Aussendung der 12 Jünger

Gottesdienst , , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

Ich möchte mit Euch heute über einen Bibeltext nachdenken, den wohl keiner von uns heute wörtlich umsetzen möchte.

Aber trotzdem kann man eine Menge davon lernen.

Lukas 9, 1-6 (NGÜ)

1 Jesus rief die zwölf Jünger zusammen und gab ihnen Kraft und Vollmacht, alle Dämonen auszutreiben und die Kranken zu heilen. 2 Er sandte sie aus mit dem Auftrag, die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden und die Kranken gesund zu machen. 3 »Nehmt nichts mit auf den Weg«, sagte er zu ihnen, »keinen Wanderstab, keine Vorratstasche, kein Brot und kein Geld; auch soll keiner zwei Hemden bei sich haben. 4 Wenn jemand euch in seinem Haus aufnimmt, dann bleibt bei ihm, bis ihr die Ortschaft wieder verlasst. 5 Wenn euch aber in einer Stadt die Leute nicht aufnehmen, dann verlasst den Ort und schüttelt den Staub von euren Füßen als Hinweis auf das Gericht, das sie erwartet.« 6 Die Jünger machten sich auf den Weg und zogen von Dorf zu Dorf. Überall verkündeten sie die Botschaft ´vom Reich Gottes` und heilten die Kranken.

Kraft und Vollmacht für den Auftrag

In fast allen Übersetzungen, die mir vorliegen, steht, daß Jesus seinen Jüngern Kraft und Vollmacht gibt.

Darüber möchte ich ein bißchen mit Euch nachdenken:

Was heißt denn das, „Kraft“ und „Vollmacht“?

Die offensichtliche Erklärung ist halt, daß sie einerseits wirklich etwas bewirken können und das sie andererseits es im Namen Jesu bewirken können.

Die Kraft und die Vollmacht beziehen sich auf alle Dämonen und auf die Heilung von Krankheiten.

Der Evangelist Lukas erwähnt die Dämonen in diesem Text nicht mehr auf, während in den Parallelstellen in Matthäus 10, 5-15 und Markus 6, 7-13 auch noch explizit darauf hingewiesen wird, daß sie Dämonen austreiben sollen.

Für Lukas scheint im Vordergrund zu stehen, daß Menschen heil werden sollen, und dazu müssen manchmal auch diverse Dämonen verschwinden.

Aber denken wir noch ein bißchen weiter über Vollmacht nach.

Ich lese noch einmal V. 2

Er sandte sie aus mit dem Auftrag, die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden und die Kranken gesund zu machen.

Sie sollten durch Wort und Tat den Menschen dienen, aber ich glaube, das Wort sollte im Vordergrund stehen, denn das Reich Gottes ist etwas Ewiges.

Das andere, das Heilen, gehört dazu und ich glaube, die Vollmacht dazu sollte auch die Vollmacht zum Predigen verdeutlichen.

Wir finden eine vergleichbare Stelle in Matthäus 9, 2-8 (NGÜ)

2 Einige Männer brachten einen Gelähmten auf einer Tragbahre zu Jesus. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: »Du brauchst dich nicht zu fürchten, mein Sohn! Deine Sünden sind dir vergeben.«3 Einige Schriftgelehrte dachten im Stillen: »Das ist ja Gotteslästerung!« 4 Jesus waren ihre Gedanken nicht verborgen. »Warum denkt ihr Böses in eurem Herzen?«, fragte er sie. 5 »Was ist leichter – zu sagen: ›Deine Sünden sind dir vergeben‹ oder: ›Steh auf und geh umher!‹? 6 Doch ihr sollt wissen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben.« Und er wandte sich zu dem Gelähmten und sagte: »Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh nach Hause!« 7 Da stand der Mann auf und ging nach Hause. 8 Als die Menge das sah, waren alle voller Ehrfurcht und priesen Gott, der den Menschen solche Vollmacht gegeben hat.

Da fragt man sich natürlich: Wie sieht das mit unserem Auftrag aus?

Bin ich hier vorne nur glaubwürdig, wenn ich vorher hier jemanden geheilt habe oder wenn ich direkt hier jemand heilen kann?

Hat Jesus mich überhaupt gesandt, wenn ich gar keine Kranken heilen kann?

Bei diesem Gedanken fiel mir ein Film ein, den ich vor kurzem noch einmal teilweise gesehen habe, und zwar „Der Schein-Heilige“ mit Steve Martin.

Wenn ich diesen Film sehe, hoffe ich immer, daß in diesem Film nur gute Ideen vom Drehbuchautor umgesetzt sind und nicht eine wahre Geschichte wieder gegeben wird.

Für die, die den Film nicht kennen:

Es handelt von einem Wanderprediger, der mit einem großen Team und einem riesigen Zelt durch die Gegend zieht und religiöse Shows aufführt.

Er redet zwar von Jesus und führt aber große Wunder vor, die durch raffinierte Tricks inzeniert werden.

Z.B. bietet man einer alten Frau, die noch problemlos gehen kann, zur Bequemlichkeit einen Rollstuhl an und schiebt sie ganz nach vorne.

Dann fordert der Prediger sie nachher in der Predigt auf, aus dem Rollstuhl aufzustehen und es sieht dann so aus, als hätte er ein Wunder getan.

Von den Spenden, die daraufhin die Besucher geben, lebt das ganze Unternehmen.

Die Idee zu diesem Film kann meiner Ansicht nach zwei Ursachen haben:

  1. Es gibt wohl leider wirklich Prediger, die sich mit Tricks Glaubwürdigkeit verschaffen wollen. Ich habe mal von einem gehört, der hinter der Bühne große Ventilatoren aufstellen und diese anschalten ließ, wenn er dazu aufforderte, den Heiligen Geist zu empfangen. Als schlimmere Variante gibt es sicherlich auch Prediger, die, wie in diesem Film, wirklich in erster Linie hinter Geld hinterher sind.
  2. Der Autor dieses Films kann sich nicht vorstellen, daß Gott wirklich Wunder tun kann, und von daher stellt er sich solche Wunder als inszenierte Tricks vor.

Ich kenne den Autor des Films nicht und weiß nicht, welches Motiv er für den Film hatte.

Ich weiß aber, daß wir es nicht nötig haben, mit miesen oder auch raffinierten Tricks andere zu beeindrucken, um unsere Glaubwürdigkeit zu erhöhen, um zu zeigen, daß wir Kraft und Vollmacht haben.

Wie soll es denn nun eigentlich sein?

In Kolosser 4, 5 (NGÜ) steht:

5 Verhaltet euch klug im Umgang mit denen, die nicht zur Gemeinde gehören. Wenn sich euch eine Gelegenheit bietet, ´euren Glauben zu bezeugen,` dann macht davon Gebrauch.

Das heißt, daß wir immer die Vollmacht und auch den Auftrag haben, von unserem Leben mit Jesus Christus zu erzählen, ihn zu bezeugen und damit vom Reich Gottes zu verkünden.

Man merkt also, daß dieser Auftrag an die 12 Jünger so ein bißchen ein Spezialauftrag für diese 12 war, aber wir heute einen ähnlichen Auftrag haben.

Also Heilung gehört nicht zu unserem Auftrag, obwohl Gott auch noch heute heilen und es manchmal auch tut.

In 1. Korinther 12, 9b (NGÜ) steht:

wieder ein anderer bekommt durch diesen einen Geist die Gabe, Kranke zu heilen.

In der Fußnote zu diesem Vers steht in der NGÜ, daß es wörtlich heißt „(die) Gaben der Heilungen.“

Und als Erklärung dazu steht, daß die doppelte Mehrzahl vielleicht darauf hinweist, daß die Heilungsgabe nicht unbedingt auf Dauer und nicht für jeden einzelnen Krankheitsfall gegeben wird.

Das erscheint mir plausibel, aber wir dürfen natürlich nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen und nicht mehr an Heilungen durch Gott glauben, nur weil wir sie selten oder nie miterleben.

Also ihr Auftrag damals und unser Auftrag heute ist, von Jesus Christus zu bezeugen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Nun gibt Jesus seinen Jünger bestimmte Anweisungen für den Auftrag und die schauen wir uns jetzt mal an.

Was nimmt man mit?

3 »Nehmt nichts mit auf den Weg«, sagte er zu ihnen, »keinen Wanderstab, keine Vorratstasche, kein Brot und kein Geld; auch soll keiner zwei Hemden bei sich haben.

Wir so als Westler würden wahrscheinlich spontan dazu sagen:

Keine zwei Hemden, dann wird irgendwann keiner mehr in die Nähe von den Jüngern kommen wollen.

Aber hinter diesem Gedanken steckt natürlich auch die Einstellung, daß man gut ausgerüstet sein muß, gut vorbereitet sein muß, alles dabei haben muß, damit man seinen Auftrag gut ausführen kann.

Ich denke nicht, daß man diese Anweisungen für unseren Auftrag, heute Jesus bei sich bietenden Gelegenheiten zu bezeugen, wörtlich zu nehmen sind, obwohl es für bestimmte Spezialaufträge doch möglich sein kann.

„Nichts mitnehmen“, was könnte das bedeuten?

Ich glaube, jeder Christ hat irgendwann einmal eine Phase, wo die tollen Erlebnisse mit Jesus in der Vergangenheit liegen und die Gegenwart vom Alltag bestimmt wird und zur Zeit eben nichts Tolles passiert.

Man funktioniert, erfüllt seine Pflichten und kommt irgendwie über die Runden.

Und man kommt sich dann manchmal etwas blöd vor, wenn man versucht, mit einem tollen Erlebnis, das weit in der Vergangenheit liegt, anderen zu erklären, daß Jesus Christus wirklich real ist.

Jesus ist heute der selbe wie damals und wenn wir mit ihm unterwegs sind, dann ist er dabei, egal, ob wir etwas Beeindruckendes erleben oder nicht.

Wenn man nun vergangene Erlebnisse als Proviant mitnimmt und alleine daraus die Zeugnisse bestehen, dann wird man auf Dauer auch vor sich selber unglaubwürdig.

Die Frage, die man sich selber stellen muß und die auch andere einem stellen werden, ist:

Warum lebe ich heute mit Jesus?

Er ist da, auch wenn man es irgendwie nicht mit beeindruckenden Erlebnissen von heute beweisen kann.

Aber wir sollen ja auch bezeugen, nicht beweisen oder beeindrucken.

Und auch wenn die richtig tollen, gigantischen Erlebnisse schon etwas zurück liegen, dann können wir trotzdem auf Jesus vertrauen und das bezeugen.

Wie verhält man sich am Ziel?

Für den Aufenthalt in den Städten gibt Jesus zwei Anweisungen.

Betrachten wir erst einmal die erste:

4 Wenn jemand euch in seinem Haus aufnimmt, dann bleibt bei ihm, bis ihr die Ortschaft wieder verlasst.

Na ja, man kann sich vorstellen, wenn die Jünger in eine Stadt kamen und ausgerechnet der Bewohner eines total gammeligen Hauses die Jünger zu sich einlädt, daß sie dann vielleicht lieber zu den Reicheren gehen würden, so nach dem Motto „Wir müssen auch den Wohlhabenden von Jesus erzählen.“

Man kann sich nicht immer aussuchen, wem man von Jesus erzählen kann.

Nicht selten sind es irgendwie unangenehme Leute, die sich für Jesus interessieren, weil sie durch ihr unangenehmes Verhalten sich Probleme verschaffen und merken, daß sie Hilfe brauchen.

Ich denke, daß Gott oft uns Menschen in den Weg stellt und nicht wir uns aussuchen, wem wir von Jesus bezeugen, und dafür müssen wir offen sein.

Im Paralleltext in Matthäus 10, 11(NGÜ) steht:

11 Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, dann sucht jemand, der es wert ist, ´euch aufzunehmen`. Bleibt bei ihm, bis ihr jenen Ort wieder verlasst.

Das hört sich ja doch wieder eher so an, daß sie sich einen netten Menschen aussuchen sollen und würde dem widersprechen, was ich gerade gesagt habe.

Andererseits war Jesus der Meinung, bei Zachäus, dem korrupten Verbrecher, zum Abendessen zu gehen (Lukas 19, 1-10).

Er war es wert, daß Jesus bei ihm einkehrt: Nicht, weil er ein netter Mensch war, sondern weil er es brauchte.

Zachäus litt unter seinen Sünden und er war offen für das, was Jesus ihm zu sagen hat.

Deshalb war es wert, denn die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken.

So ganz ist damit noch nicht erklärt, warum sie während der ganzen Zeit im Ort nur in einem Haus bleiben sollen.

Vielleicht sollte sich während der Zeit auch eine Beziehung aufbauen, was natürlich nur geht, wenn man länger zusammen bleibt, also Qualität vor Quantität.

(wenn Jugendliche da sind, sonst den folgenden Block auslassen)

Wir haben den Text vor zwei Wochen in der Jugend betrachtet und einer der Jugendlichen hatte noch eine weitere Idee dafür, die mir aber leider nicht mehr einfällt.

(Jugendliche im Auditorium fragen) Wißt ihr noch, welche weitere mögliche Erklärung wir dafür gefunden hatten, warum die Jünger in einem Ort nur in einem Haus bleiben sollen?

Dann kommt der Satz, der uns ein bißchen Bauchschmerzen bereitet:

5 Wenn euch aber in einer Stadt die Leute nicht aufnehmen, dann verlasst den Ort und schüttelt den Staub von euren Füßen als Hinweis auf das Gericht, das sie erwartet.«

Das ist ganz schön hart.

Die Symbolik ist klar, denke ich.

Ihr wollt nichts mit uns zu tun haben, also habt ihr nichts mit Jesus zu tun, da ihr seine bevollmächtigten Vertreter abweist.

Aufgrund dessen haben wir und damit auch Jesus auch nichts mit Euch zu tun – weil das nicht gegen euren Willen geht – und als Symbol dafür schütteln wir alles, was wir von euch mitnehmen, von uns und das ist euer Staub von unseren Füßen.

Das gilt heute noch genauso:

Jesus redet in erster Linie durch seine Bevollmächtigten und das sind die Menschen, die zu ihm gehören, z.B. die Mitglieder dieser Gemeinde, und wer die Botschaft von diesen Menschen ablehnt, der lehnt Jesus ab.

Man muß natürlich vorsichtig sein, denn nicht jeder, der sagt, er gehöre zu Jesus, gehört auch wirklich zu Jesus.

So Schwarz-Weiß-Denken wie „Das sind die Guten“ und „Das sind die anderen“, daß geht in der Wirklichkeit nur selten, also man muß schon aufpassen.

Aber ich bin sicher, daß Gott auch heute noch Menschen persönlich anspricht und dazu auch bestimmte Christen für eben diese Person schickt.

Man muß nicht alle diese Christen mögen. Vielleicht haben damals in den Städten und Dörfen sich damals auch welche gedacht, als da zwei Jünger aufgetaucht sind „Puh, was für ein Hemd und was für eine Frisur“, aber trotzdem waren es genau diese zwei, auf die es ankam.

Ein Punkt bei diesem Vers hat mir etwas Kopfzerbrechen gemacht und uns damals in der Jugend auch.

War das Staub-von-den-Füßen-Schütteln endgültig?

Was wäre denn gewesen, wenn zwei andere Jünger noch einmal in die selbe Stadt gekommen sind und sie dann aufgenommen worden wären?

Das wäre ja möglich gewesen, denn die Jünger konnten sich ja nicht mit Handy absprechen.

Ich glaube nicht, daß das endgültig ist.

Auch heute bekommt jeder mehrere Chancen.

Ob das nur dreimal passiert, wie es in Hiob 33,29 angedeutet wird, kann ich nicht sagen.

Ich weiß nur eins: Ich will gar nicht wissen, ob ein Mensch endgültig von Gott verworfen wurde und ich bin auch sicher, daß Gott so etwas keinem von uns mitteilen würde, weil das jeden von uns überfordern würde.

Aber ich weiß auch, daß wir durchaus auch sagen können oder sogar müssen, daß Jesus Christus der einzige Weg zu Gott ist (Johannes 14, 6).

Das muß man in einer sehr sensiblen Form machen, damit z.B. nicht rüberkommt, daß unsere Gemeinde der einzige Weg zu Gott ist; das ist sie mit Sicherheit nämlich nicht.

Sie erfüllen den Auftrag

6 Die Jünger machten sich auf den Weg und zogen von Dorf zu Dorf. Überall verkündeten sie die Botschaft ´vom Reich Gottes` und heilten die Kranken.

Die Jünger machen sich auf den Weg und erfüllen den Auftrag.

Das Unmögliche ist möglich.

Vielleicht kommt uns, da wo wir so leben und arbeiten, es auch oft unmöglich vor, von Jesus Christus zu reden.

Man weiß halt nicht, wie und wie das so ankommt.

Aber die Jünger hatten auch einen unmöglichen Auftrag und es hat mit Jesus funktioniert, denn er hat sie auch mit der Kraft, die sie dazu nötig hatten, ausgestattet.

Es wirkt ein bißchen so, als wäre dieser Auftrag ein Probelauf.

Ein Kapitel weiter sendet Jesus 70 Jünger mit derselben Vollmacht und Kraft und dem selben Auftrag aus (Lukas 10, 1-12).

Und als die zurückkamen (Lukas 10, 17-23), freuten sie sich und sagten, daß ihnen auch die Dämonen untertan sind.

Sie waren so ein bißchen von ihrer Kraft berauscht.

Jesus bestätigt die Kraft, die er seinen Jüngern gegeben hat, aber folgendes ist ihm wichtiger (V. 20):

Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber, dass eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind!

Und das kann auch heute unsere größte Freude sein.

Wenn man zu Jesus gehört, dann ist der eigene Name im Himmel bekannt, er ist schon eingetragen.

Zusammenfassung

Fassen wir zusammen:

Und als wichtigster Satz noch einmal zum Schluß:

Wer zu Jesus gehört, dessen Name ist im Himmel angeschrieben.