Warnungen ?

Gottesdienst, , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

Wir haben ja letzte Woche über das Thema „Annahme“ und den Umgang mit Sündern nachgedacht und dabei auch den Sinn und Zweck von Geboten betrachtet.

Ich möchte an das Thema so ein bisschen anschließen und mit Euch heute über Verbote nachdenken und über Warnungen davor, solche Verbote zu übertreten.

Warum auch nicht? Manche werfen uns Christen ja vor, dass Verbote in unserem Glauben unheimlich wichtig wären und dann können wir ja auch einmal darüber sprechen.

Und der Text dazu darf ruhig einmal ein bisschen schwierig und herausfordernd sein (1. Korinther 10, 1-13; NGÜ):

1 Ihr dürft nämlich nicht vergessen, Geschwister, wie es unseren Vorfahren ´zur Zeit des Mose` erging. Über ihnen allen war die Wolkensäule, und alle durchquerten sie das Meer, 2 sodass sie alle gewissermaßen eine Taufe auf Mose erlebten – eine Taufe durch die Wolke und durch das Meer. 3 Sie aßen alle dieselbe Nahrung – das Brot vom Himmel, das Gott ihnen gab – , 4 und tranken alle denselben Trank – einen Trank, den Gott ihnen gab, das Wasser aus dem Felsen (wobei der wahre Fels, der sie begleitete und von dessen Wasser sie tranken, Christus war). 5 Und trotzdem hatte Gott an den meisten von ihnen keine Freude, sodass er sie in der Wüste umkommen ließ. 6 Was damals mit unseren Vorfahren geschah, ist eine Warnung an uns: Unser Verlangen darf nicht auf das Böse gerichtet sein, wie es bei ihnen der Fall war. 7 Werdet keine Götzendiener, wie manche von ihnen es waren. Es heißt ja in der Schrift: »Das Volk feierte ein Fest zu Ehren des goldenen Stieres; man setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken, und dann wurde wild und zügellos getanzt.« 8 Auch auf Hurerei dürfen wir uns nicht einlassen, wie manche von ihnen es taten. ´Ihre Unmoral wurde damit bestraft,` dass an einem einzigen Tag dreiundzwanzigtausend von ihnen umkamen. 9 Wir müssen uns davor hüten, Christus herauszufordern, wie manche von ihnen es taten, worauf sie von Schlangen gebissen wurden und starben. 10 Hütet euch auch davor, euch gegen Gott aufzulehnen und ihm Vorwürfe zu machen, denn manche von ihnen wurden deshalb von dem Engel des Gerichts getötet. 11 Aus dem, was mit unseren Vorfahren geschah, sollen wir eine Lehre ziehen. Die Schrift berichtet davon, um uns zu warnen – uns, die wir am Ende der Zeit leben. 12 Wer also meint, er stehe fest und sicher, der gebe Acht, dass er nicht zu Fall kommt. 13 Die Prüfungen, denen ihr bisher ausgesetzt wart, sind nicht über ein für uns Menschen erträgliches Maß hinausgegangen. Und Gott ist treu; er wird euch ´auch in Zukunft` in keine Prüfung geraten lassen, die eure Kraft übersteigt. Wenn er euren Glauben auf die Probe stellt, wird er euch auch einen Weg zeigen, auf dem ihr die Probe bestehen könnt.

So ein bisschen scheint ja dieser Text diverse Vorurteile gegenüber der Bibel zu bestätigen. Gott haut alle gnadenlos weg, die sich nicht an die Gebote halten.

Diese Sichtweise ist natürlich dummes Zeugs und wir wollen uns diesen Text einmal genauer ansehen, um etwas daraus zu lernen. Denn deswegen sind wir ja hier.

Startbedingungen

In diesem Abschnitt wird das Volk Israel als Beispiel für uns Christen genommen. Und genauso wie das Volk haben wir alle die selben Startbedingungen.

Hier ist die Rede von einer Wolkensäule über ihnen und dem Durchqueren des Meeres, was ja beim Auszug aus Äqypten passiert ist.

Es fängt an, als die Ägypter die Israeliten ziehen ließen (2. Mose 13, 20-22; NL):

20 Sie brachen von Sukkot auf und lagerten bei Etam am Rande der Wüste. 21 Der Herr selbst zog vor ihnen her: am Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, und nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie bei Tag und bei Nacht wandern. 22 Am Tag wurden die Israeliten von der Wolkensäule geführt und in der Nacht von der Feuersäule.

Und dann wird es ernst, weil die Ägypter auf einmal ihre Meinung ändern. Gott spricht hier zu Mose (2. Mose 14, 16-29; NL):

16 Halte deinen Hirtenstab hoch, strecke ihn über das Meer aus und teile es. Dann sollen die Israeliten trockenen Fußes hindurchgehen. 17 Ich will aber die Herzen der Ägypter hart machen, sodass sie euch folgen werden. Dann werde ich meine Größe und Macht am Pharao und seinem Heer, seinen Streitwagen und Reitern zeigen. 18 Und die Ägypter werden dadurch erkennen, dass ich der Herr bin!« 19 Dann begaben sich der Engel Gottes und die Wolkensäule, die dem israelitischen Heerlager vorangezogen waren, ans Ende des Zuges. 20 So stand die Wolkensäule zwischen dem Heer der Israeliten und dem Heer der Ägypter. Während sie die Ägypter in Dunkelheit hüllte, erhellte sie jedoch auf der Seite der Israeliten die Nacht. Deshalb konnte das ägyptische Heer die Israeliten nicht angreifen. 21 Dann streckte Mose seine Hand über das Meer aus. Da ließ der Herr das Wasser durch einen starken Ostwind zurückgehen. Der Wind blies die ganze Nacht, teilte das Meer und verwandelte den Meeresboden in trockenes Land. 22 So konnten die Israeliten trockenen Fußes mitten durch das Meer ziehen; links und rechts von ihnen stand das Wasser wie eine Mauer. 23 Alle Pferde, Streitwagen und Reiter des Pharaos jagten ihnen mitten ins Meer hinein nach. 24 Kurz vor Sonnenaufgang blickte der Herr aus der Feuer- und Wolkensäule auf das Heer der Ägypter und brachte die Krieger durcheinander. 25 Er ließ die Räder ihrer Streitwagen abspringen, sodass sie kaum noch vorwärts kamen. »Lasst uns fliehen!«, riefen die Ägypter. »Der Herr steht auf der Seite der Israeliten und kämpft gegen uns!« 26 Da sprach der Herr zu Mose: »Strecke deine Hand noch einmal über das Meer aus, damit das Wasser zurückfließt und die ägyptischen Streitwagen und Reiter überflutet.« 27 Als der Morgen graute, streckte Mose seine Hand über das Meer aus. Da floss das Wasser wieder zurück, den fliehenden Ägyptern entgegen. So trieb der Herr die Ägypter ins Meer. 28 Das Wasser überflutete alle Streitwagen und Reiter des Pharaos, die den Israeliten ins Meer nachgejagt waren. Nicht ein einziger Ägypter überlebte. 29 Die Israeliten jedoch waren trockenen Fußes mitten durchs Meer gezogen, während das Wasser sich wie eine Wand rechts und links von ihnen erhob.

Das ist natürlich jetzt ziemlich hart gegenüber den Ägyptern gewesen, aber aus Sicht der Israeliten war das die Befreiung. Die Sklavenhalter und Unterdrücker sind im Meer zurückgegeblieben und das neue Leben, die neue Freiheit, hat begonnen. Das ist schon ein guter Vergleich damit, was passiert, wenn ein Mensch mit Jesus beginnt.

Der Begriff „auf Mose getauft“ finde ich in dem Zusammenhang sehr interessant. Beim Auszug und der Befreiung waren die Israeliten natürlich sehr auf Mose fixiert. Er war der Prophet, das Sprachrohr Gottes. Sie mussten sich auf ihn einlassen und ihm folgen. Vielleicht ist das ein bisschen vergleichbar mit der Taufe des Johannes. Die Einwohner von Jerusalem haben sich von Johannes taufen lassen und hatten noch keinen Blick für Jesus Christus. Sie haben nur verstanden, dass sie umkehren, sich ändern mussten und wussten aber noch nicht so richtig wohin.

Und die Israeliten wurden von Gott versorgt, sie bekamen das Manna vom Himmel und sie bekamen das Wasser aus dem Felsen, den Paulus mit Jesus vergleicht. Das ist in 2. Mose 17, 1-7; NL beschrieben, nach dem die Israeliten schon eine Zeitlang in der Wüste unterwegs waren:

1 Auf den Befehl des Herrn hin verließen die Israeliten die Wüste Sin und zogen von Lagerplatz zu Lagerplatz. Schließlich schlugen sie ihr Lager in Refidim auf. Doch dort gab es kein Trinkwasser. 2 Da machten die Israeliten Mose Vorwürfe und forderten: »Gib uns Wasser zum Trinken!« »Warum macht ihr mir Vorwürfe?«, entgegnete Mose. »Und warum fordert ihr den Herrn heraus?« 3 Die Israeliten aber waren sehr durstig und sie beklagten sich bei Mose: »Warum hast du uns bloß aus Ägypten geführt? Etwa damit wir, unsere Kinder und unser Vieh verdursten?« 4 Da schrie Mose zum Herrn: »Was soll ich nur mit diesem Volk tun? Es fehlt nicht viel und sie steinigen mich!« 5 Der Herr entgegnete Mose: »Geh mit einigen führenden Männern der Israeliten vor dem Volk her. Nimm deinen Stab, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, mit. 6 Ich werde auf einem Felsen am Horeb vor dich treten. Schlag auf den Felsen. Dann wird Wasser herausströmen und das Volk wird trinken können.« Und Mose tat es vor den Augen der führenden Männer Israels. 7 Mose nannte den Ort Massa und Meriba, wegen der Vorwürfe der Israeliten. Sie hatten den Herrn herausgefordert, indem sie fragten: »Ist der Herr bei uns oder nicht?«

Der Vergleich mit Jesus ist, denke ich, so gemeint, dass Jesus immer da ist und dass man nur durch ihn wahres Leben hat, auch wenn wir uns sehr trocken, sehr durstig fühlen. Wir sind ja nicht nur Vereinsmitglieder, die durch einen Initiationsritus wie die Taufe Mitglieder geworden sind, sondern wir haben ja Jesus Christus erlebt, so ein kleines Stück verstanden, was es heißt, das Wasser des Lebens zu schmecken.

Und das sind die selben Startbedingungen, die wir Christen alle haben, die, die wir mit Jesus begonnen haben.

Umkommen

Kommen wir zurück zum Anfangstext aus 1. Korinther 10 zurück und in Vers 5 kommt dann die Aussage mit dem Umkommen (V.5; NGÜ):

Und trotzdem hatte Gott an den meisten von ihnen keine Freude, sodass er sie in der Wüste umkommen ließ.

Das hört sich ganz schön hart an. Ich denke nicht, dass das für heute wörtlich gilt, denn dann hätten wir viel mehr Tote im Land.

Aber man muss natürlich beachten, dass Paulus hier die Israeliten mit uns Christen heute vergleicht. Wir sind die in der Wüste und ohne das Wasser des Lebens kommen wir um. Wir leben zwar physisch weiter, aber ohne Jesus ist das kein wahres Leben mehr. Wir haben ja auch selbst erlebt, dass Menschen, die mit uns längere Zeit unterwegs waren, in dem Sinne umgekommen sind, dass sie jetzt nicht mehr mit Jesus unterwegs sind. Es fehlen einfach viele hier unter uns, die auch nirgendwo anders ihren Weg mit Jesus fortgesetzt haben.

Gott zwingt niemanden, ihm zu folgen, von daher lässt er Leute in Bezug auf Teilnahme am wahren Leben auch umkommen, wenn sie sich von ihm abwenden.

In den folgenden Versen zählt Paulus einige Punkte dazu auf und er fasst sie am Anfang mit folgendem Satz zusammen (V.6; NGÜ):

Was damals mit unseren Vorfahren geschah, ist eine Warnung an uns: Unser Verlangen darf nicht auf das Böse gerichtet sein, wie es bei ihnen der Fall war.

Hier geht es natürlich schon um eine grundsätzliche Ausrichtung. Suchen wir die Nähe Jesu, die Ausrichtung auf ihn?

Aber schauen wir uns die einzelnen Punkte einmal an:

Götzendienst

V.7; NGÜ

7 Werdet keine Götzendiener, wie manche von ihnen es waren. Es heißt ja in der Schrift: »Das Volk feierte ein Fest zu Ehren des goldenen Stieres; man setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken, und dann wurde wild und zügellos getanzt.«

Der goldene Stier, oder in anderen Übersetzungen heißt es etwas bekannter: „Das goldene Kalb“. Das hat es sogar als Redewendung in unseren normalen Sprachgebrauch geschafft.

Wieso haben die Israeliten das überhaupt gemacht?

Mose hat damals viel Zeit auf einem Berg bei Gott verbracht und war oft wochenlang nicht zu sehen. Mose war damals ja aber das Sprachrohr Gottes, die Verbindung zu Gott (2. Mose 32, 1-6; NL):

1 Als Mose lange Zeit nicht vom Berg herunterkam, gingen die Leute gemeinsam zu Aaron. »Auf! Mach uns einen Gott, der uns führt!«, forderten sie ihn auf. »Wir wissen nicht, was diesem Mose zugestoßen ist, der uns aus Ägypten hierher gebracht hat.« 2 Da entgegnete Aaron: »Nehmt euren Frauen, Söhnen und Töchtern ihre goldenen Ohrringe ab und bringt sie zu mir.« 3 Alle Israeliten kamen Aarons Aufforderung nach und brachten ihre goldenen Ohrringe zu ihm. 4 Aaron nahm das Gold von ihnen, schmolz es ein und verwendete es dazu, um ein Götzenbild in Form eines Kalbes anzufertigen. Da riefen die Leute: »Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägypten geführt hat!« 5 Als Aaron das sah, errichtete er einen Altar vor dem Kalb und verkündete: »Morgen feiern wir hier ein Fest für den Herrn!« 6 Am nächsten Morgen standen die Israeliten früh auf, um Brandopfer und Friedensopfer darzubringen. Danach setzten sie sich, um zu essen und zu trinken, und feierten ein rauschendes, ausschweifendes Fest.

Ein unsichtbarer Gott ist doch nicht das richtige, mal will doch was sehen. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Berg. Und daher schuf sich der Mensch seinen Gott nach seinem Bilde. So ein Standbildgott kann man besser kontrollieren. Man nimmt das Standbild mit und dann ist Gott immer dabei.

Uns ist heute irgendwie klar, dass ein Standbild kein Gott sein kann, keine Funktion hat und auch nicht erretten kann.

Wir haben heute andere Götzen, von denen wir Hilfe, Glück und Rettung erwarten. Es kann das Geld sein, vor Habgier wird in der Bibel ja auch gewarnt, es kann das Hobby sein, es kann ein anderer Mensch sein und das macht es so schwierig. Auf meiner Arbeit kommt es hin und wieder vor, dass man Begriffe ziemlich genau definieren muss, damit alle von dem selben reden, wenn man über diesen Begriff spricht.

Das ist bei Götzendienst aber nicht möglich.

Nehmen wir als Beispiel ein Hobby wie Fussball: Für den einen ist es Religion und für den anderen ein Hobby, wo er sich an der Stimmung und am Spiel freut. Und beide stehen nebeneinander in der Fankurve.

Oder beim Geld: Für den Einen können Extraschichten, die er kloppt, ein Ausdruck der Liebe für seine Familie sein, damit halt einmal ein schönerer Urlaub drinnen ist, und für den anderen kann es Götzendienst sein, weil er sich durch das Mehr an Geld auch ein Mehr an Glück erkaufen will.

Beim Geld drängt sich der Vergleich mit dem goldenen Kalb schon ein bisschen auf. Wenn man es hat, dann kann man es kontrollieren und man kann es nutzen, wie man will. Man hat alle Möglichkeiten und wenn einem etwas fehlt, dann kauft man es sich. Wenn das Leben öde ist, dann bucht man halt teure, exquisite Events, um damit die Leere zu füllen. Das ist jetzt vielleicht ein blödes Beispiel, denn nicht jedes Event, an dem man teilnimmt, muss für einen persönlich Götzendienst sein, aber ihr versteht, was ich meine

Genauso wie die Israeliten durch das Meer in die Freiheit entkommen sind, genauso ist bei uns jetzt die Freiheit und auch die Verantwortung, selber zu hinterfragen und zu erkennen, was Götzendienst in unserem Leben ist und was nicht.

Wenn man jetzt das Vorurteil, dass Gott nur verbietet usw aufgreift, dann merkt man schon hier beim Götzendienst, dass das nicht stimmt. Das Verbot ist sogar ein Ausdruck der Freiheit und Verantwortung, weil man selber sich hinterfragen und sich selber beurteilen muss. Das kann einem keiner abnehmen. Werfen wir also einen Blick mit Jesus auf unser Leben.

Hurerei / Unzucht

Kommen wir zur nächsten Warnung (V.8; NGÜ):

Auch auf Hurerei dürfen wir uns nicht einlassen, wie manche von ihnen es taten. ´Ihre Unmoral wurde damit bestraft,` dass an einem einzigen Tag dreiundzwanzigtausend von ihnen umkamen.

„Hurerei“ oder wie auch anders oft übersetzt wird „Unzucht“, was ist das?

Vor einigen Jahrzehnten war zumindest in freikirchlichen Gemeinden ganz klar, dass damit Sex vor der Ehe gemeint ist.

Bei diesem Wortepaar wäre eine genaue Definition schon einmal interessant, was das ist und was nicht. Bei Götzendienst ist es klar, dass das schwierig ist: Wie sieht es aber bei Hurerei/Unzucht aus?

Im alten Testament ist es tatsächlich so, dass Sex ohne Ehe mit Hurerei gleichgesetzt wird. Z.B. in 5. Mose 22, 13-29 wird das Szenario beschrieben, wie das ist, wenn ein Mann eine Frau heiratet und er feststellt, dass diese keine Jungfrau mehr ist. In diesem Fall soll die Frau tatsächlich hingerichtet werden. Andererseits, wenn der Mann gelogen hat, dann soll dieser Mann verprügelt werden, muss die Frau dann heiraten und darf sich nie von ihr trennen. In diesem Abschnitt werden auch noch Szenarien beschrieben, was passiert, wenn ein unverheiratetes Paar in Flagranti erwischt wird. Dann sollen beide gesteinigt werden. Passiert das aber außerhalb der Stadt, dann soll nur der Mann gesteinigt werden, denn die Frau hätte ja schreien können und es hätte sie ja sowieso niemand gehört.

Diese Regeln aus dem alten Testament sind natürlich ein Bild für uns, aber sie sind kein direktes, wörtliches Gebot für uns. Keiner von uns ist für die Steinigung, denke ich.

Ich habe bei diesem Thema auch ein gewisses Schlüsselerlebnis gehabt. Vor einer Jugendfreizeit, wo ich als Mitarbeiter mit dabei war, hatte ich vorher mit einer anderen Mitarbeiterin über Inhalte auf dieser Freizeit gesprochen und diese Mitarbeiterin wies energisch daraufhin, dass wir auch das Thema „Sexualität“ behandeln sollten und wir unbedingt daraufhin weisen müssten, dass Sex vor der Ehe nicht richtig ist. Ich habe gesagt, dass ich das auch so sehe, dass ich das aber nicht so leicht fände und wir das sehr sorgfältig erklären müssten.

Und ein paar Wochen später hat sie sich von Ihrem Mann getrennt und ist mit irgend einem andern zusammengezogen.

Ich bin daher etwas defensiver in diesem Thema geworden, aber wir dürfen uns trotzdem nicht drumherum drücken.

Ich denke, wir lesen einfach einmal den Text, auf den sich Paulus hier bezieht. Interessanterweise ist hier von 24.000 Toten die Rede, aber es sind insgesamt 24.000 und Paulus spricht von 23.000 an einem Tag, da passt es wieder (4. Mose 25, 1-11; NL):

1 Als die Israeliten in Schittim lagerten, begannen sie mit den moabitischen Frauen Hurerei zu treiben. 2 Die Frauen hatten sie zu den Opferfesten für ihre Götter eingeladen, und schon bald nahmen die Israeliten an ihren Opfermahlen teil und beteten die Götter Moabs an. 3 Als ganz Israel den Baal-Peor verehrte, wurde der Herr sehr zornig über sein Volk 4 und er befahl Mose: »Lass alle Rädelsführer holen und am helllichten Tag hinrichten, damit mein glühender Zorn nicht das ganze Volk der Israeliten trifft.« 5 Da befahl Mose den Richtern Israels: »Jeder von euch soll diejenigen von euren Leuten hinrichten, die den Baal-Peor angebetet haben.« 6 Ausgerechnet in diesem Moment kam einer der israelitischen Männer und brachte vor den Augen von Mose und den versammelten Israeliten, die am Eingang des Zeltes Gottes trauerten, eine Midianiterin ins Lager. 7 Als Pinhas, der Sohn Eleasars und Enkel des Priesters Aaron das sah, verließ er die Versammlung, packte einen Speer 8 und eilte dem Mann in dessen Zelt nach. Dort durchbohrte er den Körper des Mannes und der Frau mit einem Stoß. Auf diese Weise wurde der Plage, die bereits unter den Israeliten wütete, Einhalt geboten. 9 Es waren aber schon 24.000 Menschen durch die Plage gestorben. 10 Der Herr sprach zu Mose: 11 »Pinhas, der Sohn Eleasars und Enkel des Priesters Aaron ist kompromisslos für mich eingetreten und hat dadurch meine Eifersucht von den Israeliten abgewendet. Sonst hätte ich ganz Israel in meinem Zorn vernichtet.

Offensichtlich haben die Moabiter ihre Frauen als Waffe eingesetzt. Da damals oft Krieg war, gab es wahrscheinlich sowieso einen Frauenüberschuss in jedem Volk und die Moabiter waren ganz perfide und haben Frauen zu den Israeliten geschickt, um diese für sich und ihre Religion einzunehmen.

Hier passt der Begriff „Hurerei“ irgendwie. Der Körper der moabitischen Frau wurde als Mittel zum Zweck eingesetzt, um Ziele zu erreichen, diesmal nicht finanziell sondern politisch religiös.

Das Problem war hier weniger die Hurerei an sich, sondern der daraus entstandene Götzendienst. Aber irgendwie hing das auch zusammen. Die israelitischen Männer taten für Sex mit den moabitischen Frauen alles, sie ließen sich sogar auf die feindliche Religion ein.

Wie könnte man versuchen, Unzucht bzw Hurerei etwas allgemeiner zu definieren? Ich glaube, man kann das auf zwei Grenzen/Überschriften reduzieren:

Wie sieht das bei Beziehungen aus, die nicht rechtlich verbindlich weil unverheiratetet sind? Ich glaube, dass wechselnde Beziehungen, also wie man das mit dem schrecklichen Modewort „serielle Monogamie“ ausdrückt, generell nicht so der Kracher sind, weil man dadurch verlernen kann, durch gute wie auch schlechte Zeiten zu gehen, ganz unabhängig von der sexuellen Komponente.

Das führt jetzt eher vom Thema weg.

Meine Meinung dazu ist, dass die Sexualität so eine mächtige Kraft ist, dass sie deshalb in die Ehe gehört.

Christus herausfordern / Christus versuchen

Kommen wir zum nächsten:

9 Wir müssen uns davor hüten, Christus herauszufordern, wie manche von ihnen es taten, worauf sie von Schlangen gebissen wurden und starben.

Eine etwas altmodischere Übersetzung beschreibt es als „Christus versuchen“.

Die Geschichte mit den Schlangen ist relativ bekannt. Israel war immer noch in der Wüste unterwegs und es gab immer noch Manna vom Himmel und, immer wenn es nötig war, Wasser, aber nicht immer sofort (4. Mose 21, 4-9; NL):

4 Vom Berg Hor aus zogen die Israeliten weiter und schlugen den Weg zum Roten Meer ein, um Edom zu umgehen. Doch unterwegs wurden die Israeliten ungeduldig 5 und klagten Gott und Mose an: »Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt? Etwa, damit wir hier in der Wüste sterben? Hier gibt es weder Brot noch Wasser und dieses Manna können wir nicht mehr sehen!« 6 Da schickte der Herr Giftschlangen. Viele der Israeliten wurden gebissen und starben. 7 Daraufhin liefen die Leute zu Mose und riefen: »Wir haben Schuld auf uns geladen, als wir dem Herrn und dir Vorwürfe machten. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit!« Und Mose betete für das Volk. 8 Da sprach der Herr zu ihm: »Fertige eine Schlange an und befestige sie oben an einer Stange. Jeder, der sie anschaut, nachdem er gebissen wurde, wird am Leben bleiben.« 9 Mose fertigte eine Schlange aus Bronze an und befestigte sie an der Spitze einer Stange. Jeder, der von einer Schlange gebissen wurde und dann die bronzene Schlange anschaute, blieb am Leben.

Das Problem der Israeliten kann man mit der Aussage zusammenfassen: „Gott meint es schlecht mit uns, Gott will uns verrecken lassen.“

Ich vermute, dass diese Gedanken wie ein Gift wirken und deshalb Gott exemplarisch Giftschlagen geschickt hat, um die Giftigkeit und Tödlichkeit dieser Gedanken deutlich zum machen. Es gab aber einen Ausweg. Wer die bronzene Schlange anschaute, bei dem wirkte das Gift nicht. Diese Schlange wurde ja auch im Johannes-Evangelium, in Kap. 3, 14 als Vorbild für Jesus genannt.

Wenn Du glaubst, dass Gott kein Interesse an Dir hat, ja, dass er es böse mit Dir meint, dann kann dieser giftige Gedanke Dein geistliches Leben töten. Da hilft nur der Blick und die Hinwendung zu Jesus Christus.

Gegen Gott auflehnen / Murren

Hütet euch auch davor, euch gegen Gott aufzulehnen und ihm Vorwürfe zu machen, denn manche von ihnen wurden deshalb von dem Engel des Gerichts getötet.

Interessant ist, dass in den meisten Übersetzungen das Wort „Murren“ steht, also statt „auflehnen und Vorwürfe machen“. Was heißt denn „murren“? So ein bisschen herummosern, jammern?

Es ist schon etwas mehr. Warscheinlich spricht Paulus hier den Aufstand eines Mannes mit dem Namen Korach an (4. Mose 16, 1-4; NL):

1-2 Korach, der Sohn Jizhars aus der Sippe Kehat vom Stamm Levi, zettelte mit Datan und Abiram, den Söhnen Eliabs, und On, dem Sohn Pelets vom Stamm Ruben, einen Aufstand gegen Mose an. Sie wurden unterstützt von 250 Israeliten, die alle angesehene, führende Männer der Versammlung waren. 3 Sie schlossen sich gegen Mose und Aaron zusammen und sagten zu ihnen: »Ihr seid zu weit gegangen! Jeder Israelit ist heilig und der Herr ist mitten unter uns. Warum stellt ihr euch über das Volk des Herrn?« 4 Als Mose das hörte, warf er sich zu Boden. 5 Dann sagte er zu Korach und seinen Anhängern: »Morgen früh wird der Herr zeigen, wer zu ihm gehört und wer heilig ist. Nur wen der Herr erwählt, darf sich ihm nähern.

Sie zweifeln die Autorität von Gottes Sprachrohr, von Mose, an. Ich denke, dass ist heute vergleichbar, als wenn man Jesus als Gottessohn und Erlöser anzweifelt. Alle Religionen sind doch gleich, was soll an Jesus so besonders sein. Wer das macht, der kickt sich auch aus dem wahren Leben heraus, denn nur in Jesus Christus ist das wahre Leben (Johannes 14, 6).

Trost und Hilfe

Wir haben jetzt die Warnungen gehört und ich hoffe, dass es rübergekommen ist, dass es Sinn macht, sich an die Warnungen zu halten. Es handelt sich hier aber nicht um ein einengendes Korsett von Geboten und Verboten, sondern es sind Rahmenbedingungen zum Leben, die wir persönlich für uns erkennen müssen, über die wir nachdenken müssen.

Ich lese noch die letzten Verse.

11 Aus dem, was mit unseren Vorfahren geschah, sollen wir eine Lehre ziehen. Die Schrift berichtet davon, um uns zu warnen – uns, die wir am Ende der Zeit leben. 12 Wer also meint, er stehe fest und sicher, der gebe Acht, dass er nicht zu Fall kommt. 13 Die Prüfungen, denen ihr bisher ausgesetzt wart, sind nicht über ein für uns Menschen erträgliches Maß hinausgegangen. Und Gott ist treu; er wird euch ´auch in Zukunft` in keine Prüfung geraten lassen, die eure Kraft übersteigt. Wenn er euren Glauben auf die Probe stellt, wird er euch auch einen Weg zeigen, auf dem ihr die Probe bestehen könnt.

Und das ist der eigentliche Trost. Gott ist treu, er passt auf uns auf.

Zusammenfassung

Ich fasse noch einmal zusammen: