Elia Teil 2

Elia, der zweite Teil seines Lebens

Gottesdienst , , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Vorgeschichte

Heute möchte ich gerne mit Euch wieder einmal eine Person aus dem alten Testament betrachten: Elia.

Vor einem halben Jahr habe ich schon einmal über Elia gepredigt und ich weiß nicht, ob Ihr davon noch etwas in Erinnerung habt.

Mir selbst geht es manchmal so, dass ich mich noch nicht einmal mehr die Predigt vom letzten Sonntag erinnern kann. Aber ich glaube, dass Gott trotz unseren manchmal löchrigen Gedächtnisses uns immer mal wieder mit dem weiterhelfen kann, was wir hier so hören. Und das ist hoffentlich auch heute so.

Ein paar Wiederholungen: Elia stammte aus einem Dorf im Ostjordanland mit Namen Tischbe, welches zum israelitischen Nordreich gehörte. Er lebte wohl als wandernder Prophet.

Der König Ahab dieses Nordreichs, der zu dieser Zeit herrschte, wurde in 1. Könige 16,30-33;NL als der schlimmste König von allen bezeichnet.

Seine Frau Isebel hat einen neuen Gott namens Baal in Israel eingeführt hat, der zum einen als Wettergott verehrt wurde. Zu diesem Baals-Kult gehörten Kinderopfer und dazu ließ Ahabs Frau die meisten der Propheten Gottes ermorden.

Die meisten von uns kennen ja einige der Elia-Geschichten. Er sagte eine Trockenheit voraus, die eintraf, was für Baal als Wettergott ziemlich doof war. Dann suchte Ahab ihn und irgendwann zeigte sich Elia wieder und es gab ein Showdown mit den Baals-Priestern, nach dem Elia Rache an diesen Priestern übte.

Das fand wiederum Isebel nicht so gut und daraufhin bekommt Elia Angst und flüchtet. Er war ziemlich fertig und wollte sterben, aber Gott richtete ihn wieder auf und begegnete ihm.

Ein neuer Auftrag / es geht weiter

Wir sind setzen also jetzt an dieser Stelle fort, wo Elia sich einsam fühlt und herumjammert (1. Könige 19, 14; NL)

Er sagte: »Ich habe dem Herrn, Gott, dem Allmächtigen, von ganzem Herzen gedient. Aber die Israeliten haben ihren Bund mit dir gebrochen, deine Altäre niedergerissen und deine Propheten umgebracht. Ich allein bin übrig geblieben, und jetzt wollen sie auch mich noch umbringen.«

Einsamkeit, Überforderung, ein Gefühl der Nutzlosigkeit, ein bisschen auch Hoffnungslosigkeit; es hat alles nichts gebracht. Ich bin übrig, ich bei der Einzige, der noch da ist; vielleicht kennen wir solche Situationen und Gefühle. „herumjammert“ hört sich negativ an, aber genau das macht er und das ist auch OK. Letztendlich zählt für uns, wie wir die Situation empfinden.

Wie reagiert Gott darauf (V. 15-18)?

15 Da sprach der Herr zu ihm: »Geh zurück auf dem Weg, den du gekommen bist, durch die Wüste nach Damaskus. Wenn du dort bist, salbe Hasaël zum König von Aram. 16 Dann salbe Jehu, den Sohn Nimschis, zum König von Israel, und salbe Elisa, den Sohn Schafats aus Abel-Mehola, an deiner Stelle zum Propheten. 17 Wer Hasaël entkommt, den wird Jehu töten, und wer Jehu entkommt, den wird Elisa umbringen! 18 Doch 7.000 Menschen in Israel will ich verschonen: alle, die sich nie vor Baal niedergeworfen und ihn geküsst haben.«

Gott antwortet hier auf Elias Gejammer.

Ersteinmal ist Elias Aufgabe noch nicht zu Ende. Er soll noch große Taten vollbringen, Könige einsetzen. Aber er ist auch nicht der Letzte, ein anderer wird seine Aufgaben fortführen. Und auch den soll er berufen. Und er ist auch nicht der Einzige. Es gibt 7000 andere, die genauso glauben und Gott dienen, wie er.

Das sind so die Lektionen, die man so lernen muss.

Das „Das hat doch alles keinen Sinn“-Gejammer muss man ablegen. Gott zeigt hier Elia, dass er einen Plan hat. Er erklärt ihm sogar, wie er Gericht üben wird. So einen Einblick will ich gar nicht haben. Aber wenn Gott am Ruder ist, dann wird es einen Sinn haben.

In Römer 8, 28; ELB steht es so:

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind.

Das ist oft genug so schwer zu verstehen, dass man es kaum glauben kann. Es stimmt aber.

Die nächste Lektion ist: Ohne mich geht nichts. Eine Variation davon ist: Wenn ich es nicht mache, dann macht es ja keiner.

Das kann einen überfordern und andererseits pflegt es auch ein bisschen das Ego, oder? Vielleicht möchte man das ja auch von den anderen gerne hören. Und man will ja gebraucht sein. Es ist ja wiederum auch furchtbar, wenn man nutzlos ist. Das ist so, als wenn im Arbeitszeugnis stünde: Die Lücke, die er hinterließ, ersetzte ihn vollkommen.

Elia musste hier lernen: Du wirst noch gebraucht, aber es kommt jemand, der nimmt Deine Stelle ein. Wann das soweit ist, entscheidet hier Gott. Es geht also nicht darum, dass man mit 40 zu alt für alles wird, sondern es geht darum, dass Gott Dir persönlich irgendwann sagt, die Arbeit ist zu Ende oder sie wird von jemand anders übernommen. Dann fängt für Dich etwas neues an. Das kann es in jedem Alter geben. Wir sind zwar geliebt und unendlich wertvoll, aber wir sind nicht unersetzbar.

Und in diesem Pool der 7000 gibt es genügend Leute, die auch fähig sind, Gottes Werk zu tun.

Und von diesem Nachfolger wird auch als Erstes nach dieser Begebenheit berichtet: (1. Könige 19, 19-21; NL)

19 Danach verließ Elia den Berg und fand Elisa, den Sohn Schafats. Er war gerade dabei, mit zwölf Paar Rindern zu pflügen; er selbst folgte dem zwölften Paar. Elia trat zu ihm hin und legte ihm seinen Mantel um die Schultern. 20 Da ließ Elisa die Rinder stehen, lief hinter Elia her und bat ihn: »Lass mich noch meinen Vater und meine Mutter umarmen, dann will ich mit dir gehen!« Elia antwortete: »Geh nur zurück! Aber vergiss nicht, was ich mit dir gemacht habe.« 21 Elisa wandte sich von ihm ab und nahm ein Paar Rinder. Er schlachtete sie, machte ein Feuer mit dem Pflug und briet die Rinder darauf. Das Fleisch brachte er seinen Leuten, und sie aßen davon. Dann stand er auf, ging mit Elia und wurde sein Diener.

Elisa verabschiedet sich von seinen Eltern und er feiert mit seinen Leuten. Interessant ist dabei auch, dass er einen Schlussstrich unter sein bisheriges Leben setzt. Er schlachtet seine Rinder und verbrennt seinen Pflug. Dieses alte Leben war nicht schlecht, aber es war vorbei, und anscheinend war ihm bewusst, dass es kein Zurück mehr geben wird. Und dann wurde er Elias Diener. So ein bisschen ist das mit einer Lehre vergleichbar. Allerdings lernte er keine Fertigkeiten, sondern er lernte durch das Zusammenleben, durch Abgucken von Elia. Das war sicherlich viel intensiver als so eine heutige Lehre.

Nabots Weinberg

Im nächsten Kapitel folgt eine Episode, da kommt Elia nicht drin vor, deshalb überspringen wir dieses Kapitel heute.

In Kapitel 21 muss Elia das tun, was man so üblicherweise mit einem Propheten verbindet. Aber hören wir erst die Vorgeschichte dazu: (1. Könige 21, 1-4; NL)

1 Und es geschah nach diesen Ereignissen: Nabot, der Jesreeliter, hatte einen Weinberg, der in Jesreel war, und zwar gleich neben dem Palast Ahabs, des Königs von Samaria. 2 Und Ahab redete zu Nabot und sagte: Gib mir deinen Weinberg! Er soll mein Gemüsegarten werden, denn er ist nahe bei meinem Haus. Ich gebe dir dafür einen besseren Weinberg als den hier. Oder wenn es besser ist in deinen Augen, gebe ich dir Geld als Kaufpreis für ihn. 3 Aber Nabot sagte zu Ahab: Das lasse der HERR fern von mir sein, dass ich dir das Erbe meiner Väter gebe! 4 Da ging Ahab in sein Haus, missmutig und wütend über das Wort, das der Jesreeliter Nabot zu ihm geredet hatte, dass er gesagt hatte: Ich gebe dir das Erbe meiner Väter nicht. Und er legte sich auf sein Bett und wandte sein Gesicht ab und aß nichts.

Im Prinzip ist das kindisch. Ja, dann lege ich mir den Gemüsegarten halt etwas weiter weg an. Ich bin König, ich habe einen Wagen, ich habe Leute, die mir das Gemüse anbauen. Lieber mache ich große Politik, löse die Wirtschaftsprobleme meines Landes, verhandele mit großen Herrschern, verändere das Land, ich mache mich mit meiner guten Politik unsterblich im Gedächtnis meines Volkes.

Aber nein: Ich kriege meinen blöden Gemüsegarten nicht, ich mach' ein Schippchen.

Manchmal setzen wir vielleicht auch falsche Prioritäten. Gibt es so etwas bei uns auch? Etwas völlig unwichtiges, was wir gerne hätte und nicht kriegen und was uns dann tierisch ärgert?

Wie gehen wir damit um? Manchmal muss man wieder neu lernen, erwachsen zu werden.

Ganz übel ist, was dann passiert. Ahab hatte, wie schon erwähnt, eine Frau mit Namen Isebel.

5 Da kam seine Frau Isebel zu ihm hinein und sagte zu ihm: Warum denn ist dein Geist missmutig, und warum isst du nichts? 6 Er sagte zu ihr: Weil ich zu dem Jesreeliter Nabot geredet und ihm gesagt habe: Gib mir deinen Weinberg für Geld, oder wenn es dir gefällt, will ich dir stattdessen einen anderen Weinberg geben! Er aber sagte: Ich gebe dir meinen Weinberg nicht. 7 Da sagte seine Frau Isebel zu ihm: Du, du übst doch jetzt die Königsherrschaft über Israel aus. Steh auf, iss und lass dein Herz fröhlich sein! Ich werde dir den Weinberg des Jesreeliters Nabot geben. 8 Dann schrieb sie Briefe im Namen Ahabs und siegelte sie mit seinem Siegel und sandte die Briefe an die Ältesten und an die Vornehmen, die mit Nabot zusammen in seiner Stadt wohnten. 9 Und sie schrieb in den Briefen Folgendes: Ruft ein Fasten aus und lasst Nabot obenan im Volk sitzen! 10 Und setzt ihm gegenüber zwei Männer, Söhne der Bosheit, dass sie gegen ihn zeugen, indem sie sagen: Du hast Gott und den König gelästert! Dann führt ihn hinaus und steinigt ihn, dass er stirbt! 11 Da taten die Männer seiner Stadt, die Ältesten und die Vornehmen, die in seiner Stadt wohnten, wie Isebel zu ihnen gesandt hatte, so, wie in den Briefen geschrieben stand, die sie ihnen gesandt hatte. 12 Sie riefen ein Fasten aus und ließen Nabot obenan im Volk sitzen. 13 Dann kamen die beiden Männer, die Söhne der Bosheit, und setzten sich ihm gegenüber. Und die Männer der Bosheit zeugten gegen ihn, gegen Nabot vor dem Volk, indem sie sagten: Nabot hat Gott und den König gelästert! Dann führte man ihn zur Stadt hinaus und steinigte ihn, und er starb. 14 Und sie sandten zu Isebel und ließen ihr sagen: Nabot ist gesteinigt worden und ist tot.

Gruselig, oder? Das erinnert ein bisschen an die Inquisition.

„Hm, ich hätte ja gerne dieses Grundstück. Ach ich weiß. Ich denunziere ihn als Hexer, der verbrannt werden muss!” Das hat es oft genug gegeben.

Oder man in manchen islamischen Ländern ist es auch schon vorgekommen, dass Christen Papierfetzen mit Koranversen untergejubelt und dann werden sie wegen Missachtung des Korans angeklagt wurden.

Man könnte ja auch einmal darüber nachdenken, wie wir uns verhalten würden, wenn wir die Rolle Ahabs oder Isebels oder die Vornehmen und Ältesten der Stadt einnehmen würden. Vielleicht sind man die noch mehr Söhne der Bosheit als die falschen Ankläger. Ich habe nur Befehle befolgt, ich habe nur meine Pflicht getan. Vielleicht hatten die auch Angst. Wenn ich nicht mitmache, dann bin ich der nächste.

Doch nun kommt Elia ins Spiel:

15 Und es geschah, als Isebel hörte, dass Nabot gesteinigt worden und tot war, sagte Isebel zu Ahab: Mache dich auf, nimm in Besitz den Weinberg des Jesreeliters Nabot, der sich geweigert hat, ihn dir für Geld zu geben! Denn Nabot lebt nicht mehr, er ist tot. 16 Und es geschah, als Ahab hörte, dass Nabot tot war, da machte sich Ahab auf, um in den Weinberg des Jesreeliters Nabot hinabzugehen und ihn in Besitz zu nehmen. 17 Da geschah das Wort des HERRN zu Elia, dem Tischbiter: 18 Mache dich auf, geh hinab Ahab, dem König von Israel, entgegen, der in Samaria wohnt! Siehe, er ist im Weinberg Nabots, wohin er hinabgegangen ist, um ihn in Besitz zu nehmen. 19 Und rede zu ihm und sage: So spricht der HERR: Hast du gemordet und auch fremdes Gut in Besitz genommen? Und rede zu ihm: So spricht der HERR: An der Stelle, wo die Hunde das Blut Nabots geleckt haben, sollen die Hunde dein Blut, ja deines, lecken.

Das verbinden doch viele mit einem Propheten: Gerichtsbotschaften, unbestechlich, und es soll besonders diejenigen treffen, die sich aufgrund ihrer Macht über jedes Recht und Gesetz hinwegsetzen.

Ahab und Elia kannten sich ja schon von dieser Trockenheitsgeschichte aus 1. Könige 17, die ich am Anfang kurz erwähnt hatte.

20 Und Ahab sagte zu Elia: Hast du mich gefunden, mein Feind? Und er sagte: Ich habe dich gefunden, weil du dich verkauft hast, um zu tun, was böse ist in den Augen des HERRN. 21 Siehe, ich bringe Unheil über dich und fege aus hinter dir her. Ich werde von Ahab ausrotten, was männlich ist, den Unmündigen und den Mündigen in Israel. 22 Und ich mache dein Haus dem Haus Jerobeams, des Sohnes Nebats, gleich und dem Haus Baschas, des Sohnes Ahijas, wegen des Zornes, zu dem du mich gereizt hast, und weil du Israel zur Sünde verführt hast. 23 Und auch über Isebel hat der HERR geredet und gesprochen: Die Hunde sollen Isebel fressen an der Vormauer von Jesreel. 24 Wer von Ahab in der Stadt stirbt, den werden die Hunde fressen, und wer auf freiem Feld stirbt, den werden die Vögel des Himmels fressen. 25 Es hat in der Tat keinen wie Ahab gegeben, der sich so verkauft hätte, um zu tun, was in den Augen des HERRN böse ist. Ihn hatte seine Frau Isebel verführt. 26 Und er handelte ganz abscheulich, indem er den Götzen nachlief, ganz wie es die Amoriter getan hatten, die der HERR vor den Söhnen Israel vertrieben hatte.

Tja, wie gehen wir mit solchen Gerichtsbotschaften um? Der allerwichtigste Gesichtspunkt dabei ist, dass Gericht und auch Rache Gottes Sache ist. Das steht schon in 5. Mose 32, 35 und in Römer 12, 19 wird es für uns erklärt, dass wir nicht selbst Rache üben, auch keine gerechte Rache, sondern es Gott überlassen sollen. Wir können als Menschen keine gerechte Rache üben, dass kann nur Gott.

Schauen wir uns die Strafe hier an. Es ist die ganze Familie von Ahab vom Gericht betroffen und auch wenn Ahab bisher der schlimmste von allen war, gibt es eigentlich für diese erweiterte Strafe keinen Grund. Denn Sippenhaft oder Sippengericht ist nicht im Sinne Gottes. In Hesekiel 18, 2 wird folgendes Sprichwort, dass es später in Israel gab, von Gott kritisiert:

Die Väter essen unreife Trauben, und die Zähne der Söhne werden stumpf.

Lest einmal in Hesekiel 18, wie Gott gegen diese Haltung, die hinter diesem Sprichwort steht, vom Leder zieht. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, die Kinder werden nicht für die Sünden ihrer Eltern gerichtet. So hat Gott sich das gedacht.

Aber wie passt jetzt dieses Urteil über Ahab und seine Sippe dazu?

Man darf nicht den Fehler machen, diesen Text als ein Gesetz zu sehen. Es ist kein Gesetz, sondern ein Bericht, wie Gott in dieser konkreten Situation gehandelt hat.

Ich bin nicht Gottes Pressesprecher, aber ich kann ein paar Erklärungsversuche abgeben.

Zum einen dient diese Geschichte für uns heute, um Prinzipien von Gottes Reich zu erklären. Dafür ist das alte Testament in erster Linie da. Es ist quasi das Bilderbuch für Gottes Kinder, für uns.

Ich denke, dass Ahab hier ein Symbol für ein von Gott abgewandtes Leben ist. Er war offen für Götzendienst und daraus kamen dann weitere Verbrechen

Wenn man z.B. Geld als seinen Götzen hat, also sein Leben an der Anhäufung von Eigentum ausrichtet, dann wird irgendwann die eigene Ethik immer schlimmer werden und man wird irgendwann krumme Dinge tun, um noch mehr Geld anzuhäufen und es wird immer schlimmer.

Und Ahab und seine Nachkommen könnten hier ein Symbol für Götzendienst und nachfolgenden Verbrechen sein und deshalb verurteilt Gott Ahab und auch seine Nachkommen zum Tode.

Ein weitere Punkt ist, dass Gottes Handeln im alten Testament natürlich auch auf die Situation damals zugeschnitten war. Wenn Gott Ahab und seine Dynastie durch eine neue Dynastie ersetzen wollte, bestand natürlich die Möglichkeit zum Bürgerkrieg, weil die Nachkommen sich das wahrscheinlich nicht gefallen lassen wollten. Und das würde das ganze Volk belasten.

Das sind nur mögliche Erklärungen meinerseits. Mir ist dabei besonders wichtig, dass solche Gerichte wirklich Gottes Sache sind, und nicht unsere. Diese Episode ist nämlich noch nicht zu Ende:

27 Und es geschah, als Ahab diese Worte hörte, da zerriss er seine Kleider und legte Sacktuch um seinen Leib und fastete; und er lag im Sacktuch und ging still einher. 28 Da geschah das Wort des HERRN zu Elia, dem Tischbiter: 29 Hast du gesehen, dass Ahab sich vor mir gedemütigt hat? Weil er sich vor mir gedemütigt hat, will ich das Unheil nicht in seinen Tagen kommen lassen; erst in den Tagen seines Sohnes werde ich das Unheil über sein Haus kommen lassen.

Wie jetzt? Jetzt wird dieser Verbrecher doch nicht gerichtet? Nur weil der so ein bisschen betroffen tut? Wenn wir das Sagen hätten, wäre er damit nicht durch gekommen, oder?

Ahab hat es offensichtlich ernst gemeint. Und Gott hat das Recht, ihn zu begnadigen und das Gericht aufzuschieben oder sogar aufzuheben. Und wenn so ein verbrecherischer Herrscher umkehren kann (was bei ihm leider nicht dauerhaft war), dann hat jeder die Chance dazu.

Im nächsten Kapitel kommt Elia wieder nicht vor, aber Ahab stirbt in einer Schlacht und sein Sohn Ahasja wird König.

Elia und König Ahasja

Und dieser Ahasja hatte jetzt nicht so viel Glück (2. Könige 1, 2):

Eines Tages fiel Ahasja durch das Gitter in einem der oberen Gemächer in Samaria und verletzte sich. Er schickte Boten und beauftragte sie: »Geht und fragt Baal-Sebub, den Gott von Ekron, ob ich wieder gesund werde.«

Warum befragt er den Gott von Ekron? Das ist eine gute Frage.

Wo stellen wir unsere Fragen? Unsere Fragen in Bezug auf unser Verhalten, unsere Ethik, Fragen wie Berufswahl, Partnerwahl oder auch im Umgang mit unserem Nächsten, z.B. auch mit Erziehung, usw.? Wo stellst Du Deine Fragen, wo suchst Du Antworten.

3 Da befahl der Engel des Herrn Elia aus Tischbe: »Geh den Boten des Königs von Samaria entgegen und frage sie: `Warum wollt ihr Baal-Sebub, den Gott von Ekron, befragen? Gibt es denn keinen Gott in Israel?

Findet man in der Bibel nicht alle Antworten, die man braucht? Das ist, wie ich finde, eine sehr interessante Frage. Welche Antworten findet man in der Bibel und welche nicht? Wo von hier aus der nächste Eisenwarenladen ist, das finde ich nicht in der Bibel, aber wie ich mit schwierigen Kollegen auf der Arbeit umgehen sollte, da finde ich schon Hinweise und Antworten in der Bibel.

Und dann hat Elia wieder die unangenehme Nachricht zu übermitteln.

4 Deshalb spricht der Herr: Du wirst dich von dem Bett, auf dem du liegst, nicht mehr erheben, sondern sterben.´« Und Elia machte sich auf den Weg. 5 Als die Boten zum König zurückkehrten, fragte er sie: »Warum seid ihr so schnell wieder zurück?« 6 Sie antworteten: »Ein Mann kam uns entgegen und befahl uns: `Kehrt zum König zurück, der euch geschickt hat, und sagt zu ihm: »So spricht der Herr: Warum wollt ihr Baal-Sebub, den Gott von Ekron, befragen? Gibt es denn keinen Gott in Israel? Deshalb wirst du dich von dem Bett, auf dem du liegst, nicht mehr erheben, sondern sterben.« 7 »Was war das für ein Mann, der unterwegs mit euch gesprochen hat?«, fragte der König. 8 Sie antworteten: »Er trug einen Mantel aus Fell und hatte einen Ledergürtel um die Hüften.« »Das war Elia aus Tischbe!«, rief der König.

Ist das Urteil nicht zu hart? Wir haben hier wieder die selbe Fragestellung wie vorhin. Das ist kein Gesetz hier, sondern Gott entscheidet in diesem konkreten Fall.

Vielleicht wäre Ahasja verschont worden, wenn er wie sein Vater Ahab sich vor Gott gedemütigt und sich entschuldigt hätte.

Außerdem kann es wirklich den Tod bringen, wenn man die Antworten für seine zentralen Lebensfragen an der falschen Stelle sucht. Vielleicht soll dieses Urteil für uns heute das deutlich machen.

Die Geschichte geht aber noch weiter. Der kranke König hat irgendwie kein Problembewusstsein mit seinen eigenen Haltung und ist mit dem bisherigen Verlauf nicht zufrieden.

9 Und er schickte einen Hauptmann mit seiner Truppe von 50 Mann zu ihm. Der stieg hinauf und fand Elia auf einem Hügel sitzend. Er sagte zu ihm: »Mann Gottes, der König befiehlt dir: `Komm schnell hinunter.´« 10 Doch Elia entgegnete dem Hauptmann: »Wenn ich ein Mann Gottes bin, so soll Feuer vom Himmel fallen und dich und deine 50 Mann töten!« Da kam Feuer vom Himmel und verbrannte sie alle. 11 Daraufhin schickte der König einen zweiten Hauptmann mit 50 Mann. Auch dieser sagte zu Elia: »Mann Gottes, der König befiehlt dir: `Komm augenblicklich hinunter!´« 12 Elia antwortete ihnen: »Wenn ich ein Mann Gottes bin, so soll Feuer vom Himmel fallen und dich und deine 50 Mann töten!« Und wieder kam das Feuer Gottes vom Himmel und verbrannte sie alle. 13 Da schickte der König einen dritten Hauptmann mit 50 Mann. Doch dieser Hauptmann kam hinauf zu Elia, sank vor ihm auf die Knie und bat ihn: »Mann Gottes, verschone mein Leben und das Leben deiner 50 Knechte. 14 Sieh, das Feuer ist vom Himmel herabgefallen und hat bereits die beiden anderen samt ihren Leuten verbrannt. Doch bitte verschone nun mein Leben!« 15 Da sagte der Engel des Herrn zu Elia: »Hab keine Angst. Geh mit ihm.« Und Elia stand auf und ging mit ihm zum König. 16 Elia sagte zum König: »So spricht der Herr: `Du hast Boten zu Baal-Sebub, dem Gott von Ekron, geschickt, um ihn zu befragen. Gibt es denn keinen Gott in Israel, den man befragen könnte? Deshalb wirst du dich von dem Bett, auf dem du liegst, nicht mehr erheben, sondern sterben.´« 17a Und so starb Ahasja, wie der Herr es durch Elia vorausgesagt hatte.

Für mich ist das nicht ganz leicht zu verstehen. Auf alle Fälle war der König nicht gewohnt, dass man ihn einfach so aus der Ferne informierte. „Du kommst hierher!“ so wollte er Elia antanzen lassen. Letztendlich kostete das 102 Menschen das Leben. Richtig finde ich nicht, was Elia hier gemacht hat, aber Gott hat sich zu seinem Propheten gestellt und es wird auch hier ganz deutlich, dass nicht der König sondern Gott die Macht hat. Der König kann noch so oft „Jetzt aber flott!“ sagen, Gott hat immer das letzte Wort.

Und Elia hatte offensichtlich auch Angst vor den Soldaten, denn sonst hätte Gott ihm keinen Mut zusprechen müssen.

All das ändert auch nichts: Ahasja starb, wie der Herr es durch Elia vorausgesagt hatte. Die menschliche Macht ist begrenzt. Ich bin sicher: Hätte sich Ahasja vor Gott gedemütigt, sich Gott untergeordnet, dann hätte es eine Möglichkeit zur Rettung gegeben. Aber das kann man für ihn anscheinend ja nicht in Frage.

Elias Himmelfahrt

Ja, jetzt fehlt nur noch Elias Himmelfahrt in 2. Könige 2. Er teilt einmal den Jordan, so dass er mit seinem Schüler und Diener Elisa trockenen Fußes durch den Fluss hindurch gehen kann. Und dann kommt ein Wagen aus dem Himmel und Elia wird von einem Wirbelsturm in den Himmel getragen. Vorher setzt er Elisa als seinen Nachfolger ein.

Zusammenfassung

Ich komme zum Schluss.

Wir haben uns heute wieder einmal intensiv mit Elia beschäftigt. Manche seiner Taten kommen uns zurecht fremd vor. Ich glaube, dass die alttestamentarischen Propheten grundsätzlich das Problem hatten, dass sie noch keine Vergebung in Jesus erleben konnten und deshalb oft recht hart und unbarmherzig waren. Dazu hatten sie häufig den Auftrag, schlechte Nachrichten, Gerichtsbotschaften, übermitteln zu müssen. Trotzdem konnten sie oft genug die Nähe Gottes erleben, erleben, dass er da ist und handelt und auch wenn Jesus Christus noch nicht da war, ließ Gott oft genug seine Barmherzigkeit durchschmimmern.

Noch einmal die Hauptpunkte aus der Predigt: