Baptistenbund

Gottesdienst , , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

Ich war vor eineinhalb Wochen auf der Bundesratstagung unseres Baptistenbundes und ein Hauptthema war, wie die einzelnen Gemeinden zu unserem Bund stehen.

In vielen Gemeinden ist der Bund im Alltag überhaupt kein Thema; da gibt es dann ein paar „Spezialisten“, die sich damit auskennen und die dann die Abgeordneten stellen.

Oft sind es die Pastoren, die diese Funktion übernehmen.

Andere Gemeinden sind mit bestimmten theologischen Ansichten, die von Werken des Bundes vertreten werden, nicht einverstanden, und manche dieser Gemeinden gehen dann so weit, daß sie deswegen keine Beiträge zahlen.

Viele haben wahrscheinlich auch nur ein diffuses Bild vom Bund und auch ein gewisses Unbehagen, weil sie Angst haben, daß eine übergeordnete Struktur – wie z.B. in der katholischen Kirche – in den Alltag der Gemeinde hineinreden kann und das widerspricht ja unserem Selbstverständnis von der selbständigen Ortsgemeinde.

Also, was ist der Bund und was sollte er sein?

Über den Themenkomplex Gemeindestruktur und überregionale Strukturen möchte ich mit Euch heute ein bißchen nachdenken.

Als ich mich vor über 25 Jahren für Jesus entschieden hatte, fiel mir ziemlich schnell die Verbundenheit auf, die man zu tlw fremden Menschen hatte, die auch an Jesus Christus glauben.

Dabei war es nicht wichtig, zu welcher Kirche sie gehörten, sondern nur, daß sie sich auch für Jesus Christus entschieden hatten. Und das empfinde ich heute auch noch so.

Es geht dabei nicht um Sympathie oder Antipathie.

Bei neuen Leuten, die ich kennenlernte, kam ich mit manchen direkt gut klar und mit anderen weniger, was wohl den meisten hier auch so geht.

Diese Verbundenheit war etwas anderes, und auch wenn der andere mir nicht direkt sympathisch war, war diese Verbundenheit trotzdem da.

Das war übrigens nicht mit allen so, die sich Christen nannten, sondern nur mit denen, die mit Jesus auch im Alltag lebten.

Natürlich war das oft ein subjektiver Eindruck, aber ich habe mich bei manchen Mitgliedern diverser Kirchen schon gefragt, was die eigentlich glauben, wobei man als junger Mensch natürlich oft viel kritischer ist.

Und wenn die persönliche Beziehung zu Jesus fehlt, dann fehlt etwas, dann fehlt irgendwie diese Verbundenheit, die ich leider nur sehr schwammig beschreiben kann.

Ich nehme an, diese Gedanken können diejenigen, die sich auch für Jesus entschieden haben, größtenteils nachvollziehen.

Weltweite Kirche Christi

Die Bibel verstehe ich so, daß diejenigen, die sich für Jesus Christus entschieden haben, die weltweite Kirche Christi bilden und diese Tatsache erklärt mir auch diese Verbundenheit, die ich empfand und auch heute noch empfinde.

Das wird z.B. in Johannes 1, 10-13 (NGÜ) ausgedrückt, wo folgendes über Jesus gesagt wird:

10 Er war in der Welt, aber die Welt, die durch ihn geschaffen war, erkannte ihn nicht. 11 Er kam zu seinem Volk, aber sein Volk wollte nichts von ihm wissen. 12 All denen jedoch, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. 13 Sie wurden es weder aufgrund ihrer Abstammung noch durch menschliches Wollen, noch durch den Entschluss eines Mannes; sie sind aus Gott geboren worden.

Alle, die Jesus aufgenommen haben und an seinen Namen glauben, sind Gottes Kinder.

Das ist die weltweite Kirche Christi und mit solchen Menschen fühlt man sich üblicherweise verbunden, wenn man selber dazu gehört.

Ähnlich steht es in Römer 8, 14-16 (NGÜ):

14 Alle, die sich von Gottes Geist leiten lassen, sind seine Söhne ´und Töchter`. 15 Denn der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch nicht zu Sklaven, so dass ihr von neuem in Angst und Furcht leben müsstet; er hat euch zu Söhnen und Töchtern gemacht, und durch ihn rufen wir, ´wenn wir beten`: »Abba, Vater!« 16 Ja, der Geist selbst bezeugt es uns in unserem Innersten, dass wir Gottes Kinder sind.

Ein Mensch ist also ein Kind Gottes, wenn er sich von Gottes Geist leiten läßt.

Und dieser Geist bezeugt es uns selbst, daß wir Gottes Kind sind.

Das ist kein Widerspruch zu den Versen davor, was in Epheser 1, 13 (NGÜ) deutlich wird:

13 Auch ihr gehört jetzt zu Christus. Ihr habt die Botschaft der Wahrheit gehört, das Evangelium, das euch Rettung bringt. Und weil ihr diese Botschaft im Glauben angenommen habt, hat Gott euch – wie er es versprochen hat – durch Christus den Heiligen Geist gegeben. Damit hat er euch sein Siegel aufgedrückt, ´die Bestätigung dafür, dass auch ihr jetzt sein Eigentum seid`.

Man empfängt den Heiligen Geist, wenn man Christus aufnimmt.

Wir merken, daß es hier nicht um eine Organisation geht, sondern daß für die Zusammensetzung der weltweiten Kirche Christi alleine entscheidend ist, ob man Jesus aufgenommen hat und sich dann vom Heiligen Geist leiten läßt.

Das hört sich ein bißchen schwammig jetzt an, denn wie nimmt man Jesus auf?

Ist es das klassische Bekehrungserlebnis, welches gerade in den Freikirchen weit verbreitet ist?

Und was ist mit Leuten, die sich an so ein punktuelles Erlebnis gar nicht erinnern können?

Dazu möchte ich zwei Kriterien benennen:

Zum ersten, egal, wie man dieses Aufnehmen Jesu persönlich erlebt hat, ist es wichtig, daß es mit einer Entscheidung zu tun hat. Man entscheidet sich persönlich für Jesus, das kann kein anderer für einen tun.

Zum zweiten bewirkt Gott diese Entscheidung und besiegelt sie mit seinem Heiligen Geist, so daß sein Geist den Menschen dann auch wirklich leiten kann.

Das hört sich etwas widersprüchlich an und ist auch nicht ganz leicht zu erklären. Aber wenn Du merkst, daß Jesus Dich ruft, dann bist Du persönlich gefragt und mußt eine Entscheidung treffen, egal wieviel Gott da im Hintergrund vorbereitet hat und gerade wirkt.

Wenn Du Jesus Christus aufnimmst, dann wirst Du Gottes Kind und dann gehörst Du zur weltweiten Kirche Christi.

Nun haben wir kurz die Zusammensetzung der weltweiten Kirche Christi betrachtet, daß sie eben nicht durch eine Organisation bestimmt wird und die Konsequenz daraus ist auch, daß es Mitglieder in sogenannten christlichen Kirchen geben kann, die nicht zur weltweiten Kirche Christi gehören, und es gibt Menschen, die nirgendwo organisiert sind und dazu gehören.

Es liegt nicht an uns, das für einzelne Menschen beurteilen zu müssen, aber diese grundsätzliche Tatsache können wir durchaus festhalten

Nun reicht die weltweite Kirche für unser alltägliches Glaubensleben nicht.

Und dazu gibt es die

Ortsgemeinde

Wir treffen uns jeden Sonntag hier und machen auch sonst vieles zusammen.

Gemeinde oder Versammlung

Ich möchte mich heute auf die Organisationsstruktur einer Ortsgemeinde beschränken, wie sie in der Bibel beschrieben ist, und dabei merken wir ziemlich schnell, daß das gar nicht so einfach ist, weil vieles in der Bibel gar nicht festgelegt ist.

Es hat schon seinen Grund, daß viele Christen, wenn es darum Ortsgemeinde praktisch zu organisieren, zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Als erstes möchte ich zu diesem Thema betonen, daß auf der Versammlung von Christen wirklich ein besonderer Segen liegt (Matthäus 18, 19.20; NGÜ):

19 Und noch etwas sage ich euch: Wenn zwei von euch hier auf der Erde darin eins werden, um etwas zu bitten – was immer es auch sei –, dann wird es ihnen von meinem Vater im Himmel gegeben werden. 20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.

Jesus Christus ist da, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind und ich denke, das ist in dem Sinne gemeint, wo mindestens zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind.

Nun ist in der Bibel schon deutlich beschrieben, daß die Ortsgemeinde mehr als eine mehr oder weniger zufällige Ansammlung von Christen ist.

Im neuen Testament wird für die Gemeinde das Wort Ekklesia verwendet und im Vorwort der revidierten Elberfelder-Übersetzung ist erklärt, warum die Übersetzer dieser Bibel das Wort „Gemeinde“ verwendet haben.

Wörtlich heißt Ekklesia „die Herausgerufene“ und die Übersetzer standen vor der Frage, ob sie dieses Wort mit „Versammlung“ oder mit „Gemeinde“ übersetzen sollten.

„Versammlung“ drückt die Tatsache gut aus, daß die Gemeinde die von Jesus Christus zusammengerufene Schar ist.

Allerdings ist die Gemeinde keine vorübergehend versammelte Gruppe, wie etwa eine Betriebsversammlung, sondern eine Gemeinschaft, der Leib Christi, dessen Glieder dauerhaft zusammengehören und dieser biblische Tatbestand wird durch das Wort „Gemeinde“ besser ausgedrückt und nahezu alle Übersetzungen übersetzen Ekklesia mit „Gemeinde“.

Dieses Wort taucht schon im Matthäus-Evangelium auf und dort wird an einer Stelle schon klar, daß die Ortsgemeinde keine zufällige Versammlung von Christen ist (Matthäus 18, 17-20; NGÜ):

15 »Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und stell ihn unter vier Augen zur Rede. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. 16 Hört er nicht auf dich, dann geh mit einem oder zwei anderen noch einmal zu ihm, denn ›jede Sache soll aufgrund der Aussagen von zwei oder drei Zeugen entschieden werden‹. 17 Will er auch auf diese nicht hören, dann bring die Sache vor die Gemeinde. Will er auch auf die Gemeinde nicht hören, dann soll er in deinen Augen ´wie ein gottloser Mensch` sein, wie ein Heide oder ein Zolleinnehmer. 18 Ich sage euch: Alles, was ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein. 19 Und noch etwas sage ich euch: Wenn zwei von euch hier auf der Erde darin eins werden, um etwas zu bitten – was immer es auch sei –, dann wird es ihnen von meinem Vater im Himmel gegeben werden. 20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.«

Da haben wir den Vers von gerade im Zusammenhang.

Vor diesem Abschnitt steht das Gleichnis vom verlorenen Schaf, also wird deutlich, daß es in diesem Abschnitt darum geht, Menschen zurückzugewinnen.

Und offensichtlich soll hier die Gemeinde als allerletztes Mittel über einen Ausschluß entscheiden und das ist wohl kaum vorstellbar bei einer losen Versammlung.

Diese Ausschluß bedeutet übrigens nicht, daß man den Kontakt einstellt, sondern daß man weiter versucht ihn zurückzugewinnen, denn auch Jesus Christus wurde als Freund der Zöllner bezeichnet.

Ich weiß, daß das Thema „Ausschluß“ noch viele weitere Fragen aufwirft, aber das würde heute zu weit führen.

Aber hier wird deutlich, daß die Ortsgemeinde eine verbindliche Gemeinschaft ist, in die man aufgenommen aber auch in extremen Fällen wieder ausgeschlossen werden kann.

Auf diese Verbindlichkeit kommt es mir an, um zu verstehen, wie Ortsgemeinde organisiert werden muß.

Aufnahme in die Gemeinde

Wir haben jetzt gesehen, wie ein Ausschluß funktioniert, aber viel wichtiger ist, wie die Aufnahme in eine Ortsgemeinde abläuft.

Das ist nur sehr allgemein beschrieben.

In Apostelgeschichte 2, 41(NGÜ) steht z.B. für die Entstehung der ersten Ortsgemeinde:

41 Viele nahmen die Botschaft an, die Petrus ihnen verkündete, und ließen sich taufen. Durch Gottes Wirken wuchs die Gemeinde an diesem Tag um etwa dreitausend Personen.

Hier scheint die Taufe die Zugehörigkeit zur Gemeinde zu bewirken.

Es war auch so, daß die Taufe ein öffentliches Bekenntnis war.

Durch die Taufe bekennt man öffentlich seinen Glauben an Jesus und damit gehört man automatisch zur Gemeinde. Eine Trennung gab es da nicht.

Aber wie lief das organisatorisch?

Bei uns findet ja für jede Aufnahme in die Gemeinde eine Gemeindestunde statt, wo über die Aufnahme abgestimmt wird.

Wir sind ungefähr sechzig Leute und kennen uns noch irgendwie untereinander.

Wie ist das, wenn wir einmal 150 Leute sind?

Wie will man denn dann noch abstimmen, wenn man die Leute gar nicht mehr kennt oder wenn man sogar die Taufgesprächspartner, die ja zur Aufnahme empfehlen sollen, auch nicht mehr kennt?

Wie das in anderen Kirchen läuft, ist mir gar nicht so klar.

Ich glaube, in den evangelischen Landeskirchen entscheidet das der Pastor oder Pfarrer, nach einem oder mehreren Gesprächen.

Wir finden in der Bibel keinen Hinweis, daß irgendjemandes Glauben geprüft wurde, bevor er in die Gemeinde aufgenommen wurde.

Die Taufe als Bekenntnis reichte, wahrscheinlich weil sie auch mit Gefahren verbunden war, und wer bereit ist, für seinen Glauben solche Risiken auf sich zu nehmen, der meint es wohl ernst.

Man kann ja auch nicht dem anderen in den Kopf gucken, man muß sich auf das Bekenntnis des anderen verlassen.

Und letztendlich machen wir es genauso und verlassen uns auf das Bekenntnis eines Menschen.

Eine weitere Frage ist, wer die

Organisatoren in der Gemeinde

waren?

Laut Apostelgeschichte 4, 34.35 (NGÜ) waren das die Apostel:

34 Es gab unter ihnen auch niemand, der Not leiden musste. Denn ´wenn die Bedürfnisse es erforderten,` verkauften diejenigen, die ein Grundstück oder ein Haus besaßen, ihren Besitz und stellten den Erlös ´der Gemeinde` zur Verfügung, 35 indem sie das Geld vor den Aposteln niederlegten. Davon wurde dann jedem das zugeteilt, was er nötig hatte.

Die Apostel organisierten alles: Gebet, Lehre, aber auch Finanzen.

Und sie hatten noch mehr um die Ohren (Apostelgeschichte 6, 1-6; NGÜ):

1 Die Zahl der Jünger wuchs unaufhörlich. Allerdings wurden in dieser Zeit auch Klagen ´innerhalb der Gemeinde` laut, und zwar von seiten der Jünger, die aus griechischsprachigen Ländern stammten. Sie waren der Meinung, dass ihre Witwen bei der täglichen Versorgung mit Lebensmitteln benachteiligt wurden, und beschwerten sich darüber bei den einheimischen Jüngern. 2 Da beriefen die Zwölf eine Versammlung aller Jünger ein und erklärten: »Es wäre nicht gut, wenn wir ´Apostel` uns persönlich um den Dienst der Verteilung der Lebensmittel kümmern müssten und darüber die Verkündigung von Gottes Botschaft vernachlässigen würden. 3 Seht euch daher, liebe Geschwister, in eurer Mitte nach sieben Männern um, die einen guten Ruf haben, mit dem Heiligen Geist erfüllt sind und von Gott Weisheit und Einsicht bekommen haben. Ihnen wollen wir diese Aufgabe übertragen. 4 Wir selbst aber werden uns weiterhin ganz auf das Gebet und den Dienst der Verkündigung des Evangeliums konzentrieren.« 5 Dieser Vorschlag fand allgemeine Zustimmung, und die Gemeinde wählte folgende sieben Männer aus: Stephanus, einen Mann mit einem festen Glauben und erfüllt vom Heiligen Geist, Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Nichtjuden aus Antiochia, der zum Judentum übergetreten war. 6 Man ließ sie vor die Apostel treten, und die Apostel beteten für sie und legten ihnen die Hände auf.

Hier sieht man, daß die Apostel Strukturen schaffen mußten und Arbeit delegiert haben, denn es kann ja gar nicht funktionieren, daß sich wenige um alles kümmern.

Wir sehen hier einen sehr pragmatischen Ansatz.

Wörtlich können wir diesen Text für uns heute nicht umsetzen, da wir in unserer Gemeinde keine Witwen mit Essen versorgen. Aber wir haben andere Probleme und Aufgaben in unserem alltäglichen Gemeindeleben und dafür müssen wir auch Strukturen und Vorgehensweisen finden.

Nun gibt es heute keine Apostel mehr bei uns, aber es gibt in der Bibel „Älteste, Bischöfe, Aufseher“, welche alle unterschiedliche Worte für das selbe Amt sind.

Das Wort für „Aufseher“ wird in der Neuen Genfer Übersetzung in Titus 1, 7 als „Gemeindeleiter“ übersetzt.

Auch das Thema Leitung möchte ich nur kurz anreißen.

Die Gemeindeleitung hat die Aufgabe, die Gemeinde zu leiten und dazu gehört natürlich auch die Organisation. Sie muß Strukturen schaffen und die Arbeit delegieren, wobei das Delegieren natürlich um so wichtiger wird, je größer die Gemeinde wird.

Die Mitglieder der Leitung müssen verschiedene Skills haben, die in der Bibel z.B. in Titus 1 beschrieben sind.

Wir haben bei uns nur wenig dokumentierte Strukturen und Vorschriften für Ämter.

Z.B. ist nirgendwo beschrieben, welche Gruppen es gibt und welche Qualifikation die Mitarbeiter dieser Gruppen haben müssen

In anderen Kirchen ist das oft anders.

Ich finde unser Modell prinzipiell gut, weil sich gerade in der heutigen Zeit vieles schnell verändert und Aufgaben und Strukturen daher oft angepaßt werden müssen.

Und da die Bibel nur wenige Strukturen beschreibt, ist so ein dynamisches Modell auch bibelgemäß.

Wie kommen Älteste in ihr Amt?

Leitung ist eine Geistesgabe (z.B. in der Aufzählung aus 1. Korinther 12, 28) und daher sollte man natürlich diejenigen in so ein Amt setzen, die dafür von Gott begabt sind.

Zur Zeit des neuen Testaments wurden die Ältesten von den Aposteln und deren Mitarbeitern eingesetzt. Z.B. schreibt Paulus an seinen Mitarbeiter Titus in Titus 1, 5 (NGÜ):

5 Ich habe dich auf Kreta zurückgelassen, damit du das, was noch zu tun ist, zu einem guten Abschluss bringst. Setze in jeder Stadt Älteste ein, und zwar entsprechend den Anweisungen, die ich dir gegeben habe!

Nun haben wir heute keine Apostel mehr und müssen selbst versuchen, diejenigen herauszufinden, die die passenden Gaben haben.

In anderen Kirchen gibt es tlw Wahlen, tlw werden die Leitungen von übergeordneten Gremien eingesetzt.

Bei uns gibt es ja auch alle fünf Jahre eine Wahl und das finde ich prinzipiell gut.

Der Erfolg so eines Systems hängt natürlich davon ab, daß sich die Wähler Gedanken darüber machen, wer die Gabe der Leitung oder auch andere passende Gaben für die Arbeit in der Gemeindeleitung hat.

Wenn man alleine nach Sympathie abstimmt, kommt Murks raus.

Überörtliche Organisation in der Bibel

Nun haben wir die weltweite Kirche Christi und die Organisation einer Ortsgemeinde anhand der Bibel betrachtet.

Da bleibt die Frage, ob wir überhaupt eine überörtliche Organisation brauchen?

Streit in theologischen Fragen

In Apostelgeschichte 15 ist beschrieben, daß sich Paulus und Barnabas mit einigen gläubigen Juden in Antiochia stritten, die gelehrt haben, daß auch Heidenchristen beschnitten werden müßten.

Dieser Streit könnte vor Ort nicht gelöst werden und daher hat die Gemeinde Antiochia, wo dieser Streit stattfand, entschieden, Paulus, Barnabas und ihre Kontrahenden nach Jerusalem zu den Aposteln und Ältesten dort zu schicken und dort die Frage zu entscheiden.

Da gab es dann eine Diskussion und ein Ältester aus der Jerusalemer Gemeinde, der Herrenbruder Jakobus, macht einen Vorschlag.

Dieser Vorschlag wird von den Aposteln, den Ältesten und der ganzen Gemeinde in Jerusalem akzeptiert und in Briefform nach Antiochia geschickt und das Problem wurde damit gelöst.

Heute gibt es keine Apostel und auch keine zentrale Gemeinde mehr.

Auch die katholische Kirche diskutiert übrigens solche Fragen nicht in einer zentralen Gemeinde, sondern in einem kleinen Kreis um den Papst herum.

Nun ist es leider heute nicht so, daß alle theologischen Meinungsverschiedenheiten im Laufe der Geschichte geklärt wurden und wir uns heute alle einig sind.

Auch heute gibt es Fragen, wo Uneinigkeit herrscht und damit muß man irgendwie umgehen.

Im Baptistenbund ist festgelegt, daß die Ortsgemeinde selbständig ist und solche Fragen selbst entscheidet.

Wir stehen im Leitungskreis ja manchmal vor dem Problem, wie wir mit theologischer Uneinigkeit umgehen und mir hat die Erkenntnis sehr geholfen, daß wir nach unserem jetzigen Erkenntnisstand für unsere Gemeinde hier und jetzt entscheiden müssen.

Wir müssen nicht für die gesamte Christenheit auf ewig die richtige Entscheidung treffen, und das mindert so ein bißchen die Schwere der Last. Wir entscheiden jetzt nach bestem Wissen und Gewissen vor Gott und wenn wir trotzdem Murks entschieden haben sollten, dann müssen das unsere Nachfolger eben korrigieren.

Gemeinden helfen sich gegenseitig

Ein weiterer Punkt, wo die Bibel überörtliche Strukturen andeutet, ist, daß Gemeinden sich gegenseitig helfen sollen.

In 2. Korinther 8 + 9 ruft Paulus zur Sammlung für die Gemeinde in Jerusalem auf.

Er erklärt das so (2. Korinther 8, 13-15; NGÜ):

13 Schließlich soll es nicht dahin kommen, dass ihr anderen aus ihrer Not helft und dadurch selbst in Not geratet. Es geht vielmehr darum, einen Ausgleich zu schaffen. 14 Zum jetzigen Zeitpunkt hilft euer Überfluss ihrem Mangel ab, damit dann ein anderes Mal ihr Überfluss eurem Mangel abhilft, und auf diese Weise kommt es zu einem Ausgleich. 15 Es heißt ja in der Schrift: »Wer viel ´gesammelt` hatte, hatte nicht zu viel,und wer wenig ´gesammelt` hatte, hatte nicht zu wenig.«

Die Gemeinden waren also miteinander verbunden und diese Verbundenheit wurde durch Reisende wie Paulus gehalten.

Nun ist die Anzahl der Gemeinden heutzutage nicht mehr so überschaubar wie damals.

Wer soll wem helfen?

Meistens engagiert sich eine wohlhabende Gemeinde in irgendwelchen Projekten oder Organisationen, mit denen sie in irgendeiner Form verbunden sind.

Jede Gemeinde muß da ihren eigenen Weg vor Gott finden und verantworten, wie die obigen Verse gelebt werden können.

Empfehlungen

In Römer 16, 1ff (NGÜ) steht etwas darüber, wie Überweisungen in andere Gemeinden gelebt wurden, was ja auch eine überörtliche Frage ist:

1 Nun noch ein Wort der Empfehlung. Es betrifft unsere Schwester Phöbe, Diakonin der Gemeinde von Kenchreä. 2 Sie ist durch den Herrn mit euch verbunden, und ich bitte euch, sie so aufzunehmen, wie es für jemand, der zu Gottes heiligem Volk gehört, angemessen ist. Steht ihr in jeder Angelegenheit zur Seite, in der sie eure Hilfe braucht; denn auch sie ist vielen, nicht zuletzt mir selbst, eine große Stütze gewesen.

Hier empfiehlt der Apostel Paulus Phöbe zur Aufnahme in die Gemeinde in Rom.

So ähnlich machen wir das heute auch noch.

Wenn ein Gemeindemitglied z.B. in einer andere Stadt zieht, dann bekommt er ein Empfehlungsschreiben von uns für die Gemeinde in dieser Stadt.

Vielleicht gibt es noch ein Telefongespräch, aber ansonsten läuft das heute noch so wie damals.

Unser Bund

Was für Schlüsse ziehen wir aus dem Gesagten, wie unser Bund sein sollte und wie wir mit dem heutigen Baptistenbund umgehen?

Zuallererst sollte man vielleicht erwähnen, daß der Bund – jenseits aller theologischen Fragen – Vorteile für uns als Gemeinde bietet.

Dadurch, daß er eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, haben wir weniger mit dem Finanzamt zu tun, als wenn wir z.B. die Rechtsform eines Vereins hätten.

Weiterhin hat der Bund verschiedene Verträge für uns abgeschlossen, wie z.B. mit der GEMA, so daß wir uns als einzelne Gemeinde nicht selbst darum kümmern müssen.

Alleine wegen dieser rechtlichen Vorteile lohnt es sich für uns, im Bund zu sein.

Aber reicht das?

Ist der Bund nur eine für uns vorteilhafte rechtliche Konstruktion?

Oder ist er mehr für uns?

Von der Bibel her gibt es keine Vorschrift, die uns verpflichtet im Baptistenbund zu sein, aber es ist sinnvoll mit anderen Gemeinden verbunden zu sein und das leben wir ja auch, indem wir z.B. öfter einmal etwas mit den anderen Baptistengemeinden in Leichlingen zusammen machen.

Auch mit der Jugend haben wir öfter einmal etwas mit anderen Jugendgruppen aus anderen Gemeinden zusammen gemacht. In letzter Zeit treffen wir uns regelmäßig mit der Kuhler Jugend.

Auch eine weitere überregionale Verbundenheit mit anderen Gemeinden ist sinnvoll, was wir ja auch durch Besuch der Landesverbands- und Bundesratstagung ausdrücken.

Zu dieser Verbundenheit gehört auch, daß wir uns einbringen und auch unbequeme Meinungen auf diesen Tagungen vertreten, denn sich abzuschotten wäre nicht richtig.

Diese Verbundenheit muß durch Menschen gelebt werden, sonst macht sie keinen Sinn. Sie kann nicht sinnvollerweise verordnet werden.

Zusammenfassung

Die weltweite Kirche Christi wird durch alle Menschen gebildet, die Jesus aufgenommen haben und durch Gottes Geist geleitet werden.

Die Ortsgemeinde ist für das alltägliche Christenleben da und ist eine verbindliche Gruppe von Christen an einem Ort.

In neuen Testament war die Aufnahme in die Ortsgemeinde mit der Taufe verbunden und findet in erster Linie aufgrund des Bekenntnis desjenigen statt, der aufgenommen werden will.

Die Organisatoren der Gemeinde sind die Ältesten, die auch sinnvolle Strukturen und Vorgehensweisen für eine Gemeinde finden müssen.

Übergemeindliche Strukturen werden im neuen Testament nur angedeutet:

Für unseren Bund finden wir keine weiteren biblischen Begründungen.

Er bietet für uns rechtliche Vorteile.

Weitergehende geistliche Bedeutung hat er für uns nur, wenn wir sie ihm geben.

Nur wenn wir die Verbundenheit mit den Gemeinden des Bundes leben, ist der Bund mehr als eine vorteilhafte rechtliche Konstruktion für uns.