auf einem Turm. So etwas hatten wir noch nie gesehen!

Mann: Die lange Reise

Von dort fuhren wir mit einem Schiff über dieses riesige Wasser. Takla und mir wurde oft schlecht, weil es so schaukelte. Wir erreichten eine Stadt, wo es sehr heiß war. Es stießen seltsam gekleidete, bewaffnete Männer zu uns.

Dann setzten wir unsere Reise über Land auf Pferdewagen fort und diese bewaffneten Männer begleiteten uns. Anscheinend ist unser hohe Herr noch wichtiger, als wir bisher dachten. Diese bewaffneten Männer sind wohl Soldaten dieses Landes.

Unser hohe Herr war während der ganz Reise schon unruhig und kam, als wir das Ziel erreichten, zu uns Sklaven und war begeistert: „Endlich sind wir da! Hier ist Jerusalem!“

Das Klima war hier nicht mehr so heiß, und da wir unseren Herrn zu Terminen und andererseits die Sklavinnen beim Einkauf auf den Märkten begleiten mussten, bekamen wir eine Menge von der Stadt zu sehen. Auf den Märkten gab es wieder neue Waren, die wir noch nicht kannten. Dann gab es beeindruckende Gebäude und einen riesigen Tempel. Und der hohe Herr besuchte auch oft diesen Tempel, wobei wir Sklaven draußen warten mussten.

In mir keimte wieder der Gedanke an Flucht auf. Aber wir konnten die Sprache nicht und der hohe Herr hat uns bisher ganz gut behandelt. Außerdem besuchten wir auch einen Sklavenmarkt, wo der oberste Beamte unseres Herrn zwei neue Sklaven kaufte. Die Angst kam wieder, dass wir hier eingetauscht werden oder schlimmer, dass ich von Takla getrennt werde. Und wir wurden auch Zeuge, wie auch hier Sklaven verprügelt werden. Hier war es also auch nicht besser.

Wir waren viele Tage in dieser Stadt und unser hohe Herr sprach mit vielen Leuten in Palästen.

Frau: Der Nebenbuhler

Einer von den anderen Sklaven mit Namen Kebra begann mir schöne Augen zu machen. Er schenkte mir Dinge und suchte meine Nähe. Ich war zwar geschmeichelt, aber ich liebte doch nur meinen Dil. Der wurde mit der Zeit immer ärgerlicher und irgendwann kam es zur Prügelei. Der oberste Beamte war sehr böse und ließ beide verprügeln. Außerdem drohte er, beide hier zu verkaufen, falls sie keine Ruhe geben. Ich bekam furchtbare Angst, dass ich Dil verlieren könnte. Daraufhin stahl ich ein Amulett vom hohen Herr und stopfte es in das Bündel von Kebra, als er mit dem hohen Herrn auf einem Besuch war. Gegen Abend wurde der hohe Herr laut und schimpfte, wo denn sein Amulett wäre. Daraufhin ließ sein oberster Beamte die Herberge und auch die Sachen der Sklaven durchsuchen. Als das Amulett in Kebras Sachen gefunden wurde, bestritt er voller Angst den Diebstahl. Seine weitaufgerissenen Augen brannten sich in mein Gedächtnis, ebenso wie seine Schreie, als er verprügelt und weggeschleppt wurde.

Mann: Die Abreise

Dann war es so weit. Anscheinend waren alle Besuche erledigt und anscheinend auch alle Einkäufe, denn der hohe Herr ließ einige neue Kisten auf den Wagen verladen, die wir nicht mit hergebracht hatten. Takla war inzwischen sehr deprimiert und abweisend geworden, was mir Sorgen machte. Außerdem weinte sie oft, wenn sie mich nicht in ihrer Nähe vermutete. Was war nur mit ihr los?

Unser Konvoi verließ diese Stadt namens Jerusalem und wir fuhren auf einem einsamen Weg. Nach diesen vielen Eindrücken tat diese Ödnis ganz gut. Unser hohe Herr saß auf seinem Wagen und las in einer Papyrusrolle und hatte die ganze Umgebung um sich herum vergessen. Er las laut in einer Sprache, die ich nicht verstand. Da entdeckte ich, dass ein alter Sklave seine Ohren spitzte und konzentriert zuhörte. „Verstehst Du diese Sprache?“ fragte ich ihn. „Ja“, entgegnete er. „Ich lebte eine zeitlang in diesem Land, bis ich verschleppt wurde.“ Ich flehte ihn an, mir zu übersetzen. Es ging um einen Mann namens Jesaja. Ich verstand nicht viel, aber es ging um einen Gott Jahwe, um ein Volk Israel und es tauchte immer wieder ein Gottesdiener auf.

Es wurde Freiheit versprochen (Jesaja 49, 6-10; NEÜ)

6 Er sagte: "Es ist zu wenig, dass du nur mein Diener bist, / um die Stämme Jakobs aufzurichten, / zurückzuführen die Verschonten Israels. / Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gemacht, / dass mein Heil das Ende der Erde erreicht." 7 Das sagt Jahwe, der Befreier Israels, / sein heiliger Gott, / zu dem, der ganz und gar verachtet ist, / der von den Völkern verabscheut wird, / der auch unter Gewaltherrschern dient: / "Könige erheben sich, wenn sie das sehen, / und Fürsten werfen sich nieder. / Das geschieht, weil Jahwe sein Wort hält, / weil der Heilige Israels dich erwählt." 8 So spricht Jahwe: / "Ich habe dich rechtzeitig erhört, / am Tag der Rettung habe ich dir geholfen. / Ich habe dich vor Schaden bewahrt, / damit du dem Volk zum Mittler meines Bundes wirst, / um das Land wieder aufzurichten, / das verödete Erbe neu zu verteilen, 9 um den Gefangenen zu sagen: / 'Ihr seid frei!', / denen in der Finsternis: 'Kommt ans Licht!' Gleich an den Wegen grasen sie, / auf kahlen Hängen finden sie Weide. 10 Sie leiden weder Hunger noch Durst. / Hitze und Sonnenglut schaden ihnen nicht, / denn ihr Erbarmer leitet sie / und führt sie immer zur Quelle.

Freiheit! Ich lies eine kurze Zeit meine Gedanken laufen und träumte von einem freien Leben, ohne Herren, mit Takla zusammen. Doch ich hatte das Gefühlt, etwas zu verpassen und so wandte ich mich wieder unserem Übersetzer zu.

Und immer mehr Sklaven rückten zu uns und versuchten mitzuhören, was der alte Mann wiedergab. Auch Takla hörte zu.

(Jesaja 52, 13-15; NEÜ).

13 Seht, mein Diener wird erfolgreich sein! / Er wird sich erheben, / wird emporgetragen / und zu höchsten Ehren gelangen. 14 Viele haben sich über sein Aussehen entsetzt, / denn er war völlig entstellt / und kaum noch als Mensch zu erkennen. 15 Doch nun sind viele Völker überrascht, / selbst Könige halten die Hand vor den Mund. / Denn auf einmal sehen sie, was ihnen nie erzählt worden war, / wovon sie nie etwas hörten, verstehen sie jetzt.

Wer und was ist dieser Diener? Ich hörte weiter zu (Jesaja 53, 1-7; NEÜ).

1 Wer hat denn unserer Botschaft geglaubt? / Und an wem hat sich Jahwes Macht auf diese Weise gezeigt? 2 Wie ein kümmerlicher Spross wuchs er vor ihm auf, / wie ein Trieb aus dürrem Boden. / Er war weder stattlich noch schön. / Er war unansehnlich, / und er gefiel uns nicht. 3 Er wurde verachtet, / und alle mieden ihn. / Er war voller Schmerzen, / mit Leiden vertraut, / wie einer, dessen Anblick man nicht mehr erträgt. / Er wurde verabscheut, / und auch wir verachteten ihn. 4 Doch unsere Krankheit, / er hat sie getragen, / und unsere Schmerzen, / er lud sie auf sich. / Wir dachten, er wäre von Gott gestraft, / von ihm geschlagen und niedergebeugt. 5 Doch man hat ihn durchbohrt wegen unserer Schuld, / ihn wegen unserer Sünden gequält. / Für unseren Frieden ertrug er den Schmerz, / und wir sind durch seine Striemen geheilt. 6 Wie Schafe hatten wir uns alle verirrt; / jeder ging seinen eigenen Weg. / Doch ihm lud Jahwe unsere ganze Schuld auf. 7 Er wurde misshandelt, / doch er, er beugte sich / und machte seinen Mund nicht auf. / Wie ein Lamm, das zum Schlachten geführt wird, / wie ein Schaf, das vor den Scherern verstummt, / so ertrug er alles ohne Widerspruch.

Unser hohe Herr hielt inne und schien zu überlegen. „Er“ trug unsere Schmerzen, unser Leiden? Aber meine Prügel habe doch immer ich bekommen. Und „durchbohrt für unsere Schuld“? Kann ich als Sklave überhaupt an irgendetwas Schuld sein? Ich mache doch nur, was man mir sagt. Mir fiel meine Liste von den Menschen ein, an denen ich mich rächen wollte. Ach könnte ich doch am Unglück dieser Menschen Schuld sein!

Aber oft genug habe ich meinen Frust über die Behandlung durch den obersten Beamten an meinen schwächeren Mitsklaven ausgelassen, obwohl die nichts dafür konnten. Manchmal war ich deswegen sogar zu Takla gemein. Es tat mir nachher leid, aber zumindest gegenüber den Kollegen darf ich keine Schwäche zeigen.

Das Wort „Frieden“ konnte ich nicht richtig fassen, aber ich merkte, dass mir der Frieden irgendwie fehlte.

Der Wagen hielt und ein Mann trat hinzu. Der hohe Herr bat ihn aufzusteigen und wiederholte die letzten zwei Sätze, die er gelesen hatte und fragte dann (Apostelgeschichte 8, 34; NGÜ):

Bitte sag mir, von wem ist hier die Rede? Spricht der Prophet von sich selbst, oder spricht er von jemand anders

Ja genau! Dieser Gottesdiener, von dem immer wieder die Rede war, wer ist das? Der fremde Mann erklärte, dass der Prophet hier nicht von sich selbst redet, sondern ein Vorläufer, ein Ankündiger von diesem Gottesdiener ist. Und was hier beschrieben wurde, war nun Wirklichkeit geworden, durch den Tod und die Auferstehung eines Mannes mit Namen Jesus Christus.

Er nahm unsere Schuld auf sich, so dass sie vor Gott nicht mehr da war. Ausgetilgt, weggenommen, futsch, der fremde Mann beschrieb es ausführlich. Und dann sprach er von einer Neugeburt, so dass man ein neuer Mensch werden kann, wenn man diesen Jesus in sein Leben aufnimmt.

Unser Übersetzer kam etwas ins Schwimmen, aber wir hingen an seinen Lippen.

Dann sprach der fremde Mann von einer Taufe als Symbol für diese Neugeburt.

(Apostelgeschichte 8, 36-38; NGÜ)

36 Als sie nun, ´ins Gespräch vertieft,` die Straße entlangfuhren, kamen sie an einer Wasserstelle vorbei. »Hier ist Wasser!«, rief der Äthiopier. »Spricht etwas dagegen, dass ich getauft werde?« 37 Philippus sagte: »Wenn du mit aufrichtigem Herzen glaubst, kannst du getauft werden.« – »Ja«, antwortete der Äthiopier, »ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.« 38 Und er befahl, den Wagen anzuhalten. Beide, Philippus und der Äthiopier, stiegen ins Wasser, und Philippus taufte den Mann.

Ich wollte auch vom Wagen springen. „Taufe mich bitte auch, ich glaube auch an Jesus“, aber ich traute mich nicht.

Und dann war der fremde Mann auf einmal weg. Wir waren alle verwirrt, auch der hohe Herr, aber er war verändert. Seine Augen strahlten, er war fröhlich und er wirkte so, als wäre er von einer großen Last befreit worden.

Irgendwie ging es mir ähnlich. Ich war zwar immer noch Sklave, aber ich war gleichzeitig ein Kind vom höchsten Gott.

Frau: Das Schuldbekenntnis

Bei der nächsten Rast sprang ich vom Wagen und eilte zum hohen Herrn und warf mich vor ihm nieder. Der oberste Beamte schaute finster und wollte mich wegzerren. Der hohe Herr gebot ihm Einhalt und forderte mich auf, zu sprechen. Ich gestand den vorgetäuschten Diebstahl, den ich Kebra in die Schuhe geschoben hatte. Ich weinte und bat um Verzeihung.

Als ich aufblickte, sah ich die entsetzten Blicke der anderen Sklaven und den zornigen Ausdruck des obersten Beamten.

Der hohe Herr überlegte und fragte mich, warum ich die Angelegenheit jetzt noch überhaupt noch erwähnt habe.

„Wir Sklaven haben zugehört, wie Ihr in dieser Rolle gelesen habt, weil einer übersetzen konnte und auch dem Gespräch mit dem fremden Mann konnten wir so folgen. Mir wurde bewusst, dass Jesus meine Schuld auf sich genommen hat und daher liess es mir keine Ruhe mehr und ich musste es bekennen. Mein Leben ist in Eurer Hand, hoher Herr.“

Es war Totenstille und nach einer Weile erwiderte der hohe Herr: „Ich verzeihe Dir, Du wirst für diese Tat nicht bestraft. Bete zu Deinem neuen Herr für diesen Sklaven, dem Du das angetan hast.“

Mann: Wieder zu Hause

Takla und ich hatten viel zu reden. Wir beteten gemeinsam und, was völlig ungewöhnlich war, der hohe Herr lud uns ab und zu als Gäste in sein Haus, um mit allen, die es interessierte, in der Jesaja-Rolle zu lesen und darüber zu reden. Und eines Tages schenkte er uns die Freiheit, aber er bat uns, als seine Hausverwalter zu bleiben. Wir nahmen das Angebot an und er zahlte uns einen guten Lohn.

Hin und wieder sah ich einen meiner alten Peiniger, aber ich war frei von Rache geworden. Obwohl: Als ich denjenigen erkannte, der damals meine Mutter weggeschleppt hatte, fiel es mir schwer, aber ich konnte irgendwann auch ihm vergeben.

Wir waren gut zu den anderen Sklaven und erzählten ihnen von unserem neuen Herrn und manch einer kam auch zu diesem Kreis, wo wir aus der Jesaja-Rolle lasen und darüber sprachen.

Zusammenfassung

Ich komme zum Schluss.

Diese Geschichte ist natürlich erfunden, aber nicht alles davon. Dieser hohe Herr, ein hoher äthiopischer Staatsbeamte, den gab es wirklich, und der war wirklich auf der Suche nach Gott und hat dann Jesus Christus gefunden. Das ist in Apostelgeschichte 8, 26-40 beschrieben.

Und ganz sicher wird seine Begegnung mit Philippus, dem fremden Mann, und seine Veränderung danach Auswirkung auf sein Umfeld gehabt haben.