Gott in Anspruch nehmen: Darf Gott uns in Anspruch nehmen ? (Joab)

Chorgottesdienst, , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Gottesdienstablauf

Chorgottesdienst

1. Teil: Das Problem

Zur Einführung in das Thema lesen wir Jak.4,1-3;

In diesem Text geht es um Lüste. Lüste sorgen für Streitigkeiten und Kriege unter uns, und zwar Lüste, die in den Gliedern, in uns, streiten. Dann geht es in diesem Text um Mangel: „Ihr begehrt und habt nichts“. Dieser Mangel hat zwei Ursachen: Zum einen mangelndes Gebet und zum andern die schon erwähnten Lüste.

Mangelndes Gebet bedeutet, Gott nicht in Anspruch zu nehmen, und „Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet“ sollten wir uns hinter die Ohren schreiben. Nun, dies ist ihr in der Gemeinde auch schon oft geschehen und dieser Vers wird hoffentlich auch weiter in Zukunft häufig erwähnt werden.

Nun aber kann folgendes passieren: „Ihr bittet und empfangt nichts“. Ursache dafür ist das Motiv, aus dem heraus wir beten („um es in euren Lüsten zu vergeuden.“) Was sind Lüste?

In Jak.1,14.15; (lesen) wird gesagt, daß eigene Lüste etwas sind, was zur Sünde verführt. Und Gebete, die dazu dienen, solche falschen, eigenen Lüste zu befriedigen, werden nicht erhört („eure Lüste“). Die Betonung liegt hier auf eigene Lüste. Es gibt auch eine andere Lust, wie z.B. in Ps.37,4 erwähnt;

„Habe deine Lust am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt.“
Eigene Lust führt zum Mangel, Lust am Herrn führt dazu, daß Gebete erhört werden. Ich habe dieses Wort eigene mit Absicht betont, weil unser Ich hier das Problem darstellt. Lüste müssen nicht immer nur so offensichtliche Dinge wie Habgier, sexuelle Lust, Haß, usw. sein. Oft sind Lüste viel schwieriger zu erkennen und fromm getarnt. Dies will ich im zweiten Teil anhand einer Geschichte aus dem AT weiter erläutern.

2. Teil: Beispiel Joab

Beispiel Joab (bißchen in die Runde fragen) Frage: Wer hat schon 'mal von Joab gehört ? (melden lassen) Wer weiß etwas über ihn? (melden lassen) Joab ist relativ unbekannt, aber er ist ein hervorragendes Bild zu unserem Thema. Joab Lebensgeschichte steht in 2.Sam.; und Anfang 1.Kön.;. Ich möchte sie hier kurz im Überblick angeben:

Joab war oberster Heerführer Davids. Er war ein sehr erfogreicher Heerführer und hat viele Siege errungen. Er war auch ein sehr kluger Kopf; z.B. fädelte er sehr geschickt die Rückkehr Absaloms ein, nachdem David, Absaloms Vater, ihn verstoßen hatte; Absalom hatte seinen Bruder umgebracht. Außerdem war Joab für David oft sehr nützlich, nicht nur durch seine Siege. Als Absalom sich gegen David erhob und fast ganz Israel auf seine Seite zog, blieb Joab ihm treu und floh mit ihm. Er brachte David zu Vernunft, als dieser, nach dem Endkampf gegen seinen Sohn Absalom, der dabei umkam, vor lauter Trauer über seinen Sohn seinen Freuden und seiner Armee total vor den Kopf stieß (erklären). In einem anderen Krieg, den Joab gewann, ließ er die letzte Stadt von David einnehmen und so die Ehre für diesen Sieg David zukommen.

Andererseits ist Joab auch eine sehr zwielichtige Gestalt. Er ermordet Abner, weil dieser im Krieg in Notwehr Joabs Bruder tötete, und der Mord geschah, nachdem Abner zu David bereits übergelaufen war. Als David mit Bathseba Ehebruch beging und danach ihren Mann ermorden ließ, um die Spuren zu verwischen, da machte Joab willfährig und widerspruchslos mit. Als später David eine Volkszählung durchführen wollte, um sich etwas auf die Größe seines Volks einzubilden, da widersprach Joab und fügte sich nachher nur zähneknirschend. Hier war Joabs Verhalten richtig. Auch im Krieg gegen Absalom war Joab zwar loyal gegenüber David, aber David befahl, daß dem Absalom kein Haar gekrümmt werden sollte, und trotzdem tötete Joab den Absalom, was militärisch sicherlich richtig aber gegen den Willen Davids war. Dem David war Joab auch etwas unheimlich. Er setzte ihn nachdem Krieg gegen Absalom ab und ersetzte ihn durch den Feldherrn seines Sohnes. Als dann ein Aufstand von einem Mann namens Scheba angezettelt wurde, versagte der neue Feldherr schon bei der Aufstellung der Armee. Joab ermordete ihn, setzte sich selber wieder in die alte Position ein und besiegte Scheba. Am Ende von Davids Leben fällt ein anderer Sohn, Adonija, von David ab und will anstelle von Salomo Davids Thronfolger werden. Diesmal wendet sich Joab von David ab und läuft zu Adonija über. Dafür wird er von Salomo verurteilt und dann executiert.

Warum erzähle ich das alles? Das alte Testament ist ein Buch voller Bilder für geistliche Sachverhalte und das Leben Joabs ist auch so ein Bild.

Ich will erst einmal den Zusammenhang zwischen den Lüsten aus dem ersten Predigtteil und Joab herstellen. Fangen wir bei offensichtlichen Lüsten wie Hurerei, Habgier an. Hierbei ist jedem offensichtlich bewußt, daß dieses falsche Lüste sind. Die Ursache für solche Lüste ist: Ich will etwas für mich befriedigt haben, ich .. für mich. Nun gehen wir einmal einen Schritt weiter: Eine weitere Lust ist zum Beispiel der Wunsch nach Selbstdarstellung. Ich helfe z.B. in der Gemeinde, um bei den anderen anerkannt zu sein. Hier ist auch wieder dasselbe Motiv: Ich .. für mich. Diese falsche Lust ist von anderen nicht mehr so leicht zu erkennen, wie Hurerei oder Habgier; sie ist fromm getarnt. Nun gehen wir noch einen Schritt weiter: Leben nach eigenen Vorstellungen. Hierbei habe ich meine Vorstellungen, wie ein Christ zu leben hat und ich bin zufrieden, wenn ich diese Vorstellungen erfüllt habe. Auch hier wieder dasselbe Motiv: Ich .. für mich. Diese falsche Lust ist oft zu gut fromm getarnt, daß sie ein Außenstehender kaum noch erkennen kann. Joab ist ein Beispiel dafür. Er tat viel Gutes für seinen Herrn, er war ihm ziemlich treu und hatte auch Erfolge, aber: Er handelte letztendlich doch nur nach seinen Vorstellungen. Das erkennt man daran, daß er z.B. Abner und Absalom ermordete, obwohl ihm sein Herr, David, etwas anderes befahl. Joab lebte und handelte nur nach seinen Vorstellungen und das war für Außenstehende gar nicht so leicht zu erkennen.

Ich glaube, solche Joabs gibt es auch bei uns: Geschwister, die sehr wohl auch mitarbeiten, die vielleicht auch Erfolge ihrer Arbeit sehen, mit denen man sich gut versteht, mit denen man gut klarkommt.

Dafür lesen sie vielleicht kaum noch in der Bibel. Sie können ja Gottes Worte zu sich persönlich nicht mehr hören, weil sie selbst ja wissen, was zu tun ist. Gebet wird vielleicht mehr als das notwendige Übel betrachtet und nicht als der Ursprung aller Arbeit, denn viele Gebete kann Gott nicht erhören, wenn wir hauptsächlich für unsere Vorstellungen zur Reich-Gottes-Realisierung beten. Interessant ist, daß kein Gebet Joabs überliefert ist. Weiter ist bei Joab interessant zu sehen, daß Gott niemals Joab korrigiert oder zur Buße ruft. Anscheinend war Joab in seinem Lebensstil so festgefahren, daß er absolut taub für Gottes Reden war.

Ferner fehlen die Früchte des Geistes, weil der Geist keinen Raum mehr in einem hat. Es tritt vielleicht wie bei Joab ein Rachedenken auf, oder in manchen Fällen eine Gewissenlosigkeit, wie bei Joabs Mit- täterschaft bei Davids Ehebruch und Mord. Er geht auch über Leichen, als er von David abgesetzt wird. Joab war trotz seiner Qualifikation zum Dienst unbrauchbar, weil er nur seinen eigenen Vorstellungen nachlebte. Er konnte die Absetzung auch nicht akzeptieren und setzte sich selber wieder ein. Geschwister, die nach ihren eigenen Vorstel- lungen leben und handeln, haben auch kein Ohr mehr dafür, wenn Gott sie woanders hin, in eine andere Aufgabe, haben will.

Daraus folgt, daß es durchaus Christen in der Gemeine gibt, die Gott für ihre Mitarbeit in Anspruch nehmen wollen, die aber von Gott nicht mehr nach seinen Vorstellungen in Anspruch genommen werden können.

Man sollte es sich hier auch nicht zu einfach machen. Es kann gut sein, daß man viele Jahre so lebt, ohne es richtig zu merken oder merken zu wollen. Ehrlichkeit vor sich selbst und vor Gott ist der erste Schritt zur Besserung. Überprüf dich selbst:

3. Teil: Hilfen zur Lösung

Zustand erkennen und bekennen

Dies kann sehr schwer sein, wenn:

Bitte prüft euch selber ehrlich, das kann schwerlich ein anderer tun. Sünde einzugestehen und von einem falschen Weg umzukehren ist immer schwer, besonders wenn man lange darauf war (Athur Blessits Vater). Ich möchte euch auch warnen: Joab ist am Ende seines Lebens von David abgefallen; genauso wird einer, der versucht, nach eigenen Vorstellungen Gott zu dienen, irgendwann die Lust dazu verlieren, weil er den Segen Gottes dabei nicht empfängt.

Ausweg

Der Ausweg ist:
„Habe deine Lust am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt.“
Wer diesen Vers voll und ganz versteht, der wird nicht mehr wie Joab leben wollen. Was heißt „habe deine Lust am Herrn“ ? Lust hat was mit Willen zu tun. Wenn ich Lust auf eine Pommes habe, dann will ich mir eine holen. Nun ist so etwas eine sehr spontane Lust, die von Zeit zu Zeit kommen kann. Diese Lust hier in diesem Psalmwort ist etwas dauerhaftes, etwas, das wachsen soll. Es ist also nicht so, daß ich Sonntags Lust auf Gott habe, und dann gibt er mir, was mein Herz begehrt und die Woche über habe ich keine Lust auf Gott und gehe dann leer aus. Wir verstehen diese dauerhafte Lust besser, wenn wir uns Hebr. 8,10; anschauen: (lesen). Gottes Gesetze in unserem Herz und Sinn verändern unseren Willen. Wir wollen dann auf einmal das tun, was Gott will und wollen Gott hören; wir haben auf einmal Lust auf Gott, auf sein Reden und auf seinen Willen. Dies geht nicht automatisch. Der Heilige Geist, der in uns ist, seid wir uns bekehrt haben, wird nur wirken und uns verändern, wenn wir ihn lassen. Und dies geht nur, wenn wir Jesus unser Leben ganz zur Verfügung stellen. Wenn wir in unserem Leben die Oberherrschaft behalten wollen und Jesus nur in einigen Bereichen zur Verfügung stehen, dann kann der Heilige Geist kaum oder gar nicht wirken. Ich will euch noch mit folgender Begebenheit konfrontieren (Matth.8,19.20;):
„Jesus, ich will dir nachfolgen, wo immer du auch hingehst.“
Für den Schriftgelehrten damals bedeutete das, daß er seinen festen Wohnsitz, seine materiellen Sicherheiten aufgeben und verlassen mußte. Jesus sagt ihm diese Kosten. Für uns bedeutet ganze Nachfolge heute, daß wir unsere Träume und Vorstellungen Jesus hinlegen müssen und damit unsere eigenen Sicherheiten verlassen müssen. („Wer Gott folgt riskiert seine Träume, setzt eigene Pläne aufs Spiel“) Das heißt praktisch natürlich nicht, daß ich z.B. auf jeden Fall meinen Besitz verkaufen muß, aber es bedeutet, daß ich z.B. um die Bereitschaft bete, alles loslassen und weggeben zu können, wenn Jesus es will.

Noch einmal der Psalmvers von vorhin (Psalm 37,4):

„Habe deine Lust am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt.“

Dieses Psalmwort hat nun noch einen zweiten Teil (V.4b; lesen). Dein Herz sehnt sich nicht in Wirklichkeit nach Reichtum, Trägheit (Laß Ruhe mir), Zerstreuung, sondern es sehnt sich nach Ruhe in Gott. Es sehnt sich nach den Früchten des Geistes (Gal.5,22;), es sehnt sich letzt endlich nach enger Gemeinschaft mit Gott, nach Erlebnissen mit Gott. Joab hatte dies alles nicht, weder Gemeinschaft mit Gott, noch Ruhe, Frieden, Freude, Freundlichkeit, usw. Wenn du dich Gott ganz auslieferst, dann können diese Dinge in dir anfangen zu wachsen. Vielleicht hast Du schon viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, ein freudloses, friedloses Christsein hinter dir, vielleicht merkst du, daß dir in deinem Christsein etwas fehlt, obwohl du vielleicht manchmal etwas mit Gott erlebst; wenn es so ist, dann gestehe es doch vor dir selber und vor Gott ein. Überschlage die Kosten und dann liefere dich ganz Jesus aus. Bete zu Jesus, so in der Art:

„Herr Jesus mein Leben soll dir ganz gehören, ob ich in die Außenmission soll oder hierbleiben soll, ob ich einmal Familie haben soll oder nicht, ob ich nun in der Jugend, Jungschar, TJE, oder sonst wo mitarbeiten soll, ob ich mich um Leute kümmern soll, die ich eigentlich nicht mag, usw. usw. Herr Jesus verändere du auch meine Meinungen und Sichtweisen, wenn sie dir nicht gefallen.“

Wichtig ist, daß du, bevor du so betest, auch wirklich die Kosten überschlägst und wirklich willst und nicht nur aus einem Gefühl heraussagst: Herr Jesus, dir will ich ganz gehören.

Eins kann ich euch sagen: Es lohnt sich. Ihr dürft bei alledem niemals vergessen, daß Jesus euer Bestes will, in beiderlei Hinsicht. Er will, daß ihr euer Bestes, euer ganzes Leben, ihm zur Verfügung stellt, dafür will er euch das Beste geben, was es gibt, und das ist er selber. Und mit ihm habt ihr das gefunden, was ihr im Grunde eures Herzens schon immer gesucht habt. Ferner dürft ihr nicht vergessen, daß Jesus euch niemals überfordert oder Dinge von euch verlangt, die ihr nicht tun könnt. Jesus vergewaltigt keinen. Aber wenn ihr euch ganz ausliefert, fängt Jesus an, euch zu verändern, Stück für Stück, Schritt um Schritt, und dann könnt ihr auf einmal Dinge mit Freuden tun, die ihr früher nicht konntet. Aber das so eine schrittweise Erneuerung kommt, darüber müßt ihr euch bei so einer Ganzhingabe schon klar sein. Sicherlich ist es bei den meisten Betreffenden richtig, wenn sie mit einem Seelsorger zusammen darüber beten und sprechen. Komm zu Jesus, ganz!