Alles neu?

Beängstigend und hoffnungsvoll: Ein Mensch kann neu werden und eine neue Welt wird kommen.

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Einleitung

(kurzes Gebet am Anfang, dann kurze Vorstellung von mir; das Duzen kurz erklären und ein kurzer Hinweis auf die verwendete Bibelübersetzung)

Ich hatte am Anfang den Bruder, der mich kontaktierte, nach einem Themenwunsch gefragt, und er verwieß auf die Jahreslosung 2026.

Mich hat das etwas überrascht, denn ich kannte das bisher nur so, dass zur Jahreslosung am Anfang des Jahres ein oder zwei Predigten gehalten wurden und ein kleines Poster irgendwo mit dem Spruch aufgehängt wurde.

Danach geriet die Jahreslosung bei uns eigentlich immer etwas aus dem Fokus. Aber das muss ja nicht so sein und Ihr betrachtet ja die aktuelle Jahreslosung laut Eurer Homepage als Euer Jahresthema für 2026 und so habe ich die Jahreslosung genauer betrachtet. Ich hoffe, ich wiederhole nicht zu viel von dem, was andere Prediger schon dazu gesagt haben.

Schauen wir mal hinein (Offenbarung 21, 5a):

Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Alles neu!

Gruselig, oder?

Alles neu! Ein neuer Job, ein neuer Wohnort, ein neues Umfeld, neue Menschen um mich herum, neue Gewohnheiten, neue Aufgaben.

Alles neu! Oft mögen wir die Veränderung gar nicht. Ich würde z.B. sehr ungern woanders hinziehen, weil ich mein Haus sehr mag. Vielleicht an den Bodensee, aber sonst eher nicht.

Auch Veränderungen in der Gemeinde sind schwierig. Die meisten mögen das nicht.

Alles neu! Vielleicht in der Gemeinde ein ganz neuer Musikstil. Lobpreislieder in Zukunft hauptsächlich nur noch als deutscher Rap, für die jungen Leute.

Das wäre auch nicht meins, aber die Kirchenmusik ist in der Vergangenheit öfter schon 'mal neu geworden. Man darf z.B. nicht vergessen, dass 1961 das Lied „Danke für diesen Guten Morgen“ sehr umstritten war, ja in den Augen mancher Christen sogar ein Skandal. Und heute sind die Orgeln vielerorts verschwunden.

Ich recherchiere bei solchen Themen immer ganz gerne ein bisschen und habe eine veröffentlichte Diplomarbeit zum Thema von moderner christlicher Musik im Zeitraum zwischen 1980 und 2000 gefunden, aus der ich zwei Zitate vorlesen möchte (https://web.archive.org/web/20140115051229/http://www.evangelisation.biz/data/file/entwicklung-popmusik-deutschland.pdf)

Die Neuerungen werden bekämpft. Die Vorwürfe der Traditionshüter sind meist immer die gleichen: Kompromiss mit der Welt bzw. deren Nachahmung, unbiblisch (wobei damit meist: „nicht der kirchlichen Tradition entsprechend“ gemeint ist), „Teufelsmusik“ und billige Unterhaltungsmusik, die dem sakralen Bau nicht würdig ist.

Und irgendwann wird die Neuerung doch akzeptiert und dann kommt das:

Frühere Gegner haben das Neue angenommen und verteidigen dies nun als Tradition mit der Hoffnung, lange den Status quo beizubehalten und resistent gegenüber jeglicher Innovation zu sein.

Also wirklich alles neu?

Ein Mensch wird neu

Ich glaube, um sich diesem Thema wirklich nähern zu können, muss man den Menschen direkt betrachten. Inwieweit kann bei einem Menschen alles neu werden?

Betrachten wir dazu Psalm 51. Dies ist ein sogenannter Bußpsalm, wo der damalige israelische König David eine wirklich schreckliche Tat zu Gott bringt.

Die meisten von Euch kennen die Geschichte wahrscheinlich. David hat sich, obwohl er selber einen Harem hatte, mit einer verheirateten Frau namens Batseba eingelassen, und weil er es nicht vertuschen konnte, hat er den Mann dieser Frau umbringen lassen.

Nach dem ihm der Prophet Nathan klar gemacht hat, was er da eigentlich getan hatte, hat David diesem Psalm geschrieben.

In den ersten 11 Versen redet er nur von seiner Sünde, z.B. (Psalm 51, 3-5; NGÜ):

3 Sei mir gnädig, o Gott – du bist doch reich an Gnade! In deiner großen Barmherzigkeit lösche meine Vergehen aus! 4 Wasche meine Schuld ganz von mir ab, und reinige mich von meiner Sünde 5 Denn ich erkenne meine Vergehen, und meine Sünde ist mir ständig vor Augen.

Das geht noch ein paar Verse so weiter, und dann kommt eine ganz interessante Aussage (Psalm 51, 12-14; NGÜ):

12 Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. 13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. 14 Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Ein reines Herz und einen neuen Geist: Hier geht es nicht darum, dass einfach die Schuld vergeben wird, in dem Sinne, dass jeder mal Fehler macht, sondern es soll etwas Neues entstehen. Schaffe in mir ein reines Herz, das offensichtlich bisher nicht da ist und gib mir einen neuen Geist. Der alte hat mich auf furchtbare Wege geführt.

Letztendlich könnte man das Gebet mit der Jahreslosung zusammenfassen:

Mach bitte alles neu.

Wir finden das auch noch an anderen Stellen, z.B. in Hesekiel 36, 26; NEÜ, wo Gott zum Volk Israel spricht:

25 Dann werde ich reines Wasser auf euch sprengen und euch so von allem Dreck und allen Götzen reinigen. 26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist: Das versteinerte Herz nehme ich aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges dafür. 27 Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und euch nach meinen Rechtsbestimmungen richtet.

Wir können nicht durch eigene Anstrengungen Gott gefallen und alles richtig machen. Christsein macht nur Sinn, wenn wir zu Gott kommen und ihn bitten:

Mach alles neu.

Als junger Mann, ich hatte mich erst mit knapp 20 für Jesus Christus entschieden, hatte ich viel Kontakt zur Gefährdetenhilfe Scheideweg in Hückeswagen. Und dort habe ich Leute kennengelernt, die aus ganz schwierigen Verhältnissen kamen, z.T. auch aus dem Gefängnis. Und einige dieser Menschen sind wirklich neu geworden, sie könnten ihre alte kriminelle und kaputte Vergangenheit hinter sich lassen. Der Weg war nicht immer leicht und es gab auch Rückschläge, aber trotzdem: Menschen wurden neu.

Als Kind aus bürgerlichem Elternhaus, der sich mit seinen Eltern immer gut verstanden hat, war das total faszinierend. Menschen können so neu werden, dass man das auch sehen kann.

Natürlich ist die Neuwerdung häufig ein Prozess.

In Johannes 1, 11-13; NEÜ ist der Start klar beschrieben, wo über Jesus Christus gesagt wird:

11 Er kam in sein Eigentum, aber sein eigenes Volk nahm ihn nicht auf. 12 Doch denen, die ihn aufnahmen, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu sein. – Das sind die, die an seinen Namen glauben. – 13 Sie erhielten das nicht aufgrund natürlicher Abstammung, durch menschliches Wollen oder den Entschluss eines Mannes, sondern durch eine Geburt aus Gott

Es beginnt wie eine Geburt in eine neue Familie, in Gottes Familie. Und es beginnt ein Wachstum, ein Prozess. Das steht auch sehr schön in 2. Korinther 5, 17; LUT:

Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

In der „Neues Leben“-Übersetzung steht:

Ein neues Leben hat begonnen.

Ein kleiner Funfact für Bibelinteressierte: In der Lutherübersetzung von vor 1975 stand hier noch:

Es ist alles neu geworden.

während heutzutage alle Übersetzungen (auch die neue Luther) wie vorher erwähnt den biblischen Grundtext als Beginn eines Prozesses übersetzen, was meiner Ansicht nach auch richtiger ist.

Es ist ein Prozess, es ist ein Weg, auf den man sich zusammen mit Jesus Christus macht.

Wie sieht das denn bei uns persönlich aus? Was muss in deinem und meinem Leben neu werden? Hast Du überhaupt mit Jesus begonnen, bist Du auf dem Weg? Es lohnt sich schon, bei allen Problemen, die man vielleicht dabei hat.

Was muss sich ändern? Ich glaube, dass kann man nur selber mit Gott herausfinden, wenn man offen dafür ist. Vielleicht könnte man ein bisschen netter werden, das wäre doch für alle gut. Aber vielleicht bist Du ja schon nett.

Ich hoffe nicht, dass ich in so einer Situation wie David bin, der alles neu von Gott brauchte, weil er so im Schlechten gefangen war, aber ich möchte offen sein, für alles, was Gott an mir und in mir ändern möchte. Für mich war es immer ein Horror, wenn ich das Gefühl habe, mir selber etwas vorzumachen. Es wäre doch schön, wenn das reine Herz und der neue Geist immer mehr Raum in deinem und meinem Leben einnimmt.

 

Wir haben nun die Jahreslosung sehr im Zusammenhang mit dem einzelnen Menschen gesehen. Ich möchte nun auch den Bibelvers im Kontext betrachten.

Die Welt wird neu

Lesen wir ruhig einmal den kompletten Abschnitt (Offenbarung 21, 1-8; NEÜ):

1 Dann sah ich einen ganz neuen Himmel und eine völlig neuartige Erde. Der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, auch das Meer gab es nicht mehr. 2 Ich sah, wie die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkam. Sie war schön wie eine Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat. 3 Und vom Thron her hörte ich eine laute Stimme rufen: „Jetzt ist Gottes Wohnung bei den Menschen. Unter ihnen wird er wohnen und sie alle werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. 4 Jede Träne wird er von ihren Augen wischen. Es wird keinen Tod mehr geben und auch keine Traurigkeit, keine Klage, keinen Schmerz. Was früher war, ist für immer vorbei.“

5 „Seht, ich mache alles ganz neu!“, sagte der, der auf dem Thron saß, und wandte sich dann zu mir: „Schreib diese Worte auf! Sie sind zuverlässig und wahr.“ 6 Und er fuhr fort: „Nun ist alles erfüllt. Ich bin das Alpha und das Omega, der Ursprung und das Ziel. Wer Durst hat, dem werde ich umsonst zu trinken geben: Wasser aus der Quelle des Lebens. 7 Wer den Kampf besteht, wird das alles erben. Ich werde sein Gott und er wird mein Sohn sein. 8 Aber die Feiglinge, die Treulosen und die, die sich mit abscheulichen Dingen abgeben, die sexuell unmoralisch leben, und alle, die okkulte Praktiken ausüben, die Mörder, die Götzendiener und alle Lügner – sie erwartet der See, der mit brennendem Schwefel gefüllt ist, das heißt: der zweite Tod.“

Ich habe mir mehrere Andachten zur Jahreslosung im Internet angesehen und der Kontext dazu wurde eher wenig beachtet und der letzte Vers kam nirgendwo vor.

Das ist ja auch eher so ein Bibelvers, wo man sich Prediger eher vor drückt. So ein Vers kann einen auch ganz schnell in eine Schublade befördern, und als Christ will man ja überall hin, bloß nicht in eine Schublade.

Aber fangen wir vorne an: Einen ganz neuen Himmel und eine völlig neuartige Erde. Der erste Himmel und die erste Erde, das ist die, wo wir jetzt drauf leben, waren vergangen, weg, nicht mehr da.

Das ist genau der Punkt, über den ich am Anfang sprach. Alles Vertraute ist futsch.

Dann wird das neue Jerusalem beschrieben, Gottes Wohnung bei den Menschen. Und es wird auch sehr positiv beschrieben: Alle Tränen werden abgewischt, nicht totgeschwiegen sondern abgewischt, passend dazu wird es auch den Tod nicht mehr geben, und auch keine Klage (und sicherlich auch keinen Grund mehr zur Klage), und es gibt auch keine Traurigkeit und keinen Schmerz mehr.

denn das Erste ist vergangen.

So steht es in der Luther-Bibel. Ich verwende häufig die Neue-Evangelistische-Übersetzung und dort steht:

Was früher war, ist für immer vorbei.

Wirklich alles neu.

Wenn wir hier auf die Zeit nach unserem Tod sehen, dann haben wir mit dem „Alles neu“ wohl eher weniger Probleme, weil wir mit dem Tod eh unsere jetzige Welt zurück lassen müssen und wir freuen uns auch drauf. Jesus Christus hat ja gegen Ende seines irdischen Lebens schon angekündigt, dass er vorausgeht, um uns eine Wohnung zu bereiten (Johannes 14, 2). Es wird also gut werden, keine Frage.

Doch haben wir diesen Blick für die Ewigkeit, oder nimmt das Diesseits allen Raum in unserem Denken ein? Klar, für die Zeit nach unserem Tod ist die Ewigkeit super, aber bis dahin habe ich so viel um die Ohren.

Die meisten von uns haben doch Angst oder zumindest ein Gefühl der Unsicherheit, wenn es um unsere irdische Zukunft hier geht:

Kriegsgefahr, wirtschaftliche Rezession, Klimawandel, Artensterben, Einwanderungsgesellschaft, KI, und manches mehr.

Ich glaube, ich fürchte mich vor allem so ein bisschen.

Veränderungen sind aber immer da. Schon der alte griechische Philosoph „Heraklit“ soll gesagt haben:

Veränderung ist die einzige Konstante im Universum.

Und Veränderungen sind nicht immer gut. Rezession kann Armut erzeugen, politische Veränderungen können unsere Glaubensfreiheit begrenzen, usw.

Wenn Gott etwas oder alles neu macht, dann ist das gut. Und er meint es gut mit uns.

Wenn Veränderungen hier auf Erden uns Angst machen, begründet oder nicht, dann können wir doch vertrauen, dass Gott mit uns unterwegs ist, ob im tiefen, dunklen Tal oder auf der lichten Höhe, und er wird die Veränderungen sicherlich auch benutzen, um uns in unserm Neuwerdungsprozess voranzubringen.

Und wenn er dann alles neu macht, dann wird alles wirklich gut, dann sind wir am Ziel, auf ewig bei ihm. Und die vergangenen schwierigen Zeiten spielen keine Rolle mehr.

Und jetzt kommt der schwierige Schluss (Offenbarung 21, 7.8; NEÜ):

7 Wer den Kampf besteht, wird das alles erben. Ich werde sein Gott und er wird mein Sohn sein. 8 Aber die Feiglinge, die Treulosen und die, die sich mit abscheulichen Dingen abgeben, die sexuell unmoralisch leben, und alle, die okkulte Praktiken ausüben, die Mörder, die Götzendiener und alle Lügner – sie erwartet der See, der mit brennendem Schwefel gefüllt ist, das heißt: der zweite Tod.“

„Kampf bestehen“, dass hört sich so nach Leistung an, aber ich glaube, so ist das nicht gemeint.

Ich möchte diese Verse mit dem Psalm 51 in Verbindung bringen, aus dem ich vorhin vorgelesen habe (Psalm 51, 3-5, 12-14: NGÜ):

3 Sei mir gnädig, o Gott – du bist doch reich an Gnade! In deiner großen Barmherzigkeit lösche meine Vergehen aus! 4 Wasche meine Schuld ganz von mir ab, und reinige mich von meiner Sünde 5 Denn ich erkenne meine Vergehen, und meine Sünde ist mir ständig vor Augen.

12 Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. 13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. 14 Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Meiner Ansicht nach besteht der Kampf darin, seine Schuld zu erkennen und zu Jesus zu bringen. Hier geht es nicht um Anstrengungen oder irgendwelche Bußübungen, sondern allein die Bitte um Gnade ist der Kampf.

Und diese Aufzählung am Schluss ist ja kein Bosheitskatalog, an dem man nur vorbei lavieren muss. Und diese Leute sind auch keine besonders bösen Menschen, nein, es sind Menschen wie Du und ich mit einer unterschiedlichen Stärke ihrer Verfehlungen, aber diese Menschen haben das reine Herz und den neuen Geist abgelehnt.

Und nur mit einem reinen Herzen - das wissen wir aus der Bergpredigt (Matthäus 5, 8) - kann man Gott schauen.

Aber, das muss uns auch klar sein: Nur Gott kann ins Herz gucken und deshalb kann nur er urteilen.

Zusammenfassung

Ich komme zu Schluss: