König oder nicht

Ein bisschen wie 'Game of Thrones' in der Bibel... (1. Könige 12)

Gottesdienst , , , Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Leichlingen

Einleitung

Ich möchte mit Euch heute einen Text betrachten, der mich so ein bisschen an „Game of Thrones“ erinnert hat, diese Serie, die stark angefangen und so schwach geendet hat, dass es sogar Petitionen gab, die letzte Staffel noch einmal zu drehen. Andere Petitionen würde ich wichtiger finden, aber ich fand die letzte Staffel auch doof ;-)

Also im Bibeltext gibt es keine Drachen und keine weißen Wanderer, aber es geht darum, wer den Thron bekommt, und: Es ist eine wahre Geschichte.

Hauptperson ist ein Sohn Salomos mit Namen Rehabeam.

Von Salomo haben sicherlich die meisten schon gehört, seine Weisheit ist ja schon sprichwörtlich geworden, wenn man von einem salomonischen Urteil spricht. Sein Sohn Rehabeam ist allgemein wohl eher unbekannt.

Salomo war gerade gestorben und sein Sohn Rehabeam wollte den Thron übernehmen wie das oft so üblich ist. Manchmal machen ja bei solchen Gelegenheiten die Geschwister Zirkus, weil sie auch den Thron haben wollten, aber diesmal war klar, das Rehabeam der Nachfolger ist.

Ein paar Worte noch zur Vorgeschichte: Sein Vater Salomo hatte lange Zeit ein ruhiges Leben und es war Frieden in Israel und Umgebung. Dann wandte sich Salomo auch anderen Religionen zu. Er heiratete viele Frauen aus anderen Kulturkreisen und Religionen, die Mehrehe war damals noch leider üblich, und baute ihnen diverse Tempel und Kultstätten und betete auch mit ihnen dort.

Nach einer intensiven Gottesbegegnung und einem konsequenten Leben in seiner Jugend wurde er also im Alter beliebig.

Dann hat Gott durch einen Propheten mit Namen Ahija einem jungen Mann namens Jerobeam den Nordteil von Israel als eigenes Königreich versprochen, um es Salomos Nachkommen wegzunehmen.

Das wurde irgendwie bekannt und Salomo wollte Jerobeam töten lassen, aber der ist rechtzeitig abgehauen.

Die Vorgeschichte endet mit folgenden Versen (1. Könige 11,42-43; NL):

42 Salomo herrschte 40 Jahre von Jerusalem aus über ganz Israel. 43 Als er starb, wurde er in der Stadt seines Vaters David (Jerusalem) begraben. Danach wurde sein Sohn Rehabeam König.

Bestätigung als König

Das schien ja alles ganz einfach zu sein. Sein Sohn Rehabeam wurde König. Aber ganz soweit war es doch noch nicht (1. Könige 12,1-5; NL):

1 Rehabeam machte sich auf den Weg nach Sichem, denn ganz Israel hatte sich dort versammelt, um ihn zum König zu krönen. 2 Als Jerobeam, der Sohn Nebats, die Nachricht vom Tod Salomos erhielt, kehrte er aus Ägypten zurück, wohin er vor König Salomo geflohen war. 3 Die führenden Männer Israels ließen ihn holen; und Jerobeam trat mit der ganzen Gemeinde Israels vor Rehabeam. Sie sagten: 4 »Dein Vater war ein sehr strenger Herrscher. Von dir hoffen wir, dass du unseren Dienst erleichterst und das schwere Joch, das dein Vater uns auferlegt hat. Dann werden wir dir treu dienen.« 5 Rehabeam antwortete: »Geht für drei Tage fort. Dann kommt wieder her zu mir.« Damit zog das Volk ab.

Wie jetzt? Es werden Bedingungen gestellt? Was soll denn das jetzt? Er ist doch der rechtmäßige König, oder?

Und Jerobeam spielt jetzt auf einmal auch wieder mit. Die führenden Männer Israels haben ihn geholt. Alternativen sind nie schlecht, oder? Und man kann vielleicht etwas für sich herausschlagen.

Geistliche Fragen, z.B. was will Gott, werden hier gar nicht gestellt. Man orientiert sich alleine am eigenen Nutzen.

Rehabeam reagiert hier erst einmal richtig. Er will Bedenkzeit haben und sich beraten. Das ist in schwierigen Situationen nicht verkehrt.

Der gute Rat

(1. Könige 12, 6.7; NL):

6 König Rehabeam besprach sich mit den erfahrenen Beratern, die schon seinem Vater Salomo zur Seite gestanden hatten, als er noch lebte. »Was ratet ihr mir?«, fragte er. »Was soll ich dem Volk antworten?« 7 Sie meinten: »Wenn du dich dem Volk gegenüber heute freundlich zeigst, ihnen dienst und ihnen gibst, worum sie dich bitten, werden sie dir treue Untertanen sein.«

Das ist sicherlich ein guter Rat. Die Situation ist ja ziemlich angespannt.

Nun könnte man sagen, aber ich bin der König. Das ist mein Recht, was erdreisten die sich. Die sollen meine Autorität akzeptieren!

Sicherlich ist der Rat hier auch Taktik. Sie reden von „heute“. Sei heute freundlich und komme ihnen entgegen, dann werden sie dir treue Untertanen sein.

Wir sehen hier tatsächlich auch einen Hinweis auf Jesus, der von sich selbst sagt (Markus 10, 45; NEÜ):

Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben."

Aber Jesus ist auch als König gekommen, wie es auch im Gespräch mit Pilatus deutlich wird (Matthäus 27, 11; NL):

Nun stand Jesus vor Pilatus, dem römischen Statthalter. »Bist du der König der Juden?«, fragte dieser ihn. Jesus antwortete: »Ja, es ist, wie du sagst.«

Also Jesus Christus ist ein dienender König, er meinte das ernst und er lebte und lebt das auch.

Kommen wir zurück zu Rehabeam. Er hätte hier die richtige Entscheidung treffen können, aber (1. Könige 12, 8-11; NL):

8 Doch Rehabeam verwarf den Rat der erfahrenen Berater und holte stattdessen die Meinung der jungen Männer ein, die mit ihm zusammen aufgewachsen waren und ihm jetzt dienten. 9 »Was ratet ihr mir?«, fragte er sie. »Was soll ich dem Volk antworten, das von mir verlangt hat: `Erleichtere uns das Joch, das dein Vater uns auferlegt hat.´« 10 Die jungen Männer, die mit ihm aufgewachsen waren, antworteten: »Du solltest den Leuten, die sich über die harten Lasten deines Vaters beklagt haben, antworten: `Mein kleiner Finger ist dicker als die Taille meines Vaters. 11 Mein Vater hat euch schwere Lasten auferlegt, doch ich werde noch viel mehr von euch verlangen. Mein Vater hat euch mit der Peitsche gestraft, ich werde eine Peitsche mit Stacheln verwenden!´«

Warum reden die so? Anscheinend sind diese Leute wohlsituiert aufgewachsen und haben nie mitbekommen, wie hart das Leben in einfachen Verhältnissen ist. Die haben offenbar nie die Perspektive von armen Leuten eingenommen, anders kann ich mir das nicht erklären.

Nur Druck hilft, was ist das für eine Logik?

Aber der Druck geht meistens auch nur nach unten, das ist auch noch heute so. Die Zeiten sind schlecht, wir müssen verzichten, usw, aber das trifft meistens die Ärmeren. Warum gibt es z.B. keine Übergewinnsteuer auf Extragewinne im Energiesektor? Das hat die Vorzeige-Kapitalistin Maggie Thatcher in den 80ern schon getan.

Also damals wie heute hielten manche Leute „Druck ausüben“ für eine gute Sache, meistens die, die den Druck ausüben. Die Berater von Rehabeam wurden, glaube ich, nicht mit der Peitsche bestraft.

Dazu kommt noch, dass junge Leute oft weniger Verständnis für die Probleme andere haben. Sie sind häufig absoluter und oft auch mehr schwarz-weiß-mäßig unterwegs.

Auch von Rehabeam lesen wir nicht, dass er nach Gottes Willen fragen. Er hätte wie sein Großvater David beten können, er hätte einen Propheten befragen könnne, aber Gott scheint in dieser Frage keine Rolle zu spielen. Ob sein Vater da ein schlechtes Vorbild war? Vielleicht hat diese Beliebigkeit der Religionen, die Salomo ihm in seinen letzten Jahren vorgelebt hat, ihn glauben lassen, dass es nicht so wichtig ist, Gott zu fragen. Aber das können wir nur vermuten.

Nun nimmt das Unheil seinen Lauf.

Ihr braucht Druck

(1. Könige 12, 12-15; NL)

12 Drei Tage später kehrte Jerobeam mit dem ganzen Volk zurück, um Rehabeams Entscheidung zu hören, wie es der König angekündigt hatte. 13 Doch Rehabeam fuhr sie hart an, denn er hatte sich der Empfehlung der älteren Berater verschlossen 14 und folgte stattdessen der seiner jüngeren Berater. Er sagte zum Volk: »Mein Vater hat euch schwere Lasten auferlegt, doch ich werde noch viel mehr von euch verlangen! Mein Vater hat euch mit der Peitsche gestraft, ich werde eine Peitsche mit Stacheln verwenden!« 15 Und so weigerte sich der König, der Bitte des Volkes nachzukommen. Auf diese Weise erfüllte sich die Botschaft des Herrn an Jerobeam, den Sohn Nebats, die ihm der Prophet Ahija aus Silo überbracht hatte.

Was hat Rehabeam wohl gedacht? Das Volk hat keine Wahl, ich bin im Recht, ich kann machen, was ich will. Ich bin der König!

Der Chef bestimmt. Man muss jetzt einmal auf den Tisch hauen und sagen, wie es gemacht wird. Wir müssen alle Opfer bringen. Die Zeiten sind hart.

In der Wirtschaft ist das, je nach Branche, heute häufig nicht mehr so. Leute, die wirklich gesucht werden, stellen Forderungen, wenn man die nicht erfüllt, dann sind die weg. Und man braucht diese Leute, denn ich manchen Branchen gibt es wirklich einen Fachkräftemangel.

Und auch im kirchlichen Bereich funktioniert der autoritäre Weg nicht mehr. Wir hatten früher im christlichen Bereich auch manchmal so ein autoritäres Weltbild, so in dem Sinne, dass einer sagen muss, wo es lang geht. Ich glaube, das funktioniert nicht, zumindest nicht mehr heute. Es geht nur gemeinsam und partnerschaftlich.

Man darf bei all dem auch nicht vergessen, dass das Königtum an sich, wie es hier beschrieben war, also einer bestimmt, eigentlich nicht Gottes Wille war. Das Volk hat gegen den Willen Gottes einen König verlangt, weil die anderen Völker auch Könige hatten.

Ein König ist eigentlich ein Diktator, der niemandem Rechenschaft ablegen muss. Solche Macht muss doch auf Dauer korrumpieren. In 1. Samuel 8 ist beschrieben, wie das Volk einen König will und wie übel das ist. Und in 1. Samuel 8, 7; NL sagt Gott zum Richter Samuel, der das Königtum einführen sollte:

Hör auf die Stimme des Volkes, auf alles, was sie sagen«, antwortete der Herr, »denn nicht dich weisen sie zurück, sondern mich. Sie wollen mich nicht länger als König.

Gott als König ist viel schwieriger für den einzelnen. Man muss selber in der Bibel lesen, um sie ins eigene Leben umzusetzen, selber beten, selber um Entscheidungen ringen und das auch gemeinsam mit anderen in der Gemeinde tun.

Da ist es natürlich viel leichter, wenn einer sagt, wo es lang geht, aber das ist von Gott ursprünglich nicht so gewollt.

Der Norden ist weg

Kommen wir zurück zu Rehabeam.

Was passiert nun? Wie reagiert Israel darauf

16 Als die Israeliten erkannten, dass der König ihre Bitte ablehnte, riefen sie: »Was haben wir mit David zu schaffen? Dieser Sohn Isais geht uns nichts an! Lass uns heimziehen, Israel! Sorge selbst für dein Haus, David!« Und sie kehrten nach Hause zurück. 17 Rehabeam herrschte allerdings weiterhin über die Israeliten, die in den Städten Judas lebten.

Der Norden ist weg.

Man könnte die Antwort der Israeliten mit dem Ausdruck „Leck mich“ zusammenfassen, aber das ist für einen Gottesdienst nicht statthaft ;-)

So richtig glaubte Rehabeam das anscheinend nicht, denn er versuchte noch etwas (1. Könige 12, 18; NL):

18 Der König schickte Adoram, den Aufseher der Fronarbeiter, doch er wurde von den Israeliten zu Tode gesteinigt. Und König Rehabeam sprang auf seinen Streitwagen und floh nach Jerusalem.

Tja, was soll man davon halten? Israel hat ja auch nicht Gott gefragt. Die haben sich eher davon leiten lassen, was für sie herauszuholen war.

Schauen wir uns noch den Schluss an:

19 Bis heute weigern sich die nördlichen Stämme Israels, einen Nachkommen Davids als König anzuerkennen. 20 Als die Israeliten erfuhren, dass Jerobeam zurückgekehrt war, ließen sie ihn holen, beriefen eine Versammlung ein und machten ihn zum König über ganz Israel. Einzig und allein der Stamm Juda hielt dem Königshaus Davids die Treue.

21 Als Rehabeam in Jerusalem eintraf, versammelte er die Heere von Juda und Benjamin, 180.000 ausgewählte Männer. Sie sollten gegen Israel kämpfen und ihm die Königsherrschaft zurückgewinnen. 22 Doch Gott sprach zu Schemaja, dem Mann Gottes: 23 »Sage Rehabeam, dem Sohn Salomos und König von Juda, und dem ganzen Volk von Juda und Benjamin und dem übrigen Volk: 24 `So spricht der Herr: Zieht nicht hinauf und kämpft nicht gegen eure Verwandten, die Israeliten. Geht wieder nach Hause, denn was geschehen ist, war mein Wille!´« Und sie gehorchten der Botschaft des Herrn und gingen nach Hause, wie er es ihnen befohlen hatte.

Letztendlich hat Gott seinen Willen umgesetzt, ohne dass die Beteiligten danach gefragt hatten.

Das kommt auch oft genug vor, allerdings sollten wir uns nicht anmaßen, Ereignisse freimütig so zu deuten. Hin- und wieder lüftet Gott einmal den Vorhang, so dass wir ab und zu einmal erkennen dürfen, warum etwas passiert ist. Aber meistens wissen wir es nicht.

Zusammenfassung

Ich komme zum Schluss und möchte noch einmal aufführen, was mir aus dem Text wichtig geworden ist.