Wiederaufbau des Tempels
Ich möchte mit Euch heute einige Kapitel im Buch Esra betrachten.
Es geht dort ums Bauen und daher sollten wir in diesem Buch ja vielleicht sogar einiges wieder erkennen.
In den ersten beiden Kapiteln im Buch Esra ist beschrieben, wie die Juden nach Jerusalem zurückkehren durften (Esra 1, 1-7; ELB):
Nach der langen Vertreibung schenkt Gott einen Neuanfang, ja sogar einen Neuaufbau.
Es erscheint auf den ersten Blick etwas skurril, daß der Herrscher des größten damaligen Landes im europäischen Kulturkreis – es beinhaltete die heutige Türkei und reichte bis nach Pakistan hinein – in einer winzigen Provinz anordnete, daß ein Tempel gebaut werden solle.
Um so ein bißchen die Religionspolitik von Kyrus zu verstehen, möchte ich aus einen Abschnitt aus dem Wikipedia-Artikel über Kyrus vorlesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Kyros_II, vom 30.9.2010):
Kyros, der anscheinend zwar die individuellen Glaubensrichtungen in anderen Ländern respektierte, beschnitt jedoch in den eroberten Staaten konsequent die Befugnisse größerer Tempel, um deren Macht- und Wirkungsbereich zu schwächen. Zunächst wurden die staatlichen Zuschüsse zur Unterhaltung der Tempel gestrichen und eine Steuerzahlung auferlegt. Zusätzlich mussten Dienstleistungen gegenüber den Achämeniden erbracht werden.Für die Kontrolle und Verwaltung der Tempel wurde das Amt des königlichen Kommissars geschaffen. Neu- und Ausbauten der Tempelanlagen mussten aus eigenen Rücklagen bestritten werden. Die finanziellen Zugabeleistungen, die vorher von den jeweiligen Staaten und Provinzen erbracht wurden, entfielen ersatzlos.
Die laut dem Buch Esra (Kapitel 6,9 ff. und 7,20 ff.) von Kyros gewährten finanziellen Hilfen für den Bau des Tempels und die Steuerbefreiung der Priester stehen daher in krassem Widerspruch zu den verfügten Einschränkungen gegenüber den Tempeln anderer Religionen in benachbarten Ländern. Ein Bezug der biblischen Überlieferungen zur historischen Realität wird von den Wissenschaftlern daher auch verneint.
Das ist wieder das Problem von Historikern, die von wenigen Quellen auf die komplette damalige Realität schließen. Die Bibel scheint in diesem Punkt den meisten sonstigen historischen Quellen zu widersprechen, also glaubt man ihr nicht.
Es ist auch menschlich gesehen sehr unwahrscheinlich, was die Bibel hier schildert.
Warum sollte Kyrus ausgerechnet in der kleinen Randprovinz Israel von seiner üblichen Politik abweichen?
Wir wissen, daß Gott sich oft nicht an das übliche hält und wir wissen auch, daß Gott jenseits von menschlichen Vorstellungen eingreifen kann. Er hat dafür gesorgt, daß sich ein Kyrus unüblich verhalten und den Tempelbau in Jerusalem in Auftrag gegeben hat.
Diese Episode ist ein guter Vergleich zur Entstehung und zum Bau einer Gemeinde, zumal an einigen Stellen die heutige Gemeinde mit einem Steintempel verglichen wird und wir Gemeindeglieder als lebendige Steine die Gemeinde sind (1. Petrus 2, 5).
Eine Gemeinde entsteht durch Gottes Wirken. Er beruft Menschen,
schafft Rahmenbedingungen und räumt Hindernisse aus dem Weg.
Manchmal läuft so etwas äußerlich ähnlich wie eine Vereinsgründung
ab, manchmal passiert aber scheinbar Unmögliches, wie damals bei
diesem Tempelbau.
Wie ging es weiter?
Ein Kennzeichen damals war die
Feindliche Umgebung
Esra 3, 1-3.6; ELB
[..]
6 Am ersten Tag des siebten Monats fingen sie an, dem HERRN Brandopfer zu opfern. Aber die Grundmauern des Tempels des HERRN waren noch nicht gelegt.
Ich möchte hier jetzt nicht auf die Bedeutung der Opfer eingehen, aber es wird deutlich, daß sie ihren Glauben gelebt haben. Heute drückt sich unsere Beziehung zu Gott nicht mehr durch Opfer aus, sondern durch Gebet, Gott loben, Gemeinschaft und Bibel lesen.
Sie wollen mit Gott ihren Tempel bauen und beginnen mit dem Altar.
Ein Altar war eigentlich ein Opfertisch, wo zur Sündenvergebung geopfert wurde.
Für uns ist der Altar das Sinnbild für das Kreuz, wo Jesus Christus für uns geopfert wurde.
Und damit fängt Gemeindebau an, mit der Erkenntnis, daß Christus für meine Sünden geopfert wurde und eine Gemeinde im biblischen Sinne ist eine Gemeinschaft von Menschen, die das für sich angenommen haben.
Sie haben damals ihren Glauben öffentlich gelebt, obwohl ein Teil ihrer Nachbarn ihnen feindlich gesonnen waren.
Wir haben da heute etwas mehr Glück, weil unsere Nachbarn zwar sich manchmal über unsere parkenden Autos beschweren, aber sonst uns eher nicht feindlich gesonnen sind.
Allerdings kann sich das auch leider ändern.
Alleine die Tatsache, daß wir der Meinung sind, daß man Jesus Christus braucht und daß wir das auch so leben, sagt ja – oft unausgesprochen – aus, daß die anderen ohne Jesus auf einem falschen Weg sind und das läßt sich natürlich keiner gerne sagen.
Ich sage, ich bin ein Sünder und ohne Jesus habe ich vor Gott keine Chance, damit sage ich – auch oft unausgesprochen – einem Außenstehenden, daß er auch ohne Jesus vor Gott keine Chance hat, und auch damit kann man sich unbeliebt machen.
Das kann alles schon passieren, bevor wir überhaupt in irgend einer Form evangelisieren.
Aber: So viel an uns liegt, wollen wir mit allen in Frieden leben. Das ist ja auch klar. Ich verstehe mich auch lieber gut mit Nachbarn und Kollegen, als mich mit ihnen zu streiten. Das wird wohl jeder psychisch gesunde Mensch so empfinden.
Wir lernen weiterhin aus diesem Text, das alleine eine Versammlung von Christen nicht ausreicht, es wird eine Gemeinde benötigt.
Der Tempel hier im Text steht nicht für ein Gebäude heute, obwohl ein Gebäude natürlich sehr praktisch sein kann, sondern er steht für die Gemeinde als verbindliche Gemeinschaft.
Wenn sich ein Christ nur immer mal wieder mit anderen Christen trifft und dabei auch eine schöne Zeit hat, dann ist das natürlich sehr schön, aber trotzdem fehlt die Gemeinde.
Gemeindebau
Nun waren die Israeliten mit der Situation damals nicht zufrieden, sondern sie trieben den Tempelwiederaufbau weiter voran (Esra 3, 10.11; ELB) :
Der Tempelbau muß eine fröhliche Angelegenheit gewesen sein.
Auch heute ist eine Gemeinde ein Grund zur Freude. Im Gemeindealltag ist uns vielleicht nicht immer zum Jauchzen zumute, aber die Gemeinde ist der Ort, wo Gott in besonderer Weise mit uns Gemeinschaft haben will. Die Gemeinde ist der Ort, wo wir gemeinsam unseren Glauben leben können, die Gemeinde ist der Ort, wo wir Auferbauung, Veränderungen, neue Gedankenanstöße, auch Ermahnungen bekommen und wo uns immer wieder neu bewußt werden kann, wie sehr Gott uns liebt, dich und mich persönlich.
Das ist doch – genauso wie damals – ein Grund zur Freude.
Exklusivauftrag
Nun gab es noch weitere Probleme (Esra 4, 1-5; ELB):
Das hört sich jetzt seltsam an. Warum durften sich die anderen nicht beteiligen? Man hätte dann doch aus Gegnern Verbündete machen können. Und die Ablehnung führte ja dazu, daß sie ihnen so viel Steine in den Weg gelegt haben, daß der Bau erstmal stoppte.
Das ist ein ganz schwieriges Thema. Wir hätten ja z.B. überhaupt kein Problem damit, wenn uns Nachbarn ihre Hilfe hier am Bau anbieten würden.
Aber was wäre, wenn jemand, der nicht an Jesus Christus glaubt, anbieten würde, den Gemeindeunterricht zu machen? Das würden wir nicht annehmen.
Oder würden wir Menschen hier bei uns predigen lassen, die gar nicht an Jesus Christus glauben? Sicherlich nicht.
Also beim eigentlichen Gemeindebau möchten wir nicht jeden mitmachen lassen.
Schwierig ist es auch, wenn es sich um Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften handelt, die sich christlich nennen. Unsere Gemeinde nimmt ja nur Menschen auf, die ihren Glauben öffentlich bekannt haben, weil die Bibel ja Gemeinde als Gemeinschaft der Glaubenden versteht. Trotzdem kam man natürlich nie sicher sein, daß nicht auch Menschen Mitglieder werden, die z.B. eigentlich gar nicht glauben, aber aufgrund der Gemeinschaft bewußt oder unbewußt so tun, als würden sie glauben. Ich habe vor vielen Jahren selber einmal so jemanden kennengelernt, der nach einer gewissen Zeit der Gemeindezugehörigkeit zu dem Schluß kam, daß er gar nicht an Jesus glaubt, sondern sich nur wegen der schönen Gemeinschaft untereinander hat taufen lassen.
In den meisten Volkskirchen (evangelisch, katholisch) wachsen alle Kinder von Geburt an in die Kirche hinein. Zwar gibt es dann einen Ritus im Teenager-Alter (Konfirmation oder Firmung), mit denen sie bewußt ihre Entscheidung festmachen sollen, aber die Teenager entscheiden sich da nicht wirklich für oder gegen Jesus und die Kirche, sondern es handelt sich meistens um ein Familienfest, das mit viel Geld versüßt wird. Von daher kann man von einer Kirchenmitgliedschaft nicht unbedingt auf einen lebendigen Glauben schließen.
Wir haben es bei uns in der Vergangenheit so gehalten und halten es auch heute noch so, daß auch Nichtmitglieder sich bei uns am Gemeindebau beteiligen können, wenn sie eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus haben, egal ob sie jetzt Mitglied oder nicht sind, und das finde ich richtig.
So ähnlich steht es übrigens auch dem Befehl zum Wiederaufbau des Tempels, den Kyrus in Esra 1, 3a gab:
Und auf heute übertragen: Menschen, die ihr Leben Jesus Christus gegeben haben, gehören zu seinem Volk. Das ist selbstverständlich völlig konfessionsübergreifend.
Aber was hatten die Juden damals eigentlich für ein Problem mit den Völkern drumherum, die mit ihnen am Tempel bauen wollten?
Das Volk, das damals in dem Land lebte, waren die Samariter, welche Jerusalem als Stätte der Anbetung ablehnten und ein eigenes Heiligtum am Berg Garizim hatten. Da paßte eine Zusammenarbeit einfach nicht.
Man kann auch heute mit niemandem Gemeinde bauen, der z.B. die Auferstehung Jesu anzweifelt, das paßt nicht.
Ein kleiner Exkurs am Rande: Laut Wikipedia gibt es heute immer
noch Samariter, ca 700, die diesen samaritanischen Glauben von
damals bewahrt haben. Sie leben in zwei Kolonien, eine in der Nähe
von TelAviv, die andere in der Nähe von Nablus im Westjordanland.
Und sie haben immer noch ihr Heiligtum auf dem Berg Garizim.
Ich war ziemlich erstaunt, als ich das las, aber man lernt ja nie
aus.
Kommen wir zurück zu den Problemen beim Tempelbau:
Die damaligen Samariter beschwerten sich im Rest des Kapitel 4 beim
König und schwärzten die Juden als Aufrührer und Unruhestifter an,
so daß der König den Weiterbau erstmal verbot.
Manchmal hat Konsequenz solche Folgen und man denkt vielleicht, daß ein bißchen mehr Pragmatismus ja allen das Leben leichter gemacht hätte.
Aber wir werden leider immer wieder an Punkte kommen, wo man konsequent sein muß und wo Entscheidungen getroffen werden müssen, die weh tun können.
Gerade in der heutigen Zeit ist das schwierig, weil Wahrheit im Vergleich zu Pragmatismus ins Hintertreffen geraten ist.
Ich habe letzten im Radio einen Betrag über den Cyberwar gehört und darüber, daß viele Armeen inzwischen eigene Einheiten dafür haben. Das sind dann z.T. Hacker, die sich in andere System einhacken sollen, z.T. sind das Spezialisten, die so etwas verhindern sollen. In dem Beitrag wurd auch der „Desinformation“ im Cyberwar eine wichtige Rolle zugewiesen.
Ihr habt es vielleicht in den Medien mitbekommen, daß es einen Computerwurm namens Stuxnet gibt, der einen Rechner in einem iranischen Kernkraftwerk befallen hat.
In diesem Cyberwar-Kongreß wurde auch über die Rolle und Anwendung von Desinformation gesprochen und es wurden als Beispiel einige Meldungen über diesen Wurm Stuxnet aufgeführt.
Die erste Information, daß der Wurm von der amerikanischen Regierung programmiert wurde, stammte von einem Rechner im Iran, der einer Firma der iranischen Revolutionsgarden gehört, welche sich natürlich auch mit Desinformation auskennen.
Mir fiel während des Beitrags auf, daß man statt Desinformation auch einfach „Lüge“ sagen könnte und die haben also auf diesem Kongreß unter anderem gelernt, wie man lügt.
Das hört sich natürlich nicht so professionell wie „Desinformation“ an, aber letztendlich geht es ums Lügen. Allerdings galt ja auch für die meisten konventionellen Kriege, daß die Wahrheit als erstes stirbt, und die Lüge eine wichtige Waffe ist. In der Hinsicht hat sich nichts geändert.
Die Wahrheit wird für ein pragmatisches Vorgehen geopfert und das ist heute schlimmer denn je und das wird uns als Gemeinde oft an unsere Grenzen führen.
Weiterbau
Esra 5, 1-5; ELB
Wir merken, daß Gott ein Interesse an dem Wiederaufbau des Tempels hat, und seine Hand über sie hält. Er schickt Propheten, die sie ermuntern, weiter zu machen und die sie unterstützen.
Auch hier treten wieder Probleme auf. Diesmal ist es die Obrigkeit, die eine Genehmigung sehen will. Der Statthalter schickt einen Brief an den persischen König Darius, welcher nach diesem Text angeführt ist und dort fragen sie noch einmal explizit nach dem Edikt des Kyrus, auf welches sich die Juden anscheinend berufen haben.
Darius läßt nachforschen und sie finden das Edikt und er erläßt folgendes (Esra 6, 6-12; ELB):
Gott ist groß. Er bewegte das Herz des Darius', dem Tempelbau keine Hindernisse mehr in den Weg zu legen, ja er stellte sogar den kompletten Unterhalt sicher.
Die Strafen in diesem Erlaß sind mir persönlich zu krass, aber die Herrscher damals waren halt ein bißchen schmerzfreier als heute, was Menschenrechte angeht.
Darius erkennt auch die Autorität Gottes an und bittet um Fürbitte für sich und seine Söhne.
Vollendung
Esra 6, 13-16; ELB
Da kann man nur sagen: Gott ist groß.
Und auch heute ist Gemeindebau möglich. Gott steht dahinter und er ist größer als alle Hindernisse und Probleme.
Zusammenfassung
Wir haben gehört, daß Gott den Kyrus zu einem unüblichen Verhalten bewegte und den Wiederaufbau des Tempels dadurch ermöglichte. Genauso gründet und baut Gott heute noch Gemeinde.
Leider ist unsere Umgebung unserem Glauben und unserer Gemeinde manchmal feindlich gesonnen. Gott ist aber trotzdem da.
Gemeindebau ist etwas zum Jubeln, was wir nie vergessen dürfen.
Gemeindebau ist auch ein Exklusivauftrag für alle Menschen, die zu Jesus Christus gehören.
Gott ist größer als alle Hindernisse und schafft neue Wege und Möglichkeiten.
Und Gott kann und wird den Gemeindebau auch zum Ziel führen.
AMEN