Annahme - Gebote

Gottesdienst, , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

(Vor der Predigt wurde das Lied von
Reinhard Mey: Zeugnistag (https://www.youtube.com/watch?v=fK3vSkYzpTY) gezeigt).

Ich muss sagen, ich bin nicht sehr nah am Wasser gebaut, aber bei dem Lied können mir schon die Tränen kommen.

Ich möchte das Lied zum Einstieg nutzen, um einmal über Liebe, Ethik, was richtig und falsch ist, usw nachzudenken. Denn dieses Lied führt mir so vor, dass es, auch als Christ, nicht immer leicht ist, zu entscheiden, was richtig ist.

Ich habe mir das Video mit meinem Sohn Tim angesehen, und wir sind nahezu zeitgleich darauf kommen, dass wir dieses Lied als Einstieg in ein Jugendthema verwenden könnten und das haben wir auch gemacht. Dabei kamen natürlich noch ein paar zusätzliche Gedanken, die in diese Predigt mit eingeflossen sind, quasi das Jugendthema als ein Inkubator für die Predigt.

Und natürlich hat mich Tim gefragt, was ich in dieser Situation getan hätte. Es wäre sicherlich einmal interessant, unter uns Eltern diese Frage zu diskutieren, was wir in so einer Situation getan hätten.

Tja, was hätte ich denn getan? Ich muss dabei vorne weg schicken, dass, so wie das bei Euch sicherlich auch ist, mir das Lügen eher schwer fällt. Andererseits, wenn ich da so einen selbstgerechten Menschen sehe, der sich daran ergötzt, wie mein Kind heruntergemacht wird und ich im Gesicht meines Kindes die Zerknirschtheit sehe, dann hätte ich in dieser Situation vielleicht ähnlich gehandelt.

Aber ich finde es nicht so leicht, hier eine schnelle, eindeutige Antwort zu geben.

Der Sänger drückt sich ja hier ein bisschen um die Frage, ob das Verhalten der Eltern falsch oder richtig war. Er sagt, es wäre ihm egal.

Das ist mir ein bisschen zu einfach, von daher möchte ich mit Euch darüber noch etwas nachdenken.

Wir sehen hier einen gewissen Konflikt zwischen Wahrheit und Liebe.

Jesus und die Ehebrecherin

Es gibt in der Bibel eine sehr bekannte Geschichte, die gewisse Ähnlichkeiten mit dem Lied hat, und die möchte ich jetzt mit Euch betrachten (Johannes 8, 2-11; NGÜ):

2 Früh am Morgen war Jesus wieder im Tempel. Das ganze Volk versammelte sich um ihn, und er setzte sich und begann zu lehren. 3 Da kamen die Schriftgelehrten und die Pharisäer mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte, sodass jeder sie sehen konnte. 4 Dann wandten sie sich an Jesus. »Meister«, sagten sie, »diese Frau ist eine Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden. 5 Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?« 6 Mit dieser Frage wollten sie Jesus eine Falle stellen, um dann Anklage gegen ihn erheben zu können. Aber Jesus beugte sich vor und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7 Als sie jedoch darauf bestanden, auf ihre Frage eine Antwort zu bekommen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen.« 8 Dann beugte er sich wieder vor und schrieb auf die Erde. 9 Von seinen Worten getroffen, verließ einer nach dem anderen den Platz; die ältesten unter ihnen gingen als Erste. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch da stand, wo ihre Ankläger sie hingestellt hatten. 10 Er richtete sich auf. »Wo sind sie geblieben?«, fragte er die Frau. »Hat dich keiner verurteilt?« – 11 »Nein, Herr, keiner«, antwortete sie. Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht; du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr!«

Diese Geschichte ist ja ein Klassiker und hat verschiedene Betrachtungsebenen.

Die erste Ebene ist die Frage des Richtig und Falsch, die Frage der Fakten, der Wahrheit. Die Tat der Frau war falsch, das ist Fakt, das bestreitet hier auch niemand. Das redet hier auch niemand schön und niemand sucht hier Verständnis für diese Tat. Auch Jesus sagt am Ende: „Sündige nicht mehr!“

Natürlich würde man im persönlichen Gespräch viel sensibler damit umgehen, man würde nach den Gründen fragen und gemeinsam überlegen, was man tun kann und wie man aus so einer Nummer wieder herauskommt.

Aber die sachliche und seelsorgerliche Auseinandersetzung mit dem Problem der Frau, auch mit ihrer Sünde, war natürlich spätestens zu dem Zeitpunkt zu Ende, als die Schriftgelehrten und Pharisäer sie in die Mitte stellte, dass jeder sie sehen konnte. Wer so etwas in dieser Form macht, ist weder an einer sachlichen Problemanalyse noch an einer seelsorgerlichen Hilfestellung interessiert. Am Letzeren waren die Pharisäer hier sowieso nicht interessiert.

Deswegen geht es in dieser Geschichte nicht in erster Linie um die Schuld der Frau, zumal man sich auch fragen könnte, wo der zugehörige Mann zum Ehebruch war, denn es gehören immer zwei dazu. Warum wird der Mann nicht genauso an den Pranger gestellt?

Den Schwerpunkt in dieser Geschichte sehe ich im Verhalten der Schriftgelehrten und Pharisäer. Ihr Motiv lag ja darin, Jesus eine Falle zu stellen und die Frau war nur Mittel zum Zweck dafür.

Sie hatten also ein schlechtes, ein mieses Motiv und haben versucht, dass hinter dem Einsatz für Gerechtigkeit zu verstecken.

Und das ist tatsächlich eine Gemeinsamkeit mit dem Lied vom Anfang. Ob dieser Schulrektor wirklich so ein, entschuldigt bitte dieses Wort, Arsch war, oder ob der Sänger das nur so empfunden hat, wissen wir natürlich nicht genau, aber offensichtlich haben die Eltern des Sängers das genauso empfunden und deshalb diese Komödie gespielt. Er hatte es ja so im Lied geschildert:

Der Rektor kam, holte mich schnaubend aus der Klasse raus,
So stand ich da, allein, stumm und geknickt.
Dann ließ er meine Eltern kommen, lehnte sich zurück,
Voll Selbstgerechtigkeit genoß er schon
Die Maulschellen für den Betrüger, das mißrat'ne Stück,
Diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn.

Im Beisein eines solchen Menschen möchte ich Probleme meines Kindes nicht besprechen. Ich weiß nicht, wie ich in der Situation reagiert hätte, ich habe auch so einen Lehrer persönlich noch nicht erlebt.

Wenn wir uns jetzt einmal mit den Schriftgelehrten oder auch mit diesem Rektor aus dem Lied vergleichen: Wir sollten uns hüten davor, Gerechtigkeitsempfinden oder Wahrheitsliebe als vorgeschobenes Vehikel für niedere Motive zu verwenden, wie z.B. Selbstgerechtigkeit, Hass, Besserwisserei, Selbsterhöhung, Unbarmherzigkeit oder um andere vorzuführen, wie es die Pharisäer wollten.

Interessant ist, dass diese Falle für Jesus für Jesus selbst nur ein vordergründiges Problem war.

Jesus hätte ja z.B. sagen können: „Euch interessiert die Wahrheit und Gerechtigkeit doch gar nicht, ihr wollt mich doch nur in eine Falle locken.“

Diese Aussage wäre richtig gewesen, aber Jesus blickt noch tiefer und deckt das eigentliche Problem in genialer Weise auf.

Die Pharisäer hatten den nahezu zwanghaften Wunsch, immer alles richtig zu machen und nie zu sündigen; das macht natürlich unfrei und man wird streng und hartherzig gegenüber anderen, damit man sich nicht mit seinen eigenen Sünden beschäftigen muss. Und durch Jesu Aussage „Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen.“ wird das aufgedeckt. Sie gehen alle weg, niemand wirft einen Stein.

Und als Jesus alleine mit der Ehebrecherin ist, bespricht er das Problem mit ihr. Aber es ist nicht nur das Problem ein Thema, sondern er sagt ja: »Ich verurteile dich auch nicht; du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr!«

So ein bisschen finden wir das auch im Lied wieder. Der Sänger sieht ja als wichtigste Lektion seiner Schulzeit:

Wie gut es tut, zu wissen, daß dir jemand Zuflucht gibt, Ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!

Jesus sagt zu der Frau: Ich verurteile dich nicht. Ich nehme dich an, wie du bist. „Du darfst gehen“, du bist frei, weil ich dich nicht verurteile.

In der Jugend kam bei diesem Lied auch der Gedanke auf, dass man natürlich nicht alles durchgehen lassen sollte.

Es ist irgendwo eine Gratwanderung. Meine Eltern holen mich sowieso raus, also kann ich mir alles erlauben. Das ist doch die Angst, die wir haben. Es gehen doch alle Maßstäbe und Normen verloren, wenn wir nicht ganz klar sagen, was erlaubt und verboten ist. Die Eltern haben dem Jungen ein ganz falsches Signal gegeben, der wird doch jetzt ein professioneller Urkundenfälscher!

Wir haben dann vielleicht irgendwelche unerzogenen Kinder vor Augen, denen nie Grenzen gesetzt wurden und das muss man doch, usw.

Ich kann das zwar verstehen, aber ich denke, dass wir uns an Jesu Reihenfolge halten sollten.

  1. Ich verurteile dich nicht, ich nehme Dich an, wie Du bist. Du bist frei. Ich gebe dir Zuflucht.
  2. Reden wir über Deine Probleme und Sünden. Lass die Sünde.

Diese Annahme, diese Zuflucht zu verstehen, das ist wahres Christentum. Jesus Christus hat Dich und mich lieb und bei ihm haben wir Zuflucht. Er verurteilt uns nicht als Person.

Und nur aus dieser Annahme heraus, aus dieser Liebe heraus, können wir über unsere Unvollkommenheiten und auch über unsere Sünden reden.

Genauso wie Jesus sollten wir aus auch machen. Meistens sind wir ja mit unseren eigenen Fehlverhalten eher großzügig und mit dem der anderen eher streng.

Es gibt ein christliches Lied aus den späten 80ern:

Nehmt einander an
wie Christus euch angenommen hat
Reicht einander die Hand
und seit zur Versöhnung bereit.

Und wenn dieses Annehmen und das Vertrauen da ist, dann können wir auch über unangenehme Dinge reden.

Und natürlich, müssen wir auch allgemein über solchen ethischen Fragen in der heutigen Zeit nachdenken. Z.B. ganz provokativ: Ist Ehebruch an sich heute noch Sünde? Wie sind die Gebote heute zu interpretieren? Was bedeuten sie?

Darüber möchte ich noch ein bisschen mit Euch nachdenken.

Und ja, ich halte Ehebruch auch heute noch für Sünde. Allerdings muss man an den Problemursachen arbeiten; das macht folgender Vergleich klar:

Das zweite Modell kann bei aller formalen Korrektheit nicht funktionieren. Wenn das zweite in Deinem Fall zutrifft oder zuzutreffen droht, dann muss daran gearbeitet werden, dass das erste Modell wieder Wirklichkeit wird.

Kommen wir nun zu den Geboten.

Jesus und die Jünger

Der folgende Bibeltext ist mir als erstes zu dem Lied eingefallen, allerdings passt er nicht so gut, wie der andere. Ich lese aus Markus 2, 23-28; NGÜ:

23 An einem Sabbat ging Jesus durch die Felder. Seine Jünger fingen an, am Weg entlang Ähren abzureißen ´und die Körner zu essen`. 24 Da sagten die Pharisäer zu ihm: »Hast du gesehen, was sie da tun? Das ist doch am Sabbat nicht erlaubt!« 25 Jesus entgegnete: »Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er und seine Begleiter nichts zu essen hatten und Hunger litten? 26 Wie er damals – zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar – ins Haus Gottes ging und von den geweihten Broten aß, von denen doch nur die Priester essen dürfen, und wie er auch seinen Begleitern davon gab?« 27 Und Jesus fügte hinzu: »Der Sabbat ist für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat. 28 Darum ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.«

Jesus nimmt seine Jünger hier in Schutz, das finde ich gut. Allerdings spielen die Jünger hier in diesem Text kaum eine Rolle, denn Jesus geht direkt auf den Sinn und Zweck der Gebote ein.

Zuerst irritierten mich hier etwas die geweihten Brote, oder auch Schaubrote genannt. Ihre Einsetzung ist in 3. Mose 24, 5-9; NL beschrieben, wo es um Tempeldienste geht:

5 Außerdem sollst du zwölf Brote aus besonders feinem Mehl backen - zwei Krug Mehl sollst du für jeden Laib nehmen. 6 Leg die Brote in zwei Stapeln zu je sechs Broten auf den goldenen Tisch vor dem Herrn. 7 Leg auf jeden Stapel reinen Weihrauch. Dieser soll anschließend anstelle des Brotes als Opfer für den Herrn auf dem Altar verbrannt werden. 8 An jedem Sabbat sollen diese Brote vor dem Herrn ausgelegt werden. Das ist eine dauernde Bundesverpflichtung vonseiten der Israeliten. 9 Die Brote, die sie im Heiligtum essen sollen, stehen Aaron und seinen männlichen Nachkommen für alle Zeiten zu. Denn diese Brote sind ein besonders heiliger Teil der Opfer, die dem Herrn durch das Feuer dargebracht werden.«

Ich würde ich gerne erklären, was das bedeutet, aber ich habe es nicht hundertprozentig verstanden. Es könnte ein Hinweis auf Jesus sein. 12 Brote, für jeden israelitisch Stamm einen, und der Weihrauch, der anstelle der Brote als Opfer verbrannt wird. Das deutet schon auf das stellvertretende Opfer Jesus hin.

Trotzdem ist es ein Symbol und der Hunger von David und seinen Leuten war wichtiger als das Symbol im Tempel. Das finde ich schon bemerkenswert.

Und dann kommt die zentrale Aussage zum Sabbat: Der Sabbat ist für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat.

Und ergänzend dazu: „Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.“

Ich knüpfe an den vorigen Text aus Markus 2 noch einmal an und es geht so weiter (Markus 3, 1-6; NGÜ):

1 Als Jesus ein anderes Mal in die Synagoge ging, war dort ein Mann mit einer verkrüppelten Hand. 2 Die, die einen Vorwand suchten, um Jesus anklagen zu können, beobachteten aufmerksam, ob er ihn am Sabbat heilen würde. 3 »Steh auf und komm nach vorn!«, sagte Jesus zu dem Mann mit der verkrüppelten Hand. 4 Und den anderen stellte er die Frage: »Was ist richtig – am Sabbat Gutes zu tun oder Böses? Einem Menschen das Leben zu retten oder ihn zu töten?« Sie schwiegen. 5 Er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und zugleich tief betrübt über ihr verstocktes Herz. Dann befahl er dem Mann: »Streck die Hand aus!« Der Mann streckte die Hand aus, und sie war geheilt. 6 Die Pharisäer jedoch fassten, sobald sie die Synagoge verlassen hatten, zusammen mit den Anhängern des Herodes den Plan, Jesus zu beseitigen.

Was ist richtig? Am Sabbat Gutes zu tun oder Böses? Einem Menschen das Leben zu retten oder ihn zu töten?

Gottes Gebote sind für uns da und sie sind gut für uns. Und man kann in Bezug auf die Gebote von zwei Seiten vom Pferd fallen. Zum Einen ist es fatal, wenn man in Selbstüberhebung die Gebote als optional, oder als uninteressant und nicht mehr beachtenswert in unserer Zeit ansieht und zum Anderen, wenn man sich gar nicht mehr für den Inhalt und Zweck der Gebote interessiert und nur ängstlich darauf bedacht ist, sie nicht zu übertreten. Die Pharisäer haben ja sogar zusätzliche Verbote um die Gebote verordnet, damit man ja nicht aus Versehen die Gebote übertritt und das führte zu einer unfreien Gesellschaft.

Aus der Erholung am Sabbat wurde ein Schrittegebot, wurde das Verbot, anderen zu helfen, usw. Das ist meiner Ansicht fatal und absurd.

Wir müssen die Gebote Gottes, insbesondere die 10 Gebote, welche zeitlos sind, verstehen und sie befolgen, dann helfen Sie uns wirklich.

Zusammenfassung

Ich fasse noch einmal zusammen: